Sonntag, 12. Mai 2019

Altstraßen im und am Harz


heutige Infrastruktur
Ende April 2019 fand im Museum Tabakspeicher Nordhausen ein Kolloquium zu Altstraßen in Nordthüringen und dem Harz statt. Ehrenamtliche Denkmalpfleger und der Thüringer Heimatbund präsentierten die neuesten Ergebnisse bei der Erforschung der Pfade unserer Vorfahren. Die waren nämlich ganz woanders unterwegs als wir heute. Für Phantasiebegabte eine abenteuerliche Reise in unsere Vergangenheit. So begrenzte sich der Zulauf auf ein Häuflein verwegener Enthusiasten, die sich den noch nicht von der Zivilisation verschlungenen Bodendenkmalen widmen. Diese geben nämlich nicht nur Aufschluss über unser Herkommen, sondern auch über die Beziehungen damals zueinander. 
Nordhausen am Harz
Eine Binsenweisheit, die aber kaum einen Wissenschaftler zu interessieren scheint, obwohl die allermeisten Völkerwanderungen der Frühzeit noch im Dunkeln liegen. Die Teilnehmer der Runde hier aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen - allessamt Insider - lobten zwar die vorbildliche Arbeit der ehrenamtlichen Organisatoren und Referenten. Doch das zeigt nur die halbe Wahrheit.

Mit Altwegerelikten beschäftigen sich meist nur Hobbyforscher, oft kleine lokale Gruppen, in der Mehrzahl Einzelkämpfer, die ihre heimatlichen Wälder durchstreifen. Sie vermessen, kartographieren, beschreiben diese inzwischen seit Jahrzehnten - leider ohne Koordinierung und Sammlung. So entsteht ein zusammenhangsloser Flickendeppich, der sich wieder und wieder mit den bekannten Highlights beschäftigt, um anschließend in irgendwelchen Kommoden oder auf Festplatten zu vergammeln.
Spannender Harz
Daran ändern auch die neuen Methoden luftgestützter Radar- und Laservermessungen nichts. Das inzwischen den ganzen Kontinent erfassende und teure LIDAR- System (Light detection and ranging) lässt detaillierte Oberflächenkarten ohne sichtbehindernde Wälder und Häuser entstehen. Darin sind die altwegebegleitenden Hohlwege und Versorgungsburgen sogar übersichtlicher als vor Ort zu erkennen. Junge Archäologen müssten also gar nicht mehr ins Gelände - allein: niemand stellt zwischen ihnen eine Verbindung her oder untersucht bisher unbekannte Stränge. Archäologie bleibt eben Ländersache! Das immer wieder beschworene Altwegesystem in Europa - ein Mythos. Dessen waren sich in Nordhausen alle Ehrenamtlichen bewusst. Ihre gegenteiligen Versuche blieben bisher immer bei den Ämtern im Sand stecken.
Theoretischer Harzkamm
 

So versuchen sie wenigstens Schwerpunkte zu setzen: Nachdem Südthüringen jahrelang im Fokus ihrer Bemühungen stand, nun der Harz und sein Umfeld. Geostrategisch scheinen Harz und Thüringer Wald das blanke Gegenteil. Am Rennsteig empfiehlt sich der 160 Kilometer lange Kammweg, eingebunden in das Höhenzügenetz der deutschen Mittelgebirge. Auch auf den Wegen von Nord nach Süd war man gezwungen, es irgendwo zu über queren. Der Harz hingegen: ein scheinbar vor dem Mittelalter menschenleeres Haufengebirge, das zudem leicht umfahren werden konnte. Doch der Schein trügt. Analysiert man die wasserscheidenenden Höhenrücken, entsteht das gleiche Zwangswege-System einer Wasserscheide wie am Rennsteig (Siehe Google-Maps-Karte):
Altwege in und um den Harz bei Google-Maps
Es zeigt sich eine natürliche, bequeme und sichere Ost-West-Trasse von der sich dutzende Bergrücken in die Ebenen nach Norden und Süden ziehen. Da der äußerste Westen total mit Tälern durchfurcht ist, musste der Einstieg zum Kammweg bei Goslar entstehen. Von dort zog er nun bis in die Nähe von Eisleben im Osten. Von diesem System konnte nun, wie in anderen Gebirgen auch, Teilstücke je nach Bedarf genutzt werden. Natürlich mit vielen Varianten und Abkürzungen!
Damit kann dieses Wasserscheidenprinzip, neben Hohlwegen und Urkunden, als sicherstes Indiz für die bis ins 19. Jahrhundert hinein unbefestigten Wege im Gebirge herhalten. Das Äquivalent in der Ebene wären Wege auf Höhenrücken zwischen Quellen und Sümpfen hindurch. Flussquerungen gab es nur im Notfall. An solchen Furten entstanden dann meist wichtige Siedlungsknoten. In dieses zunächst hypothetische System passen plötzlich nicht nur die vielen Furchen, hinweisenden Flur- und Ortsnamen, Kreuze, Wegesteine und Geländedeformationen von ehemaligen Sicherungsstationen, sondern auch die historisch belegten Bewegungen von Heerführern, Händlern, Bergarbeitern selbst Hirten. Natürlich alles ausgerichtet nach wirtschaftlichen oder militärischen Interessen.  
Gleiche Ansicht mit anderer Basiskarte
Maik Hauf aus Harzgerode und Udo Münnich aus Pansfelde stellten in dem Kolloquium einige Altwege im Harz vor. Sie sind davon überzeugt, dass Viehhaltung und Bergbau schon immer die Menschen in das Mittelgebirge gelockt haben müssen. Aus ihren Ausführungen und anderen Quellen entstand die o.g. Google-Maps-Karte. Sie versucht, die Stränge so exakt wie möglich nachzuvollziehen. Darin bedeuten:

  • dicke rote Linie: fiktiver Harzkamm mit Wegeteilstücken
  • dünne rote Linie: andere bekannte und vermutete Altstraßen, den Harz tangierend
  • lila Linien: vom Kamm abgehende Bergrücken, die wahrscheinlich als Altwege genutzt wurden
  • hellblaue Linie: Altstraßen nach beurkundeten Orten
  • Kreis-Button: untersuchte neolithische Siedlungen, meist Kreisgrabenanlagen
  • Berg-Butten: nachgewiesene und vermutete spätbronzezeitliche und früheisenzeitliche Siedlungen
  • Burg-Button: Befestigungen ab dem Frühmittelalter, auch wenn da anfangs noch nicht mit Stein gebaut wurde
  • gelbe Stecknadel: weitere auf Altwege hinweisende Relikte, wie Hohlwege, Flurnamen und historische Ereignisse


