Freitag, 7. August 2015

Keltische Sprachwurzeln in Südthüringen


Kelten: Die alten Herren unserer Heimat
Die Geschichte aus schriftloser Zeit soll sich auch von den Namen der Flüsse, Berge und Siedlungen um uns herum ableiten lassen? Südlich des Rennsteigs ist alles Germanisch, sagen die Flurnamenforscher vom Heimatbund Thüringen. Kann nicht sein, sage ich. Denn wenn die Germanen bei ihrem Einzug hier wirklich alle Geländemarken neu definiert hätten, gäbe es nicht so viele ungeklärte Begriffe in der Landschaft. Sie benutzten ja unsere Ur-Muttersprache. Gehen wir der Sache also auf den Grund:
Schon in der Steinzeit muss es eine differenzierte Sprache gegeben haben. Gerade bei Jägern und Sammlern war es existentiell, Berge, Flüsse und andere geologische Besonderheiten zu bezeichnen. Höhlenmalereien, wie im fränkischen Gleisenau oder megalithischen Steinreihen, wie in Langenbach im Thüringer Wald, als Richtungsanzeiger zum Pass ins Saaletal, zeigen das Mühen um präzise Ortsbezeichnungen.
Die Ausbreitung der ersten Bauernkulturen
Unstrittig dürfte auch sein, dass die ersten Siedler einer Region auch die ersten Namen vergeben haben. Und wer waren die Leute? Bis 5.000 v. Chr. gibt es gar keine Anhaltspunkte. Dann wanderten die archäologisch klassifizierten, aber sprachlich nebulösen Bauern ein, wie Bandkeramische-, Rössener-, Michelsberger- oder Schnurkeramische Kultur. Über ihre Sprache ist nichts bekannt, auch wenn einige Sprachwissenschaftler drüber spekulieren, ob sie nicht schon indogermanisch gesprochen haben könnten. Die meisten Experten aber datieren die Einführung der neuen Sprache um 3.500 v. Chr. Damals hatten sich bei uns die aus dem Osten kommenden Linienbandkeramiker, mit ihren Holzkammer-Bestattungshügeln und die westliche Megalithkultur mit ihren Steinkammer-Grabhügeln getroffen.
In Mitteleuropa mischten sich um 2500 v.Chr.
östliche und westliche Kulturen
Um 2.100 v. Chr. stoßen dann noch die Glockenbecher-Leute dazu. Nach neuesten Erkenntnissen kamen sie, wie die Megalithkultur, von der Iberischen Halbinsel. Sie scheinen also deren direkte Nachkommen gewesen zu sein. Eine ähnliche Sprache kann also angenommen werden. Archäologisch lassen sie sich hier in Mitteleuropa als Aunjetitzer-Kultur nachweisen, die die gleichen Artefakte wie in Spanien hervorbrachte. Eine dominierende Kultur schließt Sprache ein, also wird man hier nicht das östliche Indogermanisch, sondern das westliche "Alteuropäisch" gesprochen haben.
Das war also vor 4.000 Jahren!
Die Urnenfelderleute als letzte Sprecher des "alteuropäischen"?
Einmal vergebene Geländenamen müssen lange Bestand gehabt haben, schon um Irrtümer zu vermeiden. Nur eine extreme Änderung in den Lebensumständen sollten also Namensumwandlungen zulassen. Selbst bei Völkerwanderungen blieben ja auch immer Menschen in den ursprünglichen Siedlungsgebieten hängen. Warum sollten sie die Bezeichnung ihres Dorfes, Hausberges und ihrer Wasserquelle ändern? So müssen die uns heute nicht vertraut klingenden Eigennamen bereits aus vorgermanischer, sprich: vorindogermanischer Zeit stammen. Das macht besonders Sinn für dominierende Geländemarken. Jeder braucht sich nur die großen Flüsse seiner Heimat herzunehmen, wie Werra, Main, Saale oder Jüchse. Das gleiche könnte aber auch für die alten Siedlungen, wie Fulda, Vacha, Metzels, Wahns, Themar, Harras, Meeder usw. gelten, deren Namen keinen germanischen "Sinn" ergeben. Doch bleiben wir bei den Fakten: Um 1.200 v. Chr. muss europaweit ein Umbruch stattgefunden haben. Unvermittelt und plötzlich treten die Urnenfelderleute in Zentraleuropa auf den Plan.
