Sonntag, 9. August 2015

Prähistorische Altstraßen durch Franken


Kontinentaler Handel seit der Jungsteinzeit
Um es gleich vorwegzustellen: Hier geht es nicht um die mittelalterlichen Altstraßen, wie sie überall entlang der Hohlwege in unserer Region erforscht werden, wie Weinstraße, Ortesweg oder Via Imperii. Hier wird das Reisen von vor über 3.500 Jahren beleuchtet. Lächerlich? Ein ausgegrabener Knüppeldamm über die Sülze unterhalb des Stillhofes bei Meiningen zeugt von einem wohl organsierten Verkehr in jener Zeit.
Um 1500 v. Chr. herrschte in ganz Europa die Bronzezeit. Im heutigen Franken wohnten damals die Nachkommen aus einer Vermischung von Schnurkeramischer- und Glockenbecherkultur. Wahrscheinlich benutzten sie schon irgendein indogermanisches Idiom. Durch das heutige Franken zogen Handelswege, die bereits damals Bernstein von der Ostsee an die Adria brachten und Feuerstein aus den Alpen nach Norden. Ausgrabungen nördlich des Thüringer Waldes haben jede Menge keltische Artefakte hervor gebracht, die ab 800 v. Chr. in Süddeutschland hergestellt worden waren.
Hohlweg: Mittelalter oder Frühzeit?
Um die dafür benutzten Handelspfade heute aber zu identifizieren, bedarf es eines Tricks. Die vielen alten Hohlwege können als Linienführung ja nur bedingt heran gezogen werden, weil die Archäologen sie in das Mittelalter datieren. Von den Klimaforschern wissen wir aber, dass es ab 1200 v. Chr. ziemlich feucht bei uns zugegangen sein muss. Sämtliche Flussniederungen scheinen also versumpft gewesen zu sein. Jedenfalls entstanden allerorts befestigte Höhensiedlungen. Eine Wegführung entlang der Wasserscheiden wird also wahrscheinlich. Dort reiste man ja auch davor und danach wesentlich schneller, ohne Umwege, zusätzliches Auf und Ab und durch die Weitsicht auch sicherer.
Typischer Kultplatz
Tatsächlich reihen sich auf diesen Höhenwegen Grabhügel, alte Wallanlagen, heidnische Kultplätze und archäologische Fundstücke von damals wie Perlenketten aneinander. Von Bad Königshofen beispielsweise zieht sich eine Fundkette von kleinen Steinwerkzeugen aus der Kupferzeit bis über den Thüringer Wald nach Arnstadt. Man braucht also nur diese Objekte miteinander zu verbinden und weiß, wo die Uraltvorderen entlang gezogen sind.
Eine solche Trasse stellt, wie in anderen Posts erwähnt, der heutige Keltenerlebnisweg zwischen Bad Windheim und Meiningen dar (Siehe Post: "Altwege durch Südthüringen" und "Keltenerlebnisweg"). Mit seinen aneinander gereihten Höhensiedlungen und den archäologischen Ausgrabungen zeichnet er einen gut nachvollziehbaren prähistorischen Urweg von der Donau bis ins Thüringer Becken nach. Völlig unbekannt, aber wahrscheinlich viel bedeutender, fräst sich auch weiter östlich solch eine Nord-Süd-Magistrale der Altvorderen in die Fränkische Alp bzw. Fränkische Schweiz: Der Prähistorische Urweg durch Franken II. (Bitte öffnen Sie diesen Link als separates Browser-Bild neben diesem Text.)