Es entstand ein Wegenetz völlig außerhalb unserer heutigen Infrastruktur. Der Harz wird dabei von bedeutenden Altstraßen regelrecht eingerahmt. Dazu zählen genau untersuchte, wie die Kupferstraße, mit der Bernd Bahn 1965 den Anstoß für die Altwegeforschung in Mitteldeutschland gab. Außerdem finden sich da viel zitierte, aber lückenhaft klassifizierte, wie die Heidenstraße von Köln nach Leipzig oder die Eggewege, von Osnabrück nach Magdeburg.
Wege gab es, seit es Wagen gab
Es erscheinen aber auch Trassen, die vollkommen vergessen wurden, wie die von der Nordsee nach Donauwörth und weiter (Siehe unten!). Innerhalb dieses Karrees wimmelt es nur so von beurkundeten und zwangsführenden Wegen.
Trotz ständiger Überbauung ermöglichen sie uns manchen interessanten Rückschluss. Beispielsweise lassen sich die bekannten Altstraßenteilstücke im Ohmgebirge leicht miteinander verbinden. Auch die berühmten Fürstenwege im Kyffhäuser finden im Westen Anschluss. Der Fastweg oberhalb des Sösestausees muss dem Fastweg südlich von Hattdorf entsprechen usw. Neben den bekannten Relikten des Harzes sind in der Karte nur solche Flurnamen besonders hervorgehoben, die anderenorts im Zusammenhang mit bestätigten Höhensiedlungen oder frühzeitlichen Wegen stehen. Auch im Harz sind solche Ableitungen zu vermuten. Deutlich wird ebenfalls, wie sich die Flurnamen außerhalb dieses Netzes stark verändern, was auf ihre jeweilige zeitliche Nutzung hinweist. Die an den Wegen müssen sie viel älter sein.
Heinrich I. mit Gemahlin
Hervorzuheben wären zunächst die großen Trassen aus dem Mittelalter. Dazu zählt der Kaiserweg zwischen den Pfalzen Goslar und Tylleda, seit 744 durch den Heerzug des fränkischen Hausmeiers Pipin belegt. Besonders ab dem 10. Jahrhundert scheint es mit Heinrich I. als sächsischer Herzog und König des Ostfrankenreiches auf dem Kaiserweg hoch hergegangen zu sein. Davon zeugen die kleinen noch heute sichtbaren Wallanlagen entlang seines Verlaufs. Schon damals deuten sich mehrere Varianten der Wegeführung an. Ihre Sicherungsburgen damals untersucht Martin Freudenreich vom Landesamt für Denkmalpflege in Halle. Er sieht Verbindungen bis zu den mittelalterlichen Salzstraßen nach Böhmen und Brandenburg.
Eine weitere mittelalterliche Straße durch den Harz ist die sog. Via Romea, die der Abt Albert von Stade im Jahre 1236 von seiner Pilgerreise aus Rom kommend beschreibt. Mit dem Verlauf Ebeleben, Nordhausen, Hasselfelde, Wernigerode und Hornburg wird er sich aber bereits auf heutigen Trassen zwischen den Dörfern bewegt haben. Die bedeutendste Verbindung im Spätmittelalter scheint die Alte Leipziger Straße von Kassel herrührend gewesen sein. Sie lässt sich in unserer Karte übrigens mühelos mit der Hohen Straße und dem Fastweg im Westen verbinden. Zu nennen wären aber auch Deit- und Eggewege, mehrere Heer-, Wein-, Wäng-, und Wagenstraßen. Genau kennt sie alle Pierre Fütterer von der Uni in Magdeburg, der sie für seine Dissertation gesammelt hat. Er ist mit Martin Freudenreich einer der wenigen jungen Wissenschaftler, die sich für das Thema interessieren.
Die Kupferstraße von Bernd Bahn
Bei manchen dieser Hochstraßen wurde die Herkunft aus der Bronzezeit nachgewiesen, wie der Heidenstraße und der Kupferstraße. Das belegen die Funde entlang ihres Verlaufes. Auch die vollkommen vergessene Trasse - Stade-Rennsteig (Alfeld) - Rennstieg (Hainich) - Rennsteig (Thüringer Wald) - Rennweg (Hassberge) und weiter bis Rom könnte nach den begleitenden Flurnamen und Altbefestigungen aus der Frühzeit stammen. Älter jedenfalls als die Wegbeschreibungen unseres Alfred von Stade!
Die Anfänge müssen nicht nur bei der Kaiserstraße mindestens bis ins Frühmittelalter von 500 bis 1000 unserer Zeit zurückreichen, beginnend mit den fränkischen Eroberungen von Thüringen und Sachsen. Die vielen „Pfaffenwege“, Petersberge, Steinkreuze, Zell-, Hexen- und Teufelsplätze deuten auf einen Zusammenhang mit der Christianisierung hin. Insbesondere die Sachsenkriege Karl des Großen könnten auch den Harz erreicht heben (Karlsrode, Karlshöhe, Karlsberg). Selbst die Römer scheinen Bekanntschaft mit den Bewegungslinien der Germanen gemacht zu haben, das jedenfalls legt die Schlacht am Harzhorn 235 n. Chr. nahe.
Doch mit Sicherheit sind die Wege in und um den Harz noch viel älter: Markus Wehmer aus Einbeck hat ein Stück der Alten Leipziger Straße in der Goldenen Aue bei Windehausen ausgegraben.
Kontinentalweg, den Harz tangierend
Er fand eine breite Trasse aus dem 16. bis ins 19. Jahrhundert, unbefestigt, aber immerhin schon mit Straßengraben, dem ältesten überhaupt. Die Chaussee war jedoch das jüngste, was bei den Grabungen zum Vorschein kam. Es fanden sich nämlich auch Siedlungen der ersten Bauern um 5350 v. Chr., solche aus der Bronzezeit ab 2200 v. Chr. bis in die frühe Eisenzeit um 600 v. Chr., dazu ein Wagengrab mit noch angeschirrten Rindern von 3100 v. Chr. Das alles zeugt von einer durchgehenden Umtriebigkeit. Übrigens im gesamten Gebiet rund um den Harz, beispielsweise mit der spätneolithischen Pipinsburg bei Osterode oder der spätbronzezeitlichen Hünenburg bei Watenstedt.

