Mittwoch, 22. Februar 2017

Herzog-Heden-Wege als Altstraßen über den Thüringer Wald?

Volker Schimpf aus Leipzig hat mal die möglichen Heden-Orte in Thüringen untersucht. Das war mir Inspiration, auch nach seinen Wegen zu fragen.
Die neuen Herren in Thüringen und Franken
Heden II. war als Herzog die erste historische Persönlichkeit, von der man nachweisen konnte, dass sie gleichzeitig in Würzburg und Thüringen das Sagen hatte. (Siehe Post: „Die Franken kommen nach Franken“) Manches deutet darauf hin, dass schon sein Urgroßvater Radulf - in anderen Quellen Hruodi - diese Achse betrieben hatte, aber darüber streiten die Gelehrten. Von letzterem wissen wir, dass er in Thüringen, wahrscheinlich auf der alten Königsburg von Herbsleben residiert hatte. Von dort aus legte er sich erfolgreich sogar mit dem Fränkischen König an. Sein Sohn Heden I. wird schon als Herzog in Thüringen und Würzburg genannt. Von seinem Nachkommen Gosbert wissen wir, dass er am Main regierte. Heden II. hingegen hat nachgewiesenermaßen  sowohl in Würzburg als auch im Thüringer Becken agiert. Dabei hinterließ er bedeutsame Spuren, doch dazu später. Wenn wir davon ausgehen, dass in jenen unruhigen Jahren der Boss immer mal nach seinen Schäfchen geguckt haben wird, musste er irgendwo auf bekannten, also noch älteren Wegen über den Rennsteig marschiert sein (Siehe Post: „Der Rennsteig als prähistorischer Höhenweg“ (*). Im Post "Altstraßen selber finden" (**) sind die Prinzipien beschrieben, nach denen solche Höhenwege fast zwangsweise entstehen. Nun gibt es zwar viele Wegebündel von Würzburg über das nördliche Mittelgebirge, im Wesentlichen aber nur drei Trassen, auf denen man schnell, sicher und weitestgehend trockenen Fußes mit Pferd, Ochs‘ und Wagen vorankam. Ich nenne sie Hedenweg 1, 2 und 3. (Bitte anklicken!) Bei Google-Maps kann man sie bis auf ein paar Meter genau nachvollziehen (Nicht vergessen: „Topographie“ einschalten, noch besser: KML-Dateien exportieren und bei Google-Earth öffnen!).
Die 3 Heden-Wege auf Google-Maps
Auf die Verzweigungen werde ich noch eingehen: Nach Häufigkeit und Tiefe der Hohlwege, sowie den geschichtlichen Zusammenhängen, scheinen das die Hauptrouten gewesen zu sein. Die ersten beiden mussten jeweils Fränkische Saale und Werra überwinden, der Dritte nur die Werra, unter Umständen noch die Schleuse. Dafür hatte er ein paar Bäche mehr auf seinem Weg. Alle drei Routen scheinen viel älter zu sein, weil neben den frühmittelalterlichen, sprich fränkischen Sicherungsburgen auch bronzezeitliche, keltische und altgermanische befestigte Siedlungen am Weg liegen. Die hier eingezeichneten Befestigungen scheinen bei Heden schon vorhanden gewesen zu sein. Wie man sie erkennen kann, siehe oben (**). Dort, wo keine archäologischen Funde vorliegen, kann das Alter nur an Flurnamen und Bodenstrukturen festmacht werden. Dementsprechend sind die markanten Punkte wie folgt grafisch dargestellt, bei bekannten Ausgrabungen auch mit Zeitangabe:
  • Bergspitzen: Wälle und Schanzen nach den noch heute sichtbaren Bodenstrukturen, aus Bronze-, Urnenfelder-, bis keltischer Zeit
  • Kleine Burgen: germanische und frühmittelalterlicher Befestigungen, die anfangs aus Holz, später aus Stein gebaut wurden.
  • Drei Punkte: Weitere Besonderheiten, die mit dem Weg in Verbindung stehen könnten.
Franken-Mode
Eigentlich sollte die Karte selbst erklärend sein. Aber die Art, wie sie die uns bekannte Historie ergänzt, lässt jeden Geschichteinteressierten frohlocken. Z. B. erklärt Heden-Weg Nr. 2, warum die Henneberger Grafen um 1000 zwangsläufig das Burggrafenamt in Würzburg einnehmen mussten: Mit der Lage seiner Burg hätte er leicht den Herzogsweg blockieren können.