Fundkette am prähistorischen Urweg durch Franken
Die so vergleichbare Trasse trägt scheinbar keinen Namen und ist auch nirgends dokumentiert. Dabei stehen an ihm archäologisch viel bedeutendere Höhensiedlungen als am Keltenerlebnisweg. Die Muster, nach denen beide angelegt wurden scheinen die gleichen: Sie müssen nach den Funden bereits von den ersten Bauern um 4500 v. Chr. angelegt worden sein. Das macht ja auch Sinn, denn Mitteleuropa soll ja während der neolithischen Expansion besiedelt worden sein, die aus Anatolien die Donau hoch kamen. So scheinen Ziele, Methoden und Motivation der  zwei Wege identisch: Marschrichtung Nord-Süd, ausschließlich auf Bergrücken entlang der Wasserscheiden, alle 20 Kilometer etwa, dem Tagespensum eines Ochsenkarrens, mussten befestigte Rastplätze angelegt werden. Die unumgänglichen Fluss-Furten wurden dabei durch besonders starke Wallanlagen geschützt. An den Talabhängen dort liegen dann auch jene tiefen Hohlwege, die nur schwerlich bekannten mittelalterlichen Altstraßen zugeordnet werden können. Überlappungen waren selbstverständlich möglich.
Beispiel Keltenburg
Die Festen selbst befinden sich durchweg in Sichtweite voneinander, haben oder hatten eine Quelle, eine gute Rundumsicht und an ihren Abhängen oft unregelmäßige Ackerterrassen. Diese sind heute üblicherweise wegen überstrapazierter Landwirtschaft mit Magerrasen bewachsen. In der Umgebung der frühzeitlichen Wallsiedlungen finden sich auch immer geologische Besonderheiten, die wahrscheinlich als Kultplätze benutzt worden waren (Höhlen, besondere Steinformationen, künstlich bearbeitete Felsen). Das konnte durch einfassende Schanzen oder entsprechende Bodenfunde nachgewiesen werden. Auch die Stein- oder Hügelgräber lagen in direkter Nachbarschaft. In Franken werden solche Bergsiedlungen gerne als Burgställe bezeichnet, was ohne wissenschaftliche Untersuchung keine Unterscheidung zwischen Frühzeit und Frühmittelalter, respektive Kelten oder Germanen zulässt. Trotzdem kann man auch dort, wo es noch keine wissenschaftlichen Grabungen gab, einzelne Baustile unterscheiden:
  1. Die großen Siedlungen der ersten Bauern ab 4500 v. Chr., sowie der Kupfer- und Bronzeschmiede, ab 2500 bzw. 2200 v. Chr., nur schwach bewehrt, vielleicht mit Palisaden und Graben, dafür mit Magerrasenabhängen. Heute sind nur noch kleine Schanzkanten oder verschliffene Wälle zu erkennen.
  2. Ab 1200 v. Chr. die großen Wallsiedlungen von Urnenfelder-, Hallstatt- und La Tene Kultur mit ihren monströsen, heute zerfallenen Holz-Stein-Mauern und zusätzlichen Terrassenfeldern, .
  3. Die kleinen Wallburgen des germanischen Frühmittelalters, belegt seit der Invasion der Franken im 6. Jahrhundert, ebenfalls aus Holz, oft mit tiefen umlaufenden Gräben, aber ohne nennenswerte Infrastruktur.
Beispiel frühmittelalterliche Befestigung
In der Karte habe ich die befestigten Siedlungen aus 1. und 2. mit einer kleinen Bergspitze versehen. Wegen der ständigen Überbauung durch nachfolgende Kulturen sind sie in der Theoretischen Archäologie nur schwer zu unterscheiden. Die frühmittelalterlichen Festen der Germanen und ersten Franken kennzeichnet eine kleine Burg. Weitere Hinweise zur Urstraße liefern Hügelgräber, Flurnamen, Menhire, später Kreuze etc., hier als Drei-Punkte-Ikon markiert.
