Freitag, 30. August 2019

Vergessene Urstraßen durch Mitteldeutschland (Mit Goggle-Maps-Karte)

Wasserscheiden als alte Verkehrstrassen?
Bernd Bahn: Altmeister der Wegeforschung
in Mitteldeutschland

Was haben die wichtigen kultur- und zeitdifferenten Denkmale der Frühzeit in unserer Heimat gemeinsam, wie die Himmelsscheibe von Nebra, der Menhir von Buttelstedt, die Hünenburg von Watenstedt, ja selbst die Kreisgrabenanlagen von Goseck, Pömmelte, Eytha und Dresden-Nickel? Sie liegen an den großen Wasserscheiden Mitteldeutschlands, d.h. sie waren weitestgehend ohne Flussquerung miteinander verbunden. Sollte es schon in schriftloser Zeit ein Wegenetz zwischen den Zivilisationszentren gegeben haben? Und kann man das zeitlich und räumlich strukturieren? Das müsste möglich sein!

Ein neuer Ansatz in der Altstraßenforschung?

Bisher hat man solche urzeitlichen Straßen mit einem Trick aufgespürt: Urkundlich belegte Trassen aus dem Mittelalter wurden nach frühzeitlichen Artefakten abgeklappert. Denn ab dem Mittelalter sind die Bewegungen unserer Vorfahren im Leipziger Becken urkundlich gut belegt: Via Regia, Via Imperii, Kupfer- und Salzstraßen etc. Dass Heere und Händler zuvor aber genauso unterwegs waren, bewiesen die Ausgrabungen an der Alten Leipziger Straße von Kassel kommend in der Goldenen Aue am Südharz. Der unbefestigte Wegestrang war das jüngste archäologische Artefakt, das die Wissenschaftler zu Tage förderten. Ansonsten reichten die Funde bis zu den ersten Bauern ins 5. Jahrtausend zurück. Trotzdem räumen die Experten ein, eigentlich nichts über unbeurkundete Altwege zu wissen. Außer, dass sie natürlich Ortschaften verbunden haben müssen.
Immer schon Objekt der Begierde: 
Die Wege unserer Vorfahren aus
schriftloser Zeit
Doch das stimmt nicht ganz! Die untersuchten Bodendenkmale, die sich wie Perlenketten an ihnen entlang ziehen, lassen zunächst erst einmal einen Rückschluss auf die jeweilige Zeit zu. Diese zeigen, dass es mindestens seit der frühen Bronzezeit feste Fernverbindungen gegeben haben muss. Die Heidenstraße von Köln nach Leipzig wäre solch ein Beispiel, die Weinstraße von Süden kommend über Rennweg, Rennsteig und Rennstieg, die Deit- und Eggewege, oder der Keltenerlebnisweg in Franken. Wie man die Relikte an ihnen auch ohne Urkunden und Archäologen finden kann, habe ich hier oft beschrieben und verweise auf die einzelnen Altwege-Posts. Jeder kann nämlich schanzartige Bodendeformationen und künstlich versteilte Abhänge auf Anhöhen erkennen, hervorstechende Landmarken, die die Kutscher anpeilen konnten, große geschliffene Steine als Menhire an Wegkreuzungen oder Pässen, außerdem Hügel- und Steinhaufengräber, sowie deutlich beziehungsvolle Flurnamen wie Trift, Hohle, Furt oder Hochweg. Natürlich würde kein Archäologe aus einem ungeöffneten Grabhügel, einer „Schwedenschanze“ und einer Steinreihe auf eine eingefahrene frühzeitliche Reiseroute schließen. Aber wenn es überhaupt irgendein Prinzip in der Siedlungsgeschichte gibt, so ist das die Nachnutzung vorhandener Strukturen über alle Zeiten und Kulturen hinweg. Das trifft besonders auf das Reisen zu, wo sich die Technik bis zur Industrialisierung nicht wesentlich verändert hat.
Rennsteig als typische wasserscheidende Hochtrasse?
Dazu kommen weitere Indizien. All diese – nennen wir sie Urstraßen – haben ein gemeinsames Merkmal: Das ist die prinzipielle und weitestgehende Nutzung von wasserscheidenden Höhenzügen. Wir wissen, dass Altreisende prinzipiell gezwungen waren, Täler mit Flüssen, Bächen oder Sümpfen zu meiden. Idealerweise zogen sie so an, auf oder neben Wasserscheiden entlang. Oben war immer die kürzeste, sicherste und komfortabelste, der bis ins 19. Jhd. hinein unbefestigten Verbindungen. Das können die Kammwege der Mittelgebirge sein oder kaum wahrnehmbare Höhenrücken in den Ebenen. Natürlich ist auch heute noch jeder Wagenlenker auf Effizienz bedacht, aber er hatte damals keine andere Wahl, wenn Täler und Auen versumpft, wenn Umfahrungen eines Mittelgebirges unmöglich waren oder zeitweise alle Welt prinzipiell auf Höhen siedelten. So könnten sich über die Jahrtausende der Irrwege regelrechte Zwangslinien ergeben haben, die spätestens seit der Bronzezeit in ein regelrechtes Straßensystem mündeten. Und wirklich finden sich an diesen trockenen Höhenmagistralen grundsätzlich mindestens alle 20 Kilometer Versorgungs- und Sicherungsstationen aufgereiht, dem Tagespensum eines Ochsenkarrens. Auch hier scheinen sich aus anfänglichem Biwak letztlich befestigte Höhensiedlungen entwickelt haben.
Lehrmuster für alle Urwege
Das anschaulichste Beispiel dazu liefert der Keltenerlebnisweg von Bad Windsheim nach Meiningen, wo dieses Prinzip schon fast peinlich genau belegt wurde (Siehe entsprechender Post in diesem Blog). Manche dieser befestigten Höhensiedlungen scheinen hunderte Leute beherbergt zu haben. Über die Jahrtausende müssen dann – entsprechend der technischen Entwicklung - immer mehr Burgen dazu gekommen zu sein. Auch wenn die wenigsten dieser Stationen wissenschaftlich untersucht wurden sind, die typischen Bodendeformationen und Flurnamen können ja nicht nicht wegdiskutiert werden. Diese Muster sind in der Altwegeforschung hinlänglich bekannt. Der neue Ansatz hier ist deren weitestgehende Bindung an Wasserscheiden, die massenhafte Auswertung von archäologischen Berichten und unterschiedlichstem Kartenmaterial, sowie die persönliche Inspektion aller wichtigen Lokalitäten, leider ohne archäologisch graben zu können.

Die Karte

Natürlich gibt es Millionen solcher wasserscheidenden Höhenrücken, aber einige ziehen über ungewöhnlich weite Strecken durchs Land. Hydrologen haben sie als die Wasserscheiden zwischen den großen Flüssen ausgewiesen, also Elbe, Oder, Weiße Elster, Saale, Unstrut, Mulde und wie sie alle heißen. Und zwischen den Quellen der Zuflüsse schlängeln sich unsere Wegelinien hindurch, als Verknüpfung der frühen Höhensiedlungen, in ihrer jeweiligen Zeit und ihren technischen Möglichkeiten. Wahrscheinlich von der Jungsteinzeit bis ins Frühmittelalter, denn die Franken müssen nach 531 schon in den Flussauen dahergekommen sein.
So braucht man nur die bekannten Wasserscheiden Mitteldeutschlands zu verfolgen und findet – trotz der alles zerstörenden großen Städte und Tagebaue - genau die eben beschriebenen Muster. Dazu habe ich eine entsprechende Google-Maps-Karte erstellt, die die Wege und begleitenden Artefakte zeigt: Bitte Link anklicken!

Legende:
Urwege und begleitende Relikte in Mitteldeutschland
  • Rote Linien: große Wasserscheiden
  • Türkise Linien: mittelalterliche Altstraßen, meist nur nach den beurkundeten Orten verfolgt
  • Braune Linien: in anderen Posts hier behandelt Wasserscheidenwege (Harz, Rennsteig, Kupferstraße-Alternativen, Heidenstraße, Vogtland-Erzgebirge, etc.)
  • Lila Linien: mutmaßliche, aber sinnvolle Abkürzungen und Querverbindungen zwischen den Wasserscheiden ab dem Frühmittelalter
  • Blaue Ringe: bestätigte und verdächtige Befestigungen zur Wegesicherung aus Ur- und Frühzeit (die bekannten Zeiten sind eingetragen, rot: besonders markante Orte)
  • Blaue Burg: mittelalterliche Burgen die mutmaßlich aus früheren Befestigungen hervor gegangen sind
  • Gelbe Nadel: sonstige Artefakte mit Wegebezug
  • Rote Nadel: Menhire und Kreuze
Den Rahmen der Karte ergeben quasi Mittelgebirge, Fläming und Staatsgrenze, der „Ausrutscher“ Berlin ist der Via Imperii geschuldet, der an der Elbe um Übergänge nach Norddeutschland zu finden.
unterschiedliche Kartenansichten zum besseren Verständnis 
Geschichtskundigen fällt sofort auf, dass über die zufällige geografische Situation scheinbar eine strategische Maske gelegt wurde. Nicht nur, dass fast alle bekannten frühen (befestigten) Siedlungen in diesem Netz liegen, dass die mittelalterlichen Altstraßen oft die Wasserscheiden tangieren - sie tragen auch manchmal deren Namen (Salzstraße westlich von Döbern, Hohe Straße bei Dörrennuhlsdorf oder nördlich von Ilmenau). Das Ganze wird besonders deutlich, wenn man bei Maps zwischen den beiden Ebenen Satellit und Gelände hin und her wechselt. Leider kann man die Oberflächen nicht kippen, wie bei Google Earth. Diese Funktion hatte schon für manche Forscher einen Aha-Effekt.
Sicher gab es viel mehr Urwege, aber Wasserscheiden liefern so auch ohne Grabungsergebnisse einige Sicherheit in der Orientierung. Meist sind es heute zivilisationsferne Feld- und Waldwege, aber immer wieder werden sie noch heute von modernen Magistralen benutzt, wie die A9 von Triptis bis Eisenberg oder die B169 zischen Neudorf und Greifendorf.