Und der Harz selbst? Keine Dolmen, keinen Hügelgräber, keine Ringgrabenstrukturen, keine Terrassenberge! Sonst die sichersten begleitenden Belege für die Vorgänger von Altstraßen, nennen wir sie Urwege. Doch die Experten auf der Tagung in Nordhausen waren sich einig: Obwohl es kaum archäologische Funde gibt, muss auch dieses Mittelgebirge seit der Frühzeit besiedelt gewesen sein. Der Autor Michael Köhler, aus Jena sieht Hochweidebetrieb der Schnurkeramiker, andere frühesten Bergbau.
Es sind vor allem die Flurnamen in den Bergen, die eine voreisenzeitliche Bewegung plausibel erscheinen lässt. Denn als die Germanen ab vielleicht 300 v. Chr. in die Region einwanderten, könnten sie die Orte nach Absonderlichkeiten und Mutmaßungen ihrer vormaligen Nutzung bezeichnet haben: Festenburg, Todtemannberg, Huneberg, Schlosskopf, Kronsberg, Stierberg, Heidenstieg, Alte Burg usw. Solche Namen finden sich nicht nur im Thüringer Wald, sondern auch im gesamten deutschsprachigen Süden. Dort führen sie sehr oft zu ausgegrabenen oder mutmaßlichen Altsiedlungen und keltischen Wallanlagen. Das trifft besonders auch auf fremdklingende oder irreführende Bezeichnungen in Höhenlagen zu, wie bei Katzenstein, Hunderücken, Kaltetal. In Süddeutschland ist das zwar alles intensiver, aber der Zusammenhang scheint unverkennbar! Zumindest deuten sich landwirtschaftliche Stufenstrukturen auch in Clausthal-Zellerfeld, Hohengeiss, Braunlage, sowie an Hoher und Kleiner Äbtissin an.
Christlich überbaute heidnische Kultplätz
Das trifft auch auf die Gewohnheit während der Christianisierung zu, vermeintlich heidnische Kultplätze der Altvorderen mit Kapellen und Kreuzen zu überbauen: Zellerfeld, Kapellenfleck, Kirchberg etc. Letztlich empfehlen sich - wie anderen Orts auch - mehrere Felsplateaus auf der Höhe als prähistorische Wegesicherung. Das trifft besonders auf den alles beherrschenden Wegeknoten östlich von Topfhaus zu. Die fehlenden Grabhügel könnten darauf hinweisen, dass zwischen 1600 und 1200 v. Chr. niemand zugange war. Doch wie nördlich der Alpen auch, müssen die meisten wasserscheidenden Urwege bereits im Mittelalter ihren Sinn verloren haben.
Natürlich ist das alles hypothetisch, können nur Grabungen einen Nachweis bringen. Aber es gibt ja die Vergleichende Archäologie und die Wahrscheinlichkeitstheorie. Und da sind wir bei den handfesten Belegen. So finden sich zunächst an den Pässen, neben den zahlreichen Steinkreuzen auch scheinbar geschliffene Großsteine, die anderen Orts gerne als Wegmarkierungen durch Menhire gedeutet werden.
Wurmberg bei Braunlage
Und dann gibt es diesen sagenumwobenen Wurmberg genau in der Mitte von Gebirge und Kammweg. Der zweithöchste Berg im Harz bei Braunlage ist mit Felsbrocken scheinbar chaotisch übersät und heute touristisch vollkommen überbaut. Trotzdem weist eine Hinweistafel auf vielerlei Rätsel um seine Geschichte hin. Aus den Geröllhaufen schälen sich nämlich eine „Heidentreppe“ aus unbehauenen Bruchsteinen, eine Terrasse mit Trockenmauern, kreisrunde Steinwälle und -haufen, ein quadratisches Fundament und ein großer ovaler Steinwall auf dem westlichen Plateau. Obwohl ein Archäologe bereits 1956 hier eine prähistorische Kultstätte konstatierte, neigt die Wissenschaft heute eher dazu, alles den Machenschaften eines Oberförsters Daubert von 1825 zuzuschreiben. Das aber sehen einige Forscher anders. Z.B. wird das Steinquadrat auch als Kapellenfundament interpretiert, die Absätze auf halber Höhe als Stufenfelder und mehrere Großsteine als Opferstöcke.
Typischer Hohlweg
Der Gleichklang von archäologischen Ergebnissen, Flurnamen, Altwegen, Sagen und strategischer Lage ist doch ziemlich typisch in der Forschungsgeschichte bei Siedlungsfunden. Dass die Ausgräber keine datierungsfähigen Fragmente finden konnten, könnte auf megalithische Zeitstellungen hindeuten, wie sie zwischen 4000-2600 v. Chr. nicht nur um den Harz und an seinen Rändern massenhaft gebaut wurden. Was natürlich noch nicht die Frage klärt, warum sich Menschen in so unwirtlichen Höhen nieder ließen. Unbenommen der Tatsache, dass das Klima damals zumindest partiell viel besser gewesen sein soll, muss die Antwort auf diese Frage wahrscheinlich in den Altwegen, bzw. deren Vorgängern gesucht werden. So hieß der Kaiserweg teilweise früher Heidenstieg. Der Wurmberg überblickt den gesamten Harz, außer nach Norden zum Brocken hin. Dort könnte die Situation mit Teufelskanzel und Hexenaltar ähnlich sein und die Ursprünge des Hexenkultes im Harz erklären. So wie die heidnischen „Herschekloße“ in Südthüringen! Doch das sind Spekulationen. 
Woher stammt der Hexenkult im Harz?
 

Also müssen die Heimatforscher hier weitermachen. Das Kammdreieck in Hohegeiss interpretiert Hans-Joachim Grönke aus Nordhausen als wichtigen Altwege-Knoten ähnlich wie Oberhof am Thüringer Rennsteig. Die Höhe um die heutige Kirche wird mit tiefen Hohlwegen und Terrassen regelrecht eingekreist. Die Situation entspricht gleichen Strukturen anderen Orts, wo spätbronzezeitliche oder früheisenzeitliche Artefakte und Befestigungsanlagen gefunden wurden. Ohne mich am Streit über den Namen Geiss zu beteiligen: Geisberge gibt es Dutzende in Deutschland und viele davon verweisen auf Höhenwege. Udo Münnich aus Pansfelde versucht außerdem das Alter der Wege anhand der Spurweite von Karren und Wagen zu ermitteln (Mittelalter: 85-110 cm, Neuzeit 120-150, Bergbauweg 85, Reitwege 40-50 cm). Die maximale Neigung gibt er bei Karren mit 10 und bei Reitern mit 25 Grad an. Das Tagespensum von Ochsen erkennt er mit 10-20 Kilometer, Pferden 30-50, eilige bis zu 100. Dazwischen aber mussten immer ein Lager, eine Versorgungssiedlung oder eine Sicherungsstation gelegen haben, befestigt selbstverständlich. Das ist in der Karte über den gesamten Kammweg hypothetisch auch nachvollziehbar. Es sind wieder die gleichlautenden Flurnamen, die besonders in Süddeutschland sehr oft zu ausgegrabenen oder verdächtigen Siedlungsplätzen führen. Wer genau hinschaut, entdeckt sie selbst im Westen des Harzes zwischen Clausthal-Zellerfeld und Windhausen, vermutlich fränkisch belegt.
Frühmittelalterliche Burg - heute nur noch
durch Wälle und Gräben erkennbar
Doch all das ersetzt natürlich keine archäologischen Grabungen. Die aber sind begrenzt. Jeder Heimatforscher, der sich ausschließlich auf Urkundenbelege beschränkt, bleibt aber im Mittelalter befangen. Andersherum halten sich auch hartnäckig Mythen, wie um die latenèzeitlichen "Fliehburgen", dem Mittelalter zugerechnete Terrassenfelder oder die massenhaft vorkommenden „Galgenberge“, deren offizielle Erklärungen viele Altwegeforscher nicht überzeugen können.

Fazit: Die Altwege-Runde kam überein, dass man selbst in der Frühzeit über den Harz immer noch schneller gewesen sein muss, als Drumherum. Das Seminar in Nordhausenn - für die engagierten Waldläufer sicher ein Genuss - zeigte aber auch die Mängel auf, die sich durch teils unkoordinierte Arbeitsweise zwischen den Ländern in der Archäologie ergeben. Und man hat noch viel zu tun: Besonders der Osten des Harzkammweges zeigt sich bisher wenig erforscht. Er scheint nach den Flurnamen sogar älter als der Kaiserweg gewesen zu sein, nicht aber so lange genutzt. Übrigens: So dicht wie der Harz historisch besetzt war, so sieht es in ganz Europa aus.
Die Höhenwege auf unserem Kontinent können also mehr hergeben, als Trimm-Dich-Pfade, Spaß-Strecken oder Pflanzenschulen. Was eine archäologisch aufbereitete Altstraße bewirken kann, zeigen der Keltenerlebnisweg in Franken, die Hohe Straße in Thüringen und der Kaiserweg im Harz.
Nun mag das den meisten Menschen völlig egal zu sein. Was aber passiert, wenn man sich nicht systematisch erinnert, führen uns die Zerstörungen des letzten Krieges in Nordhausen vor Augen.

