Freitag, 12. August 2016

Der Rennsteig als Urweg aus prähistorischer Zeit

Rennsteig-Werbung
Einführung
An die 150 Renn-, Rainsteige, -wege, -stiege, soll es in Deutschland geben. Berühmt sind neben dem Kammweg des Thüringer Waldes, der in den Haßbergen, ein Ort in Österreich oder der Bergrücken östlich von Forchheim. Nicht zu vergessen der Weg über den Hainich in Thüringen! Sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind Teil uralter Handels- und Heerstraßen, wie Funde entlang ihrer Strecke belegen.
Thüringens Premiumwanderweg also eine vorzeitliche Magistrale? Zumindest bis in die Spätbronzezeit erscheint eine durchgehende Nutzung wahrscheinlich. Doch der Reihe nach.
Überquerungen des Rennsteiges sollsten ja seit alters her Usus gewesen zu sein. Denken wir an die bekannten Völkerwanderungen: Die ersten Bauern, die um 5.500 v. Chr. in Süddeutschland aufschlugen, müssen ja irgendwie ins Erfurter Becken gekommen sein.
bekannte Völkerwanderungen
Das gleiche gilt für die Glockenbecherleute vor 4.200, für die Urnenfelderkultur vor 3200 und für den keltischen Handel vor 2.600 Jahren. Umgekehrt scheinen die Indogermanen irgendwann im 2. Jahrtausend v. Chr. nach Süden gelangt zu sein, noch vor der Zeitenwende die Sueben Richtung Schwaben, ab 200 - jetzt unserer Zeitrechnung - die Hermunduren, auch Burgunden und Vandalen, um 400 die Thüringer und ab 531 die Franken. Alle haben vermutlich das Mittelgebirge überschritten. Bei Oberhof wurden eine "frühzeitliche" Spitzhaue, ein Eisenbarren aus der Keltenzeit und eine römische Kasserolle gefunden. Diese Relikte werden dem Passieren des Mittelgebirges zugeordnet. Doch wie erklären wir, dass die gleichen keltischen Silbermünzen, wie sie von der Elbe in Böhmen bekannt sind, auf der Alteburg über Arnstadt gefunden wurden?
Wanderungen der Altvorderen
Auch die schmückenden Glasringe der Römhilder Gleichberge könnten von dort stammen. Wie sollte Feuerstein aus dem östlichen Alpenraum an den Niederrhein gelangt sein? Was wäre der effektivste Weg, den britisches Zinn in der Bronzezeit nach Böhmen genommen haben könnte? Der Dorf zu Dorf-Handel, wie ihn namhafte Archäologen verbreiten, widerspricht nicht nur den archäologischen Funden sondern auch der menschlichen Natur. Wie interpretieren wir die Bezeichnung des Thüringer Waldes noch im 11. Jahrhundert als Louvia oder Loibe? Über Hundert Leuben oder Leiten beschreiben heute noch in Deutschland Altwege, die über Bergrücken zu den Wasserscheiden hinauf führen (Siehe Post „Die Flurbezeichnung Leube…“ von C.A.). Und dass solche Kämme seit neolithischer Zeit gerne als Straßen genutzt wurden, ist ja bei der Heidenstraße von Köln nach Leipzig und der Hohen Straße von Speyer nach Nürnberg nachgewiesen worden.
Hohlwege entlang des Rennsteiges
Wer sollte denn einen Umweg um das Mittelgebirge - heute Thüringer Wald genannt - machen, wenn oben effektiver, sicherer und trockener Transport möglich war? Tatsächlich zeugen unzählige tiefe Hohlwege entlang des Rennsteiges vom regen Verkehr der Altvorderen. Die tiefsten finden sich gleich bei Hörschel am Anfang, an der Alten Ausspanne bei Ruhla, nahe der Neuhöfer Wiesen, natürlich um Oberhof und bei Spechtsbrunn. Nur am Ende zur Saale runter fehlen sie. Warum, dazu später. Historiker datieren diese Fahrrinnen in das Mittelalter, aber der Ausbau der berühmten Wartburg im 11. Jhd. zeigt, dass damals schon der Überquerung Vorrang eingeräumt wurde. Es gibt auch viele Hohlwege, die älter als 2000 Jahre sein müssen, weil sie einfach keiner Altstraße aus dieser Zeit zugeordnet werden können, wie zischen den frühzeitlichen Höhensiedlungen von Dolmar, Gleichberge und Geba.
