Freitag, 25. Dezember 2015

Ahlstädt und seine Geschichte von C. A.

Das Nachbardorf von Gethles konnte 2013 das 800 jährige Jubiläum der Ersterwähnung feiern. 1212 beurkundet Graf Poppo von Henneberg, dass er und sein Bruder dem Kloster Veßra bestimmte Güter entzogen haben. Diese Urkunde ist von einem Konrad von Alstat als Zeuge mit unterschrieben und mit ihr beginnt die Geschichtsschreibung für die heutige Feldsteingemeinde Ahlstädt.
Es wird damit fast 150 Jahre früher in einer Urkunde genannt als Gethles, das ja bekanntlich erst um 1360 in einem Fronbuch, dem „Urbar“, mit dem lat. Titel „liber dominorum neorum“ der Grafen von Henneberg-LaSchleusingen schriftlich erwähnt wird. Wann die Dörfer im Kleinen Thüringer Wald tatsächlich gegründet wurden, liegt im Dunkel der Geschichte. Laut Prof. Lorentzen „kann man es aber als sicher annehmen, dass die Zechsteindörfer Gethles, Ahlstädt, Bischofrod, Keulrod und Eichenberg, wie auch Neuhof, bereits im 11./12. Jahrhundert angelegt worden sind.“
Womöglich sind diese Dörfer, also auch Ahlstädt, aber noch viel älter. Bei der Identifizierung von 94 Ortschaften im Hessischen Staatsarchiv Marburg, die in einer lateinisch geschriebenen Urkunde aufgeführt sind und die zwischen 802 und 817 geschrieben wurde, tendierte man dazu, dass mit dem darin genannten Dorf „Altensteten“, die Gemeinde Ahlstädt im Kleinen Thüringer Wald (1) gemeint sein könnte. Der Suhler Autor und Heimatforscher Fischer vermutet ein viel höheres Alter auch für die anderen Zechsteindörfer. (1) Sie sollen eventuell als Einzelhöfe mit Vorspanndiensten für die Frachtwagen aus dem Maingebiet zur Eisernen Hand und zum Oberhofer Pass bereits um 800 vorhanden gewesen sein. Heimatforscher sind jedoch der Ansicht, dass es für das Umland Schleusingen keine Hinweise auf eine frühe oder gar prähistorische Besiedlung gibt. Auch in der Zechsteinflur sowie in und bei den Zechsteindörfern selbst, gibt es keine vorgeschichtlichen Bodenfunde.
Das Dorf Altstädt liegt im Durchschnitt 459 Meter hoch am Sandbach auf dem Zechsteinrand des Kleinen Thüringer Waldes, der einen verhältnismäßig guten Ackerboden abgibt. Dementsprechend war der Ackerbau bis in das 20 Jhd. hinein die Hauptbeschäftigung der zeitweise bis zu 150 Einwohner. Die Gemeindemarkung Ahlstädt wird begrenzt im Norden durch das Gebiet der Gemeinde Altendambach, im Osten durch die Flur Gethles, im Süden durch die Gemarkung der Gemeinde Lengfeld, im Westen durch die der Gemeinde Bischofrod. Die Gemeindemarkung umfasst eine Fläche von 232 ha, davon 95 ha Ackerland, 42 ha Grünland und 95 ha Wald. Die Wasserversorgung sicherte ein Laufbrunnen, Ende des 19. Jhd. entstand eine Wasserleitung, an die die Häuser angeschlossen sind, gespeist von einem Wasserbassin mit ergiebiger Quelle.
Während Gethles von Anfang an nach Schleusingen eingepfarrt gewesen ist, und den Kirchsnzehnten dorthin abzuliefern hatte, scheint Ahlstädt kirchlich dem Kloster Veßra angeschlossen gewesen zu sein. In einer Urkunde aus dem Jahr 1348 „verkauft Graf Johann I. an das Kloster Veßra „vier Pfund geldis in dem dorfe zu Alstat und ein Pfund geldis in dem dorfe zu Adeloldis (Neuhof)“.
Das heißt, von den an den Grafen in Schleusingen zu zahlenden Abgaben an Geld, gehen die vor genannten Beträge an das Kloster Veßra. Später gehört das Dorf zum Kirchspiel Bischofrod. Die Kinder gingen seit ca. 1725 nach Lengfeld in die Schule, ab 1886 nach Neuhof, bis deren Schule 1961 geschlossen worden ist.
In dem oben genannten „liber dominorum neorum“, das um 1360/62 von gräflichen Beamten für die unmündigen Söhne des Grafen Johann I., der 1359 gestorben war, geschrieben worden ist, ist Alstat nach Gethles und vor Eichenberg in diesem Fronbuch eingetragen. Es ist im Grunde ein Verzeichnis, in dem die Zugehörigkeit der Dörfer zu den Gerichtsbezirken (Centgerichte) , alle Abgaben (Geld und Naturalien) an die Herrschaft und kirchliche Einrichtungen sowie zu erbringende Fronleistungen eingetragen sind. Die Eintragungen auf der Seite 42 des vor genannten Buches betreffen die Dörfer Alstat und Eychenberg. Der Schriftsatz für Ahlstädt lautet: "Alstat suchet meiner herren geriechte nach gewohnheit. Sie (die Bauern) geben 4 Pfund heller zu zwen tziten. Sie geben 2 malter Slus(sunger) mazzes habern. Sie geben 1 malter habern für küchenholtz dem fryboden und solden für 21 fuder holtz. Sie geben notbete und dinst nach gnaden.