Freitag, 26. April 2019

Der Ortesweg - Prähistorische Kammstraße per pedes und Rad


Ortesweg mit prähistorischen Relikten
Wiedermal eine selbst abgefahrene Altstraße, wiedermal habe ich versucht, ihren urzeitlichen Verlauf exakt nachzuvollziehen (Siehe Meine Karten bei Google Earth), wiedermal ist ein Zwangsverlauf über Höhenrücken mit wenigen Furten heraus gekommen. Dabei gehört der Ortesweg von Marburg nach Bamberg zu den wenigen mittelalterlichen Straßen, denen selbst anerkannte Historiker ein viel höheres Alter zugestehen.
Das macht durchaus Sinn, denn der Handel zwischen den frühen Siedlern im Hessischen Bergland, in der Rhön, im Grabfeld und in Oberfranken ist ja archäologisch nachgewiesen. Der Ortesweg könnte den Völkerwanderungen in der Frühzeit gedient haben, noch während der fränkischen Invasion in Thüringen und Bayern, sicher aber während der Christianisierung vom Kloster Fulda aus. Urkundlich ist so eine mittelalterliche Heer- und Handelsstraße über uns gekommen, die das Marburger Land und den Osten des Römischen Reiches Deutscher Nation miteinander verbunden hat.
Der Ortesweg führt knapp an Südthüringen vorbei
Das Problem nur: Wiedermal gehen aus diesen Schriftstücken nur die durchzogenen Ortschaften hervor, wiedermal haben alle Altstraßenforscher diese nur theoretisch verknüpft, wiedermal scheint niemand im Gelände unterwegs gewesen zu sein. Wenn man sich aber sämtliche neuzeitliche und mittelalterliche Infrastruktur auf dieser Trasse wegdenkt, bleiben nur Hügelgräber, Hohlwege längs der Wasserscheiden, bekannte oder vergessene Höhenbefestigungen, siedlungsferne Schanzen und Terrassen sowie beziehungsvolle Flurnamen übrig, die die ersten Germanen den Relikten ihrer Vorgänger gegeben haben müssen.
Wie man so etwas erkundet, habe ich mehrfach in diesem Block beschrieben. Ich kann mich also auf den Verlauf konzentrieren. 
Legende:

·         rote Linien: Ortesweg -dick - im Netz bekannter prähistorischer Höhenwege

·         lila Linien: noch nicht vollständig recherchierte Altstraßen

·         Blaue Ringe: strategisch angelegte urzeitliche Befestigungen

·         3 blaue Punkte: frühzeitliche Relikte, die mit dem Weg in Verbindung stehen könnten

·         Blaue Burg: Mittelalterliche Befestigungen, die wahrscheinlich auf vorzeitlichen Höhensiedlungen stehen

·         Rote Burg: bedeutende bronze- und früheisenzeitliche Höhensiedlungen

·         3 lila Punkte: beurkundete Durchzugsorte 

·         3 rote Punkte: Ortesweg direkt benannt
Diese farbliche Unterscheidung ist deshalb notwendig, weil ich mich hier auf den prähistorischen Verlauf konzentrieren möchte. Und wir werden sehen: die Differenz zum mittelalterlichen Weg ist besonders dort gegeben, wo breite Hochflächen viele Alternativen anbieten. 
In der Geländeansicht ist ein besserer Abgleich möglich

Bei den Flurnamen habe ich ausschließlich solche verwendet, die gleichlautend anderen Orts entsprechende archäologische Funde hervor brachten.
Start also in Marburg, das ja seit der Steinzeit über alle sesshaften Kulturen hinweg besiedelt war. Bekannt sind Hügelgräber um 1500 v.Chr., ein frühbronzezeitliches Grab und die Wallanlage Schanzenkopf aus dem Frühmittelalter. Unbeachtet, aber mit typisch urzeitlichen Bezug sind Flurnamen wie Ortenberg, Hohenstein, Weimar, Ringmauer, Dommels(Dom)berg, Kirchspitze und Wein(Weg)berg. Ausdrücklich möchte ich auf die Terrassen an Hasenkopf, über Cappel und am Richtsberg hinweisen, wie sie viele untersuchte keltische Siedlungen umschließen.
In der Karte fällt sofort auf, dass der mutmaßliche mittelalterliche Weg (lila) in jedem Fall eine ständiges Auf und Ab der Strecke bedeuten würde, sowie die Nutzung der in der Frühzeit noch versumpften Täler. Das ist erst ab den fränkischen Siedlern um 600 herum logisch, deren Dörfer ja angefahren werden mussten. Kürzer, kräftesparender, sicherer ging es für die alten Fernreisenden über die wasserscheidenden Höhenwege. Das ist meine eingezeichnete Trasse.
Zwischen Vogelberg und Fulda sind zwei Trassen plausibel. Ich bin beide abgefahren. Sie ähneln sich hinsichtlich Länge, Höhendifferenz und Konzentration der urzeitlichen Artefakte. Fulda könnte ebenfalls aus einer alten Furt dort hervor gegangen zu sein. Typisch auf jeden Fall die beidseitige Absicherung des Flussübergangs mit den Wallanlagen auf Steinberg und Rauschenberg. 
Mittelalterliche Altstraße =
bronzezeitlicher Urwege?
An der Milseburg bin ich mir nicht sicher. Natürlich musste das Kelten-Oppida angefahren worden sein, aber die „trockene“ Höhenstrecke verläuft über die Schanze auf dem Stellberg.Die nächste Ballung strategischer Anlagen findet sich dann um Bad Neustadt an der fränkischen Saale. Die meisten Forscher präferieren den dortigen Veitsberg als die legendäre Königspfalz Salz. Wer die mickrigen Ausgrabungsergebnisse da oben kennt, weiß, dass hier niemals ein herrschaftliches Gefolge untergekommen wäre. Dazu der Umweg! Ich vermute die frühmittelalterliche Holzbefestigung direkt über Salz auf der Luipoldhöhe. Trotz der Überbauung mit einem typischen Höhensportplatz (ebene Fläche) sind die Abschnittswälle noch deutlich zu erkennen. Im Hochmittelalter muss der Ortesweg natürlich die Salzburg nebenan tangiert haben.
Der Rennweg dann in den Haßbergen ist ja als Keltenerlebnisweg ausgiebig erforscht. Auch Bamberg glänzt mit entsprechenden Funden, besonders seinen urzeitlichen Götzen.
Bronzezeitliches Marburg am Anfang des Ortesweges
Hallstadt, dessen Namensvetter in den Alpen der vorkeltischen Kultur ihren Namen gegeben hat, muss sicher nicht hervorgehoben werden. Es gibt dort am Zusammenfluss von Main und Regnitz aber eine völlig vergessene Wallanalage: Der Vieretsknock ist nicht nur größer und sicherer als alle bekannten befestigten Siedlungen im Umkreis, er verfügt auch mit dem Kreuzberg über einen noch heute - natürlich christlichen - genutzten Kultplatz. Sogar die mutmaßliche Prozessionsstraße zwischen beiden ist noch zu erkennen.   