Irgendwelche katastrophalen Rahmenbedingungen müssen die Menschen dazu bewogen haben, ihre Verstorbenen nur noch zu verbrennen und in Töpfen flüchtig zu verscharren. Sprachwissenschaftler vermuten, dass die Urnenfelderkultur wieder in der Sprachkontinuität von Megalith- und Glockenbechergesellschaft gestanden hat. Denn in Zentralwesteuropa, dem Entstehungsort dieser Kultur, gab es damals keine anderen Völker. Diese Urnenleute scheinen sich bei ihrem Drang nach Osten als neue Herren aufgespielt zu haben, denn sie bauten überall, wehrfähige Höhensiedlungen. Die größten davon sind bei uns gut erforscht: Gleichberge, Staffelstein, Ehrenbürg. Das hört sich zwar erst einmal sehr vertraut an, doch diese Namen haben sie bekanntermaßen erst in germanischer Zeit verpasst bekommen, wahrscheinlich als die christlichen Kapellen dort errichtet wurden. Die überwiegende Mehrzahl dieser Wallanlagen tragen phantasiefreie Eigennamen: Dolmar, Geba, Milse-Burg, Dis-Burg, Umpfen, Öchsen, Arns-Berg, Bern-Berg, Bleß-Berg usw. Sie alle waren bis zu Beginn unserer Zeitrechnung von den Kelten verlassen und von den Germanen nicht wieder neu besiedelt worden. Im landwirtschaftlich genutzten Umland aber konnte noch lange eine keltische Siedlungskontinuität nachgewiesen werden, wie beim fränkischen Aubstadt, wo die Vermischung von Kelten und Germanen deutlich wurde. Geländenamen werden sich auch bei Invasionen und neuen sozialen Strukturen, kaum geändert haben. Es sei denn, man hätte die Einheimischen vollständig ausgerottet. Unterdrücker aber brauchen immer Arbeiter und müssen in deren Verständniswelt kommunizieren! Nur Veränderungen im Alltag konnten so zu Veränderungen in der Sprache führen. Natürlich wurden Flurbezeichnungen auch vergessen. Nämlich dann, wenn sie nicht mehr gebraucht wurden, z. B. bei der Verlagerung alter Verkehrswege. Das traf dann für verlassenen Siedlungen oder lokale Geländemarken zu, nicht aber für überregionale Flüsse oder weithin dominierende Berge.
Die Kelten als erste Indogermanen in Mitteleuropa?
Also müssen wir bei den Sprachwurzeln der Kelten ansetzen. Aus der Urnenfelderkultur hatte sich ja bekanntlich, ohne größere Umbrüche, die Hallstatt- und die Latène-Kultur entwickelt. Letztere wird dann schon in antiken Schriften um 600 v. u. Z. mit den Kelten und Galliern in Verbindung gebracht. Und von denen sind ja an den Rändern Europas noch heute Sprachinseln  bekannt. Kontinuität in der Kultur setzt eine ebensolche Kontinuität in der Verständigung voraus. Sprachforscher wie Wilhelm Obermüller oder Joachim Richter können also nicht falsch liegen, wenn sie in den noch bekannten keltischen Restsprachen wie gälisch, kimbrisch und bretonisch nach Überbleibseln unseres Namensgutes suchen. Beide haben Tausende Gelände- Personen-, Gewässer- und Siedlungsnamen von der Ostsee bis zu den Alpen nach ihren alten keltischen Wurzeln abgeklopft. Und siehe da, 90 Prozent der "vorgermanischen" Eigennamen können aus den alten Vokabeln hergeleitet werden (Siehe Link zum Schluss). Außerdem kommen die beiden zu dem Ergebnis, dass um 2.000 v. Chr. nicht nur ein relativ einheitliches „Vorkeltisch“ in Mitteleuropa benutzt wurde, sondern dass bereits damals die meisten Bezeichnungen im Gelände vergeben waren. Das war die Zeit der Glockenbecher-Typen, als hierzulande - wie wir oben erfahren haben - ein astreines "Alteuropäisch" und nicht indogermanisch gesprochen wurde. Damit kommen Obermüller und Richter zu den gleichen Ergebnissen wie dieser Blog, wenn auch auf anderen Wegen. Auch der Sprachforscher Hans Krahe schlussfolgert aus seiner Untersuchung der alteuropäischen Hydronymie, dass die meisten Gewässernamen von einer frühen indoeuropäischen, jedenfalls vorgermanischen und vorkeltischen Sprache abstammen müssen, wie Alba, die Elbe oder Sala, die Saale. Andere Linguisten ordnen bestimmte Endungen dem Keltischen zu, also einer Zeit zwischen 600 und 50 v. Chr., wie ar, -a, -les, lis, -los, -las, -ach, -hall, -loh, oder -idi. Die ab 1000 v. u. Z. einsetzende Westexpansion der indogermanischen Sprachen erklärt sich übrigens gut mit der Theorie der "Rückwanderung".