Die Rodungsbauern in Alstat lebten anfangs in einem Nachbarschaftsverband und es wurde schließlich, wie die meisten anderen Dörfer, um 1445 eine Gütergemeinde und damit eine politische Dorfgemeinde, die zum Amt Schleusingen gehörte. 1404 ist das Dorf mit anderen als Witwengut für die Gräfin Mechthild in einer Urkunde vom 2. Mai 1404 aufgeführt. Um 1500 gibt es in Ahlstädt 11 Güterbesitzer die sich in 4/4 Güter (Bauernwirtschaften) teilen müssen. Nach Bildung der Gütergemeinde müssen die Bauern in Ahstädt auf Einnahmen aus den Verkauf von Naturalien, Vieh und Holz jeden 10. Pfennig davon an die Obrigkeit abführen. Das sind für das Jahr 1520 6 1/2 Gulden. Mit dieser Steuer erfolgte eine buchstäbliche Zehntung der Einnahmen der Bauern. An Erbzinsen haben sie außerdem 14 Gulden, 5 Groschen sowie 2,5 Malter Hafer abzuführen und auf Weisung der Obrigkeit Frondienste auf deren Feldern zu leisten. (3 Gulden kostete zu dieser Zeit ein Mastschwein.) Ahlstädt durfte schon früh eine Schafherde halten. Die Schafstrift musste von der Obrigkeit genehmigt werden und selbst dafür wurden Abgaben gefordert. Die schamlose Ausbeutung der Bauern durch die Obrigkeit führte schließlich zu einer katastrophalen Verelendung der Bauern und Ortschaften. Die Konflikte mit den Herrschenden führte 1525 zum Bauernkrieg. In unserer Gegend besetzten Bauern aus Themar und anderen Orten am Ostersonntag 1525 das Kloster Veßra und machten ihren Unmut Luft. Geplündert wurde aber nicht. Unser Nachbardorf beteiligte sich jedoch, wie auch Gethles, nicht am Bauernaufstand.
Das beweisen die Unterlagen im Archiv Meiningen. 1578, so wird in der Orts-Chonik vermerkt, verletzte der Bauer Hans Amberg, auch Schrei-Hans genannt, den Schäfer Hans Rumpel im Streit mit einer Axt so schwer, dass dieser nach 5 Tagen stirbt. Wie das geahndet wurde ist nicht bekannt. Ansonsten ist über das Zusammenleben der Einwohner in der Frühzeit des Dorfes wenig überliefert worden.. Erst nach der Reformation und nach 1550 gab es einen ersten unregelmäßigen Schulunterricht für die Kinder der Dörfer (Küsterschule). Neben dem Auswendiglernen von Katechismen wurde bald auch Lesen und Schreiben gelehrt, so dass nun auch die Bauern eine bescheidene Bildung erlangten und etwas aufschreiben konnten.
1606 müssen auch die Güternachbarn des Dorfes Ahlstädt die Erbhuldigung auf die neue sächsische Herrschaft ablegen, zu der sie ab 1583 gehören. D.h. sie müssen einen Treueschwur auf die sächsischen Herzöge der Wettiner leisten. Um diese Zeit leben im Dorf 10 Güterbauern-Familien und 2 Witwen von Güterbauern, insgesamt 52 Einwohner. Noch um 1500 waren es lediglich 4 Familien von Güterbauern mit 19 Einwohner. Damit bestätigt sich auch in diesem Ort, das rasante Bevölkerungswachstum im 16. Jhd. In der Erbhuldigungsurkunde von 1606 sind folgende Güterbauern namentlich aufgeführt, die einen Eid auf die neue Obrigkeit geleistet haben:
Klaus Langgutt, Schulze
Hans Langgutt,
Hans Kellermann,
Hans Ebert,
Wendel ufn Berg,
Hans Wax,
Klaus Knott,
Bartholl Kellermann,
Hans Langgutt,
Hans Kellermann sowie die Witwen der Güterbauern
Klaus Haug und
Georg Diller
In einem Verzeichnis der Wehren und Waffen im Amt Schleusingen, das 1573 ausgestellt wurde, ist Ahlstädt mit 11 Mannschaften (Güterbauern) aufgeführt, die mit 5 Büchsen und 6 Federspießen bewaffnet sind.