Die Zeit
Warum führen die meisten Wege nach Leipzig?

Natürlich sind in der Karte die wenigsten der Markierungen archäologisch erforscht. Es gibt ja fast nur noch Notgrabungen. Aber es handelt sich, wie beim Keltenerlebnisweg, um indizienbegründete Verdachtsplätze, also: Landschaftsbezeichnungen, die ausnahmslos im gesamten deutschsprachigen Raum als siedlungs- und wegebegleitend auftreten; künstliche Bodenveränderungen, wie sie typischerweise frühen Verteidigungsschanzen und Gräben zugeordnet werden können; offensichtliche Gräber als Dolmen, Stein- und Erdhügel; sowie Menhire, Steinkreuze und Straßenmarkierungen als Richtungsweiser an den kreuzenden „Pässen“. Und immer wieder stößt man dann auch auf Orte, die wissenschaftlich untersucht wurden und damit die strategische Ausrichtung der Höhenwege erkennen lassen. Beispiel: die Befestigung der Urnenfelderkultur über Oybin im sonst wenig erforschten Zittauer Gebirge, oder der erst jüngst entdeckte viertausend Jahre alte Zinnabbau am noch weniger untersuchten Kamm des Erzgebirges bei Altenberg.
Wegebündel und -knoten zwischen Freiberg und Dresden
Natürlich sollte die jeweilige Wasserscheide dabei nur als Richtschnur gelten, als Trasse mit verschiedenen Wegebündel. Es gab auch immer Abkürzungen, günstige Umfahrungen, Verzweigungen, die dann aber auch die bekannten Wegbegleiter hinter sich herziehen (besonders deutlich in Querfurt, nördlich von Strausberg und Biegenbrück in der Landschaft Lebus).
Doch kann man auch das Alter der Wege bestimmen? Die begleitenden Funde müssen ja den historischen, wirtschaftlichen und politischen Kontext die Geschichte Mitteldeutschlands aufgreifen: Die Besiedlung der ersten Bauern, das Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen, die wahrscheinliche Landflucht bei Klimakapriolen, der frühe Salzabbau in Halle, Kupfer im Ostharz, Metalle im Erzgebirge, die germanische Völkerwanderung, der Frankeneinmarsch, die slawische Ansiedlung, Christianisierung und Ostkolonisation der deutschen Könige.
Befestigungen mit Palisaden und Graben des Neolithikums
(kontrovers diskutiert)

Nach der offiziellen Chronologie eignen sich dafür besonders folgende Relikte am Weg:
  1. Ringgrabenanlagen (monumentale Erdwerke) des Neolithikums von etwa 4500-3000 v. Chr.
  2. Siedlungen nahe megalithischer Großsteingräber und Menhire der kupfer- und frühen Bronzezeit von 3000-2200 v. Chr. 
  3. Bronzezeitliche befestigte Höhensiedlungen wie Abschnittswälle oder Ringschanzen von 2200-800 v. Chr. vielleicht
  4. Siedlungen neben Urnenfeldergräbern (z. B. Aschen- als Bestimmungswort eines Platzes) langsam von Süden und Osten vorrückend (800-300 v. Chr.)
    Befestigung mit Absatzschanzen der Bronzezeit
  5. Früheisenzeitliche Wallanlagen, oft mit parallelen Terrassenfeldern.
  6. Germanische Siedlungen nach Westen und Süden wandernd, nicht selten die alten Vorgängerhügel übernehmend, von 300 vor bis 600 nach Chr. (Großromstedt-, Hermunduren)
  7. Slawenburgen von Osten aufkommend, 600-1200
  8. Befestigte Lager der Frankenzüge, der Christianisierung und der Osterweiterung ab 700-1200 etwa
    Befestigung mit tiefen Gräben des Frühmittelalters
Wenn Bodenveränderungen auf einen Verteidigungszweck hinweisen, nenne ich sie hier Schanzen. Da die meisten in die Karte eingezeichneten Befestigungen nur Verdachtsplätze sind, erhielten alle diesem einheitlichen Ringbutton. Sie dienen bei mir ja im Wesentlichen zur Bestätigung der Wasserscheidenwege. Alle exakt auseinander zu halten, kann dieser Beitrag nicht leisten. Dazu braucht es naturgemäß die Archäologie.
Aber von den wenigen wissenschaftlich untersuchten Objekten lässt es sich oft auf ähnliche Anlagen schließen. Beispiel: Der Pfarrberg bei Landsberg gleicht strukturell der bekannten Hünenburg von Watenstedt. Das kann Zufall sein. Die Masse solcher Analogien erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit ähnlicher Zeitstelklung.
Ringstrukturen zwischen Staßfurt und Aschersleben
Die ehemaligen Verteidigungsringe sind manchmal sogar in Google Earth zu erkennen, wie an der Kupferstraße zwischen Strummendorf und Neundorf: Eine unbekannte Befestigung, deren Zeit ohne Grabungen kaum ermittelt werden kann. Bei den Höhenbefestigungen scheint aber die Größe und Form der umschanzten Fläche mit dem Alter zu korrelieren: Die runden aus der Jungsteinzeit, die großen höhenlinienorientierten aus der Bronzezeit, die mittleren mit Wall aus der frühen Eisenzeit und die kleinen mit Graben aus dem Frühmittelalter. Doch das trifft nicht immer zu. Die kleinen keltischen Viereckschanzen habe ich in Mitteldeutschland gar nicht gefunden. Wenn aber die reale Geländesituation, Luftbild, Flurnamen und Wasserscheidenweg zusammenpassen, kann man ziemlich sicher sein, auf den Pfaden unserer Altvordern zu lustwandeln.

Die Namen

Im Vergleich: Hünenburg Watenstädt, seit Bronzezeit - untersucht
Über die oft fremd klingenden meist sehr alten Bezeichnungen kann man nur spekulieren. Aber die indogermanischen Flur- und Ortsnamen sind ein wichtiges Hilfsmittel bei der Objektbestimmung. In ihnen könnten sogar alteuropäische Vokabeln wiederverwendet oder frühere mutmaßliche Nutzungen aufgegriffen worden sein. Die meisten sind leicht zuzuordnen, wie die zwingenden Höhenlagen betreffend (Hoch-., Hahn-, Kamm-, Lichten-, Mark-); viele „Alt“-Orte, die schon alt waren, als die ersten Germanen auftauchten; nicht wenige mit direktem Straßenbezug (Eller, Leite, Gasse, Trift, Harth, Straß); fast alle "Rot"- als vormittelalterliche Rodungen; viele Steinberge mit vormaliger Bebauung; oft Furten als Verbindung zu den tangierenden mittelalterlichen Städten; jede Menge eindeutige Franken-Orte; Tausende Bezeichnungen mit religiösem oder missionierenden Bezug; Königs- und Kaiserplätze der alten Heerlager, mehrmals mit Otto-, Friedrich-, Heinrich- oder Karl-; nicht wenige militärische Bezüge mit Streit-, Klingen-, Helm- und immer wieder Warte, Wache, Burg, Wall in dutzenden Variationen. Die vielen für Reisen wichtigen Brunnenorte habe ich gar nicht erst in die Aufzeichnungen aufgenommen.
Im Vergleich: Seegelsberg Hemleben, - verdächtigt
Da sind aber auch die typischen Flurnamen, die in die Irre führen, anderenorts aber wegekennzeichnend belegt wurden (Siehe entsprechender Post in diesem Blog!): hunderte Weinberge, die nie eine Rebe gesehen haben können (oft Nordhang, bis an die Ostsee und im Gebirge) wahrscheinlich von Way- „Wege“-Wagen-); unzählige Galgenberge, die überall dort, wo gegraben wurde, Körpergräber aus der Frühzeit enthielten; massig Berge mit Tiernamen für die bis ins Frühmittelalter typischen großen Viehherden; Brand- für die obligatorische Art zu roden damals, Schulstraßen im tiefen Wald, Heide-Orte in fruchtbarer Lage; alle abrupten Richtungsänderungen mit entsprechender Bezeichnung (Haken-, Eck-, Winkel, Bogen-); sogar die geheimnisvollen Katzen- und Kalten-Orte wie im Süden.
Mit linguistisch-historischen Vergleichen lassen sich damit nun gewisse zeitliche Zusammenhänge herstellen. Wenn die wegbegleitenden tausenden Galgenberge wirklich meist Bronzegräber sind, könnten die ebenso vielen Weinberge aus der frühen Eisenzeit stammen, so wie Warte, Wache und Burg dem Frühmittelalter zugerechnet werden dürfen (Anders könnte es sich mit dem Beinamen Alt oder dem Grundwort Schloss verhalten). Die Namen scheinen sie sowieso erst mit den ersten Indogermanen erhalten zu haben. Bestimmte Wege strotzen nur so vor fränkischen und christlichen Bezügen, wie Heiligen-, Hexen-, Schwarzen-Orte, wie am Strang von Leipzig nach Frankfurt/Oder. Andere müssen wegen dem Fehlen genau dieser Bezeichnungen eindeutig davor angelegt worden sein, beispielsweise von Altenberg nach Dresden.
Im Vergleich: Auf der Kapelle, Flinsberg, vergessen
Vergleicht man nun die Verteilung solcher prähistorischen Verdachtsplätze mit anderen Orten im deutschsprachigen Raum, sind typische Tendenzen wieder zu erkennen:
  1. Die Großsteingräber sind scheinbar unstrukturiert überall zu finden, besonders im Flachland. Eine Beziehung zu den Wasserscheidenwegen ist nicht zu erkennen. Sie müssen also älter sein.
  2. Grob ab 2200 v. Chr. aber könnte die Bewegung auf den Höhenzügen begonnen haben. Alle meine Versuche, vorfränkische Artefakt-Konzentrationen in den Tälern herzustellen, schlugen fehl.
  3. Erst nach der Zeiteinführung scheinen die Siedlungen langsam wieder ins Flachland gewandert zu sein. Ein trockeneres Klima und Melioration ließen auch die Wege folgen. 
  4. Bis ins Frühmittelalter, hier der Christianisierung, scheinen aber Wasserscheiden eine gewisse Rolle gespielt zu haben. Selbst die großen Fernstraßen des Mittelalters wichen gerne noch auf sie aus: die Via Imperii zwischen Meerane und Mylau, die Via Regia zwischen Buttstädt und Naumburg oder der Deitweg, von Wolfenbüttel nach Magdeburg, sowie die Hohe Landstraße (Via Regia) zwischen Leipzig und Grimma. Letztere nutzte dazu wahrscheinlich mehrere Scheiden und die in der Karte hier so bezeichneten Verbinder. 
    Weißenburg bei Sömmerda mit Siedlungsspuren 
    aus 5 Jahrtausenden
Dieses Muster scheint vielerorts zu gelten. Es gibt aber auch Besonderheiten in Mitteldeutschland: Mehr als anderswo finden sich an Scheidenwegen hier Bezeichnungen mit Herms-, Pfaffen-, Wall- (Wal, Wahl-), Mark- (besonders im Flachland), Vogelnamen, Schwarz-, Weiß-, Marien-, Fuchs-, Kohl- (Kahl-) und Reichen-plätze. Manchmal kommen absurd klingende Namen vor, die erst auf das „zweite Ohr“ einleuchten, wie Schnell- Renn-, Hetzen-, Eil-, usw. Die immer wieder auftretenden Butter-Orte habe gar nicht eingetragen – zu gewagt eine Verbindung mit „Versorgung“ herzustellen (Siehe Schanze „Schneller Markt“ nahe „Rennsteig“ in Chemnitz). Deutlich wird auch schön das Prinzip, dass sich die jeweils neuen Herren zur Kontrolle gerne neben den nun Unterdrückten niederließen (Hermunduren, Thüringer, Franken, Slawen). Vielleicht deshalb oft diese Schanzkonzentrationen. 

