Samstag, 7. Oktober 2017

Wie das Zinn in der Brozezeit von Britannien nach Mitteleuropa kam (Mit Google Maps Anleitung)

Vermutete Handelswege in der Bronzezeit aus GEO
Gerne proklamieren Archäologen europaweite Handelsverbindungen schon in der Vorzeit. Wenn es aber konkret wird, schieben sie gerne die Weitergabe der Güter von Dorf zu Dorf vor. Die Wege, auf denen die Güter transportiert wurden, bleiben sowieso unbekannt. Dabei ist es nicht schwer, die alten Trassen exakt nachzuzeichnen. Die kürzesten, trockensten und sichersten Strecken können nämlich nur über die Höhenzüge der Mittelgebirge verlaufen sein, die unseren Kontinent wie ein Netz durchziehen. Und entlang genau dieser Routen fanden auch die großen archäologischen Funde statt.
Das britische Zinn beispielsweise soll um 1600 vor Christus in ganz Europa verbreitet gewesen sein. Auch in der Himmelsscheibe von Nebra! Für das Mittelmeer scheinen Schiffe die Verteilung übernommen zu haben. Aber nach Süddeutschland oder in die Karpaten?
Kammwege als Autobahnen?
Die für Kähne in Frage kommenden Flüsse fließen dem Zinnstrom alle entgegen und Treideln kann an den wilden Ufern damals kaum möglich gewesen sein. Über die Kämme aber der Gebirgsketten gelangte man trockenen Fußes vom Ärmelkanal bis ins thüringische-, böhmische- und ungarische Becken. Dass im Fichtelgebirge ebenfalls schon Zinn geschürft worden sein könnte, spricht hier nicht gegen, sondern für dessen Transport über die Höhenzüge.
Wie prähistorische Autobahnen fressen sie sich tief ins Herz Europas: Teutoburger Wald, Eggegebirge, Hessisches Bergland, Thüringer Wald, Frankenwald, Erzgebirge, Oberpfälzer und Böhmer Wald. Bis an die Donau wird der Weg nur von 2 großen Flüssen unterbrochen: Fulda und Werra. Und wo die gequert wurden, ist bekannt: Kassel und Hörschel. Auch die alten Kammwege kennt man bis heute. Sie heißen Hermannsweg, Eggeweg, Rhein-Weser-Wasserscheide, Barbarossaweg, Rennsteig oder einfach Kammweg. Nach Tausenden von Jahren könnte man sie immer noch durchgehend mit einer zweirädrigen Kutsche befahren. Selbst die alten Hohlwege längs dieser Höhenrücken sprechen eine eindeutige Sprache. Ich habe sie alle - etappenweise - mit dem Fahrrad abgeklappert. Immer das gleiche Bild: Entsprechend dem Durchhaltevermögen der Zugtiere mussten alle 20 - 25 Kilometer befestigte Versorgungs- und Wachposten eingerichtet werden. Man erkennt sie heute auch ohne archäologische Funde an gesicherter Höhenlage, Befestigungsstrukturen wie Abschnittswälle oder Schanzkanten, Sichtkontakt untereinander, Quelle, potentielles Ackerland, Gräberfeld und Kultplatz. Wenn dann noch die Flurnamen passen, kann man sicher sein, auf den Pfaden der Altvorderen zu lustwandeln.
Ohne Zinn keine Bronzezeit
Das Zinn von der Insel legt nahe, dass die befestigten Höhensiedlungen schon während des milden Klimas der Bronzezeit benutzt wurden. Umso mehr natürlich während der Katastrophenzeit um 1200 v. Chr. als die norddeutsche Tiefebene und die Flusstäler allerorts unter Wasser gestanden haben müssen (Siehe Blog Prähistorisches Europa). Der Höhenweg auf dem Teutoburger Wald hätte sich jedenfalls als Fluchtweg vor den Tsunamis der Nordsee angeboten. Mindestens bis Zeitenbeginn scheinen die Mittelgebirgsrücken wegen der versumpften Täler als Fernreisewege dominiert zu haben. Als man aber das Tiefland wieder für Siedlungen nutzen konnte, spätestens seit den Invasionszügen der Franken um 500, scheinen die Hochstraßen an Bedeutung verloren zu haben. Dafür wurden die querenden Pässe über die Mittelgebirge aber immer wichtiger.