Die Germanen als indogermanische Sprachverwandte der Kelten?
Denn die Nachkommen der Urnenfelderkultur zieht es nun langsam aber sicher wieder nach Südwesten, bis Spanien, manche sind auch in Italien und Griechenland aktiv. Dort werden sie um 600 v. Chr. erstmals als Kelten tituliert und die stufen unsere Sprachforscher ja bereits als Indogermanen ein. Ein halbes Jahrtausend scheint also ausgereicht zu haben, um aus den "Alteuropäern" in Mitteleuropa "Indogermanen" zu machen. Ein Prozess, der noch viele Fragen offen lässt (Siehe hier)!
50 v. u. Z. jedenfalls waren die keltischen Kriegereliten fast ganz aus Südthüringen verschwunden. Jetzt machten sich die ebenfalls indogermanischen Germanen breit, deren sprachlicher Einfluss ziemlich genau festgemacht werden kann: Erst Alemannen (mit den Namensendungen -ing und -ung , dann Hermunduren mit -stedt, später Thüringer mit -leben, zum Schluss Franken mit -heim, -haus, -stein, -burg, und -feld. Um 800 kamen ein paar kriegsgefangene Slawen dazu (-wind). Die indogermanischen Neuankömmlinge hatten also über 2.000 Jahre Zeit, die alten Eigennamen zu schleifen, verdrehen, verballhornen und entstellen. Oft aber blieb ein Stamm erhalten. Die „Kalte Küche“ die man auf einigen Bergen in Deutschland findet, war bestimmt nicht der Ort, wo Waldarbeiter ihre Leberwurstbrote ausgepackt haben, sondern „calde kuchel“, die Bergkapelle. Die auf vielen Höhenzügen mit Urwegen vorkommende „Eiserne Hand“ scheint lautlich vom keltischen „eathan annet“, dem Berghaus abzustammen (Oft an so genannten Ausspannen gelegen, wo die zusätzlichen Zugtiere ihre Heimreise antreten konnten). Selbst wenn unterschiedliche Völker und Sprachen auf ein Geländemerkmal trafen, blieb manchmal ein Wortstamm erhalten: Die Elbe der Deutschen und die Labe der Tschechen könnte aus dem keltischen „eloava = die mäandernd Dahinfließende“ entstanden sein. Auch die kuriosen Schreibweisen der ersten deutschen Rechtschreibversuche änderte kaum etwas an dieser Wurzel. Beispiel Oder: 892 Odagra, 950 Oderam, 1086 Oddera. Dabei muss auch nach dem Sinn der Worte gefragt werden. Gerade für die Oder gibt es ein halbes Dutzend Deutungen in Keltisch, Lateinisch, Germanisch und Slawisch. Und das macht es so schwierig: Achim Fuchs, der im Auftrag des Heimatbundes Thüringen Flurnamen südlich des Rennsteiges sammelt, listet die bekannten Namensherleitungen des Dolmar bei Meiningen mit seiner hallstattzeitlichen Wallanlage auf:
  • Obermüller (keltisch): tula mar - Berg groß,
  • Jacob (germanisch): dol mari - Wölbung mächtig; auch keltisch: dol mor - Tafelberg groß; später tulli mari - herausragendes Bollwerk
  • Müller (slawisch): Tolmari - ein Personenname
  • Schneider: dol mor - Tafelstein
  • Jäger französisch: tol - Erhebung
  • Brigleb (illyrisch): Delm ar - Schaf berg
All diese poetischen und sinnvollen Varianten verwirft der gute Herr Fuchs und leitet den Bergnamen von der Wüstung Tolmarsdorf her. Und die soll auch noch slawisch gewesen sein, also von Siedlern, die südlich des Rennsteigs immer eine Randgruppe bildeten. Ein alles dominierender, mit hallstattzeitlichen Wällen bestückter Berg soll nach einem Dörflein zu seinen Füßen benannt worden sein? Da hätten sicher noch ein halbes Dutzend anderer nachkeltischer und germanischer Dörfer in der Nachbarschaft ein Wörtchen mitzureden gehabt. Die Silben dol und mar tauchen - unabhängig von ihrer Bedeutung - in Dutzenden alten Bezeichnungen verstreut über ganz Europas auf. Dazu ist die Gegend rund um den Dolmar seit der Bronzezeit ununterbrochen besiedelt gewesen. Ein Slawe namens "Tolimir", noch dazu wenn seine Gründung nicht lange bestanden hat, kann da nicht viel Neues eingebracht haben.