Hinsichtlich der kontinentalen Altstraßenforschung werden für Thüringen, Sachsen und Anhalt aber auch überraschende Alleinstellungsmerkmale deutlich:
  1. Es fehlen prinzipiell nicht nur die römischen Straßen, sondern auch die großen keltischen Oppida, überhaupt Bergsiedlungen mit diesen in Süddeutschland so typischen fast parallelen Terrassenanlagen. Je nördlicher, desto weniger! Die Schanzberge hier scheinen durchweg nur einen Ring mit versteilten Abhängen zu besitzen.
    Selten in Mitteldeutschland: Terrassen am mutmaßlichen
    Siedlungshügel Schwellenberg bei Erfurt, noch dazu 
    Richtung Norden
  2. Die Flurnamen deuten darauf hin, dass es schon gleich nach 531 einen fränkischen Vorstoß über die Saale hinaus Richtung Osten gegeben haben könnte.
  3. Trotz der vielen slawischen Siedlungen später fehlt deren räumlicher und strategischer Bezug zu den Wasserscheidenwegen. Diese müssen also älter sein. Die Slawenburgen scheinen generell im Zusammenhang mit Fluss- oder Sumpfquerungen gestanden zu haben und tangieren ausschließlich mittelalterliche Altstraßen. 
  4. Auch die Lücken im archäologischen Fundaufkommen scheinen anderen Krisenszenarien zu folgen als in Süddeutschland. Die Ebenen und Gebirgsränder müssen zu unterschiedlichen Zeiten genutzt worden sein. Die Wissenschaft liefert hier sehr widersprüchliche Aussagen über Zeiten, Ursachen und Wirkungen.
  5. Auch die ringförmigen Erdwerke aus dem Neolithikum scheinen mehrfach neu aufgebaut worden zu sein. Theorien von der wiederholten rituellen „Kies- und Erdverfüllung der umgebenden Gräben“ überzeugen kaum. Diese scheinen viel mehr aus Überflutungen der Flussauen herzurühren, denn dort standen die meisten Kreisanlagen (hervorragend dokumentiert in Pömmelte). 
Trotzdem sind die trockenen Trassen zwischen den einzelnen Anlagen fast durchgehend gut nachzuverfolgen. 

Erkenntnisse
Das Tal von Gera als günstige Verbindung zwischen
zwei Wasserscheidenwegen

Wenn sich später mittelalterliche Altstraßen zwischen den Quellen hindurchschlängeln, verbinden sie dann bereits die großen Citys. Aber diese historisch erfolgreichen Kommunen scheinen immer aus Furten entstanden zu sein, die sich bei einer geografisch günstigen Verbindung zwischen den Wasserscheiden zwangsläufig ergeben mussten: Halle - mit Salzabbau und -verteilung bestimmt ab 800 v. Chr., Leipzig - als südlichster Zipfel der norddeutschen Tiefebene und Drehkreuz am Zusammenfluss von Weißer Elster, Parthe und Pleiße, dann Dresden und Wittenberg - als wichtigste Furten auf dem Weg in den Osten, Chemnitz und Freiberg - an den einzig wasserscheidenden Salzstraßen nach Böhmen, Erfurt - im Zentrum einer fast immer gedeihlichen Landwirtschaft, Gera, Greiz - an den Fernwegen zum Mittelmeer, Plaue und Zwickau - an der späteren Via Imperii, Merseburg, Magdeburg dann auf den Heerstraßen deutscher Könige. Auch im Raum Berlin zeigen sich die ersten Siedlungen auf den Höhenplateaus von Teltow und Barnim, bevor die Metropole dazwischen entstehen konnte. Außerhalb solcher bedeutenden Furten scheinen diese „Verbinder“ zischen den Wasserscheiden durch Burgen gesichert worden zu sein, die mindestens auf frühmittelalterliche Befestigungen zurückzuführen sind (wie an der Zwickauer Mulde durch Coldiz, Rochlitz, Wechselburg und Rochsburg). Auf diesen Verbindungslinien zwischen den Wasserscheiden finden sich dann nicht nur zwangsläufig Furten, sondern auch verstärkt Hohlwege zu den Höhen, wie im Osten von Chemnitz oder am Harzrand westlich von Halle. Sie resultieren sicher mehrheitlich aus der schier exponentiellen Verkehrsentwicklung im Mittelalter. Klar, dass es in der Karte auch Ungereimtheiten gibt, wie den mit Terrassen und Hohlwegen gespickten Höhenweg zwischen Augustusburg und Marienberg, der weiter südlich ins Nirvana führt.
Überall Menhire als Wegweiser
Hingewiesen sei noch auf die meist überdurchschnittliche Sicherung der Wegeknoten, an denen sich die Wasserscheiden trafen. Die Marken, Menhire und Steinkreuze an solchen Punkten unterstreichen das strategische System, wie zwischen Bad Lausick und Colditz, Naundorf und Dorfhain, westlich von Ablaß und südlich von Jüterbog: Sie weisen ausnahmslos genau auf die ja eigentlich theoretisch angelegten Wegelinien hin und erklären ihren ureigenen Zweck!
Diese Untersuchung hier liefert auch interessante Nebenprodukte: 
  1. Der Nachweis einer ewig diskutierten fränkisch belegten Trasse von Leipzig nach Frankfurt an der Oder mit ihren mutmaßlichen Furten.
  2. Die vier sicher ältesten Salzstraßen von Halle nach Böhmen, weil nur sie ausschließlich auf Wasserscheiden verkehrten.
    Wasserscheidenknotenpunkt bei Oehna
  3. Warum die Hauptverbindungen in den Osten früher über Berlin und Dresden verlaufen mussten: Dazwischen gibt es keine entsprechenden Wasserscheiden und wahrscheinlich war die Gegend bis ins Frühmittelalter stark versumpft (Spreewald).
  4. Der Übergang der Via Imperii und ihrer Vorgänger vom Süden ins Mitteldeutsche Becken scheint über den Frankenwald logisch, weil das die einfachste Passage zwischen Schiefer- und Fichtelgebirge war.
  5. Auch der komplizierte Einstieg der späteren Via Regia ins Erfurter Becken bei Eisenach wird zwingend, wenn man die Lage der frühen Zivilisationszentren an Oberrhein, Rhone und in Südfrankreich kennt.
  6. In der gut erforschten Altstraßenregion Thüringen bekamen plötzlich alle scheinbar „planlos in der Gegend herumstehenden“ Siedlungsverdachtsplätze einen Sinn, weil sie sich eben an den Wasserscheiden orientierten und nicht an den mittelalterlichen Straßen.
    Es gibt noch viel zu erforschen: Willkürliche 
    Verbindung von Menhiren
  7. Die meisten dieser bekannten Altstraßen scheinen auf parallel verlaufenden Bergrücken nebenan Ausweich- oder Vorgängervarianten besessen zu haben.
Anhand der begleitenden Artefakte lässt sich auch schlussfolgern, wie stark die jeweilige Wasserscheide frequentiert wurde. Manche kaum, wie zwischen Schkeuditz und Roßlau, andere heftig, wie von der Schmücke auf dem Rennsteig nach Halle oder von Leipzig nach Frankfurt/ Oder. Ebenso liefern die Wasserscheidenwege diskutable Varianten vergessener Teilstücke bekannter Altstraßen, wie die der Via Regia von Erfurt nach Leipzig. Die spannendste Stelle der Karte findet sich übrigens im Dreieck von Böhlen, Sermuth und Tschadraß (Von Trasse?). Hier werden nicht nur alle Hypothesen des Posts bestätigt, sie liegt auch etwa im Zentrum des Betrachungsraumes, als an ein Leipzig noch gar nicht zu denken war.