Die wegebegleitenden Stationen können sogar als Indikatoren für deren zeitliche Nutzung fungieren.
Befestigte Höhensiedlung
Wie heute brachte nämlich jede Zeit ein bestimmtes Muster menschlicher Bautätigkeit hervor: Das waren die trockenen Bergrücken des Neolithikums (erste Bauern), die großen meist leicht befestigten Höhensiedlungen der Bronzezeit, heute erkennbar an den Magerrasenkuppen, Hügelgräbern und fundträchtigen Kultplätzen in der Nähe. Nach den Klimakollaps und dem Urnenfelderumbruch 1200 v. Chr. scheinen die erosionshemmenden Ackerterrassen und die großen Fachwerk-Trockenmauern hinzugekommen zu sein, die heute zu Bodenwällen verfallen sind.
Henneburg seit der Bronzezeit
Leicht identifizierbar sind aber auch die kleinen hölzernen Burgen des Frühmittelalters mit Erdwällen, auf denen die Palisaden standen und tiefen Gräben. Bei andauernder Benutzung der Wege überlagern sich die Befestigungen und nicht selten konnten sich aus ihnen die Steinburgen des Mittelalters entwickeln. Doch selbst als Treideln auf Elbe, Weser und Rhein Usus war, benutze man für den Warentransport von der Nordsee ins Erfurter Becken vorrangig den Landweg: Siehe Via Regia!
Mit einer frühen Nordwest-Südost-Trasse hatte sich bereits Horst Braukmann in seinem Skript „Alte Heer- und Handelsstraßen zwischen Westfalen und Nordhessen beschäftigt“ Siehe "Römerfreunde". Er bezieht sich dabei vor allem auf Messtischblätter von 1805, in deren Mittelpunkt Altstraßen zu Füßen von Taunus und Hessischem Bergland stehen. Sie tangieren alle mittelalterlichen Siedlungen dort, womit ihre zeitliche Einordnung klar wird. Die Braukmann-Wege querten damit hunderte Wasserläufe, waren dreimal so lang wie die Wasserscheiden und kamen für den frühen Fernverkehr also kaum in Frage.
Der Zinnweg auf ein paar Meter genau bei Google Maps
Begleiten wir also die Reisenden von damals ein Stück auf ihrem von der Natur vorgegebenen Weg (Siehe hier bei Google Maps). Da ich Thüringer bin, den Rennsteig und den erzgebirgischen Kammweg schon geschichtlich aufgearbeitet habe (siehe Posts in diesem Blog), beginne ich umgekehrt in Eisenach und steige schließlich an der Ems bei Rheine in die Norddeutsche Tiefebene hinab. Ein Kontinentalweg von 276 Kilometern wartet auf uns, gespickt mit prähistorischen Fundstätten wie der Hünenburg, den Externsteinen, den Megalithgräbern von Scherfelde und der Wallanlage Dörnberg. Bei einem Tagespensum von 20 Kilometern ist er in 138 Tage zu schaffen. Natürlich haben das früher nur wenige Wagenlenker in einem Stück absolvieren können, weder bei den frühzeitlichen noch den mittelalterlichen Handels- und Heerzügen. Auch regional wird die Frequentierung der Teilstücke unterschiedlich gewesen sein. Wieder habe ich bei Google-Maps alle bekannten und verdächtigen prähistorischen und frühmittelalterlichen Befestigungen und vorchristlichen Kultplätze eingetragen. Mittelalterliche Burgen werden nur dann angegeben, wenn sie mutmaßlich oder gesichert aus einer frühen Anlage hervorgegangen sind. Die Karte sollte eigentlich für sich sprechen, hier nur ein paar Besonderheiten:
Alte Werrafurt bei Hörschel
Experimentaler Ochsenkutscher