Natürlich muss auch der Ortesweg in der Gesamtheit der europäischen Altstaßen gesehen werden. In der Karte sind wichtige Schnittstellen mit anderen Urwegen eingezeichnet. Seine strategische Ausrichtung von Nordwest nach Südost macht in der Frühzeit nur Sinn, wenn man den Ärmelkanal und den Orient im Blick hat. Wie wir wissen, sind ja keltische Volcae auch in Anatolien aufgetaucht. Der Ortesweg lag zwar außerhalb des römischen Straßennetzes, aber Karl der Große hat ja mit seiner Fossa Carolina einen Schifffahrtsweg von der Nordsee bis ins Schwarze Meer verfolgt.
Handelsknoten Bamberg am Ende des Ortesweges
Um den alten Kanal zu graben, musste man erst mal dorthin kommen. Es ist also notwendig, seine Fortführung an den Enden zu betrachten. Marburg stellt einen wichtigen Altstraßen-Knotenpunkt dar. Von hier führte auch die Brabanter Straße seit Urzeiten nach Köln und Lüttich. Bamberg hatte über den östlichen Keltenweg in Franken Anschluss an die Donauebene, Wien und damit Konstantinopel.
Doch begnügen wir uns mit dem Ortesweg. 233 km quer durch Deutschland, weitab vom Massentourismus? Ein Ochsengespann der frühen Bauern hätte von Marburg nach Bamberg 12 Tage gebraucht. Mit dem Fahrrad schaffte ich die Strecke in einer Woche und hatte noch Zeit für Besichtigung der eingetragenen Denkmale aus schriftloser Zeit. Für Geschichtsinteressierte über das Mittelalter hinaus ist das kaum zu toppen. Viel Spaß!

Sonntag, 21. April 2019

Schloss Kühndorf (von C. A.)


Das Schloss ist eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Ortschaft Kühndorf. Es wurde zwischen 1290 und 1315 erbaut. Die Herren von Kühndorf waren es, ein Rittergeschlecht mit hohem Ansehen, die in der Burg lebten und Vasallen der Grafen von Henneberg waren. Der letzte dieses Stammes, Otto von Kühndorf, verkaufte 1316 die Burg samt Nebengelass und den umfangreichen Grundbesitz, an den Johanniterorden, der die Burg weiter ausbaute und zum Sitz einer Komturei (Verwaltungsbezirk) machte. Kühndorf war neben Schleusingen eine der 7 Niederlassungen des Johanniterordens in Franken. Es waren vor allem die Beziehungen der Johanniter zu den Grafen von Henneberg, aus deren Familien mehrere führende Ordensleute stammten, dass der Orden südlich des Thüringer Waldes am Ausgang des 13. Jhd. Fuß fassen konnte. 1290/91 erfolgte die Gründung der Komturei Schleusingen, wenig später um 1316 Kühndorf. Heute ist das Schloss die einzige erhaltene Johanniter Ordensburg, die in Mitteldeutschland steht. Die Henneberger Grafen, Förderer des Johanniter–Ordens, ließen u.a. auch die Burg von 1435 bis 1449 weiter ausbauen.

Mit der Reformation, die in der Grafschaft Henneberg – Schleusingen 1545 durchgeführt wurde, begann für den Orden und dessen Komtureien im deutschsprachigen Raum ein Überlebenskampf. Für die Landesfürsten, die sich der Reformation anschlossen, war die Gelegenheit günstig, sich den Besitz des Ordens anzueignen. Viele der Kommenden kamen in fürstliche Verwaltung und wurden staatliche Domänen, andere wurden von den Fürsten verpachtet. Den Brüdern des Ordens blieb es überlassen, ob sie sich der Lutherischen Lehre anschließen oder beim Katholischen Glauben verbleiben wollten. Das deutsche Großpriorat trat schließlich geschlossen zum Protestantismus über, aus dem später der evangelische Johanniterorden hervorgegangen ist.
Das Ordensschloss der Johanniter in Kühndorf mit seinen umfangreichen Besitzungen kam in die Hände der Grafen von Henneberg -Schleusingen, die 1583 hier ein neugeschaffenes Amt Kühndorf einrichteten, das auch unter der sächsischen Verwaltung bis 1815 bestand. Das Schloss war Sitz der Amtsverwaltung und des Amtsgerichts. Hier fanden unter anderem auch die im Amt Kühndorf geführten Hexenprozesse statt. Am 28. Juni 1660 wurde eine Utendorfer Frau als letzte Hexe verbrannt und ihre Asche am Dolmar in alle Winde zerstreut. Im Kühndorfer Schloss hatte man sie vorher grausam gefoltert und nach ihrem Geständnis den Prozess gemacht.
Unter Preußen wurden dann 1816 die Ämter Schleusingen, Suhl, Kühndorf und Benshausen zum preußischen Kreis Schleusingen zusammengeschlossen. Die Ländereien der früheren Johanniter wurden eine staatliche Domäne, deren Verwaltung im Schloss untergebracht war. 1902 begann man die Ländereien an Bauern der umliegenden Dörfer zu verkaufen. Auch das Schloss wurde an den Rittmeister Sigmund aus Berlin und Johann Michael Keßler für 3000 Goldmark verkauft. 1920 erwarb Herr Dr. Treubel aus Jena das Schloss.
Er sammelte alte Waffen und Möbel und richtete neben einer kompletten Wohnung ein Museum ein. Im ersten Stockwerk des Südflügels wurde eine Gaststätte betrieben. Bei diesen Umbauten wurden auch viele bedeutsame Veränderungen an der Burg vorgenommen.
Ab 1945 war die Gemeinde Kühndorf Rechtsträger des Schlosses. Ins Dorf kamen damals auch viele Umsiedler aus den Ostgebieten. Allein 25 Familien waren über Jahre im Schloss untergebracht. Ab 1968 begann der örtliche Kulturbund mit der Renovierung des Schlosses. Es entstanden eine Küche und ein Kulturraum. Beide sind auch für die Schulspeisung genutzt worden.
Nach der Wende im August 1990 begann man mit Unterstützung der Denkmalpflege das gesamte Dach zu erneuern, aber schon am 16.12.1991 verkaufte die Gemeinde das Schloss, so dass es jetzt in Privatbesitz ist. Die neuen Besitzer nutzen die ehemalige Johanniter- Ordensburg als Wohngebäude, stellen aber die Schlossanlage und auch bestimmte Räumlichkeiten als Museum und Kulturzentrum sowie als Touristenattraktion zur Verfügung.

Quelle: Henneberger Heimatblätter
Veröffentlichungen im FW
Für weitere Informationen zur aktuellen Öffentlichkeitsarbeit siehe: johanniterburg.de