Über den Bergbau bei Ahlstädt und Gethles erfahren wir schriftliches erst 1682, obwohl es Hinweise gibt, dass bei beiden Dörfern wahrscheinlich schon 1620 Bergbau betrieben wurde. Aus den Unterlagen des ehem. Bergbauamtes Suhl geht hervor, dass der Bergmeister Martin Fischerb im Jahre 1682 im Auftrag der Sächs. Herzöge die Gegend um Gethles und Ahlstädt untersuchte und auf etlichen Äckern nagelspältiges aber trefflich eisenreiches Gestein fand. Fischer vermutete, dass in der Tiefe besseres schmiedbares Eisen, also ein großer Landschatz bei Ahlstädt vorhanden sei und verständigte seine Auftraggeber. In deren Auftrag wurden nun neue Bergbauversuche unternommen. Der damit beauftragte Unternehmer war ein kleiner Mann, Zangenbartel genannt, der bald aus einem Karren Steine, zwei Zentner frisches Eisen schmiedete. Trotzdem wurde der Betrieb nicht lange fortgesetzt. Aber 1692 wurde am „Stein“ bei Ahlstädt in den Fundgruben „Unverhofftes Glück“, „Christbescherung“ und "Treue Freundschaft" wieder mit der Förderung begonnen. Es waren ältere Gruben und Stollen, deren Schächte man aufs neue aufwältigte. Auch wurde die Arbeit zumeist auf schon durchfahrenen Strecken betrieben, aus welchen die Alten bereits den besten Eisenstein weggenommen hatten. In Gethles ist es ähnlich gewesen. Vom Jahre 1744 an kam noch einmal Leben in den Bergbau bei Ahlstädt und Gethles. Allerdings gibt es über den Bergbau bei Ahlstädt ab 1750 keine Nachrichten mehr. Die dortigen Bergstollen, im Volksmund Berglöcher genannt, existieren heute noch. (Siehe Wilh. Höhn „Hennebergische Bodenschätze“ (1909)
Die Bevölkerungsentwicklung: (Nach Dr. Mauersberger)
Jahr / Familien / Einwohner:
1500 /  4 / 19
1572 / 11/ 52
1585 / 13 / 61
1606 / 11/ 5/2
1611 /  9 / 42
1626 /  9 / 40
1631 /  8 / 40
1649 /  4 / 18
1659 /  5 / 23
1700 /  9 / 28
1718 / 12/ 33
1734 / 20/ 46
1815 / 20/ 45
1852 / 32/ 71
1910 / 49/ 126
2000 /  ?/  150
Der 30-jährige Krieg war auch für Ahlstädt eine Zäsur: Vor dem Kroateneinfall hatte das Dorf 1631 8 Güterbauern-Familien , 40 Einwohner und 11 Häuser. Am Ende des Krieges 1648 waren es noch 4 Güterfamilien, 18 Einwohner und 6 Häuser. Das ganze 18. Jhd. hat nicht ausgereicht, um diesen Verlust wieder auszugleichen.
Wie in den meisten Ortschaften wurde schon unter den Grafen von Henneberg auch in Ahlstädt im Gemeindewald Harz gewonnen und in einer gemeindeeigenen Pechhütte verarbeitet. Noch in der Mitte des 19. Jhd. sind 6 Zentner Pech ausgekocht worden, für das die Gemeinde pro Zentner 9 Taler erhielt. Für die damalige Zeit ein guter Preis. Die Harzgewinnung musste von der Obrigkeit genehmigt werden und sie war mit Auflagen belegt, die die Förster durchzusetzen hatten. Pech war in der früheren Zeit ein viel gefragter Rohstoff. Man brauchte es vor allem zum Abdichten (Kalfatern) der Schiffe, der Wein- und Bierfässer Auch das heilkräftige Pechöl wurde durch Destillieren gewonnen und an Apotheken verkauft. Das Anreißen der Bäume zur Harzgewinnung ist Ende des 19. Jhd. eingestellt worden, die Pechhütte hat wahrscheinlich ihren Betrieb schon früher eingestellt und das Harz ist in Neuhof verarbeitet worden, wo die Pechhütte noch bis nach 1900 gearbeitet hat.
1815 wird die Grafschaft Henneberg, die reichsrechtlich bis zu diesem Zeitpunkt bestanden hatte und zu Sachsen gehörte, durch den Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugesprochen und praktisch aufgelöst. Die bisherigen Ämter Schleusingen, Suhl, Benshausen, Kühndorf werden zum Kreis Schleusingen zusammengefasst. An der Spitze stand nun ein Landrat. Die Preußen nannten die ehemaligen sächsischen Gebiete „Provinz Sachsen.“ Preußen wollte ein fortschrittlicher Staat sein. (Verbesserung der Lebensverhältnisse, des Schulwesens, der Verkehrsverhältnisse usw.) Zur Vermehrung der Ackerbauflächen verkaufte der Staat 1852 an die Gemeinden kleine Waldflächen zum Roden. In der Gemeinde Ahlstädt ist es das Forststück „Stein“. Es wird abgeholzt und dort (sehr steinige) Felder angelegt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. und nach Aufhebung des Feudalnexus können auch in Ahlstädt die Bauern den Grund und Boden, der bisher der Obrigkeit gehörte, für hohe Ablösesummen als Eigentum erwerben. Fortan müssen dafür Grundsteuern bezahlt werden. Die Gemeinde Ahlstädt muss durch ihren gewählten Steuereinnehmer von den Bauern jährlich 82 Taler, 12 Silbergroschen und 8 Pfennige eintreiben und an die Obrigkeit abliefern.