Heden lebte in einer Zeit, da die Siedlungspolitik der Franken immer mehr Menschen zumindest in die fruchtbaren Regionen dies- und jenseits des Thüringer Waldes brachte. Deren Wege verliefen bereits fast ausschließlich in den Tälern. Fernwege aber scheinen weiter die langen und trockenen Höhenrücken genutzt zu haben, besonders wenn sie an das Mittelgebirge heranführten, wo man sowieso hoch musste.
Heden II. unterzeichnete 704 in Virteburch - dem heutigen Würzburg - eine berühmte Urkunde. Sie gilt als das älteste Schriftstück, das Thüringen betrifft. Darin vermacht er Güter in Arnstadt, Mühlberg und Monhore, wahrscheinlich Monraburg, an einen Bischof Willibrord. Bezeugt von seiner Frau Theotrada und Sohn Thuring. Noch einmal beurkundete Heden II., genannt auch der Jüngere, in Würzburg 716. Diesmal geht es um Besitz im mainfränkischen Hammelburg. Auch das liegt an unserem Weg. So kann man zumindest die partiellen Ziele unseres reisenden Würdenträgers gut ausmachen (Rot unterlegt).
Maienburg: Damals noch nicht aus Stein und ohne Brücke
Der Marienberg von Würzburg scheint, entsprechend jüngsten Ausgrabungen, ein keltisches Oppidum vergleichbar mit der Steinsburg in Thüringen gewesen zu sein. Nach der keltischen Südwanderung zwischen 300 und 50 v.Chr. müssen sich um die Zeitenwende die Sueben (später als Schwaben bezeichnet) breit gemacht haben. Diese werden auch gerne mit den Alemannen gleichgesetzt, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten. Gegen 250 unserer Zeit soll es dann ein zweihundertjähriges Intermezzo der germanischen Burgunden hier gegeben haben. Die Hermunduren, ebenfalls von der unteren Elbe, scheinen hingegen nördlich des Mains geblieben zu sein. Dort wurden sie um 400 von den Thüringern überrollt. Diese wiederum bekamen dann ja 531 von den Franken eins über die Mütze, die ein paar Jahre zuvor schon die Alemannen zermalmt hatten. So wird Würzburg auch eines ihrer Zentren für die Invasion ins Thüringer Reich gewesen sein, das sich damals vom Harz bis zum Main erstreckte. Es scheint also nicht verwunderlich, dass alles Land dazwischen auch ein einheitliches fränkisches Herzogtum hergeben musste (Siehe Post: „Die Franken kommen nach Franken“). Das Geschlecht der Hedenen scheint da eine maßgebliche Rolle gespielt zu haben. Seit dem Jahr 604 n. Chr. wird Würzburg ja als fränkischer Herzogssitz bezeichnet. Für unsere Hedenwege sollten wir uns noch die erste urkundliche Erwähnung Würzburgs 704 und die Erhebung zum Bischofssitz durch Bonifatius 742 merken.
In der Furt
Begleiten wir Heden II. also 716 auf eine seiner Reisen nach Norden. Ausgangspunkt wird seine damals noch hölzerne Residenz auf dem Marienberg gewesen sein, wo er gerade eine kleine Kapelle als Eigenkirche hatte errichten lassen. Irgendwo bei der Alten Mainbrücke scheint eine Furt gewesen zu sein. Mit zusätzlichen Vorspann-Pferden ging es den Rimpaer Steig hoch (Hohlwege) und dann immer den Höhenrücken entlang nach Norden. Die Orte und Burgen am Weg gab es natürlich noch nicht. Am Wolfsbühl informiert heute immerhin eine Tafel über die so genannte Hohe Straße als jahrhundertealter Fernweg und wichtigste Lebensader für Würzburg. Heden ließ hier seine in Mode kommenden Steigbügel kürzer stellen, die ihm ein fränkischer Gesandter aus Konstantinopel mitgebracht hatte. Die ihn begleitenden Ritter hingegen mussten immer noch ohne die Reithilfen auskommen. Als sich für Heden der Tag neigte, hatte er 25 Kilometer geschafft und stand kurz vor Arnstein. Die kleine Kirchenburg dort könnte damals schon eine Befestigung zum Schutz der notwendigen Werne-Furt getragen haben. Platz, Schutz und Wasser für die Übernachtung eines Heerzuges bot aber nur die alte Keltensiedlung auf dem Eulenberg (Durch Luftbilder und riesige Steinwälle erkennbar). Weiter ging es am nächsten Tag entlang der Wasserscheide, bei Vasbühl gab es Mittag und ein paar einheimische Bauern erzählten Heden von ihren keltischen Vorfahren. Nach dem üblichen Tagespensum steht Heden dann auf der Anhöhe zwischen Schweinfurt und Hammelburg. Beide Orte muss es damals schon gegeben haben, denn der Herzog besaß dort Grund und Boden. Nichts deutet hier oben zunächst auf eine Wachstation hin. Wer aber genauer hinschaut, erkennt in der von Feldern zerfressenen Anhöhe um den späteren Kützberger Wartturm die rundum führende Schanzabsätze. Dort müssen die müden Krieger geschlafen haben.