Da kamen die Kutscher Richtung England also vom Rennsteig die spätere Braugasse in Hörschel bzw. aus dem Erfurter Becken über die Oleite oder den Langen Graben bei Spichra herunter. In beiden Fällen musste nun die Werra gefurtet werden, um über den Höllgraben auf die gegenüberliegende westliche Höhe zu gelangen. Dieses Urwege-Dreieck war wie üblich durch mutmaßlich frühzeitliche Befestigungen auf Kleinem Eichberg, Birkkuppe, Hörschelberg, Tellberg und die Höhe auf dem Kielforst (zerstörtes Hügelgrab) gesichert. Sicherlich nicht alle zur gleichen Zeit. Aber auf allen ist die Bergspitze künstlich abgeflacht, gibt es Terrassen, die nur als Schanzkanten Sinn machen, teilweise auch künstliche Stein- und Wallstrukturen, hohe Quellen. Befestigte Siedlungen hatten bis zur Zeitenwende mindestens die Größe eines heutigen Fußballfeldes für vielleicht 100 Menschen plus Häusern und Nebengelassen und natürlich war bevorzugtes Baumaterial verwitterbares Holz. Solche Anlagen begleiten uns jetzt auf der Hochfläche Richtung Nordwesten permanent. Dazu kommen Hohlwege bei Archfeld und Altefeld, teilweise mit Namen wie Stegliethe, also einer Bergleite. Die große Senke des Ringgaus wird sicher nur in feuchten Zeiten umfahren worden sein, sonst bietet sich die Abkürzung über Renda an. Die Ruine Boyneburg ist als vorzeitliche „Fliehburg“ bekannt. Das Besondere: Der ehemalige Zugang vom Berg aus ist zu schmal für einen Wagen und die Wallanlage scheint nur mit Eseln versorgt worden zu sein. Weiter geht es ins Tal über den Heidenberg mit seinen für Altsiedlungen typischen Magerrasenterrassen nach Wichmannshausen.
Hohlweg
 Dort wird die Sontra beim Altegraben gequert und über Hohlwege die Hubertusliete erobert. Oben gibt es wieder Schanzkanten und ein zerstreutes Hügelgrab. Wir sind jetzt auf dem Barbarossa- und dem Elisabethpilgerweg, Referenz an die alten Reisenden. Vorsicht aber: Der Touristenweg ist nicht identisch mit dem alten Höhenweg. Wer den sucht, muss kurz nach der Lauseeiche ins Unterholz immer Richtung Westen. Er beschreitet den hier eingezeichneten Umweg, der mit mutmaßlichen Wachstationen geradezu gespickt ist. Archäologisch scheint mir besonders die namenlose Anhöhe über Mitterode mit 398 m interessant, die eine mit Bruchsteinen übersäte Innenfläche besitzt, eine eindeutige Schanzkante und einen zerfurchten aber schmalen Zugang. Von Opferberg und Ziegenküppel kann man bis zum Inselsberg im Thüringer Wald schauen. Exzellente Motivation für die alten Zinn-Händler!
Natürlich wird man zu allen Zeiten diesen Umweg nach Waldkappel gemieden haben. Davon zeugen die extrem vielen Hohlwege in den Tälern dazwischen, wahrscheinlich bewacht durch Posten auf Kittersberg und Mäuseberg.
In Waldkappel ging es über den schmalen Schämmerbach. Hier kreuzten im Mittelalter der s.g. Lange Hessen von Frankfurt und die Brabanter Straße von Antwerpen, beide nach Leipzig. Sie verliefen weiter über Datterode, Ifta und Creuzburg, also nördlich parallel zu unserem Höhenweg. Dieser könnte also ihr prähistorischer Vorläufer gewesen sein.
Auf der anderen Seite geht es anschließend nach Nordwesten den im wahrsten Sinne Langen Graben zum Taufstein hoch. Der Wehrberg wird seinen Schutz übernommen haben. Der nun folgende Bergrücken ist zu schmal für eine Besiedlung; nur auf dem Wollstein könnte ein alter Lagerplatz gelegen haben.