Zwangsführung NW-SO: Rennsteig
Solche Trassen können natürlich nicht in schriftlichen Quellen auftauchen. Der Schwerpunkt des Rennsteiges als Fernweg, muss also davor, wahrscheinlich zwischen 3000 vor Christus und der Zeitenwende gelegen haben. Um 1200 v. Chr. sollen nämlich Küstentsunamis, Flutwellen vom Meer in den Flusstälern hoch und ein Klimakollaps mit Dauerregen die Menschen auf die Berge getrieben haben. Festgemacht am Siedlungsabbruch in den Niederungen, dem massenhaften Auftreten von Höhenburgen und dem Anlegen von Terrassenfeldern. Doch gegen 800 v. Chr. wurde es wieder wärmer und trockener. Die Zeit der extrem versumpften Täler ging in unserer Region mit der Invasion der Germanen, nachweislich mit den Zügen der Franken, endgültig vorüber. Man siedelte wieder im Tal. Das könnte auch für unseren Rennsteig das Aus bedeutet haben. Trotzdem wird die Wasserscheide darüber hinaus als Fernweg genutzt worden sein, verkürzt sie doch z.B. die Strecke aus dem Hessischen ins Böhmische um mehr als zwei Drittel - ohne das Risiko einer Flussüberquerung.
Prähistorischer Rennsteig in Google-Maps
Bei Google-Maps sieht das dann so aus: Der Rennsteig als prähistorischer Fernweg. Bitte öffnen sie den Link als separates Browser-Bild zum Vergleich.
Verschaffen wir uns zunächst einen Überblick: Der Thüringer Wald scheint in der Mitte eines uralten Europäischen Fernwegenetzes zu liegen, wo man auf Höhenzügen von der Donau via Gabreta Silva fast trockenen Fußes bis an die Nordsee gelangen konnte oder vom Warschauer Becken und der historischen Landschaft Podlachiens bis an den Rhein (Siehe entsprechende Posts in diesem Blog). Solch ein Straßensystem kennen wir von den Römern. Die waren auch die ersten, die ihre Wege aufwendig befestigten und mit Brücken versahen. Außerhalb ihres Dunstkreises, also auch bei uns, mussten die Reisenden zu allen Zeiten nach Wasserscheiden und Furten suchen. Erst von den Franken wissen wir sicher, dass ihre Heerzüge generell am Rande der großen Täler verliefen. Das könnte auch den Grund dafür liefern, warum oben am Rennsteig keine frühmittelalterlichen Burgen stehen.
Wartburg zur Sicherung des Via Regia Passes am Rennsteig
Die berühmte Wartburg muss schon als Wache für den hochmittelalterlichen Königsweg "Via Regia" gedeutet werden, der genau zu ihren Füßen den Thüringer Wald gequert hat. Hier, so weit oben am Kammweg, hätte die Stammfeste der Ludowinger militärisch zur Sicherung einer Talstraße bei Eisenach keinerlei Sinn ergeben. Beschäftigt man sich weiter mit den Bergkuppen zwischen Wartburg und Höhenweg, den Flurnamen, künstlichen Geländedeformationen, archäologischen Funden, tut sich ein Quell prähistorischer Bezüge auf (Siehe weiter unten). Die können nicht nur als entsprechende Stationen entlang einer Vorgängerroute der Via Regia erklärt werden, sondern auch als solche an einem prähistorischen Weg entlang des Rennsteiges. Mit derartigen historischen Vergleichen müssen wir uns auf der gesamten Strecke herumschlagen.Da sich der Begriff "Altstraßen" in der Forschung durchgesetzt hat, diese aber nur bis ins Mittelalter zurückreichen, benutze ich gerne den Begriff "Urwege". Die Grenze zwischen beiden sollte formal um 500 unserer Zeitrechnung angesetzt werden. Seit Jahren versuche ich, sie alle nach und nach mit dem Fahrrad abzuklappern (Siehe Post „Altwege durch Südthüringen“). Oft muss man bei der Suche nach begleitenden Relikten durchs Unterholz kriechen.