Mittwoch, 27. März 2019

Flur- und Ortsnamen im archäologischen und geografischen Vergleich


"Leitenweg" zum "Schwarzensee ohne Abhang
Dieser Artikel will unbekannte oder irreführende Flur- und Ortsnamen untersuchen, die überdurchschnittlich häufig im deutschsprachigen Raum vorkommen, übersetzt sogar in ganz Europa. Wer aber braucht so etwas? Die meisten Bezeichnungen aus unserer Umgebung lassen ja sich durch altgermanische Vergleiche herleiten: Vielleicht 1000 Leiten „leiten“ z.B. Altstraßen hinauf oder entlang von Höhenwegen. Das aber erkennt wegen der Deutungshoheit von Wikipedia kaum jemand an, man definiert sie als Abhang, die Keltenforscher sogar als einen, der nach Süden zeigt. Dass Leiten prinzipiell an alten Höhenwegen liegen und von Hohlwegen begleitet werden, zählt einfach nicht. Dabei sagen Dutzende Leiten-Namen aus, wo geleitet wurde (Hainleite, Hohenleite, Kammleiten), wann zu leiten war (Winter-, Sommerleite) und wer geleitet wurde (Königsleiten, Grafenleite, Pfaffenleite, Herrenleite). Trotzdem wird ein klares deutsches Wort bis zur Unkenntlichkeit verbrämt, urzeitliche Wege geraten in Vergessenheit. Es ist also kompliziert!
Viele Flurnamen müssen älter sein als das Mittelalter
Beginnen wir mit einer Abgrenzung: Es soll hier nicht um bekannte Zusätze wie -dorf, -höhe-, -städt oder heim- gehen. Auch nicht um die vielen Begriffe, die heute nicht mehr modern sind, wie -werder, -bühl, oder -haug. Selbst hundertmal -hardt oder -trift können Anstiegen an Altstraßen zugeordnet werden. Man muss nur recherchieren. Auch die unzähligen Berge mit Namen christlicher Heiliger, wie Apostel, Seeligen-, Peters-, Kilian-, Michel-, Veit-, Cyriak oder Ottilie bleiben außen vor. Selbst wenn solche Orte immer viel länger besiedelt gewesen sein müssen, als der christliche Bezug es vermuten lässt - die Vereinnahmung heidnischer Kultplätze ab 800 etwa ist ja belegt. In diese Kategorie fallenden auch mutmaßliche urzeitliche Kultplätze wie Loh, Hain, Ehren, Dom, Öl oder Hege, Haag, Weiße-, auch Hölle, Hexe oder Teufel. Selbst die unzähligen Hügel mit Schloss-, Wache-, Warte-, Herren- oder Wall sind ja als strategische Befestigungen erkennbar, auch wenn man oft nichts mehr von ihnen sieht. 
Bern von Bernstein?
In diesem Post geht es um gleichlautende Bezeichnungen, die den Forscher gerne in eine falsche Richtung führen (Siehe Tabelle unten). Dabei hilft uns die Vergleichende Archäologie: Nämlich dann, wenn wenigstens einer dieser Orte durch vorangegangene wissenschaftliche Untersuchungen klar zugeordnet werden kann. Bei ähnlichen Bedingungen und Zusammenhängen darf man durchaus auch auf gleichnamige Orte schließen. Nehmen wir das Beispiel Bern-: In der Namensforschung wird das Bestimmungswort von Bären abgeleitet, von Brennnen, Leuchten oder von der allbekannten Harzversteinerung. Es findet sich mehrere Dutzend Mal in Verbindung von -stadt, -d(t)orf, -berg, -burg, -stein, -eck,- feld,- leite, -beuren, -gau, -lohe, -roth, -heim, -loch, -richt, -bach, -hof, -hausen, -au oder -hardt und viele davon auch noch jeweils mehrfach . Die Ausgrabungen auf einer ehemals befestigten Höhensiedlung über Bernstorf in Bayern legten dazu eine bronzezeitliche Kultur ab 1675 v. Chr. frei. Mehr noch: Die neolithischen Funde um Bernburg in Sachsen-Anhalt geben einer ganzen Kultur zwischen 3200 und 2800 v. Chr. ihren Namen. Und wer sich nun die Umgebung aller Bern-Orte anschaut, findet prinzipiell Hügel mit künstlich versteilten Abhängen, Wällen u.a. Siedlungsspuren.
Eiserne Hand im Koblenzer Stadtwald
Also: unabhängig von der Deutung - Parallelen dürfen durchaus gezogen werden. Allerdings kann man solche Vergleiche auch übertreiben: In einer ZDF Doku wurden ein paar Bern-Orte in Nord-südlicher Richtung verbunden und daraus eine neue Bernsteinstraße von der Ostsee bis nach Ägypten konstruiert. Dabei sind die Bern-Orte homogen über ganz Westeuropa verteilt.
Andere Bezeichnungen scheinen eindeutig durch die immer gleiche geografische Lage ihrer Träger definiert. So findet sich ein Dutzend Mal die Eiserne, Steinerne, oder Hölzerne Hand (Zella-Mehlis, Altendammbach, Lichtenfels, Laubuschesbach, Wolken, Assmannshausen, Traisa, Bad Windsheim, Burgwallbach). Meist versuchen Heimatforscher sie mit keltischen Herleitungen zu deuten. Dabei liegen solche Geländemarken immer an alten Wegekreuzungen mit genau 5 Abzweigungen, also ebenso vielen, wie eine Hand Finger hat. 
"Harras" - immer an einem Flussübergang?
So auch der Flurname Hundsrück, der in Rheinland-Pfalz (dort ohne d) einen wichtigen Höhenweg seit der Bronzezeit beschreibt. Diesen Namen tragen aber viele Kammwege, so bei Mengkofen, Wieden/Breisgau, Albstadt, Horschhausen, Enslingen, Altenbuch, Seligenthal, Oberelsbach, Altendammbach, Stützerbach, Zella-Mehlis, Engen, Haundorf, Stopfenheim, Stadtsteinach und Lützel. Und das sind nur die, die ich selbst gesehen habe. In jedem dieser Fälle wird ein Höhenrücken bezeichnet, dessen Wege sich mit bekannten Altstraßen verbinden. Und da sich an dieser jeweils Hügelgräber und Wallanlagen wie an einer Perlenkette aufreihen, nenne ich sie Urwege. Wenn also auf dem Hunrück die alten Bronzeschmiede unterwegs waren, darf man das auch für die unbedarfte Wasserscheide gleichen Namens im Kleinen Thüringer Wald annehmen. Auch da finden sich Steinhügelgräber und Steinwälle. So kann man beliebig nach weiteren Beispielen suchen (Siehe Tabelle).
Kalte Herberge im Schwarzwald