Fazit:

Wie ganz Europa scheint auch das relativ flache Mitteldeutschland von einem urzeitlichen Fernwegenetz durchzogen worden zu sein, dass sich vorrangig an den Wasserscheiden orientierte. Indizien liefern die archäologischen Reise- und Siedlungsfunde an der Strecke, beziehungsvolle Flurnamen und die auch später teilweise auf ihnen verlaufenden bekannten Altstraßen aus dem Mittelalter. Diese hohe Konzentration der Relikte gibt es nur entlang der Wasserscheiden und ab dem Frühmittelalter an günstigen Verbindungen zwischen ihnen.
Bayern als Vorbild in der Urwegeforschung
In diesen Höhenwegen spiegelt sich die früheste Geschichte unserer Heimat wider. Diese gab auch die Intensität ihrer Nutzung vor. Neben den römischen und keltischen scheinen auch die slawischen Elemente bei den begleitenden Relikten völlig zu fehlen. Die Prinzipien, nach denen Menschen in vorschriftlicher Zeit unterwegs waren, sind aus der Altwegeforschung hinlänglich bekannt. Gerade die tausendfache Wiederholung der begleitenden Flurnamen erzeugt eine hohe Wahrscheinlichkeit bei der Spurensuche. Dadurch könnte dieser Ansatz hier über die Wasserscheiden zu einem brauchbaren Hilfsmittel in der Urwegeforschung avancieren. Auch wenn die zuständigen Landesämter für Denkmalschutz nicht alle Daten darüber herausgeben – die Bewegungsmuster lassen sich im internetgestützten Bayernatlas überprüft (Seite dort unter Denkmale). Die begleitenden Geländebezeichnungen, Sicherungs- und Versorgungsstationen sowie Wegestrukturen sind nämlich überall im deutschsprachigen Raum gleich. Vergleicht man die nach dem Wasserscheidenprinzip gemutmaßten Urwege mit den wenigen, die über das Urkunden-Artefakt-Prinzip erkannt wurden, kommen identische Ergebnisse heraus. 
Ganz sicher habe ich nicht alle gefunden. Jedes Mal, wenn ich die Gegend bereise oder meine Karten überprüfe, finde ich neue. Vielleicht verstehen das manche Leser als Angebot für eigene Forschungen.

Samstag, 27. Juli 2019

Gemeindebackhäuser und Privatbacköfen in alter Zeit (von C.A.)