Auch die Große Geba in der Rhön ist solch ein ideologischer Fall:
  • Jacob: Gewe - Schlund
  • Haas (germanisch) gebal- Schädel
  • Bahlow: Herleitung von Sumpf
Hier klingt kein Name logisch und jeder darf sich etwas aussuchen. Seit Jahrhunderten rätseln Heimatforscher an der eigentümlichen Bezeichnung herum. Um das Bergmassiv herum kamen prähistorische Artefakte in Mengen zu Tage. Allein auf seinem weiträumigen Plateau wurde noch nichts gefunden. Man gibt sich mit den kleinen frühmittelalterlichen Fundamenten am Neidhardskopf zufrieden. Dabei deuten offensichtliche Geländestrukturen auf eine sogar üppige Besiedlung der Geba hin: Rund um den ehemaligen Steinbruch gibt es mehrere Schanzkanten, bemooste Steinhäufungen und -reihen, die nur als Reste einer befestigten Siedlung Sinn machen. Dazu kommen nördlich des ehemaligen Militärgeländes kranzförmig angelegte Steinlinien im Wald, mehrere Abschnittswälle und Gräben auf der Kleinen Geba, ja und wer soll die überdimensionalen Ackerterrassen rundum angelegt haben, die größten in ganz Europa? Es gibt sogar Heimatforscher, die vermuten im Kleinen und Großen Ölberg westlich von Seeba und im Oelberg neben Dörrensolz überdimensionale Grabhügel. Insgesamt scheinen sich also Sprachwurzeln, Geländesituation und Archäologie zu ergänzen.
Das ist nicht überall so eindeutig. Nehmen wir das Problem der lokalen und der Fremdbezeichnung einer Flur, hier natürlich für Südthüringen und Franken: Ptolemäus nannte kurz nach der Zeitenwende den kompletten Gebirgszug vom Böhmer- bis zum Thüringer Wald als „gabreta silva“.  Mittelalterliche Autoren bezeichneten unsere Region später als „Buchonia“ oder „Loipe“. Beim Keltisten Joachim Richter sind die Thüringer „dour-rannegourien“, die Leute beiderseits der Wasserscheide. Für die hier lebenden Menschen war das Mittelgebirge bis heute einfach „die Berge“ oder "im Wald". Doch wer, bitte schön, hätte das je aufgeschrieben?
Die Werra in Südthüringen
Auch die Werra ist so ein Streitfall: Den landschaftsprägenden Fluss beanspruchen sowohl Germanisten als auch Keltisten für sich. Einig ist man sich noch, dass bis zum Ende des ersten Jahrtausends Werra und Weser als einheitliches Gewässer wahrgenommen wurde. Doch dann machen Linguisten aus der ersten Erwähnung „visurgis” bei Tacitus ein germanisches “visuri”, obwohl bekannt ist, dass die Römer prinzipiell die keltischen Flurnamen übernommen hatten. Richter leitet Werra vom
keltischen “gwyrdd“ ab, grünblaues Wasser. Einige auf Ausgleich bedachte Sprachwissenschaftler bevorzugen das indogermanische Wort “ueis” - „fließen” und schließen damit alle germanischen und keltischen Sprachgruppen ein. Erst im 8. Jhd. schließt das schriftlichen Zeugnis “wesera” alle Zweifel aus.
Wie bezeichneten "Fremde" unsere Welt?