Großen Steine bei Reichenbach
Dafür dürften die s.g. Großen Steine eine vorchristliche Kultstätte par excellence gewesen sein. Die 5 Meter hohe Wummis, heute auf dem Gelände einer Jugendeinrichtung, sind nach 2 Seiten doppelt mit tiefen Graben und Wall abgesichert. Sowohl Kindelberg als auch Großer Rohrberg mit überstrapazierten Terrassenfeldern, Schanzkanten und steinübersäten künstlich abgeflachten Kuppen kommen als dazugehörige Bergsiedlungen in Frage. Dort findet man sogar diese kleinen schnurgeraden Rinnen vom Tal zur Spitze hoch, wie am Suhler Domberg. Wahrscheinlich nutzte man sie, um Wasserbehälter auf Schlitten zum Berg hinauf zuziehen. Der Weg führt anschließend in tiefen Hohlwegen weiter zur mächtigen mittelalterlichen Burgruine Reichenbach, sicher auch bereits frühzeitlich genutzt. Von hier hat man einen herrlichen Blick bis Hessisch-Lichtenau, unserm nächsten Ziel.
Dort kreuzte im Mittelalter der Sälzer Weg, auf dem das Salz von Bad Sooden-Allendorf in alle Himmelsrichtungen transportiert worden sein soll. Dahinter geht es trockenen Fußes durch ein großes Waldgebiet mit nicht weinigen prähistorischen Verdachtsplätzen und bestätigten Grabanlagen.
Fulda in Kassel
In Kassel, wo es nur spärliche vorchristliche Funde gibt, kreuzt unser Zinnweg die Fulda und die berühmte Haidenstraße, ebenfalls von Leipzig nach Köln. Dahinter folgen mehrere Varianten, wie sie von Braukmann beschrieben wurden. Ich schlage den in der Karte eingezeichneten Höhenweg vor, den ein Potpourri prähistorischer und frühmittelalterlicher Anlagen begleitet. Dabei mussten die Warme bei Laar und die Diemel bei Warburg überquert werden. Geht es nach den archäologischen Funden dort, muss die Region seit dem Neolitikum ein Kreuzweg der Völker gewesen sein. Während der römischen Okkupation und im Mittelalter sollen sich hier Handelsstraßen aus allen Richtungen begegnet sein.
Hinter Scherfede geht es wieder die Berge hoch. Nun konnte man sich nicht mehr verlaufen. Der weitere Weg wird durch die relativ schalen Gebirgszüge von Egge und Teutoburger Wald vorgegeben. Von den tangierenden vorzeitlichen Sicherungsplätzen sind die meisten gut erforscht und ich kann mich kurz fassen. Sie treten besonders konzentriert rechts und links von Pässen spätmittelalterlicher Altstraßen über die Gebirge auf. Das sind bei:

- Bethel: die Kölner Straße nach Bremen
- Hörster Bruch: Hellweg vor dem Sandforte
- Detmold: eine Via Regia von Frankfurt nach Bremen.
- Horn bei den Externsteinen: Hellweg von Paderborn an die Weser, wahrscheinlich auch die Wein-, Wäng- oder Wagenstr.
- Bad Driburg: Westfälischer Hellweg vom Rhein an die Elbe
- Scherfelde, Warburg: Plackweg nördlich der Ruhr, Haar- und Bördenweg, sowie der Eiserweg (nach Braukmann)

So ging es fast 7 Tausend Jahre lang...
Herrmans- und Eggeweg sind zwar in aller Munde, aber nicht als prähistorische Kontinetalstraße. Im Teudoburger Wald scheinen alle Historiker auf die Varusschlacht und dementsprechend die Heimatforscher auf Römer und Germanen fokussiert. Grabhügel und Großwälle aber müssen aus einer ferneren Zeit stammen. Auffällig auch: Die mittelalterlich beurkundeten Städte rechts und links der Höhenzüge scheinen dem Namen nach viel früher entstanden zu sein, wahrscheinlich noch vor der Zeitrechnung während der ersten Germanenzüge Beispiele sind Paderborn, Detmold, Lippspringe, Horn, Driburg, usw. Nicht wenige dieser Kommunen tragen Namen, die schon anderen Ortes vergeben sind: Detmold, Horn, Meinberg, Driburg, Bethel, Halle, Werther, Dissen, Hilter, Iburg, Hagen, Wittenberg, Dörenberg, Tecklenburg, Hörstel, Rheine usw. Sind der Teutoburger Wald und das Eggegebirge also Anfang oder Ende von unbekannten Völkerbewegungen? Dass die Archäologen außerstande scheinen, die besondere Beziehung zwischen prähistorischen Höhensiedlungen, geologisch markanten Kultplätzen und Hügelgräbern herzustellen, kennt man ja. Nirgends aber tritt diese Kombination so deutlich hervor wie hier. Auch die Vereinnahmung ehemals heidnischer Berge durch das Christentum ist selten so augenfällig wie hier: Johannisberg, Petersbrink, Heidebrink, Gröpelloh, Gottesberg, Bußberg, Jakobsberg, Oelberg usw.