Beim Studium der Karte hilft ein Blick in die Geschichte: Bis 1200 v. Chr. etwa scheinen sich die frühen Bauern und späteren Bronzeschmiede auf ihren Höhensiedlungen friedlich entwickelt zu haben. Danach kommen völlig unmotiviert die Urnengräberfelder auf. Die neue Bestattungskultur, die sich nun in ganz Europa (außer an den Küsten) ausbreitete, wird von der offiziellen Wissenschaft als religiöse Modeerscheinung abgetan. Einige wenige Archäologen und Klimaforscher aber bringen diesen Umbruch mit Naturkatastrophen am Atlantik (Vulkaneruptionen, Erdbeben, Tsunamis) und kriegerischen Völkerwanderungen "möglich weit weg von den Küsten" in Verbindung. Nur so könne man die geschichtlichen Phänomene erklären, die folgten.
Oppida Staffelstein mit Terrassenfeldern
Mit den Urnengräber-Leuten tauchten nämlich schlagartig und in Massen befestigte Höhensiedlungen in Mitteleuropa auf, flaches Land wurde entvölkert, neue Waffen kamen zum Einsatz und auffällig viele Menschen vergruben ihre Schätze (Hortfunde). Die Neuankömmlinge aus dem Westen  besetzten dabei auch die alten Siedlungshügel der Bronzeschmiede und bauten sie peu a peu zu den gewaltigen Wallanlagen aus, wie wir sie heute kennen. Auffällig sind auch die vielen Terrassenfelder an solchen Befestigungen, die auf einen Klimakollaps und Dauerregen hinweisen. Dem musste eine Agrar-, später eine so genannte Subsistenzkrise folgen, die die ganze Gesellschaft erfasste. Erst nach 400 Jahren schien sich das Leben wieder zu normalisieren. Nun konnten sich ohne weiteren Bruch erst die Hallstatt-, dann die La Tene Kelten entwickeln.
Ehrenbürg mit Magerrasenabhängen
Die hatten natürlich im ganzen Land ihre befestigten Siedlungen, aber nirgends so konzentriert wie an den alten Handelsrouten. Als deren Eliten dann, wahrscheinlich wieder klimabedingt, bis spätestens 50 v. Chr. nach Süden abgezogen waren und die Germanen langsam nachrückten, verfielen die meisten Wallanlagen. Die neuen Herren konnten ja wieder in den trocken fallenden Niederungen siedeln. Archäologen fanden nur teilweise Brandspuren in den alten Bollwerken, was den Streit über die Auseinandersetzung mit den Germanen bis heute am Leben erhält. Die unter 3. genannten kleinen Wallburgen scheinen erst mit der Invasion der Franken ab
531 entstanden zu sein. Manchmal wurden auch Kelten-Wälle nachgenutzt, wie die Coburg beispielsweise, die Heldburg oder die Henneburg. Als aber die fränkischen Grafen ihre Macht über die sog. Kleinherrschaften konsolidierten, war mit dem Burgen-Boom Schluss. Die befestigten Orte der Franken habe ich übrigens nur dann in die Karte eingezeichnet, wenn unter ihnen eine vorzeitliche Bergsiedlung vermutet werden kann.