Nach Richter lassen sich auch alle Zuflüsse der Werra aus dem Keltischen herleiten. Für ihn stehen 3.000 Jahre südwestliche, sprich "alteuropäische", später keltische Sprachtradition gegen maximal 1.000 Jahre germanischer Einflussname. Und von letzteren haben die Archäologen in Südthüringen nach Abzug der Kelten ja kaum etwas gefunden. Das soll daran liegen, dass die meisten Germanen einfach durchgewandert waren und sich nicht mehr auf den "archäologisch ertragreichen" Bergen verbarrikadieren mussten. Andere Historiker sind der Meinung, dass ihre großen Talsiedlungen bis heute tausendfach überbaut wurden und Archäologen bisher nur unzureichend zum Zuge gekommen sind. Die meisten der vielen germanischen Orte mit den Endungen -ing, -stedt, -haus-, -heim, -leben, und -feld waren ja zwischen der Zeitenwende und 700 nach Christi entstanden und existieren bis heute. Dort konnten die neuen Herren zwar schnell ihre Alltagssprache durchsetzen, nicht aber in "Wald und Flur". 
Am Ende der Völkerwanderung dominieren romanische und
germanische Sprachen 
Trotzdem müssen Romanisierung jenseits des Limes und Germanisierung in Mitteldeutschland das ihrige getan haben. Allein an Rhein und Mosel konnten gallorömische Schreiberlinge ja 500 Jahre länger am Keltischen herum biegen. Jenseits des römischen Reiches, also auch bei uns, scheint sich die alte Sprache länger gehalten zu haben: Nicht wenige Linguisten glauben, dass bis ins Mittelalter hinein hierzulande noch keltische Dialekte gesprochen wurden. So sollen in der Zeit der Sächsischen Kaiser neugebaute Burgen eindeutig keltische Namen erhalten haben. Gronau an der Leine beispielsweise
würde vom  keltischen „cronua“ - „Neuburg“ abstammen. Auch die irischen Mönche, die im 6. und 7. Jahrhundert Mitteldeutschland missionierten, wären nur deshalb so erfolgreich gewesen, weil man sie noch verstanden hätte. Ein weites Feld...
Jedenfalls brauchte es fast 1.000 Jahre, bis sich unser heutiger fränkischer Dialekt herausgebildet hatte: Nachdem also elbgermanische Alemannen und Hermunduren, sowie wahrscheinlich gotische  Thüringer hier ihren Dunst versprüht hatten, kamen 531 die Franken. Sie steuerten ihren westgermanischen Dialekt vom Unterlauf des Rheins mit bei. Dass es dort heute anders klingt, als bei uns, könnte etwas mit den Mischungsressourcen zu tun haben. Hier kamen Kelten und Germanen zusammen, im Westen Kelten und Latiner, erst später die Germanen. Doch das ist schon die nächste Geschichte, mit Luther und seiner Bibel war sowieso alles vorbei …
Resümee: Man wird wohl nicht umhin kommen, jede Flur- oder Ortsbezeichnung einzeln von den unterschiedlichsten Wissenschaftsdisziplinen nach o. g. Prinzipien untersuchen zu lassen. Doch wer hat schon dafür Zeit und Geld?

P.S. Weitere Hinweise für Germanisten: der umfangreiche Flurnamenreport auf der Internetseite des Heimatbundes Thüringen. Und für Keltisten: Obermüllers Deutsch-keltisches Wörterbuch als eBook im Internetarchiv, Band I und II. Richter muss man sich kaufen oder in der guten alten Bibliothek ausleihen. Zum Schluss daraus noch ein paar Beispiele aus unserer Region mit ihrer möglichen keltischen Ableitung:
  • Gleichberge, die wasserreichen Berge
  • Eisfeld an der Werra, Gerstenfeld
  • Römhild/ Rothemulde, oberes Sumpfland
  • Marisfeld, ruhiger Platz
  • Henfstädt, sehr alter Platz
  • Gethles, Platz im Wald
  • Suhl, kleines Wasser
  • Schleuse, heftig rauschend
  • Fulda, schön breites Wasser
  • Saale, weidbestandene
  • Harz, großes Hindernis
  • Jena, Platz der Quellen
  • Schwarzatal, Tal des lieblich lächelnden Wassers
  • Queienfled, Rinderfeld