Es gibt aber auch jede Menge Flurnamen, deren Bedeutung nur scheinbar eindeutig ist. Nehmen wir das Beiwort Kalte, wie es hundertfach vorkommt:  Persönlich sind mir folgende Verbindungen begegnet: 4x mit Herberge, 2x Küche, 5x Feld, 11x  Berg, 4x Tal, 3x -born, dazu -warte, -staude, -struth, , -eber, -bach, -eich, -brunn, -elze, -schmiede, -rank, -stänker, -hofe, -bruch, -bühl, -schmieden, - buche und die 4 Heim-Dörfer in der Röhn. Der Witz: Niemals ist es an den so bezeichneten Orten kälter als ihrer Umgebung, so dass sie diese Bezeichnung verdient hätten. Lange dachte ich das Wort stamme vom prußisch/ baltischen Schmieden ab, aber die teils megalithischen und bronzezeitlichen Relikte an solchen Orten verlangen ein höheres Alter. Und so verrückt es klingen mag: Alle Kalte-Orte haben Eins gemeinsam: Sie bezeichnen Gabelung oder Kreuzung von urzeitlichen Höhenwegen, die Europa wie ein Netz überziehen. Eine Herleitung kenne ich natürlich nicht. Anders die Kreuzberge: Die meisten tragen heute das christliche Symbol, aber erstaunlich viele liegen an bekannten sich kreuzenden Ur-und Altstraßen. Alles Zufall? Ich glaube nicht! 
Masif du Rossberg, Elsass
Die Tausenden Berge, manchmal auch Täler, mit Tiernamen sollten differenziert betrachtet werden. Tiere aus den Viehherden gerade der frühen sesshaften Stämme, wie Roß, Kuh, Ochse, Schwein und Ziegen, machen eine entsprechende Weidebegrenzung wahrscheinlich. Besonders wenn sie weitab heutiger Gemeinden liegen, dafür aber nahe alter Siedlungsverdachtsplätze. Hoftiere wie Hahn, Hund oder Katze ergeben allerdings für Bergweiden keinen Sinn. Hier könnte ebenfalls die immer wiederkehrende Lage neben einem Siedlungsverdachtsplatz Hinweis sein: Hahn, wie Hund vielleicht von Höhe (Siehe Tabelle unten). Eine besondere Rolle scheint der Flurname Katz einzunehmen. Er kommt in Verbindungen vielleicht noch häufiger vor als Kalt. Heimatforscher sehen hier eine Ableitung von cut - einem Pass oder einer Kerbe im Gelände. Ich bin bei meinen Reisen an 113 solcher Orte vorbei gekommen. In jedem Fall wird eine Zuführung oder ein Abgang von einem Höhenweg beschrieben. Doch wie soll man so etwas herleiten?
Hohlwege längs des Rennsteiges im Thüringer Wald
Umgekehrt geht es bei der Deutung auch: Renn- beispielsweise beschreibt eindeutig schnelle Fortbewegung, alle Welt vermutet aber Wanderwege aus der Neuzeit. Dabei werden ohne Ausnahme Kammwege bezeichnet, die sich nicht nur durch Hohlwege längs der Wasserscheide auszeichnen, sondern hundertfach durch andere prähistorische Artefakte. Ich habe so viele Verbindungen dazu gefunden, dass sie schwer in die Tabelle unten passen. Bestimmungsworte mit -weg, -stieg, -straße: auf Thüringer Wald, Hainich, Haßberge, Taunus und Kyffhäuser, bei Sallmannshausen, Bensberg, Fürth, Forchheim, Eschweiler, Sternenfels, Rüdingsheim, Schwarzerden, Düren, Porz, Heilbronn, Ebelsbach, Hallstadt, Oberreifenberg und Breitungen. Mit -berg: bei Bleicherode, Ipsheim, Aufseß und Neumarkt. Mit -hofen: bei Emskirchen, mit -pfad: bei Bingen, mit -rod: nahe Herborn und mit -weiher: bei Heroldsberg. Bezeichnung und Lage solcher Flurstücke machen in jedem Fall schnelle und effektive Verkehrstrassen seit Urzeiten wahrscheinlich.
Rodeberg Flandern
Dann wieder tauchen massenhaft Flurbezeichnungen auf, die unterschiedliche Zuordnungen offen lassen. Beispiel Rot-, Rod-, Reuth-, auch Blank-, Bloss-, Hell : Natürlich sind alles Rodungen, aber aus welcher Zeit? Offiziell sollen die alle erst nach der Völkerwanderung entstanden sein, viele von ihnen - besonders außerhalb von Ortschaften - sind aber mit frühzeitlichen oder frühmittelalterlichen Hinterlassenschaften in Verbindung zu bringen. Galgenhügel, -berge scheint es mehr im deutschsprachigen Raum zu geben, als je im Mittelalter Hinrichtungen stattfanden. In jedem Fall aber, wo an solchen Plätzen archäologisch gegraben wurde, kamen Körpergräber vor 1200 v. Chr. zu Tage. Beispiele sind das Fürstengrab von Helmsdorf, die Galgenhügel in Cuxhafen und bei Bad Belzig. Was nicht heißen soll, dass es entsprechende Nachnutzungen in jüngerer Zeit gegeben haben kann. In Schalkau weiß man aber, dass auf dem Galgenberg dort nie ein Hinrichtungsplatz gestanden hat.
"Tote Männer" Suhl
Ähnliches lässt sich von der Flurbezeichnung Tote Männer oder Richtstätte sagen. Auch der Name Asch- taucht typischerweise auf oder neben spätbronze- oder früheisenzeitlichen Siedlungsverdachtsplätzen auf und könnte auf ehemalige Herdstellen oder Urnenfeldergräber hinweisen. Welchen alternativen Namen hätten germanische Neuankömmlinge solchen Fundorten ihrer Vorgänger auch geben können, wenn sonst nichts anderes zu sehen war?
Wenn man weiß, das mit der Christianisierung massenhaft Kreuze und Kapellen auf die ehemaligen heidnische Kultplätze gebaut wurden, bekommen Begriffe wie Wallfahrt, Wallburgis oder ähnliche einen logischen Sinn. Umgekehrt ist mir bei meinen Touren durch deutsche Mittelgebirge aufgefallen, dass überdurchschnittliche viele mutmaßliche Altbefestigungen Namensverbindungen tragen mit Wolf, Bär, Habicht, Adler oder Falken. Doch da kann man nur spekulieren. Für andere Flur- und Ortsnamen wiederum habe ich bisher noch gar keine Erklärung gefunden. Sie sind aber so zahlreich oder markant, dass ich sie unbedingt hier aufnehmen musste. Vielleicht hat ja jemand eine Idee? 
Hier nun die Übersicht mit weiteren Begriffen, die erst durch Vergleich einen Sinn ergeben. a-e, s-t-Abwandlungen sind mit den bekannten Lautverschiebungen zu erklären.