Historiker vermuten, dass das Gemeindebackhaus nach 531 mit den Franken nach Thüringen gekommen ist. Es ist entwicklungsgeschichtlich eng an das Haufendorf mit seiner Gewannflur gebunden. Nach dieser Wirtschaftsform war nach Gründung der Dörfer, die Gesamtflur genossenschaftliches Eigentum freier und gleicher Gemeindemitglieder. Sie haben die Äcker und auch Weide und Wald gemeinschaftlich, bewirtschaftet, die Ernte geteilt. Auch sonst strebten sie im Dorf nach gemeinschaftlicher also genossenschaftlicher Organisation. Das drückte sich aus in dem durch Gemeindebeschluss geregelten gemeinsamen Arbeits- und Bebauungsplänen für die Felder (Flurzwang), die gemeinsamen Jagd- und Fischereirechte wie auch in einem genossenschaftlichen Backofen, der in den meisten der neu gegründeten Ansiedlungen in einem Gemeindebackhaus errichtet worden war.
Mit dem allgemeinen Übergang zum Lehnswesen im Laufe der Feudalherrschaft(1) vollzog sich jedoch ein grundlegender Wandel. Wenn in unserer Region auch keine Leibeigenschaft herrschte, so mussten doch die Bauern durch Zins- und Fronverpflichtungen den Besitzanspruch des Lehnsherren an Grund und Boden anerkennen. Mit dem Besitz des Bodens gingen auch die genossenschaftlichen Gerechtsame wie Weiderecht, Fischfang und Jagd an den Grundherren über - ebenso das Gemeindebackhaus. Diese hatten damit eine weitere und neue Einnahmequelle. Sie erhoben nun für die Benutzung der Backhäuser eine Gebühr in Geld oder Naturalien. Um die Einnahmen sicher zu stellen, wurde die Errichtung und Benutzung privater Backöfen für die Gemeindemitglieder verboten und damit entstand der Zwangsbackofen. Er scheint in Thüringen und Franken im Mittelalter allgemein üblich gewesen zu sein. Eine Urkunde, die das bestätigt, stammt aus dem Jahr 1349. Nachgewiesen ist aber auch, dass es in den Dörfern, die in der II. Siedlungsperiode, also nach 10/1100 gegründet wurden, bei den größeren Bauern private Backöfen betrieben wurden.
Das Backhaus, ursprünglich von den Dorfgründern genossenschaftlich zur allgemeinen Nutzung gebaut, wurde nun für die Dorfbewohner zur drückenden Last. Versuche den Backhauszwang zu umgehen führten zu Streitigkeiten mit den Lehnsherren. So hatte der Herr vom Gut Graitischen einen Backofen in der dortigen Mühle zerstören lassen, weil er sich durch ihn in seinen Rechten verletzt glaubte. Er musste ihn aber nach einem Richterspruch des Abtes vom Kloster Bürgel wieder errichten lassen. Die Mühle war nämlich Eigentum des Klosters und der Abt übte auch die hohe Gerichtsbarkeit über den Besitz des Klosters aus. Nur ein Beispiel von vielen. Auf der anderen Seite hatte der Abt dem Hans von Meusebach die Erlaubnis erteilt, auf seinem Hof frei zu backen gegen die Verpflichtung jährlich ein Rind und ein Schwein für das Kloster zu mästen. Erfüllt er diese Verpflichtung nicht, muss er wieder im Dorfbackofen des Klosters backen und dafür die geforderten Gebühren entrichten..
Die Ausdehnung des Zwangsbackrechts auch auf den niederen Adel deuten darauf hin, dass dieses Recht ursprünglich dem Landesherren zustand und nur durch Verlehnung, Verpfändung oder Kauf in die Hände der Kirche, einer Gutsherrschaft oder eines bürgerlichen oder bäuerlichen Pächters gelangt ist. Die Backhäuser wurden in gleicher Weise wie die Bauerngüter gegen Geld-und Naturalabgaben sowie Fronverpflichtungen verpachtet. Der Pächter des Zwangsbackofens in Witterda zahlte z..B an den Grundherren im Jahr 1496,40 Groschen, einen Fisch und ein Christbrot (Stollen). Außerdem stand dem Lehnsherren die Hälfte aller Backlohneinnahmen zu. Erhoben wurden z.B.für einmaliges Brotbacken: …..1 Brot
  • für Fladen (flache Kuchen) und Eierkuchen je Stck: ….................................... 1 Pfennig
  • für gemeine Kuchen aus Butter und Griefen sog Striezel je Stck …..................3 Eier
  • für das Braten von Fleisch im Backofen.........................................................…1 Pfennig
Das Zwangsbackrecht wurde schließlich wie andere Gerechtsame auch, zur reinen Handelsware. Für bis zu 500 (!) Gulden wurden um 1595 Backhäuser verkauft. Die Besitzer kassierten zwar den festgelegten Backlohn, taten aber wenig zur Erhaltung der Backhäuser, so dass einige unbrauchbar wurden und die betroffenen Gemeinden unter Umgehung des Zwangsbackrechts einen zweiten Ofen im Dorf errichteten, was ihnen immer Ärger mit der Obrigkeit einbrachte.
Die Gutsherren, Klöster usw. - sie waren meist auch die Lehnsherren - hatten für ihren Hausbedarf meist eigene Bäcker, die unentgeltlich und in unbegrenzten Umfang kneten und backen mussten, aber auch für den Transport der Backwaren ins Gutshaus oder Kloster usw. verantwortlich waren. Der Bäcker erhielt jedoch für seinen Eigenbedarf eine bestimmte Menge Teig als Backlohn, ebenso seine Gesellen als Knetelohn.
Die lehnsrechtliche Organisation der Zwangsbacköfen blieb im allgemeinen bis ins 19. Jahrhundert hinein unverändert erhalten. Erst mit dem Ende der Wirtschaftsform der Feudalzeit Anfang/Mitte des 19. Jahrhundert, änderten sich die oben beschriebenen Zustände. Es begann der Übergang vom Zwangsbackofen wieder zum Gemeindebackhaus oder den Privatbacköfen der größeren Bauern. Meist wurden die bestehenden Backhäuser an die Gemeinden verkauft. Mitunter verpachteten diese das Gemeindebackhaus an einen Landwirt, der nebenberuflich Bäcker war oder backen konnte. Er erhielt als Backlohn je Brot einen Teller Streumehl und 15 Pfennige, von den Pferdebauern 10 Pfennige, ebenso für jeden Kuchen 10 Pfennige, außerdem zur Kirmes eine Gabe an Kuchen oder Geld, zu Weihnachten einen Stollen und beim Schlachtfest eine Schlachtschüssel von jedem Benutzer des Backofens. Alles in Allem also Reste der alten Naturalentlohnung. Die Pferdebauern mussten für ihren verbilligtem Backlohn dreimal jährlich aus dem Gemeindewald das Backholz unentgeltlich anfahren.
Erst später im 20 Jahrhundert wurden nur noch bestimmte Geldbeträge für das Backen im Gemeindebackhaus erhoben. Die Bäuerinnen oder eine Mamsell vom Gesinde waren in der Regel in der Lage Brot oder Kuchen selbst zu backen. Dafür musste ein festgelegter Betrag für die Benutzung des Backofens an die Gemeinde bezahlt werden. Sie war für den Erhalt des Backhauses verantwortlich. Die Gemeinden erließen meist eine Backhausordnung, in der festgelegt war, welche Beträge für das Backen von Brot, Kuchen und andere Nutzung des Gemeindebackofens zu entrichten waren. Festgelegt waren auch die Backzeiten und Dienste der einzelnen Familien im Ort beim Anfeuern des Ofens, beim Backen und Saubermachen hinterher. Langsam aber sicher sind dann schon vor, im und nach dem Krieg 1939/1945 die meisten Backhäuser in den einzelnen Gemeinden aufgegeben worden
Gegenwärtig (ab 1990) wird in manchen Dörfern ein großer Aufwand betrieben, alte Backhäuser und Öfen wieder zu restaurieren und großartige Backhausfeste zu feiern. Wo sich ein „Könner“ findet, wird auch wieder an bestimmten Tagen für die Bürger Sauerteigbrot oder Zwiebelkuchen gebacken. Alte Tradition lebt so wieder auf.
Ob es in Gethles nach Gründung des Dorfes - wahrscheinlich schon bald nach 1150 - ein genossenschaftliches Backhaus gab, aus dem später ein Zwangsbackofen wurde, ist nicht überliefert. Auch in der Ortschronik finden sich keine Hinweise auf die Backverhältnisse in der Gemeinde. Wahrscheinlich ist, dass die größeren Bauern im Dorf einen Privatbackofen betrieben haben und die Nachbarn dort ihr Brot oder ihren Kuchen backen konnten. Fürs 19. bis Anfang 20. Jahrhundert ist das verbürgt. Erst in den 1930-er Jahren hat dann ein Bäcker im Dorf eine Bäckerei gegründet, der ein Kolonialwarenladen angeschlossen war. Arbeiterfamilien, für die die Landwirtschaft nur noch ein Nebenerwerb war, kauften fortan das Brot und die Semmel beim Bäcker oder ließen ihre vorbereiteten Brote und Kuchen dort backen. Der Bäcker in Gethles belieferte auch umliegende Dörfer mit seinen Erzeugnissen, die kein Gemeindebackhaus hatten oder es nicht mehr nutzten. Im Nachbarort Ahlstädt z.B. konnten die Einwohner noch bis in die 1950-er Jahre hinein ihre Brote und Kuchen im Gemeindebackhaus backen.
Nicht unumstritten ist die von einigen Forschern vertretene Ansicht, dass die Slawen (hier die Sorben/Wenden) den Privatbackofen in Teile Thüringens gebracht haben. So auch in die Gegend südlich Walkenried und in die Helme-Niederung, ebenso in die sog. Erfurter Küchendörfer, aber auch in Teile Südthüringens westlich des Rennsteigs. Sie sind der Meinung, dass anfangs vor allem östlich der Saale der Privatbackofen im Dorf bestimmend war, während im Westen das Dorfbackhaus überwiegt. - Der Autor Klaus Wähler glaubt nun, diesen Gegensatz ethnisch erklären zu können. Er hält das Gemeindebackhaus für eine seit 531 von den Franken eingeführte, höher entwickelte Form des genossenschaftlichen Gemeinschaftsgeistes der Germanen, der noch von den fränkischen Siedlern gepflegt wurde.
Den Sorben/Wenden wird dagegen eine individualistische Geisteshaltung zugesprochen, die auf der primitiven Stufe des Privatbackofens verharrten. Sie sollen die Privatbacköfen nach Thüringen gebracht haben, als sie nach Westen vordrangen. oder aber (als Gefangene ?) von deutschen Grundherren angesiedelt worden sind, wie das ja auch für unserer Region belegt ist.
Der Historiker Hävernick glaubt dagegen verschiedene andere Ursachen für die Verbreitung der Backofentypen angeben zu können. Er weist darauf hin, dass für ausgesprochene Kleinbetriebe ein eigener Backofen wirtschaftlich nicht tragbar ist. Da nun infolge der verschiedenen Erbgewohnheiten, die Hofgröße in Thüringen, die in Franken (westlich des Rennsteigs) schon um 1550 weit übertrifft, so sei das Festhalten am Privatbackofen in Thüringen verständlich. Durch die fränkische Realteilung, bei der im Erbfall jeder Nachkomme erbte, wurden die ursprünglich großen Güter in immer kleinere Höfe zersplittert, für die ein Privatbackofen nicht rentabel war.
Weiterhin führt Hävernick landesherrliche Feuerordnungen an, die einen steten Kampf der staatlichen Gewalten gegen die feuergefährlichen Privatbacköfen beweisen.
Meines Erachtens gehen beide von vereinfachten, schematischen Lösungen aus, wobei sie völlig übersehen, dass der Zwangsbackofen wahrscheinlich der Schlüssel zur Lösung der Backhausfrage ist. Die Vernetzung mit der gesellschaftlichen Entwicklung von den Anfängen der Dörfer bis in die Gegenwart wird schlicht und einfach außer acht gelassen. Ich denke, dass die Entwicklung in den Dörfern nach Aufhebung des Feudalnexus (Mitte 19. Jahrhundert) und Aufgabe der Zwangsbacköfen, das Nebeneinander von Privatbacköfen und Gemeindebackhaus begünstigt hat. Dabei ist es im Grunde wenig von Interesse, wer welche Backöfen in die Region gebracht hat.
Lassen wir es dabei: Privatbacköfen werden im 19./20. Jahrhundert mit Sicherheit in den ausgesprochen größeren Bauernwirtschaften betrieben, wohingegen nach der Industrialisierung Arbeiter und Handwerker mit geringem Landbesitz entweder bei einem Nachbarn oder beim Berufsbäcker backen, der sich nun in fast allen der gemischten Bauern- und Arbeiterwohndörfer niedergelassen hat. Eine zufriedenstellende Aussage über diese Thematik wird man wohl wegen der fehlenden Urkundendichte nicht erhalten.

Literatur: Thüringer Heimat Heft 2/56 H. Rosenkranz

Anmerkung: Feudalismus = die im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein geltende Staats-und Gesellschaftsform. Der König als Feudalherr verfügt über den Grund und Boden, das an die Untertanen verlehnt, (verpachte)t wurde. Auch andere Dienste ( z.B. Backhäuser) oder Königsgüter konnten verlehnt werden.

Sonntag, 12. Mai 2019

Altstraßen im und am Harz


heutige Infrastruktur
Ende April 2019 fand im Museum Tabakspeicher Nordhausen ein Kolloquium zu Altstraßen in Nordthüringen und dem Harz statt. Ehrenamtliche Denkmalpfleger und der Thüringer Heimatbund präsentierten die neuesten Ergebnisse bei der Erforschung der Pfade unserer Vorfahren. Die waren nämlich ganz woanders unterwegs als wir heute. Für Phantasiebegabte eine abenteuerliche Reise in unsere Vergangenheit. So begrenzte sich der Zulauf auf ein Häuflein verwegener Enthusiasten, die sich den noch nicht von der Zivilisation verschlungenen Bodendenkmalen widmen. Diese geben nämlich nicht nur Aufschluss über unser Herkommen, sondern auch über die Beziehungen damals zueinander. 
Nordhausen am Harz
Eine Binsenweisheit, die aber kaum einen Wissenschaftler zu interessieren scheint, obwohl die allermeisten Völkerwanderungen der Frühzeit noch im Dunkeln liegen. Die Teilnehmer der Runde hier aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen - allessamt Insider - lobten zwar die vorbildliche Arbeit der ehrenamtlichen Organisatoren und Referenten. Doch das zeigt nur die halbe Wahrheit.