Bronzezeitliche Befestigung
Das ist nicht für jeden etwas, auch deshalb diese Präsentation. Beginnen möchte ich mit dem Thüringer Wald, einfach weil der 1330 erstmals so genannte Fernweg für mich ein Heimspiel ist. Dabei ist es müßig, über die Herkunft des Namens zu streiten - Renn von schneller Bewegung oder Reiten, Rain von Grenze oder Scheide - die hier interessierenden Zeiten liegen sowieso weit vor der ersten Nennung.
Und wie weisen wir nun die prähistorische Nutzung des Rennsteiges nach? Etwa alle 20 Kilometer - dem Tagespensum eines Ochsenkarrens - müssen sicherungsfähige Rastplätze mit Quelle oder befestigte Höhensiedlungen gestanden haben. Die brauchten typischerweise Acker- und Weidefläche, ein Gräberfeld und eine geologische Besonderheit als Kultplatz. Das war an allen frühen Wegen so, wie am Keltenerlebnisweg von Bad Windheim nach Meiningen zum ersten Mal nachgewiesen (Siehe entsprechender Post in diesem Blog). Doch wer weiß hierzulande um solche Wachstationen? Ich kenne niemanden! Auf der Suche nach den Relikten kann uns nicht nur die 20-Kilometer-Regel helfen. Befestigte Siedlungen oder hinweisende Menhire sollten auch an den bekannten historischen Nord-Süd-Gebirgspässen stehen. Wenn wir zusätzlich noch Stationen dazwischen finden, könnte das als Nachweis einer Ferntrasse gelten, weil diese ja nicht als Pass-Wachen funktionieren. Da es bisher keine wissenschaftliche Grabungen gab, müssen uns künstliche Geländedeformationen, Flurnamen, Gräber und mutmaßliche Kultplätze weiter helfen. Mit der Enzyklopädie „Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze” hat Michael Köhler einige Muster für solche Relikte zusammengetragen (Siehe Post "Altstraßen - selber finden").
Denken wir uns also alle heutige Infrastruktur weg. Sie werden sehen: Es wimmelt nur so von frühhistorischen Bezügen!

Legende:
  • Rote Linien markieren meist metergenau die Höhenwege auf den großen Mittelgebirgen.
  • Blau sind die bekannten Altwege eingefärbt. Auch ihr Verlauf dürfte ziemlich exakt sein. 
  • Die mittelalterlichen Hauptwege Via Regia, Kurzer und Langer Hessen, sowie die Via Imperii sind nur als Verweis auf Nachfolgerouten eingezeichnet. Sie verliefen meist auf heutigen Trassen und sind hier nur durch die sie berührende Orte markiert (Grau).
  • Alle roten Punkte haben entweder einen archäologischen oder historischen Bezug zum Rennsteig, sind als Flurname interessant oder tragen künstliche Befestigungsstrukturen.
  • Rote Kreise bilden die Hauptwachen nach der 20-Kilometer-Regel ab. 
  • Mit "Wall" sind die Höhen bezeichnet, die offensichtlich solch eine Befestigungsanlage tragen, meist Abschnittswälle. 