Name
Beispiele
wiederkehrender archäolog. oder geograf.  Analogie



Arn-, Arz-
-stadt,-höfe, -berg: Brotterode, Beilngries, auch Atzmannstein, -hain
Befestigte Höhensiedlung
Asch-
-heim, -berg: Suhl, München, Grub etc.
Urnenfelder Kultur um Aschaffenburg
Barch-
-feld an Werra und Ilm
Typisch aus Furten entwickelt
Bern-
s. oben
Oppida Bernstorf
Betten-
-hausen, -dorf, -feld, -berg, -Bach, -straße, -achen, Bettelmannstein…
von Beten, nahe alter Kultplätze
B(a)eier
-dorf, -berg, -hausen, -bronn …
wie Wallanlage Rhön
Bens-
-hausen, -berg
?
Bless-Pla(o)ss-Platt-
Bad Salzungen, Schalkau, -burg, -berg, -um, -bach, -stätte, -hardt, -hof, -heide, -dorf…
ev. von bloß (gerodet) oder platt (eben), alte Befestigungen
Bonn-
Rhein, -dorf/Wasungen
Ort neben früheisenz. Wall Venusberg, bzw. Hümberg
Brenn-
-er/Alpen, Böhmerwald, Schwarzwald, -tenberg, -terbock, -tenbuck, -enloh
befestigte Siedlung am Höhenweg
Buch-
-heim, -dorf, berg, -wald, -städt …
Ringwall, bei Neumarkt
Cam-Calm-
-burg, -berg
?
Cappel
Marburg, Oldenburg, Blomberg Fritzlar, Öhringen, Nordseeküste, Moselle, Kent, Surrey, Hunsrück, Albis, Klappfeld
ev. von Kapelle, heidnischer Platz
Karnak
5 x weltweit, u.a. Bretagne mi c,
Urzeitliche Grabanlage Bretagne
Dies(t)- Duis-
In Belgien, -ßen, -kau, -berg, -burg, enburg, -itz, -furt, -dorf, Düshorn
Ort an bedeutenden Urwegen
Dö(o)ll- Dill-
-ern, -berg, -mar, -nstein
Befestigte Höhensiedlung
Düns-
2x -berg
?
Eller-
-nbogen, Lange-, Berg-, -au…
von Urweg zu Längenmaß
Elgers-
-t, -burg, -hausen,
an bedeutenden Urwegen
Falken-
stein: Harz, Erzgebirge
ma. Burgen
Galgen-
-berg, -hügel, -platz, -weg, -heid,
Körpergäber vor 1200 v. Chr.
Greif-
-enstein, -swald, -ensee, -enberg
frühma. Befestigung
Grub-
-en, -acker, -au
Tiefer Einschnitt am Urweg
Hahn-
-stätten, -berg, -bach, …
von Höhe
Hand
s. oben
Fünffach-Wegekreuzung
Hunds-
-dorf, -berg, -born, -rücken
von Höhe
Harras
Werra, Saale, München, Chimsee, -hof
An bedeutenden Furten, ev. von Herren
Haiden- Heide-
-au, -straße, -elberg, -hof, -rod, -heim, -kamp, -berg, -burg-
meist für nichtgläubige Alteingesessene
Ham- ev. Hann-
12x Wetseuropa, -burg, -büchen, -bach, -born, -inkeln, -dorf
Hoher Ort nahe großer Furt
Herms-
7x weltweit, 4 x -dorf
ev. vom Götterboten Hermes
Heun-Haun-
9 x weltweit,
befestigte Höhensiedlung
Kalte-
Hunderte, siehe oben
Abzweig an alten Höhenwegen
Katz-
Hunderte, siehe oben
Siedlungsverdachtsplatz an oder zum Höhenweg
Kinds-
berg
?
Kulm-
Schönbrunn, -berg bei Schlegel, Kemnath, Saalburg, Saalfeld, Schlöben, Schladming, Graz,  Taupitz, -bach
befestigte Höhensiedlung
Lauen-stein
Geising, Salzhemmendorf, Ludwigstadt
mittelalterliche Burg
Leuke-
-feld, -tal, weitere Städte, Inseln
?
Münch-
-en, -ow, -a, -berg, -aurach, -enbernsdorf, -holshausen, -ingen
ma. Adelsgeschlecht
Mehl(i)s-
Fulda, Zella-, -meisel, -theuer
Hinführung zu bedeut. Höhenw.
Metz-
In Frankreich, -els, -los, -ingen
Ort an
Naum-
-burg 2x,
Heiliger?
Ochsen- Öchsen-
Dutzende mal, besonders -berg, siehe oben
Ochsenweide
Platte-
hardt, bühl, burg, berg, acker, see, eck, egg
Ev. von bloß- frei, platt-eben, wie Bless
Plöß-
berg Fuchsmühl, Immenreuth, Selb
Siehe Bless!
Questen
-berg, Meißen, Münden, Rieth, Schmalkalden, Wallhausen
Von Anfrage, Begehr, Oberstadt mit Hügelgräbern ringsum
Renn-
Siehe oben!
Urzeitlicher Höhenweg
Richt-
Siehe oben!
Gräberfeld
Rim-
Berg 2x, bach
?
Rot-, Rod-, Reuth-
Hundertfache Verbindungen, viele urzeitlich, siehe oben!
Vor Frühmittelalter: Wüstenrodig, Anrode, Burgstall Honenrod, Blankenrode
Sand-
Sandberg Windischleuba, Trusetal, Reichenbach, Grub, Bopfingen, -spitze Appendorf, -hügel Fitzendorf, -kopf Hunsrück , -leite Trostadt,
Nur scheinbar klar, zu viele Siedlungsverdachtsplätze
Schwein
furt, dorf, au, berg
Weide und Viehtrieb nachweisbar
Schmück
Mit e, Rennsteig, Thüringer Pforte
Urhöhenwege
Schul-
Hohe Schule: Mellrichstadt, Ingolstadt, Steinfurt, Alte-: Weisbach, -straße: Rhumspringe, Veßra, -berg: Hattingen, Scharzfeld, -hügel: Hirschbach
Keinen Lehranstalt z. B. Keltensiedlung Eußenhausen, Schulenburg
-seß
Aufseß, Windseß
?
Siegritz
Erbendorf, Reurith
?
Simmers

- hausen: Römhild, Hilders, -berg: Altdorf, Masserberg, Hunrück, -hofen, -ats, -kopf: Hunrück, -haak: Wiedersbach
Siedlungsverdachtsplätze mit Wällen und künstlich versteilten Abhängen
Singen-
Hohentwiel, Singener Berg
ev. von tausendfachen -ingen
Spans-
-hügel: Leitenhausen, -berg: Gröditz, Nauwalde, Rudolstadt,-wege: Schledorf, Dünwalde
Hoher Ort, ev. von Spähen
Spiel-
-äcker: Forchheim, -berg: Brachttal, Karsbad, -bach: Schrozberg, -dorf, -feld, -hagen, -joch, -leite, -see, -tränke
Spaßbeschäftigung vom Alter her unwahrscheinlich
Staffel-
-berg: Bad Staffelstein, Falkenstein, -see, -hof, -weg, - höhe, alm , -au, -bach, -felde, -egg, -böll
Ev. von Terrassen
Steins-burg
Gleichberge, Suhl, Mannheim,
befestigte Höhensiedlung
Stollberg
Aachen, Erzgeb
Befestigung
-stuhl
Sonenstuhl Randesacker, Rockenstuhl Motzlar, Königstuhl Hohenfelden, Dreikaiserstuhl Ibbenbühren, Kriemhildenstuhl Dürkheim, Mönchsstuhl Garsitz, Kaiserstuhl Ihringen, Rudolstadt
immer frühz. und frühmittelalterliche Funde, auch wenn neuzeitlich überbaut
Veits
-berg
Fma. Wall
Weim-
Weimar, Niederweimar Marburg, Ahnatal, -schmieden, 4x -straßen  ohne Nähe oder Bezug zu Weimar
Burgstall Weimersheim,
Wein-
Dutzende Orte ohne Bezug zum Rebensaft, z.B. Nordhang eines Berges Preilipp, Müs, Marburg, Fiesenheim, Treuchtlingen, Wetzlar
Aber oft mit Bezug zu Altstraßen und Höhenwegen, z.B. Alte Weinstraße Thüringer Wald
Winds-berg
Barchfeld, Hunderdorf, Bastheim, Teuschnitz, Schweina, Kaltennordheim, Breitungen…
Hier nicht von Wenden und sicher auch nicht Fuftströmung, sondern Höhensiedlungs-Verdachtsplatz
Wetz-
-lar, -hausen, -stein, -dorf
Ev. Bezug zu geschliff. Steinen, Menhir von Buttelstedt
Widder-
-statt, -berg, -dorf, -hausen, -heim, -rod, -stall, 
Ev. Urzeitliche Siedlung wie Widderstatt
Werth-
 Rhein, Erding, Donau, Main, Isar, Donau-Wörth, -ersee, und weitere Dutzend
Ev. von Werder, trockener Teil einer Flussaue
Witt-
An Ruhr, 2x -berg(e) an Elbe, 6x USA, -dorf -dörp, hagen, -heim…
An bedeutender Furt, nicht von gestorbener Ehepartner
Ziegen-
-berge, -rück, -dorf, -hain, -hagen, -hof
Weide neben urzeitlichen Siedlungsverdachtsplatz

Visualisierung von Ortsnamen
Worte werden zu lebendiger Geschichte! Die Theoretische Archäologie erlaubt es sogar, bestimmte Flurstücke mit deutlichen Geländedeformationen als Höhensiedlungen zeitlich grob zuzuordnen (Siehe Post „Zeitliche Horizonte Altgermanischer Flurnamen“). Natürlich werden ordentliche Onomastiker einwenden, dass sich die Bezeichnungen im Laufe der Jahrhunderte wesentlich verändert haben. Dann aber hätten sich die Namensgleichen ebenso entwickelt. Eine zufällige Ähnlichkeit schließe ich bei dieser Masse aus. Wichtig: Es geht hier nicht um Vollständigkeit, sondern darum, interessierten Heimatforschern den Blick zu schärfen. Es lohnt sich nämlich, den Schreibtisch zu verlassen und selber die Landschaft zu „durchforsten“. Vielleicht trifft man sich ja mal…