1866 wird Ahlstädt, wie auch die Hälfte des Kreises Schleusingen, von feindlichen Bayerischen Truppen besetzt. Es ist die 2. Kompanie des 2. Bayerischen Infanterie-Regiments mit 2 Offizieren und 156 Mann, die vom 29. Juni bis 3. Juli in Ahlstädt verköstigt werden müssen. Die Kosten belaufen sich auf 54 Taler. Als Entschädigung erhält das Dorf von der Preußischen Regierung erst im Herbst 1867 12 Taler.
1891 schafft sich die Gemeinde eine Dorfuhr an. Sie wird in einem kleinen Turm des Feuerwehrgerätehauses angebracht. Über eine Spritzenmannschaft oder Feuerwehr und deren Entwicklung gibt es keine Nachrichten. 1928 baut die Gemeinde ein Backhaus, das für alle Einwohner, die keinen Backofen haben, zum Brot- und Kuchenbacken zur Verfügung steht. Auch Backobst wird dort von den Bürgern hergestellt.
Der unselige 1. Weltkrieg forderte auch in Ahlstädt seine Opfer. 8 Männer und Söhne sahen ihr Dorf nicht wieder. Politische Parteien bilden sich Anfang der 1930-er Jahre. (SPD) Mit Wirkung vom 1. Mai 1933 wird zusammen mit den Dörfern, Gethles, Neuhof und Bischofrod eine Ortsgruppe der NSDAP gegründet. An das elektrische Netz wurde Ahlstädt Anfang der 1920-er Jahre angeschlossen. Das Dorf schafft sich in den 1930- er Jahren einen idyllisch gelegenen Friedhof. Der Krieg 1939-1945 fordert auch in Ahlstädt seine Opfer. Gegen Ende des Krieges am 6. April 1945 wird das Dorf von einem Kommando des 41. Aufklärungsschwadrons der 11. US-Panzerdivision von Eichenberg- Bischofrod her besetzt. Es hatte die Aufgabe, die über Eichenberg – Bischofrod – Keulrod nach Suhl vorrückenden Einheiten von der Flanke her zu schützen. Sie wurden am 5.4. von deutschen Soldaten beschossen. Aus Vergeltung setzten die Amerikaner einige Scheunen und Stallungen in Brand. Wie überall wurden die Bürgermeister, die Mitglied der NSDAP waren abgelöst. Erster Bürgermeister nach 1945 wurde das frühere Mitglied der SPD Erich Hanft. Sein Nachfolger war Helmut Hanft.
Schon vor 1960 gründete sich eine LPG Typ II, die sich später durch die Schweinezucht einen Namen machte. Nach der Wende mussten die LPG aufgelöst werden. Die Felder sind heute meist an die Agrar-GmbH Weißbachtal Henfstädt verpachtet. Ställe und Scheunen wurden vielfach umgebaut, auch für Wohnzwecke. Das Dorf hat 38 Wohnhäuser, davon sind 14 nach 1949 erbaut worden. Schon 1965 bekam das Dorf unter Mithilfe vieler Einwohner ein großzügiges Kulturhaus und nach 1990 wurde daraus - nach einigen Umbauten und wechselnder Bewirtschaftung - eine Begegnungsstätte (Bürgerhaus). Während der DDR-Zeit kamen bis zu 200 Urlauber in den Ort, um hier ihre Ferien zu verbringen. Untergebracht waren sie in Privatquartieren. Geschätzt wurde die ruhige Lage des Dorfes, die herrliche Natur, die durch viele Wanderwege erschlossen ist. Nach 1945 wurde die politische Entwicklung des Dorfes, wie überall, durch die Sowjetische Besatzungsmacht in Verein mit den Funktionären von SED, aber auch der Blockparteien, vorgegeben. Das gesellschaftliche Leben war geprägt von Gängelung und Bevormundung. Auch die Ahlstädter suchten sich ihre Nischen und schafften sich durch fleißige Arbeit einen gewissen Wohlstand. Es wurde 1951 eine Kanalisation im Ort gebaut, die meisten Häuser hergerichtet und die Landstraße nach Gethles wird in den 1950-er Jahren ausgebaut und asphaltiert. Das doch abgelegene Dörfchen ist durch Buslinien mit den Städten Themar, Schleusingen und Suhl verbunden. Mit der Werrabahn (Bahnhof Themar) sind auch die Hauptstrecken der Deutschen Bahn und damit auch weit entfernte Reiseziele zu erreichen. Von 1979 bis 1989 ist als erste Frau in der Geschichte des Dorfes, Frau Irmtraud Albertus, Bürgermeisterin von Ahlstädt.
Nach der Wende 1990 eröffnen sich durch die Marktwirtschaft neue Möglichkeiten für die Gemeinde und Einwohner. Der Ort wird 1998 in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen und damit eine Voraussetzung geschaffen, die Lebensqualität der Einwohner weiter zu erhöhen. Auch für die Rekonstruktion ihrer Häuser können Eigentümer Fördergelder beantragen. Des weiteren entsteht durch Eigeninitiative für die Kinder des Dorfes ein liebevoll eingerichteter Kinderspielplatz. Vorschulkinder gehen gegenwärtig nach Lengfeld in den Kindergarten. Die Grundschule befindet sich in Lengfeld und Marisfeld, die Regelschule in Themar, ein Gymnasium in Schleusingen. Die Turmuhr wird seit 2002 funkelektrisch angetrieben. Zwar gibt es ein Recht auf Arbeit nach 1990 nicht mehr, aber die Arbeitslosigkeit hält sich in Grenzen. Die Bauern sind heute in Ahlstädt aber eine absolute Minderheit. Die Ortsrandbereiche sind durch Reste von Streuobstwiesen und begrünte Ackerterrassen geprägt. Die zu DDR-Zeiten gebaute Handelseinrichtung (Konsum) wurde geschlossen, die Versorgung übernehmen mobile Bäcker, Fleischer usw. So zeigen sich auch zu der 800-Jahrfeier die Gäste über das Geschaffene tief beeindruckt. 800 Jahre konnte das Dorf, in Gegensatz zu Gethles, seine Selbständigkeit bewahren und ist sogar ohne Schulden. Die Gegenwärtige Bürgermeisterin ist Annette Haupt.