Mit Altwegerelikten beschäftigen sich meist nur Hobbyforscher, oft kleine lokale Gruppen, in der Mehrzahl Einzelkämpfer, die ihre heimatlichen Wälder durchstreifen. Sie vermessen, kartographieren, beschreiben diese inzwischen seit Jahrzehnten - leider ohne Koordinierung und Sammlung. So entsteht ein zusammenhangsloser Flickendeppich, der sich wieder und wieder mit den bekannten Highlights beschäftigt, um anschließend in irgendwelchen Kommoden oder auf Festplatten zu vergammeln.
Spannender Harz
Daran ändern auch die neuen Methoden luftgestützter Radar- und Laservermessungen nichts. Das inzwischen den ganzen Kontinent erfassende und teure LIDAR- System (Light detection and ranging) lässt detaillierte Oberflächenkarten ohne sichtbehindernde Wälder und Häuser entstehen. Darin sind die altwegebegleitenden Hohlwege und Versorgungsburgen sogar übersichtlicher als vor Ort zu erkennen. Junge Archäologen müssten also gar nicht mehr ins Gelände - allein: niemand stellt zwischen ihnen eine Verbindung her oder untersucht bisher unbekannte Stränge. Archäologie bleibt eben Ländersache! Das immer wieder beschworene Altwegesystem in Europa - ein Mythos. Dessen waren sich in Nordhausen alle Ehrenamtlichen bewusst. Ihre gegenteiligen Versuche blieben bisher immer bei den Ämtern im Sand stecken.
Theoretischer Harzkamm
 

So versuchen sie wenigstens Schwerpunkte zu setzen: Nachdem Südthüringen jahrelang im Fokus ihrer Bemühungen stand, nun der Harz und sein Umfeld. Geostrategisch scheinen Harz und Thüringer Wald das blanke Gegenteil. Am Rennsteig empfiehlt sich der 160 Kilometer lange Kammweg, eingebunden in das Höhenzügenetz der deutschen Mittelgebirge. Auch auf den Wegen von Nord nach Süd war man gezwungen, es irgendwo zu über queren. Der Harz hingegen: ein scheinbar vor dem Mittelalter menschenleeres Haufengebirge, das zudem leicht umfahren werden konnte. Doch der Schein trügt. Analysiert man die wasserscheidenenden Höhenrücken, entsteht das gleiche Zwangswege-System einer Wasserscheide wie am Rennsteig (Siehe Meine Google-Maps-Karte):
Altwege in und um den Harz bei Google-Maps
Es zeigt sich eine natürliche, bequeme und sichere Ost-West-Trasse von der sich dutzende Bergrücken in die Ebenen nach Norden und Süden ziehen. Da der äußerste Westen total mit Tälern durchfurcht ist, musste der Einstieg zum Kammweg bei Goslar entstehen. Von dort zog er nun bis in die Nähe von Eisleben im Osten. Von diesem System konnte nun, wie in anderen Gebirgen auch, Teilstücke je nach Bedarf genutzt werden. Natürlich mit vielen Varianten und Abkürzungen!
Damit kann dieses Wasserscheidenprinzip, neben Hohlwegen und Urkunden, als sicherstes Indiz für die bis ins 19. Jahrhundert hinein unbefestigten Wege im Gebirge herhalten. Das Äquivalent in der Ebene wären Wege auf Höhenrücken zwischen Quellen und Sümpfen hindurch. Flussquerungen gab es nur im Notfall. An solchen Furten entstanden dann meist wichtige Siedlungsknoten. In dieses zunächst hypothetische System passen plötzlich nicht nur die vielen Furchen, hinweisenden Flur- und Ortsnamen, Kreuze, Wegesteine und Geländedeformationen von ehemaligen Sicherungsstationen, sondern auch die historisch belegten Bewegungen von Heerführern, Händlern, Bergarbeitern selbst Hirten. Natürlich alles ausgerichtet nach wirtschaftlichen oder militärischen Interessen.  
Gleiche Ansicht mit anderer Basiskarte
Maik Hauf aus Harzgerode und Udo Münnich aus Pansfelde stellten in dem Kolloquium einige Altwege im Harz vor. Sie sind davon überzeugt, dass Viehhaltung und Bergbau schon immer die Menschen in das Mittelgebirge gelockt haben müssen. Aus ihren Ausführungen und anderen Quellen entstand die o.g. Google-Maps-Karte. Sie versucht, die Stränge so exakt wie möglich nachzuvollziehen. Darin bedeuten:

  • dicke rote Linie: fiktiver Harzkamm mit Wegeteilstücken
  • dünne rote Linie: andere bekannte und vermutete Altstraßen, den Harz tangierend
  • lila Linien: vom Kamm abgehende Bergrücken, die wahrscheinlich als Altwege genutzt wurden
  • hellblaue Linie: Altstraßen nach beurkundeten Orten
  • Kreis-Button: untersuchte neolithische Siedlungen, meist Kreisgrabenanlagen
  • Berg-Butten: nachgewiesene und vermutete spätbronzezeitliche und früheisenzeitliche Siedlungen
  • Burg-Button: Befestigungen ab dem Frühmittelalter, auch wenn da anfangs noch nicht mit Stein gebaut wurde
  • gelbe Stecknadel: weitere auf Altwege hinweisende Relikte, wie Hohlwege, Flurnamen und historische Ereignisse


Es entstand ein Wegenetz völlig außerhalb unserer heutigen Infrastruktur. Der Harz wird dabei von bedeutenden Altstraßen regelrecht eingerahmt. Dazu zählen genau untersuchte, wie die Kupferstraße, mit der Bernd Bahn 1965 den Anstoß für die Altwegeforschung in Mitteldeutschland gab. Außerdem finden sich da viel zitierte, aber lückenhaft klassifizierte, wie die Heidenstraße von Köln nach Leipzig oder die Eggewege, von Osnabrück nach Magdeburg.
Wege gab es, seit es Wagen gab
Es erscheinen aber auch Trassen, die vollkommen vergessen wurden, wie die von der Nordsee nach Donauwörth und weiter (Siehe unten!). Innerhalb dieses Karrees wimmelt es nur so von beurkundeten und zwangsführenden Wegen.
Trotz ständiger Überbauung ermöglichen sie uns manchen interessanten Rückschluss. Beispielsweise lassen sich die bekannten Altstraßenteilstücke im Ohmgebirge leicht miteinander verbinden. Auch die berühmten Fürstenwege im Kyffhäuser finden im Westen Anschluss. Der Fastweg oberhalb des Sösestausees muss dem Fastweg südlich von Hattdorf entsprechen usw. Neben den bekannten Relikten des Harzes sind in der Karte nur solche Flurnamen besonders hervorgehoben, die anderenorts im Zusammenhang mit bestätigten Höhensiedlungen oder frühzeitlichen Wegen stehen. Auch im Harz sind solche Ableitungen zu vermuten. Deutlich wird ebenfalls, wie sich die Flurnamen außerhalb dieses Netzes stark verändern, was auf ihre jeweilige zeitliche Nutzung hinweist. Die an den Wegen müssen sie viel älter sein.
Heinrich I. mit Gemahlin
Hervorzuheben wären zunächst die großen Trassen aus dem Mittelalter. Dazu zählt der Kaiserweg zwischen den Pfalzen Goslar und Tylleda, seit 744 durch den Heerzug des fränkischen Hausmeiers Pipin belegt. Besonders ab dem 10. Jahrhundert scheint es mit Heinrich I. als sächsischer Herzog und König des Ostfrankenreiches auf dem Kaiserweg hoch hergegangen zu sein. Davon zeugen die kleinen noch heute sichtbaren Wallanlagen entlang seines Verlaufs. Schon damals deuten sich mehrere Varianten der Wegeführung an. Ihre Sicherungsburgen damals untersucht Martin Freudenreich vom Landesamt für Denkmalpflege in Halle. Er sieht Verbindungen bis zu den mittelalterlichen Salzstraßen nach Böhmen und Brandenburg.
Eine weitere mittelalterliche Straße durch den Harz ist die sog. Via Romea, die der Abt Albert von Stade im Jahre 1236 von seiner Pilgerreise aus Rom kommend beschreibt. Mit dem Verlauf Ebeleben, Nordhausen, Hasselfelde, Wernigerode und Hornburg wird er sich aber bereits auf heutigen Trassen zwischen den Dörfern bewegt haben. Die bedeutendste Verbindung im Spätmittelalter scheint die Alte Leipziger Straße von Kassel herrührend gewesen sein. Sie lässt sich in unserer Karte übrigens mühelos mit der Hohen Straße und dem Fastweg im Westen verbinden. Zu nennen wären aber auch Deit- und Eggewege, mehrere Heer-, Wein-, Wäng-, und Wagenstraßen. Genau kennt sie alle Pierre Fütterer von der Uni in Magdeburg, der sie für seine Dissertation gesammelt hat. Er ist mit Martin Freudenreich einer der wenigen jungen Wissenschaftler, die sich für das Thema interessieren.
Die Kupferstraße von Bernd Bahn
Bei manchen dieser Hochstraßen wurde die Herkunft aus der Bronzezeit nachgewiesen, wie der Heidenstraße und der Kupferstraße. Das belegen die Funde entlang ihres Verlaufes. Auch die vollkommen vergessene Trasse - Stade-Rennsteig (Alfeld) - Rennstieg (Hainich) - Rennsteig (Thüringer Wald) - Rennweg (Hassberge) und weiter bis Rom könnte nach den begleitenden Flurnamen und Altbefestigungen aus der Frühzeit stammen. Älter jedenfalls als die Wegbeschreibungen unseres Alfred von Stade!
Die Anfänge müssen nicht nur bei der Kaiserstraße mindestens bis ins Frühmittelalter von 500 bis 1000 unserer Zeit zurückreichen, beginnend mit den fränkischen Eroberungen von Thüringen und Sachsen. Die vielen „Pfaffenwege“, Petersberge, Steinkreuze, Zell-, Hexen- und Teufelsplätze deuten auf einen Zusammenhang mit der Christianisierung hin. Insbesondere die Sachsenkriege Karl des Großen könnten auch den Harz erreicht heben (Karlsrode, Karlshöhe, Karlsberg). Selbst die Römer scheinen Bekanntschaft mit den Bewegungslinien der Germanen gemacht zu haben, das jedenfalls legt die Schlacht am Harzhorn 235 n. Chr. nahe.
Doch mit Sicherheit sind die Wege in und um den Harz noch viel älter: Markus Wehmer aus Einbeck hat ein Stück der Alten Leipziger Straße in der Goldenen Aue bei Windehausen ausgegraben.
Kontinentalweg, den Harz tangierend
Er fand eine breite Trasse aus dem 16. bis ins 19. Jahrhundert, unbefestigt, aber immerhin schon mit Straßengraben, dem ältesten überhaupt. Die Chaussee war jedoch das jüngste, was bei den Grabungen zum Vorschein kam. Es fanden sich nämlich auch Siedlungen der ersten Bauern um 5350 v. Chr., solche aus der Bronzezeit ab 2200 v. Chr. bis in die frühe Eisenzeit um 600 v. Chr., dazu ein Wagengrab mit noch angeschirrten Rindern von 3100 v. Chr. Das alles zeugt von einer durchgehenden Umtriebigkeit. Übrigens im gesamten Gebiet rund um den Harz, beispielsweise mit der spätneolithischen Pipinsburg bei Osterode oder der spätbronzezeitlichen Hünenburg bei Watenstedt.