Bis heute heidnische Kultstätte: die Externsteine
Was wurde z.B. den Externsteinen nicht alles angedichtet. Dass sie eine ganz normale Kultstätte der mutmaßlichen Höhensiedlungen auf Bärenstein, Waldschlösschen, Preußischer- oder Lippischer Vermerstot gewesen sein könnten, wird nirgends diskutiert. Den Bärenstein beispielsweise klassifiziert man lediglich als Altsteinbruch. Egal aber wie man zu den Ausführungen in megalith-pyramiden.de steht, die endlosen Trockenmauern dort können unmöglich aus der Neuzeit stammen. Verfälschende Steinbrüche an frühzeitlichen Stein-Wallanlagen gibt es nämlich überall in Europa. Auch unter den riesigen Kalkbrüchen zwischen Lengrich und Lienen müssen frühzeitliche Befestigungen gestanden haben. Zwischen ihnen müssen nämlich sowohl der Hilinci- als auch der Pickerweg von Münster nach Osnabrück verlaufen sein. Beide Städte hatten im Mittelalter eine Bedeutung als Handelsknoten wie Warburg. Der Pass scheint zischen den Siedlungsverdachtsplätzen Künst und Höste verlaufen zu sein. Doch wer recherchiert da schon!
Die Grotenburg unter dem Hermannsdenkmal
Das Hermannsdenkmal kennen alle. Wer aber weiß, dass darunter eine Ringwallamlage namens Grotenburg stand? So scheinen die meisten prähistorischen und frühmittelalterlichen Höhensiedlungen auf Egge und Teutoburger Wald in Vergessenheit geraten zu sein. So denkt bestimmt auch niemand über die Endpunkte des Hermannsweges hinaus und erforscht seine strategische, ja kontinentale Bedeutung seit der Bronzezeit.
Wir dagegen, quasi von der Donau kommend, gelangen nun bis an die Nordsee. Witziger weise endet unsere Straße in einem Ort ähnlichen Namens unseres Einstieges: Hörstel/ Hörschel. Wo die Zinn-Händler aus Britannien an Land gegangen und wo sie ins Mittelgebirge hochgestiegen sind, ist bei den ewigen zerstörerischen Sturmfluten am Nordmeer kaum zu rekonstruieren. Es gibt da mehrere Möglichkeiten, auf jeden Fall musste die Ems gefurtet werden. Entweder passierte das auf der Linie Rheine, Arnheim, Utrecht und Amsterdam oder über Lingen Richtung irgendeines untergegangenen Hafens. Wenn man die Linie des Teutoburger Höhenzuges einfach verlängert, landet man erst in Nordhorn (vergleiche Horn, am Knick des Teutoburger Waldes) dann in Hardenberg, zwei Orte, deren Namen uns auf unserer Reise schon einmal begegnet sind. Weiter kommt man anschließend nach Genemuiden, dem vor der Eindeichung weitesten Vorstoß der Nordsee ins Hinterland. Wer also weiß, wo in der Frühzeit die Küste verlief, weiß, wo das Zinn von den britischen Inseln an Land gekommen sein muss. Ausgegraben wurden megalithische Steinanlagen, bronzezeitliche Erdwerke und frühmittelalterliche Ringwälle in der Region „en masse“. Vielleicht nehme ich mir die Gegend ja irgendwann mal vor.