 Anmerkungen:
(1) Kleiner Thüringer Wald/ Zechsteindörfer: Ein Höhenzug der nahe der Haardt bei Schleusingen beginnt und sich in wechselnder Breite von 1,5 bis 2 Km ungefähr 10 Km weit nach Nordwesten, bis über Eichenberg hinaus erstreckt. Er weist Gesteine wie große Teile des Thür. Waldes auf und wird wegen dieser Gleichartigkeit als „Kleiner Thüringer Wald“ bezeichnet.. (Zechstein, Granit, Porphyr) Auf diesem Streifen kulturfähigen Bodens liegt Ahlstädt, zusammen mit den Dörfern Gethles, Bischofrod, Keulrod und Eichenberg, denen der im Jahr 1631 drei Häuser zählende und ca. 1792 aufgegebene Ziegelhof zwischen Gethles und Ahlstädt hinzuzufügen ist. Geographisch und auch siedlungsgeschichtlich schließt sich, obwohl auf Buntsandstein gelegen, das Dorf Neuhof dieser Gruppe an. Nur diese Ortschaften werden von Geologen und Heimatkundlern als „Zechsteindörfer“ bezeichnet.
Die heute von Kommunalpolitikern großzügig ausgelegte Bezeichnung „Kleiner Thüringer Wald“ von Themar bis Suhl und von Schmeheim bis Grub, also auch weite Gebiete des Buntsandsteins und des Rotliegenden, entsprechen nicht den geologischen Gegebenheiten, aus denen sich die Namen „Kleiner Thüringer Wald“ und „Zechsteindörfer“ herleiten.

Quelle: - Veröffentlichungen der Gemeinde Ahlstädt im FW
             - Eigene Recherchen

Sonntag, 6. Dezember 2015

Als die Kelten abgezogen waren

Ausbreitung der Kelten
Nicht wenige Archäologen waren bisher von einer weitgehenden Entvölkerung Südthüringens, ja des ganzen Obermain-Gebietes beginnend ab 500 vor bis 500 nach Christi ausgegangen. Sie machten das an dem mageren Fundaufkommen zwischen der Kelten- und der Germanenzeit fest. Diese Sicht revidiert sich aber in den letzten 20 Jahren mehr und mehr.
Ausgangspunkt im 1. Jahrtausend v. Chr. scheint - nach der Katastrophenzeit um 1200 v. Chr. - eine weitgehend homogene Bevölkerung in Mitteleuropa gewesen zu sein, die sich nahtlos von der Urnenfelder-, Hallstatt bis zur keltischen Latènekultur entwickelt hatte. In dieser Zeit sollen die alteuropäisch sprechenden Menschen bei uns durch Vermischung auch die indogermanische Sprache von unseren östlichen Nachbarn übernommen haben. Das  Zentrum dieser sich entwickelnden Hochkultur könnte irgendwo in Süddeutschland gelegen haben, vielleicht um das spätere Oppidum Manching an der Donau herum. Wir lagen mit unseren vielen großen Wallanlagen an Werra, Fränkischer Saale und Obermain mittendrinn, nicht als innovativer Impulsgeber, aber auch nicht in einflussloser Randlage. Diese muss sich weit nördlich des Rennsteigs befunden haben. Wo genau, darüber streiten die Gelehrten. Die Verbindung von dort in den Süden scheint aber so schwach gewesen zu sein, dass sich sprachlich bei ihnen eine so genannte Lautverschiebung vollziehen konnte. Diese wurde fürderhin zum wichtigsten
Altes Weltbild
Unterscheidungsmerkmal zwischen Kelten und Germanen. Obwohl sich die Kulturen südlich und nördlich des Rennsteiges kaum unterschieden haben können, vermeiden es die Archäologen, dort späterer von Kelten zu sprechen.
Anfangs - bis 500 v. Chr. - scheinen beide Gruppen friedlich in einer Art Mischzone nebeneinander her gelebt zu haben, was sich sowohl im Thüringer- als auch im Leipziger Becken archäologisch gut nachweisen lässt. Die nördlichen Nachbarn werden dabei als so genannte Jastorf-Kultur beschrieben. Bei deren Gebrauch von Drehscheibenkeramik beispielsweise wird deutlich, dass sie der Laténekultur im Süden zivilisatorisch unterlegen war. Auch mit der sog. Oppida-Kultur (gesellschaftliches Zentrum auf einer befestigte Höhensiedlung mit vielen Gehöften drum herum) sollen sie nichts am Hut gehabt haben. Trotzdem tauchten diese Germanen noch vor der Zeitenwende südlich des Rennsteigs auf. Warum?