  • Eine "Schanze" weist auf eine entsprechend rundumführende Kante hin, die ausschließlich Verteidigungszwecken gedient haben kann (Palisaden, Graben). Dort wo archäologische Erkenntnisse über solche "Burgen" vorliegen, werden sie explizit genannt.
Hörschelbergsporn
Verlauf:
Beginnen wir bei Hörschel, obwohl der Verkehr genauso gut andersherum Sinn machte. Das schmale Hörscheltal gilt in der Literatur als Einfallstor aus dem Westen ins Thüringer Becken. Das kann es aber erst nach dem Mittelalter gewesen sein, wegen der Barriere des vorspringenden Hörschelberg-Sporns und wegen der üblichen Versumpfung der Täler damals. Zwei Höhenzüge könnten hier trotzdem Reisende herangebracht haben:
  1. Nordwestlich, aus dem Kielforst, der spätere Lange Hessen von Frankfurt, sowie ein weiterer Höhenweg, der sogar bis Amsterdam zu führen scheint und
  2. südwestlich, dem Frauenseeer Forst, der Kurze Hessen und die spätere Via Regia.
Letztere solen aber nicht Hörschel als Aufstieg zum Thüringer Wald genutzt haben, sondern den natürlichen Höhenrücken, der den Rennsteigpass am Vachaer Stein erreicht. Es ist ja bekannt, dass die Via Regia durch Vacha verlief. Von dort muss sie über Marksuhl noch vor dem Bau der Wartburg über Eisenach Richtung Gotha gezogen sein.
Wer aber vom Kielforst bei Hörschel runterkam, hatte wieder zwei Möglichkeiten:
  1. Entweder er fuhr Richtung Erfurter Becken über eine Furt südlich von Spichra den tiefen Hohlweg zur Oleite auf den Hornberg hinauf.
  2. Die Masse an Reisenden wird aber die Alte Werrafurt (noch vor dem Zufluss der Hörschel) genommen haben und konnte sich nun endlich unseren heutigen Rennsteig hinauf quälen.
Vachaer Stein
Wie bei jeder Furt brauchte es in prähistorischer Zeit eine Wachstation. Hier bieten sich gleich drei Erhebungen an, nämlich die Birkuppe, sowie der Kleine und der Große Eichelberg. Alle haben rundumführende Schanzkanten, künstlich eingeebnete Bergspitzen und sind übersät mit Bruchsteinen, die nicht hierher gehören. Der Große Eichelberg könnte sogar eine befestigte Siedlung getragen haben.
Weiter, den Rennsteig nach oben, hinter Clausberg unser Vachaer Stein: Hier soll nach Meinung der Altwegeforscher neben der Via Regia auch der so genannte Kurze Hessen aus Frankfurt kommend den Rennsteig Richtung Eisenach gekreuzt haben. Die B 84 heißt hier am Pass dementsprechend auch Frankfurter Straße. Doch das deutet schon ins Hochmittelalter! Unsere prähistorischen Urstraßen vermieden ja Furten und hier am Südwesthang des Thüringer Waldes mussten alle Straßen  erst die Elte überwinden, ein Nebenfluss der Werra. Es sei denn, man bog an entsprechender Stelle auf den sog. Sallmannshäuser Rennsteig nach Osten ab. Der machte sich einen Höhenzug parallel zum "richtigen" Rennsteig zu nutzte und führte den Verkehr ohne Wasserquerung auf selbigen hoch. Wer aber in den Raum Eisenach wollte, für den war das ein Umweg. So gibt es drei Stellen, an denen man die Elte leicht hätte furten können: (Ober)-ellen, Förtha und Wolfsburg-Unkeroda. Die Händler nach Gotha, Erfurt oder Leipzig reisten hier viel komfortabler. Sie konnten ja auch auf dem Kammweg, je nach Bedarf, noch ein Stück weiter nach Osten fahren, bevor es in die  Tiefebene nördlich des Thüringer Waldes hinunter ging. Diese Option ist aus meiner Sicht ein wichtiges Indiz für die Nutzung des Rennsteigs auch im Mittelalter.