Houbirg mit Quelle und Kultplatz
So zieht es sich von der Donau - wahrscheinlich beim Oppidum Manching - durch Ostfranken über den Thüringer Wald bei Neustadt bis ins Thüringer Becken und über die Monraburg immer weiter nach Norden. Selbst in Skandinavien noch begleiten uns die neolithischen und bronzezeitlichen Siedlungen und Gräberfelder am Weg. Nur zwischen 1200 und etwa 600 v. Chr. klafft hier eine Lücke, wahrscheinlich wegen den o.g. Verwüstungen. In der Literatur wird dieser weiterführende Urweg ziemlich diffus als mittelalterliche Kupferstraße beschrieben (Siehe entsprechender Post in diesem Blog). Sie soll von Jütland bis Nürnberg geführt haben. In unserer Karte ist sie nur durch die Straßennamen in Wimmelburg, bei Oerenstock, in Nürnberg und Ingolstadt markiert. Dabei fällt aber ein Widerspruch auf: Die Altstraßenforscher beziehen sich in ganz Nord- und Mitteldeutschland ausdrücklich auf die frühzeitlichen Artefakte und wasserscheidenden Höhenzüge entlang des Weges, um ihn dann ab Coburg in die Niederungen von Itz, Main, Regnitz und Rednitz zu verlegen. Dort kann es aber erst nach den Klimakapriolen, vielleicht nach der Völkerwanderung so richtig losgegangen sein. Das bestätigen auch die entsprechenden Siedlungsfunde. Nur wenige Kilometer östlich dieser angeblichen Kupferstraße durch Franken aber verläuft parallel unser Prähistorischer Urweg auf den Höhenzügen von Oberfranken und Oberpfalz. Ich schlage deshalb vor, ihn als frühzeitliche Variante der Kupferstraße zu interpretieren! Er wird damit - neben dem Keltenerlebnisweg und der Schwarzwaldroute - zu einem weiteren Strang der alten europäischen Kontinentalstraße, die von Skandinavien, durch unsere Heimat und entlang dem Vorgänger der Via Claudia Augusta über die Alpen bis nach Italien führt. Mehr noch: Er könnte damit, zumindest in seinem südlichen Teil, als prähistorischer Vorgänger der Via Imperii gelten. Da bin ich aber noch am Forschen.
Beispiel Keltenwall
Doch auch ohne Namen ist unsere Trasse durch Franken ein Wunderwerk menschlicher Entwicklung. Sie führt durchgängig entlang markanter Höhenplatten und wird nur sechs mal durch unumgängliche Talquerungen mit sichernden Oppida unterbrochen. Dort finden sich regelrechte Ballungszentren der Frühzeitler (in Klammern die Gräber, Kultplätze und andere befestigte Areale jener Zeit, direkt in der Nachbarschaft):
  • Schellenberg über dem Altmühltal (Felsenklause, Hügelgräber)
  • Simmersberg über Schwarzach (Felsenkeller Löwengrube, Teufelskeller, Hegnenberg)
  • Houbirg über Pregnitz (Hoher Fels, Arzberg, Steinberg, Michelsberg)
  • Ehrenbürg über Wisent (Gräber bei Mittelehrenbach, Weilersbacher Platte)
  • Staffelberg über Main (Gräber und Wall Dornig, Ansberg, Possenberg, Wall über Kümmel, Quelle an späterer Kapelle Vierzehrnheiligen)
  • Hohe Wart über Itz (Mahnberg, Hundsberg, Weinberg, in der Altstraßenforschung als Weg- oder Wagenberg belegt)
Alle anderen Flüsse und Bäche konnten umgangen werden. Manche wurden zur Abkürzung gefurtet (z. B. Grub bei Coburg). Die belegbare Weggabelung bei Kümmersgereuth macht für eine prähistorische Fernstraße nur dann Sinn, wenn prinzipiell unterschiedliche Ziele angepeilt werden mussten. Das könnte auf der einen Seite das Ilmtal mit dem Thüringer Becken und auf der anderen das Saaletal mit Mitteldeutschem Becken um Leipzig gewesen sein. Der westliche Strang kreuzt dann den Rennsteig nördlich von Steinheid bei den Bergen "Hohe Wart" und "Schanze", der andere an der Höhe "Altes Schloss" nordwestlich von Spechtsbrunn, respektive am "Wetzenstein" bei Lehesten. An allen diesen Punkten hätte man sein Ziel noch einmal über die prominente Querverbindung revidieren können; der  wasserscheidende Rennsteig scheint nämlich ein genauso vielbenutzter Urweg gewesen zu sein (Siehe entsprechenden Post). So konnte man den Kamm beispielsweise ein Stück Richtung Nordwesten folgen, um bei Neustadt mit "Großem Burgberg" ohne weitere Talquerung zur Wallanlage Singer Berg Richtung Erfurt zu gelangen. Das dichte Hohlwegenetz um Lichte aber deutet an, dass die Altvorderen zumindest im Mittelalter mehrheitlich den Weg Richtung Saalfeld gewählt haben müssen. Die "trockene", also frühzeitliche Variante dort führt durch Schmiedefeld. Der östliche Strang unserer Route bot an der "Schaltstelle" Heunischenburg noch einmal zwei Varianten mit Blick auf dass Saaletal an. Beide treffen sich wieder an der Wallanlage Gleitsch, bzw. an der Wernburg.