Bei römischen und griechischen Geschichtsschreibern zu jener Zeit lesen wir von heftigen Völkerbewegungen im Norden. Nach einer Studie der Uni Göttingen fand um 500 v. Chr. in Europa ein starker Kälteeinbruch statt.  Das muss eine generelle Bewegung der landwirtschaftlich abhängigen Kulturen jeweils in wärmere Regionen ausgelöst haben. Die Archäologen vermelden ab der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends vor Christi eine vorsichtige Diffusion der Germanen Richtung Süden: Auf der Steinsburg und der Widderstatt in Südthüringen wurden neben den keltischen auch solche Fibeln gefunden, wie sie eigentlich nördlich des Thüringer Waldes modern waren. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. wird dann in den schriftlichen Quellen explizit eine Südwanderung der Kelten vermerkt. Sie strömten zunächst auf den Balkan, fielen 279 v. Chr. in Griechenland ein und gründeten später in Kleinasien Galatien. 380 v. Chr. hatten die Kelten unter Brennus bereits das noch junge Rom geplündert. Es erscheint logisch, dass sowohl die keltische als auch die germanische Südwanderung gleichzeitig stattfanden.
Natürlich waren damals nicht alle Kelten ausgewandert. In unserer Gegend sind sie archäologisch bis etwa 50 v. Chr. fassbar. Im Gebiet zwischen Rhein, Main und Leine soll der keltische Großstamm der Volcae gelebt haben. Auch um den Thüringer Wald herum! Nach der keltischen Auswanderung wurden um 120 jetzt unserer Zeit deren Abkömmlinge sowohl in Anatolien als auch in Südfrankreich gesichtet. Damals schon unter den Römern. Denn um die Zeitenwende war Cäsar nach Norden in Gallien eingefallen - übrigens zeitgleich mit einer Klimaerwärmung bei uns.
Deckungsgleich mit dem Abzug der Kelten von ihren Wallburgen scheinen auch die Germanen mit Kind und Kegel südwärts marschiert zu sein. Dafür stehen die historisch belegten Züge der Sueben, Semnonen, Markomannen, Hermunduren, Quaden, Langobarden und Kimbern. Von den Sueben sollen die ganzen -"ingen und -ungen"-Orte abstammen, die sie auf ihren Zügen, besonders an Furten gegründet hatten. Die meisten Historiker postulieren so generell einen Rückzug der Kelten vor den nach Süden und Südwesten strömenden Germanen. Das berühmte Oppidum auf dem Staffelberg weist um 350 v. Chr. einen Brandhorizont auf, was auf Kampfhandlungen schließen lässt. Es soll danach aber wieder keltisch aufgebaut worden sein. In Südthüringen fehlen solche Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen prinzipiell. So gehen manche Archäologen davon aus, dass die Germanen lediglich in die witterungsbedingt verlassenen Regionen der Latène-Kelten vorgestoßen waren. Tacitus berichtet allerdings von Galliern am Rhein, die vor Germanen geflohen waren. Auch Cäsar macht den Schicksalsfluss zur Kulturscheide zwischen Germanen und Kelten. Selbst für Böhmen wird erst ein langsames Einsickern, dann eine Invasion aus dem Norden diskutiert.
Formelle Einteilung der Germanen
Als Nachfolger der Kelten verortet die Geschichtsschreibung nördlich und südlich des Thüringer Waldes ab der Zeitenwende die Hermunduren. Alle anderen scheinen in den 500 Jahren zuvor nur durchmarschiert zu sein. Spuren hinterließen sie kaum. Die Hermunduren waren als Elbgermanen die Nachfolger der Jastorfkultur und nahmen kurz nach Christi Geburt genau jene Gegenden in Besitz, die vordem von den Volcae besiedelt waren. Historiker streiten über ihre Wechselbeziehung mit jenen Germanen zischen Weser und Rhein. Im Thüringer Becken sollen sie im Heiligen See von Niederdorla ein "Rundheiligtum" angelegt und auf dem Jechaberg bei Sondershausen Opfer dargebracht haben. Mit befestigten Höhensiedlungen, wie bei den Kelten, hatten sie nichts am Hut. Die vielzitierte "germanische" Funkenburg bei Westgeußen wäre also die große Ausnahme: Alle Funde stammen vom 3. Jahrhundert vor, bis zum 1. Jahrhundert nach Christi. Wahrscheinlich ist es also eine germanische "Nachnutzung". Bei Großromstedt zwischen Jena und Apolda wurde ein großes germanisches Brandgräberfeld der späten vorrömischen Eisenzeit (2. Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr.) und der frühen Römischen Kaiserzeit entdeckt. Die Forschung bestätigt, dass die darin enthaltenen Artefakte nur von den Hermunduren stammen können. Und genau die gleichen Kulturgüter kommen um die Zeitenwende in Gräbern von Böhmen und Mainfranken zum Vorschein. Und natürlich in Südthüringen! Große Ausgrabungsstätten in unserer Gegend sind das Gräberfeld von Aubstadt im Rhön-Grabfeld, im oberfränkischen Altendorf, in Hopferstadt, Gaukönigshofen oder zu Füßen des Staffelberges. Beim fränkischen Aubstadt hat man nahe des antiken Friedhofes auch die dazugehörige Siedlung gefunden. Dabei kam heraus, dass die neuen germanischen Herren sich friedlich neben den Alteingesessenen niedergelassen hatten. Zu dieser Zeit aber waren die bekannten Keltenoppida von Steinsburg, Dolmar, Milseburg usw. von ihren Bewohnern bereits verlassen gewesen. Das muss die Kriegerelite gewesen sein, die sich inzwischen im Süden neu angesiedelt hatte. Aber nach und nach gingen nun auch bei uns in der Breite die keltischen Scherbenfunde - und damit die Kultur - zurück.