Thüringen als Ursprungsland  des Herzogtums Franken?
So geht es immer weiter: Große prähistorische, wahrscheinlich keltische Wälle, wechseln sich mit kleinen frühmittelalterlichen ab, der Mindestabstand 25 Kilometer. Das jeweils genaue Alter  könnte natürlich nur durch Grabungen ermittelt werden. Zum nächsten Mittag bei Eltinghausen hätte Heden beispielsweise konkrete Anweisung geben können, die Wachstation hier weiter auszubauen. Die Endung -hausen wird allgemein den Franken zugerechnet und hier gibt es sogar die urkundliche Jahreszahl 777. Bei der nächsten Übernachtung zwischen Nüdlingen und Münnerstadt konnte Heden zwischen mehreren Altsiedlungen wählen. An dem möglichen Abzweig zum Heden-Weg 2 erinnert heute nur noch eine kleine Kapelle. Wir wenden uns nach Nordwesten. Das Dreieck muss aber in frühen Zeiten von den vermeintlichen Schanzen am "Questenberg" bewacht worden sein, ein Name, den er  mit dutzenden anderen prähistorischen Höhensiedlungen im deutschsprachigen Raum teilt. Lassen wir Heden auf dem so genannten Höhenweg zur Saalefurt in Steinach weiterziehen, die ebenfalls rundherum seit Jahrtausenden gesichert scheint.
Fränkische Lebensart
Hier mussten für den weiteren Aufstieg zum Kreuzberg wieder zusätzliche Pferde vor die Karren gespannt werden. Denn bis zur „Eisernen Hand“ dominieren Anstiege und dafür waren die Vorspanndienste unentbehrlich. Den Flurnamen "Eiserne Hand" gibt es wieder Dutzende Male in Deutschland und er wird von einigen Sprachforschern als „aithan anned“, keltisch „Berghaus“, interpretiert. Andere Altwegeforscher sehen hier "Mehrfachgablungen des Weges, wie bei einer Hand". Die ganze Zeit beim Aufstieg bis fast auf die Spitze des Kreuzberges fragte sich Heden, warum es keinen einfacheren Weg gäbe. Oben erkannte er aber, dass nur diese Trasse zum Urhöhenweg Main-Spessart-Rhön-Rennsteig führt. Das Dreieck wird vom Arnsberg bewacht, altgermanisch „Adler, Herrscher“ (Auf dem alles überragenden Kreuzberg konnte ich keine Schanzen ausmachen). Drüben in der Hochrhön erwartet uns zunächst die Schwedenschanze, deren sternförmige Konstruktion aber ins 16. Jhd. verweist. Westlich davon findet man jedoch wieder ein wahres Portbury alter befestigter Bergsiedlungen. Deren mögliche Versorgung und Landwirtschaft so weit oben wurde beim Urweg Rennsteig (*) diskutiert. In diese Richtung zog Heden nun stetig weiter. Am so genannten Ellenbogen (altgermanisch "Wegabzweig", nach Obermüllers Keltenwörterbuch “Schafe Ecke“) musste der Tross abbiegen. Geradeaus ging es nach Vacha, ein wahrscheinlich noch älterer Urweg, der heute aber einen Umweg bedeuten würde. Heden schlug also einen kurzen Haken nach Osten, um den östlichen Rhön-Höhenzug Richtung Werra zu nutzen. Auch im weiteren Verlauf lagen sowohl prähistorische als auch frühmittelalterliche Wälle rechts und links seines Weges. Ob er die Furt beim damals schon existierenden Salzungen und die bei Breitungen genutzt hat, ist eigentlich egal. Beide führen trockenen Fußes zum heutigen Sallmannshäuser Rennsteig, einem Höhenzug, der auch den Vachaer Urweg über das Mittelgebirge führt. In der Nähe von Waldfisch übergab ihm einer seiner Mannen eine hübsche Bronze-Gewandt-Nadel (2500 v. Chr.), die er gerade aus einem der sichtbaren alten Hügelgräber ringsum ausgegraben hatte. Auch die folgenden kleinen Burgstellen Alter und Neuer Ringelstein könnten damals schon existiert haben, bewachen sie doch den eben genannten Sallmannshäuser Höhenstieg. Dieser kann als Verlängerung der Brabanter Straße aus Mainz und Frankfurt bzw. Marburg kommend, angesehen werden. Heden könnte als gewiefter Stratege schon damals die Bedeutung dieser alten Heerstraße vom Rhein ins Thüringer Becken erkannt haben (spätere Via Regia). Sein friedlicher Kontakt zu den Slawen an der Saale ermöglichte einen lukrativen Transit weiter nach Osten. Obwohl die Araber inzwischen fast die gesamte Iberische Halbinsel eingenommen hatten, schien der Warenfluss aus Südwesten nicht zu versiegen. Erst jüngst hatte ein Ritter von dort eine westgotische Bügelfibel mitgebracht. Heden wollte diesen Warenstrom sicher kontrollieren. Dafür waren die Ringelsteine prädestiniert.