Beispiel Keltentor
Vielleicht noch zu ein paar Besonderheiten am Weg: Warum das Oppidum Manching als Ausgangs- oder Zielpunkt? Es soll mit etwa 10.000 Bewohnern 300 Jahre lang vor der Zeitrechnung die größte keltische Siedlung überhaupt gewesen sein. Sie lag damals direkt an einem Mäander der Donau und über die angedeuteten Höhenwege war man schnell auf der Vorgängerroute der Via Claudia Augusta nach Italien .
Die meisten bronzezeitlichen Hügelgräber am Weg finden sich im Grafenforst östlich von Kinding. Dass sie von den Bewohnern des Schellenberges angelegt wurden, ist unwahrscheinlich. Dafür liegen sie zu weit ab. Ich vermute eine befestigte Siedlung unter dem Steinbruch über Pfraundorf. Denn auch der spätere Abbau von Steinen  an frühzeitlichen Wallanlagen ist leider typisch für Mitteleuropa. Bei der notwendigen Furt der Schwarzach bei Altendorf, wo die historische Straße von Frankfurt nach Regensburg kreuzt, ist die sichernde Wache nicht eindeutig auszumachen. Ich vermute sie auf den Schanzen am Brentenberg und am Simmersberg. Den schneidenden Ludwig-Donau-Main-Kanal gab es ja damals noch nicht. Besonders vor Hersbruck wird deutlich, wie die Höhenwege im Frühmittelalter auf der Suche nach Abkürzungen immer öfter auch durch Täler geführt wurden. Es strotzt dort nur so vor Hohlwegen. Um Wallsdorf herum, östlich von Nürnberg, könnte den Flurnamen und den Bodenstrukturen nach auf jedem zweiten Hügel eine Befestigung gestanden haben. An den Hochflächen um die keltischen Wallanlagen Staffelberg und Coburg zeigt sich besonders schön die Gruppendynamik jener Zeit: Wie andernorts auch scheint jeweils das gesamte Plateau besetzt gewesen zu sein, mit Feldern in der Mitte und befestigten Wachen jeweils an den Randkuppen.

Natürlich gibt es auch andere Altstraßen durch Franken. Bekannte, mit mittelalterlichem Namen, aber auch weniger- und Unbekannte. Alle aber scheinen prähistorische Wurzeln zu haben, alle folgen den eben beschriebenen Mustern, alle führen weit über ihre urkundlich belegten Endpunkte hinaus (folgend jeweils in Klammern). Die Limeszufahrten und Römerstraßen auch nördlich der Donau lasse ich wegen der Menge an Veröffentlichungen dazu außen vor. Da wären also:
  • die Hohe Straße zischen Kocher und Jagst (Speyer - Nürnberg)
  • eine West-Ost-Kontinentalstraße von Frankfurt nach Regensburg (Mainz-Böhmen)
  • der Ortesweg von Marburg nach Bamberg (Rhein - Böhmen)
  • der Rennweg (teils auch Hohe Straße) zwischen Kitzingen und Forchheim (Würzburg-Böhmen)
  • die von mir so genannte "Harraser Urwegroute" vom Rennsteig nach Bamberg (Siehe gleichnamiger Post")
  • die nicht näher bezeichneten, von Schleusingen sich sternenförmig ausbreitenden Verbindungswege der Henneberger Grafen zu ihren Vasallen; die hatten ja auch 500 Jahre Zeit, sich in Nordfranken in die Erde zu wühlen (Siehe Post: Altstraßen durch Südthüringen)
  • die Altmagistralen, die vom mutmaßlichen keltischen Oppidum auf dem Marienberg in Würzburg über den Rennsteig ins Thüringer Becken führten und die im Frühmittelalter als "Schnellstraße" der ersten Thüringisch-fränkischen Herzöge fungiert haben müssen (weswegen sie im entsprechenden Post von mir als Heden-Wege nach dem 1. fränkischen Herzogsgeschlecht bezeichnet werden)
  • Die Europäische Hauptwasserscheide, die mit ihren Abkürzungen über den Rhein und die Altmühl von Gibraltar bis Moskau zu führen scheint.