Und der Harz selbst? Keine Dolmen, keinen Hügelgräber, keine Ringgrabenstrukturen, keine Terrassenberge! Sonst die sichersten begleitenden Belege für die Vorgänger von Altstraßen, nennen wir sie Urwege. Doch die Experten auf der Tagung in Nordhausen waren sich einig: Obwohl es kaum archäologische Funde gibt, muss auch dieses Mittelgebirge seit der Frühzeit besiedelt gewesen sein. Der Autor Michael Köhler, aus Jena sieht Hochweidebetrieb der Schnurkeramiker, andere frühesten Bergbau.
Es sind vor allem die Flurnamen in den Bergen, die eine voreisenzeitliche Bewegung plausibel erscheinen lässt. Denn als die Germanen ab vielleicht 300 v. Chr. in die Region einwanderten, könnten sie die Orte nach Absonderlichkeiten und Mutmaßungen ihrer vormaligen Nutzung bezeichnet haben: Festenburg, Todtemannberg, Huneberg, Schlosskopf, Kronsberg, Stierberg, Heidenstieg, Alte Burg usw. Solche Namen finden sich nicht nur im Thüringer Wald, sondern auch im gesamten deutschsprachigen Süden. Dort führen sie sehr oft zu ausgegrabenen oder mutmaßlichen Altsiedlungen und keltischen Wallanlagen. Das trifft besonders auch auf fremdklingende oder irreführende Bezeichnungen in Höhenlagen zu, wie bei Katzenstein, Hunderücken, Kaltetal. In Süddeutschland ist das zwar alles intensiver, aber der Zusammenhang scheint unverkennbar! Zumindest deuten sich landwirtschaftliche Stufenstrukturen auch in Clausthal-Zellerfeld, Hohengeiss, Braunlage, sowie an Hoher und Kleiner Äbtissin an.
Christlich überbaute heidnische Kultplätz
Das trifft auch auf die Gewohnheit während der Christianisierung zu, vermeintlich heidnische Kultplätze der Altvorderen mit Kapellen und Kreuzen zu überbauen: Zellerfeld, Kapellenfleck, Kirchberg etc. Letztlich empfehlen sich - wie anderen Orts auch - mehrere Felsplateaus auf der Höhe als prähistorische Wegesicherung. Das trifft besonders auf den alles beherrschenden Wegeknoten östlich von Topfhaus zu. Die fehlenden Grabhügel könnten darauf hinweisen, dass zwischen 1600 und 1200 v. Chr. niemand zugange war. Doch wie nördlich der Alpen auch, müssen die meisten wasserscheidenden Urwege bereits im Mittelalter ihren Sinn verloren haben.
Natürlich ist das alles hypothetisch, können nur Grabungen einen Nachweis bringen. Aber es gibt ja die Vergleichende Archäologie und die Wahrscheinlichkeitstheorie. Und da sind wir bei den handfesten Belegen. So finden sich zunächst an den Pässen, neben den zahlreichen Steinkreuzen auch scheinbar geschliffene Großsteine, die anderen Orts gerne als Wegmarkierungen durch Menhire gedeutet werden.
Wurmberg bei Braunlage
Und dann gibt es diesen sagenumwobenen Wurmberg genau in der Mitte von Gebirge und Kammweg. Der zweithöchste Berg im Harz bei Braunlage ist mit Felsbrocken scheinbar chaotisch übersät und heute touristisch vollkommen überbaut. Trotzdem weist eine Hinweistafel auf vielerlei Rätsel um seine Geschichte hin. Aus den Geröllhaufen schälen sich nämlich eine „Heidentreppe“ aus unbehauenen Bruchsteinen, eine Terrasse mit Trockenmauern, kreisrunde Steinwälle und -haufen, ein quadratisches Fundament und ein großer ovaler Steinwall auf dem westlichen Plateau. Obwohl ein Archäologe bereits 1956 hier eine prähistorische Kultstätte konstatierte, neigt die Wissenschaft heute eher dazu, alles den Machenschaften eines Oberförsters Daubert von 1825 zuzuschreiben. Das aber sehen einige Forscher anders. Z.B. wird das Steinquadrat auch als Kapellenfundament interpretiert, die Absätze auf halber Höhe als Stufenfelder und mehrere Großsteine als Opferstöcke.
Typischer Hohlweg
Der Gleichklang von archäologischen Ergebnissen, Flurnamen, Altwegen, Sagen und strategischer Lage ist doch ziemlich typisch in der Forschungsgeschichte bei Siedlungsfunden. Dass die Ausgräber keine datierungsfähigen Fragmente finden konnten, könnte auf megalithische Zeitstellungen hindeuten, wie sie zwischen 4000-2600 v. Chr. nicht nur um den Harz und an seinen Rändern massenhaft gebaut wurden. Was natürlich noch nicht die Frage klärt, warum sich Menschen in so unwirtlichen Höhen nieder ließen. Unbenommen der Tatsache, dass das Klima damals zumindest partiell viel besser gewesen sein soll, muss die Antwort auf diese Frage wahrscheinlich in den Altwegen, bzw. deren Vorgängern gesucht werden. So hieß der Kaiserweg teilweise früher Heidenstieg. Der Wurmberg überblickt den gesamten Harz, außer nach Norden zum Brocken hin. Dort könnte die Situation mit Teufelskanzel und Hexenaltar ähnlich sein und die Ursprünge des Hexenkultes im Harz erklären. So wie die heidnischen „Herschekloße“ in Südthüringen! Doch das sind Spekulationen. 
Woher stammt der Hexenkult im Harz?
 

Also müssen die Heimatforscher hier weitermachen. Das Kammdreieck in Hohegeiss interpretiert Hans-Joachim Grönke aus Nordhausen als wichtigen Altwege-Knoten ähnlich wie Oberhof am Thüringer Rennsteig. Die Höhe um die heutige Kirche wird mit tiefen Hohlwegen und Terrassen regelrecht eingekreist. Die Situation entspricht gleichen Strukturen anderen Orts, wo spätbronzezeitliche oder früheisenzeitliche Artefakte und Befestigungsanlagen gefunden wurden. Ohne mich am Streit über den Namen Geiss zu beteiligen: Geisberge gibt es Dutzende in Deutschland und viele davon verweisen auf Höhenwege. Udo Münnich aus Pansfelde versucht außerdem das Alter der Wege anhand der Spurweite von Karren und Wagen zu ermitteln (Mittelalter: 85-110 cm, Neuzeit 120-150, Bergbauweg 85, Reitwege 40-50 cm). Die maximale Neigung gibt er bei Karren mit 10 und bei Reitern mit 25 Grad an. Das Tagespensum von Ochsen erkennt er mit 10-20 Kilometer, Pferden 30-50, eilige bis zu 100. Dazwischen aber mussten immer ein Lager, eine Versorgungssiedlung oder eine Sicherungsstation gelegen haben, befestigt selbstverständlich. Das ist in der Karte über den gesamten Kammweg hypothetisch auch nachvollziehbar. Es sind wieder die gleichlautenden Flurnamen, die besonders in Süddeutschland sehr oft zu ausgegrabenen oder verdächtigen Siedlungsplätzen führen. Wer genau hinschaut, entdeckt sie selbst im Westen des Harzes zwischen Clausthal-Zellerfeld und Windhausen, vermutlich fränkisch belegt.
Frühmittelalterliche Burg - heute nur noch
durch Wälle und Gräben erkennbar
Doch all das ersetzt natürlich keine archäologischen Grabungen. Die aber sind begrenzt. Jeder Heimatforscher, der sich ausschließlich auf Urkundenbelege beschränkt, bleibt so im Mittelalter befangen. Andersherum halten sich auch hartnäckig Mythen, wie um die latenèzeitlichen "Fliehburgen", dem Mittelalter zugerechnete Terrassenfelder oder die massenhaft vorkommenden „Galgenberge“, deren offizielle Erklärungen viele Altwegeforscher nicht überzeugen können.