Rennsteig: Grenze einer ursprünglich einheitlichen Region?
Oben auf dem Rennsteig zog der Tross dann ein paar Kilometer nach Osten, um wieder auf einem Bergrücken ins Thüringer Becken hinab stoßen zu können (Die Wartburg entstand erst 300 Jahre später, wird aber als keltischer Kultplatz eingeordnet.). Doch welches Ziel strebte er an? Wo stand Hedens Residenz, das thüringische Gegenstück zum Marienberg in Würzburg? Erfurt war ja damals noch ein unbedeutendes kleines Kaff. Die Hedenburg könnte in Herbsleben gestanden haben, wo der Historiker Reinhold Andert die alte Thüringer Königsburg mutmaßt. Wirklich deuten die kreisrunde Struktur der Burg dort, sowie die Städt- und -leben-Dörfer in eine noch fernere germanische Vergangenheit, weiter jedenfalls als 531, als Hedens Urahnen im Heerzug von König Theuderich die Thüringer an der Unstrut geschlagen hatten. Andere Forscher führen da aber Burgscheidungen oder die Runneburg in Weißensee an. Ich hingegen vermute den Heden-Sitz auf den Seebergen östlich von Gotha. Nur sie entsprechen hinsichtlich strategischer Lage, Befestigungspotential, früher und frühmittelalterlicher Geschichte dem Pedant in Würzburg (Der Berg von Schloss Friedenstein in Gotha ist zu flach.).
Burg Herbsleben: Altthüringer Residenz
zwischen Unstrut und Schlufer?
Heden, von mir aus in Herbsleben angekommen, war nun in 10 Tagen über 200 km gereist und freute sich auf ein warmes Bad. Durch die Täler, wie heute, hätte er sicher doppelt so viel Zeit gebraucht. In den nächsten Tagen inspizierte er erst mal seine Besitzungen um Mühlberg.
Zurück lasse ich Heden auf dem Weg Nummer 2 marschieren. Dazu könnte er einen der Höhenzüge westlich und östlich von Tambach benutzt haben. Wahrscheinlich waren damals die vielen „Herren“-Bezeichnungen dort für Wege und Berge aufgekommen. Unter Nutzung der Altschanzen Donnershauk und Mittlerer Höhenberg zog Heden jeweils ein Stück den Rennsteig entlang, um dann auf dem Bergrücken nördlich von Rotterode nach Süden bis an die Werra hinabzustoßen. Eine Ideallinie, die nicht ein einiges mal ins Tal abglitt. Heden könnte mit seinen Übernachtungslagern am Weg die vielen späteren Königsgüter hier begründet haben. (Eine Alternative macht die Strecke Schmalkalden-Wasungen auf.) Über die Werra wird es meist zwischen Meiningen und Walldorf gegangen sein, aber auch rechts und links davon sind jede Menge Furten angezeigt. Über dem Tal wimmelt es nur so von frühzeitlichen Befestigungen und Hohlwegen. Hinter Meiningen scheint der Verkehr zu Hedens Zeiten noch über die Bergkette zur Wallburg Warte geführt zu haben.