Ich fahre diese Strecken nach und nach alle mit dem Fahrrad ab und werde hier auch immer darüber posten. Es fasziniert mich, wie sich die oben beschriebenen Muster wieder und wieder in der Landschaft abbilden. Manchmal suche ich neben einem scheinbar unmöglich zu befahrenden Steilhang stundenlang nach alternativen Abfahrten, um dann doch nur immer wieder vor einem unüberwindlichen Hindernis zu landen, wie zwischen Dillberg und Altdorf (Steiles Tal). Die einzigen Info-Tafeln zu Altstraßen habe ich auf dem Oppidum Schellenberg und an einer Wegegabelung kurz vor Kümmersreuth gefunden. Da wird auf "mögliche" prähistorische Höhenwege und mittelalterliche Handelsstraßen hingewiesen. Schade, dass die Experten vor Ort so selten über ihren Tellerrand hinweg schauen können. Sie kennen zwar jeden Schleichweg, aber ich wäre erstaunt, wenn es in der Karte gravierende Abweichungen gäbe.
Schellenberg zur Sicherung der alten Talquerung
Ich stoße in Franken auch ständig auf Flurbezeichnungen wie „Fliehburg“, „Volksburg“ oder „Schwedenschanze“. Diese Bezeichnungen müssen aus Zeiten stammen, als die Menschen noch nichts mit den offen liegenden Wallanlagen im Wald anzufangen wussten. Bisher ist keine einzige Gemeinschaftsschutzeinrichtung mehrerer mittelalterlichen Dörfer auf einem zentralen Berg nach der Zeitenwende nachgewiesen worden. Überall dort, wo Archäologen gegraben haben, kamen frühzeitliche Relikte zum Vorschein. Vorstellbar höchstens, dass sich die Schweden im Dreißigjährigen Krieg ab und an innerhalb vorhandener prähistorischer Wallanlagen verschanzten. Die vorzeitlichen Funde auf solchen "Schwedenschanzen" sprechen aber eine andere Sprache. Man darf sich auch nicht von den lokalen Bezeichnungen wie "Burgstall, „abgegangene“ oder „offengelassene“ Burgstelle irre machen lassen, die keinerlei Bezug auf das Alter des Bodendenkmals zulassen. In vielen Fällen verstecken sich dahinter nicht mittelalterliche, sondern vor- oder frühgeschichtliche Bergsiedlungen, strategisch angelegt, für mehrere hundert Menschen, ehemals mit einer Holz-Stein-Mauer befestigt, oft archäologisch ab 1200 v. Chr. datiert, mit Quelle, Ackerland, Kultplatz, Grabhügel oder Gräberfeld. Und - sie liegen an einem dieser Urwege! Damit werden die berühmten Oppida Frankens und Südthüringens zu nichts weiter als Versorgungs- und Wachstationen für frühe Reisende. Sicher hat sich deren Besatzung immer zu Herren über die im Umfeld liegenden Bauern aufgeschwungen. Aber es ging ihnen wie allen Mächtigen in der Geschichte: Irgendwann war ihre Zeit abgelaufen. Manch umliegender Weiler aber konnte sich zu einem heutigen Dorf entwickeln...