Hier am Vachaer Stein haben wieder 3 Berge das Potential als Sicherungsposten oder befestigtes Lager: Stiebelskuppe, Rüsselskopf oder Schmidts Wand. Die Befunde sind aber nicht eindeutig.
Wilde Sau
Weiter geht es am Wolfsrück entlang zur Kreuzung Wilde Sau, mit dem ältesten Steinkreuz am Stieg. Hier quert die sog. Hohe Straße als weitere Variante der Via Regia. Dass die auf ihrem Weg von Fulda durch die Rhön von so vielen keltischen Oppida begleitet wird, könnte als Hinweis auf ihr frühgeschichtliches Alter gedeutet werden. Denn nachdem die Via Regia den Rennsteig gequert hat, steuert sie über einen Bergrücken ein wahres Potpourri prähistorischer Befestigungen oberhalb von Eisenach an: Die frühzeitliche Viehburg mit ihren Wallresten, die Eisenacher Burg, seit Beginn der Eisenzeit, also noch vor der Zeitrechnung besiedelt, die spätere Wartburg, deren Ursprung sicher als Kultfelsen zu suchen ist und den dem Mittelalter zugewiesenen Metilstein.
Viele alte Schanzen um die Wartburg herum


In Oberfranken sind solche behauenen Felsen gut erforscht und vereinzelt in die Urnenfelderzeit datiert. Die Menge alter Schanzen um die Wartburg und ihre Klassifizierung legen die Überzeugung nahe, dass es sich hier nicht nur um das mittelalterliche Haupteinfallstor nach Thüringen gehandelt haben muss, sondern auch während der Bronze- und der La-Tene-Zeit.
4 Kilometer weiter liegt der heutige Hauptpass an der so genannten Hohen Sonne. Als sicher aber kann hier der Zustrom einer weiteren Urstraße über den Kartäuserberg angenommen werden. Sie erlaubt die Einordnung des neben der Hohen Sonne liegenden Hirschsteins mit seinen Schanzkanten als frühzeitliche Wache oder Rastplatz. Der gegenüber thronende Gickelhahn und der nicht weit davon liegende namenlose Berg mit dem Wasserwerk zeigen hingegen keinerlei Spuren frühzeitlicher Nutzung.
altsteinzeitliche Drachenschlucht?
Neben der schier unendlichen Brummi-Kolonne der Jetztzeit, kommt hier vor allem die magische Drachenschlucht von Eisenach hoch. Ich beteilige mich nicht an den Spekulationen, wonach sie mit den Felsen und Höhlen der Umgebung steinzeitliches Refugium wären.
Dann aber schließen sich auf dem weiteren Weg zwei zunächst unscheinbare Bergrücken an, die es in sich haben. Beide sichern sich mit schroffen Felsen gegen die Täler ab und geben grandiose Blicke in alle Himmelsrichtungen frei. Der erste, der Hangstein, führte über seinen schmalen Rücken die so genannte Alte Weinstraße über den Kamm. Sie kann eigentlich nur über Sättelstätt unterhalb der Hörselberge und dem Rennstieg auf dem Hainich nach Nordwesten abgeflossen sein. „Wein“-Straßen gibt es viele in Deutschland. Sprachforscher leiten sie gerne vom indogermanischen „Weg“ oder "Wagen" ab. Bei der Weinstraße nahe Meiningen soll diese Verballhornung sogar belegt sein.
mutmaßlicher Abschnittswall Hangstein
Der gegenüber vom Hangstein liegende Wachstein ist nicht nur vom Namen her als solcher interessant, sondern auch künstlich eingeebnet und außerdem zu 90 % mit schroffen Abhängen gesegnet. Am Bergübergang, auf der Linie Zollstock (Sperre?) - Todtemann (Körpergräber?) - Ringelberg (Ringschanzen?) sind Reste eines Walls zu erkennen. Flurnamen und Geländestruktur machen eine vergessene befestigte Höhensiedlung hier ziemlich sicher. Außerdem befindet sich dort auch heute noch eine Quelle.