Henneburg: Schon vor der Zeitenwende besiedelt
Nach 1000 aber, als sich die Grafen von Henneberg zu regionaler Größe aufschwangen, muss sich der Weg weiter in den Osten verlagert haben (Auch die Variante: Rohr-Furt-Maßfeld ist denkbar). Die Stammburg der Henneberger liegt sicher nicht zufällig am alten Heerstrang nach Norden. Seine Kontrolle wird - wie gesagt - in engem Zusammenhang mit dem Burggrafenamt stehen, dass die Henneberger 300 Jahre lang in Würzburg innehatten. Die vielen tiefen Hohlwege zwischen Henneberg und Würzburg legen darüber beredtes Zeugnis ab. Auch an diesem Weg nach Süden liegen nicht wenige prähistorische und frühmittelalterliche Sicherungsburgen. Auffällig ist allerdings eine mehrfache Zwangsquerung von Zuflüssen der fränkischen Saale, wie sie sonst nur in Ausnahmefällen üblich war. Bis jetzt bin ich noch nicht auf die Hintergründe gekommen. Jedenfalls furtet der Henneberger Strang die Saale bei Niederlauter (hinter der späteren Königspfalz Salz), um oberhalb von Reichenbach wieder auf Hedenweg Nummer 1 zu stoßen.
Das spätere Schweinfurt - genau wie es der Name besagt?
Der 3. Hedenweg von Würzburg nach Norden muss sich frühzeitig vom ersten Richtung Osten gelöst haben, wahrscheinlich beim Dörfchen Hausen. Er scheint sich konsequent zischen Main und Wern gehalten zu haben, obwohl der Weg als Höhenzug schwer auszumachen ist. Schweinfurt, seit dem Neolitikum besiedelt, scheint damals regelrecht aufgeblüht zu sein. Trotz aller weitschweifenden Versuche den markanten Namen herzuleiten, wird die Erklärung ganz einfach sein. Die Thüringer mussten nach der verlorenen Schlacht 531 jedes Jahr 500 Schweine an die Franken als Tribut liefern. Das ging ein halbes Jahrhundert so. Die meisten Rüsseltiere sind vermutlich in die fränkische Hauptresidenz nach Würzburg gebracht worden und dazu mussten sie auch durch die nach ihnen benannte Furt.
Franken und Thüringen ein einheitliches Reich?
Heden wird von hier nach Norden nicht mehr über die alten Höhenwege von Haardt, Steinberg und Hochfeld gereist sein, sondern durch das Höllental. Die fränkischen "Hausen"-Dörfer dahinter reihen sich wie eine Perlenkette aneinander. Bei Stadt Lauringen aber ging es sicher wieder auf einen der Höhenzüge zu den Hassbergen hoch. Darauf deuten die Flurbezeichnungen und Hohlwege hin. Das Becken von Bad Königshofen könnte nämlich noch stark versumpft gewesen sein. Die ab hier immer öfter anzutreffenden „Königs“-Namen sind sicherlich erst nach dem 10. Jhd. entstanden, als die ersten Deutschen Könige hier durchzogen. Sie hatten zwar jede Menge Marschoptionen, aber die tiefsten Hohlwege führen westlich der Gleichberge zur Heerstraße hoch. Hier auf der Hochfläche zischen Werra und Jüchse eröffnen sich dem frühen Reisenden dann eine Vielzahl von Urwegen Richtung Mittelgebirgskamm. Davon künden nicht nur eine Unmenge von tiefen Wegkerben, sondern ein regelrechter Sperrgürtel frühzeitlicher und frühmittelalterlicher Wälle an Werra und Kleinem Thüringer Wald. Ich habe nur einige davon in die Karte eingezeichnet. Wie sollte man sich bei dieser Masse auf Heden festlegen können!? Wegen dem Heimatbezug lasse ich den Herzog die Strecke über Reurith, Suhl, Oberhof nehmen, wo die prähistorischen Bewegungen auch archäologisch gut belegt sind. Hinter dem Rennsteig führt dann wieder ein durchgehender Höhenzug bis Arnstadt, wo Heden ja ebenfalls Güter hatte.

Schloß in Gotha mit Seebergen
Jeder dieser drei Wege bot einige alternative Umwege an (Beispiel Wasungen), die dann aber immer mit zusätzlichen Bachquerungen verbunden waren. Natürlich gibt es nirgendwo ein Schild, auf dem sich Heden verewigt haben könnte. Aber wenn er nicht in Schlängellinie von einem zum nächsten versumpften Talgrund gehüpft ist, oder seine Herrscherzeit im Bett verschlafen hat, wird er auf diesen Pfaden entlang marschiert sein. Wie gesagt: Die Franken scheinen nur noch zur Querung des Mittelgebirges die alten Höhenwege benutzt zu haben. Damit lustwandelten sie auf den Urwegen, die schon in der Bronzezeit als effektiv gegolten haben müssen. Welche der sichernde Wallburgen auf diesen Strecken aber keltisch, welche nachgenutzt aus altgermanischer oder fränkischer Zeit stammt, können nur archäologische Ausgrabungen zeigen.