Fazit: Die Altwege-Runde kam überein, dass man selbst in der Frühzeit über den Harz immer noch schneller gewesen sein muss, als Drumherum. Das Seminar in Nordhausenn - für die engagierten Waldläufer sicher ein Genuss - zeigte aber auch die Mängel auf, die sich durch teils unkoordinierte Arbeitsweise zwischen den Ländern in der Archäologie ergeben. Und man hat noch viel zu tun: Besonders der Osten des Harzkammweges zeigt sich bisher wenig erforscht. Er scheint nach den Flurnamen sogar älter als der Kaiserweg gewesen zu sein, nicht aber so lange genutzt. Übrigens: So dicht wie der Harz historisch besetzt war, so sieht es in ganz Europa aus.
Die Höhenwege auf unserem Kontinent können also mehr hergeben, als Trimm-Dich-Pfade, Spaß-Strecken oder Pflanzenschulen. Was eine archäologisch aufbereitete Altstraße bewirken kann, zeigen der Keltenerlebnisweg in Franken, die Hohe Straße in Thüringen und der Kaiserweg im Harz.
Nun mag das den meisten Menschen völlig egal zu sein. Was aber passiert, wenn man sich nicht systematisch erinnert, führen uns die Zerstörungen des letzten Krieges in Nordhausen vor Augen.

Freitag, 26. April 2019

Der Ortesweg - Prähistorische Kammstraße per pedes und Rad


Ortesweg mit prähistorischen Relikten
Wiedermal eine selbst abgefahrene Altstraße, wiedermal habe ich versucht, ihren urzeitlichen Verlauf exakt nachzuvollziehen (Siehe Meine Karten bei Google Earth), wiedermal ist ein Zwangsverlauf über Höhenrücken mit wenigen Furten heraus gekommen. Dabei gehört der Ortesweg von Marburg nach Bamberg zu den wenigen mittelalterlichen Straßen, denen selbst anerkannte Historiker ein viel höheres Alter zugestehen.
Das macht durchaus Sinn, denn der Handel zwischen den frühen Siedlern im Hessischen Bergland, in der Rhön, im Grabfeld und in Oberfranken ist ja archäologisch nachgewiesen. Der Ortesweg könnte den Völkerwanderungen in der Frühzeit gedient haben, noch während der fränkischen Invasion in Thüringen und Bayern, sicher aber während der Christianisierung vom Kloster Fulda aus. Urkundlich ist so eine mittelalterliche Heer- und Handelsstraße über uns gekommen, die das Marburger Land und den Osten des Römischen Reiches Deutscher Nation miteinander verbunden hat.
Der Ortesweg führt knapp an Südthüringen vorbei
Das Problem nur: Wiedermal gehen aus diesen Schriftstücken nur die durchzogenen Ortschaften hervor, wiedermal haben alle Altstraßenforscher diese nur theoretisch verknüpft, wiedermal scheint niemand im Gelände unterwegs gewesen zu sein. Wenn man sich aber sämtliche neuzeitliche und mittelalterliche Infrastruktur auf dieser Trasse wegdenkt, bleiben nur Hügelgräber, Hohlwege längs der Wasserscheiden, bekannte oder vergessene Höhenbefestigungen, siedlungsferne Schanzen und Terrassen sowie beziehungsvolle Flurnamen übrig, die die ersten Germanen den Relikten ihrer Vorgänger gegeben haben müssen.
Wie man so etwas erkundet, habe ich mehrfach in diesem Block beschrieben. Ich kann mich also auf den Verlauf konzentrieren. 
Legende:

·         rote Linien: Ortesweg -dick - im Netz bekannter prähistorischer Höhenwege

·         lila Linien: noch nicht vollständig recherchierte Altstraßen

·         Blaue Ringe: strategisch angelegte urzeitliche Befestigungen

·         3 blaue Punkte: frühzeitliche Relikte, die mit dem Weg in Verbindung stehen könnten

·         Blaue Burg: Mittelalterliche Befestigungen, die wahrscheinlich auf vorzeitlichen Höhensiedlungen stehen

·         Rote Burg: bedeutende bronze- und früheisenzeitliche Höhensiedlungen

·         3 lila Punkte: beurkundete Durchzugsorte 

·         3 rote Punkte: Ortesweg direkt benannt
Diese farbliche Unterscheidung ist deshalb notwendig, weil ich mich hier auf den prähistorischen Verlauf konzentrieren möchte. Und wir werden sehen: die Differenz zum mittelalterlichen Weg ist besonders dort gegeben, wo breite Hochflächen viele Alternativen anbieten. 
In der Geländeansicht ist ein besserer Abgleich möglich

Bei den Flurnamen habe ich ausschließlich solche verwendet, die gleichlautend anderen Orts entsprechende archäologische Funde hervor brachten.
Start also in Marburg, das ja seit der Steinzeit über alle sesshaften Kulturen hinweg besiedelt war. Bekannt sind Hügelgräber um 1500 v.Chr., ein frühbronzezeitliches Grab und die Wallanlage Schanzenkopf aus dem Frühmittelalter. Unbeachtet, aber mit typisch urzeitlichen Bezug sind Flurnamen wie Ortenberg, Hohenstein, Weimar, Ringmauer, Dommels(Dom)berg, Kirchspitze und Wein(Weg)berg. Ausdrücklich möchte ich auf die Terrassen an Hasenkopf, über Cappel und am Richtsberg hinweisen, wie sie viele untersuchte keltische Siedlungen umschließen.
In der Karte fällt sofort auf, dass der mutmaßliche mittelalterliche Weg (lila) in jedem Fall eine ständiges Auf und Ab der Strecke bedeuten würde, sowie die Nutzung der in der Frühzeit noch versumpften Täler. Das ist erst ab den fränkischen Siedlern um 600 herum logisch, deren Dörfer ja angefahren werden mussten. Kürzer, kräftesparender, sicherer ging es für die alten Fernreisenden über die wasserscheidenden Höhenwege. Das ist meine eingezeichnete Trasse.
Zwischen Vogelberg und Fulda sind zwei Trassen plausibel. Ich bin beide abgefahren. Sie ähneln sich hinsichtlich Länge, Höhendifferenz und Konzentration der urzeitlichen Artefakte. Fulda könnte ebenfalls aus einer alten Furt dort hervor gegangen zu sein. Typisch auf jeden Fall die beidseitige Absicherung des Flussübergangs mit den Wallanlagen auf Steinberg und Rauschenberg. 
Mittelalterliche Altstraße =
bronzezeitlicher Urwege?
An der Milseburg bin ich mir nicht sicher. Natürlich musste das Kelten-Oppida angefahren worden sein, aber die „trockene“ Höhenstrecke verläuft über die Schanze auf dem Stellberg.Die nächste Ballung strategischer Anlagen findet sich dann um Bad Neustadt an der fränkischen Saale. Die meisten Forscher präferieren den dortigen Veitsberg als die legendäre Königspfalz Salz. Wer die mickrigen Ausgrabungsergebnisse da oben kennt, weiß, dass hier niemals ein herrschaftliches Gefolge untergekommen wäre. Dazu der Umweg! Ich vermute die frühmittelalterliche Holzbefestigung direkt über Salz auf der Luipoldhöhe. Trotz der Überbauung mit einem typischen Höhensportplatz (ebene Fläche) sind die Abschnittswälle noch deutlich zu erkennen. Im Hochmittelalter muss der Ortesweg natürlich die Salzburg nebenan tangiert haben.
Der Rennweg dann in den Haßbergen ist ja als Keltenerlebnisweg ausgiebig erforscht. Auch Bamberg glänzt mit entsprechenden Funden, besonders seinen urzeitlichen Götzen.
Bronzezeitliches Marburg am Anfang des Ortesweges
Hallstadt, dessen Namensvetter in den Alpen der vorkeltischen Kultur ihren Namen gegeben hat, muss sicher nicht hervorgehoben werden. Es gibt dort am Zusammenfluss von Main und Regnitz aber eine völlig vergessene Wallanalage: Der Vieretsknock ist nicht nur größer und sicherer als alle bekannten befestigten Siedlungen im Umkreis, er verfügt auch mit dem Kreuzberg über einen noch heute - natürlich christlichen - genutzten Kultplatz. Sogar die mutmaßliche Prozessionsstraße zwischen beiden ist noch zu erkennen.   

Natürlich muss auch der Ortesweg in der Gesamtheit der europäischen Altstaßen gesehen werden. In der Karte sind wichtige Schnittstellen mit anderen Urwegen eingezeichnet. Seine strategische Ausrichtung von Nordwest nach Südost macht in der Frühzeit nur Sinn, wenn man den Ärmelkanal und den Orient im Blick hat. Wie wir wissen, sind ja keltische Volcae auch in Anatolien aufgetaucht. Der Ortesweg lag zwar außerhalb des römischen Straßennetzes, aber Karl der Große hat ja mit seiner Fossa Carolina einen Schifffahrtsweg von der Nordsee bis ins Schwarze Meer verfolgt.
Handelsknoten Bamberg am Ende des Ortesweges
Um den alten Kanal zu graben, musste man erst mal dorthin kommen. Es ist also notwendig, seine Fortführung an den Enden zu betrachten. Marburg stellt einen wichtigen Altstraßen-Knotenpunkt dar. Von hier führte auch die Brabanter Straße seit Urzeiten nach Köln und Lüttich. Bamberg hatte über den östlichen Keltenweg in Franken Anschluss an die Donauebene, Wien und damit Konstantinopel.
Doch begnügen wir uns mit dem Ortesweg. 233 km quer durch Deutschland, weitab vom Massentourismus? Ein Ochsengespann der frühen Bauern hätte von Marburg nach Bamberg 12 Tage gebraucht. Mit dem Fahrrad schaffte ich die Strecke in einer Woche und hatte noch Zeit für Besichtigung der eingetragenen Denkmale aus schriftloser Zeit. Für Geschichtsinteressierte über das Mittelalter hinaus ist das kaum zu toppen. Viel Spaß!