Alles deutet darauf hin, dass die Hermunduren, wie ihre Kumpels in Böhmen, nach zögerlichem Einsickern zur Annexion übergegangen waren. Tacitus berichtet außerdem, dass im Jahr 1 n. Chr. Teile der Hermunduren durch die Römer in das von den Markomannen verlassene Gebiet am Main umgesiedelt worden waren. So etwas konnte nur geschehen, wenn man die Hermunduren vordem auch besiegt hatte. Es gehörte zur Expansionspolitik der Römer, vorpreschende Germanen nicht nur zurückzuschlagen, sondern auch umzusiedeln. Die Markomannen jedenfalls zogen nach Böhmen. Manche Forscher glauben, da seien sie auch hergekommen. Um 51 n. Chr. sind dann noch mal Kämpfe der Hermunduren an der Donau belegt, in denen sie unter ihrem Fürsten Vibilius erwähnt werden.
Die ersten Stämme zeichnen sich ab
In Südthüringen direkt hat man aus der so genannten Römischen Kaiserzeit germanische Artefakte in den Niederungen bei Henfstädt, Sülzdorf und Altenrömhild gefunden. Nach Lage der Dinge scheinen sie also auf den alten Pfaden der Kelten lustwandelt zu sein. Deren große und verlassene Oppida auf den Gleichbergen und in der Rhön jedenfalls geben keine germanischen Überbleibsel her. Wahrscheinlich existierte in der Gegend  niemand mehr, vor dem sie sich fürchten mussten. Wenn wir davon ausgehen, dass die meisten Dörfer mit keltischem Fundhorizont und "sinnfreien" Eigennamen, wie Jüchsen, Vacha, Herpf oder Milz bereits bestanden haben, und die suebischen Flussfurten mit -ing und -ung im Aufbau begriffen waren, könnten die Hermunduren die Endung -städt mitgebracht haben. Salzungen beispielsweise könnte der Ort sein, den Tacitus 58 mit einer Schlacht zwischen Chatten und Hermunduren um Salinen beschreibt. In Breitungen herrschte wegen der Landfülle rundherum geradezu Siedlungszwang, Schwallungen gilt als alter Flussübergang, südlich von Wasungen wimmelt es geradezu von historischen Hohlwegen zur Werra hinab und auf der anderen Seite wieder hoch. Meiningen lag an einer alten Nord-Süd-Route (Weinstraße), wo ständig die Werrafurt wechselte und auch hinter Schleusingen zog sich ein Urweg über das später Thüringer Wald genannte Mittelgebirge. Doch das sind Spekulationen. Heimatforscher ordnen -ing und -ung gerne den Alemannen zu, was auf das gleiche hinaus läuft. Diese - ebenfalls - Elbgermanen sollen noch vor der Zeitrechnung über den Thüringer Wald ins heutige Baden-Württemberg gezogen sein. Als sich ab 58 unserer Zeit hinter Rhein und Donau die Römer breit machten, werden sie bereits im Limes-Grenzgebiet verortet. Sie selbst scheinen sich als Suebi bezeichnet zu haben, denn später setze sich der Name "Schwaben" durch. Noch im 4. und 5. Jahrhundert werden sie um Würzburg herum festgemacht. Es deutet also einiges darauf hin, dass zunächst die Alemannen und später erst die Hermunduren aus dem Thüringer Becken nach Süden vorgerückt waren. Den ersteren weisen Altnamenforscher entsprechend "-ing" zu, den anderen "städt". Die Historiker halten sich da bedeckt. Sie versichern nur, dass ab 50 v. Chr. südlich des Rennsteigs die Keltenelite verschwunden war, ab 400 ein paar Thüringer "durchsickerten" und ab 600 die Franken in Massen kamen. Es blieb immerhin ein halbes Jahrtausend und da können eine Menge Ingen, Ungen und Stedt entstanden sein.
Die Hermunduren jedenfalls bewegten sich durchweg im Dunst- und Interessenkreis des Limes. Sie waren übrigens die einzigen Germanen, denen die Römer Handelsfreiheit in Reich gewährten. Der Main galt als römisches Einfallstor nach Osten. Handelsfahrten
entgegengesetzt sind auch von Germanen belegt. Das  östlichste römische Legionslager Marktbreit am Main zeigt nicht nur, dass der ehemals keltische Marienberg über dem späteren Würzburg germanisch eingenommen war, sondern auch, welchen Einfluss man auf das Grabfeld gehabt haben könnte. Die Römer zählten den Thüringer Wald damals zum so genannten Herkynischen Wald. Einige Historiker sehen in dem vergleichsweise geringen Fundaufkommen jener Jahre auch die Durchsetzung jener römischer Befehle, die große germanische Stammesverbände im Vorfeld des Limes nicht duldeten. Bei Trostadt kam ein Münzschatz zutage, der zumindest den Kontakt mit den Römern beweist. Damals waren die großen Raubzüge der Germanen ins Römische Reich schon an der Tagesordnung. Man hört auch von wechselnden Koalitionen der Hermunduren, mal gegen Römer, mal mit ihnen gegen andere Germanen.
Das letzte Mal werden unsere Hermunduren zwischen 166 und 180 heutiger Zeitrechnung in den Markomannen-Kriegen erwähnt. Dann gibt es 300 Jahre keinerlei Nachricht über unsere Heimat. Tatsächlich brechen Mitte des 4. Jhd. auch die archäologischen Funde ab. Das bringt nicht wenige Geschichtsschreiber zu der Überzeugung, dass niemand mehr da war. Nonsens, sagen andere, es gab nur niemanden mehr, der sich für die Gegend interessierte. Die schriftkundigen Römer hatten andere Sorgen: Immer mehr germanische Völker berannten das Reich. Im 3. Jhd. musste die Weltmacht bereits Teile des Limes aufgeben und sich hinter Rhein und Donau zurückziehen. In der Neujahrsnacht 406/7 überschritten große Verbände von Vandalen, Sueben und Alanen das Eis des Rheins und begannen sich Schritt für Schritt Westeuropa untertan zu machen. Zu den gegen die Römer marschierenden Sueben werden auch die Hermunduren gezählt. 487 schließlich besiegte der germanisch-fränkische König Chlodwig den letzten römischen Befehlshaber in Gallien, Syagrius. Solche Heerzüge sollen auch im Dreieck zwischen Rhön, Thüringer Wald und Main ihren Niederschlag gefunden haben. Die Fundsituation erkläre sich, so Altgeschichtler, eher durch Leute auf Wanderung. Tatsächlich könnte Südthüringen als Durchzugsgebiet für Burgunden, Langobarden oder Vandalen gedient haben. Jedenfalls lag unsere Region auf deren Marschroute Richtung Südwesten und Wanderer hinterlassen nun mal keine Dörfer und Gräberfelder. Trotzdem werden in den letzten Jahren immer mehr germanische Siedlungsreste bei uns ausgegraben. Schon sind einzelne Archäologen zu der Überzeugung gekommen, dass in den Tausend Jahren nach Abzug der Keltern südlich des Rennsteiges gar kein wesentlicher Siedlungsrückgang stattgefunden hat. Detaillierte Ausführungen dazu liefert das Internationale Kolloquium zur keltisch-germanischen Besiedlung im Mittelgebirgsraum 1990 in Weimar aus der Digitalen Bibliothek Thüringen.

Doch noch bleibt die Völkerwanderung eine dunkle - sprich schriftlose - Zeit. Dennoch können wir davon ausgehen, dass auch damals niemand Haus und Hof aus Jux und Tollerei aufgegeben hat. Kriegszüge beutegieriger Kämpen ja, aber wenn fast alle losziehen, muss ein elementares Drama vorausgegangen sein. Das kann um 500 v. Chr. nur das Klima angerichtet haben. Denn nach der "Warmzeit" der römischen Okkupation deutet sich in Mitteleuropa ein erneuter Kälteeinbruch mit Südwanderung der Völker an. Im Thüringer Becken sollen spätestens im 3. Jahrhundert Angeln und Warnen in das Siedlungsgebiet der Hermunduren eingesickert sein. Gemeinsam hätten sie "irgendwie" das Thüringer Reich gegründet. Höchst spekulativ (Siehe Post „Thüringer - die letzten Goten?“)! Besser überzeugt die neue Theorie von Heike Grahn-Hoek über die Herkunft der Thüringer. Demnach sollen die gotischen Terwingen mit den späteren Thüringern identisch gewesen sein. Um 400 wären sie aus den Karpaten heraus nördlich des Erzgebirges ins Thüringer Becken vorgestoßen. Das korreliert auch bestens mit den Karieren der Thüringer Heerführer Edekon, Hunulf und Odoaker. Immerhin war das Thüringer Reich wieder fast identisch mit dem des Hermunduren-Gebietes, respektive dem der Volcae. Also dürften sie auch bei uns gewesen sein! Bei Streufdorf wurde sogar eine thüringische Fibel gefunden. Von Angeln und Warnen südlich des Rennsteiges ist nichts bekannt. Historiker rechnen den Thüringern Gründungen mit der Endsilbe -leben zu, manche auch mit -feld. Während wir für erstere in Franken nur wenige Orte, bei uns nur das Beispiel Dingsleben finden - immerhin an den Gleichbergen - verbreitet sich damals -feld geradezu explosionsartig in ganz Deutschland. Das lässt uns "-feld" eher als fränkisch erkennen. Denn die Thüringer haben sich nur eineinhalb Jahrhundert gehalten, bis die Franken kamen. Doch das ist schon der nächste Post…