Auch der Bermer über Ruhla, kurz vor dem Pass Ascherbrück (Urnengräberfeld?), besitzt solche Wälle. Dazwischen, die so genannte Rennsteiggrotte, deren Deckenschwärzungen sicher nicht von Lagerfeuern der Steinzeit stammen, sondern von Vorgestern.
Ein Stück weiter, am Ruhlaer Häuschen, kommt nun endlich der o.g. Sallmannshäuser Rennsteig von Süden hoch. Jetzt wird es interessant! Er ist nicht nur, wie erwähnt, eine mittelalterliche Abkürzung von Via Regia und Kurzer Hessen Richtung Osten, der die Elte meidet. Hier quert auch ein intensiv begangener Urweg den Rennsteig, der über Höhenrücken die alten Siedlungs- und Machtzentren um Würzburg und Gotha verbindet. Nur Werra und Fränkische Saale hätten dabei gefurtet werden müssen. Auch bei dieser Strecke sind archäologisch untersuchte Wallanlagen aus der Frühzeit und dem Frühmittelalter wie an einer Perlenkette aufgereiht.
Ehemaliges keltisches Oppidum Marienberg als Schwester
der latenezeitlichen Seeberge bei Gotha?  
Das nährt die These von einem "2000 jährigen einheitlichen Reichsgebilde um den Thüringer Wald herum" (erst keltische Volcae, dann Hermunduren, Thüringer, Franken - Siehe Post "Die Heden-Wege"). Sowohl die Süd-, als auch die Nordstraße müssen von hier, an der Ruhlaer Schutzhütte, dem Rennsteig rechts oder links ein Stück gefolgt sein, denn geradewegs über den Kamm hinweg kam man nur in die schroffen und feuchten Täler um Ruhla herum. Das so entstandene Dreieck könnte von einer befestigten Siedlung auf dem Höllkopf nebenan bewacht worden sein, die sich von Feldern auf der Schlauchentalwiese und dem Schaumborn ernähren konnte (Noch nicht untersucht).
mystisches Felsensemble am Göckner
Auf unserem weiteren Weg werden dann wieder die bizarren Felsen des Glöckners interessant. Sie könnten als typischer Kultplatz für die Siedler auf dessen Kuppe hergehalten haben, die ebenfalls Schanzkanten aufweist.Ein Stückchen weiter, nach der heutigen Passstraße zwischen Ruhla und Steinbach, scheinen Gerberstein und Kleiner Weißberg wieder ein prähistorisches Paar von Siedlung und Kultplatz herzugeben. Hier stößt auch von Norden, konkret vom Wartberg über Seebach, wieder eine der Alten Weinstraßen hinzu. Nach der Rennsteigquerung heißt sie dann Lutherweg und führt runter nach Altenstein mit seinem Bonifaciusfelsen.
Altenstein
Der Berg zwischen Steina und Steinbach trägt aber jede Menge Merkmale als prähistorischer Siedlungsverdachtsplatz. Das könnte die permanente Nutzung des Weges über Jahrtausende in die Rhön anzeigen.
Der Große Weißberg, weiter auf dem Rennsteig, mit Dreiherrnstein und Waldschänke lässt Siedlungsspuren hingegen ganz vermissen. Das ist um so erstaunlicher, weil der Flurname "Weiß" sehr oft mit prähistorischen Artefakten zusammen gebracht werden kann. Trotzdem zweigt hier auf einem Höhenrücken der so genannte "Ur-rennsteig" oder "Breitunger Rennsteig" ab. Dass Breitungen ein Zentrum seit der ersten germanischen Südwanderung gewesen sein muss, ist ja bekannt. Der Weg dorthin führt am Questenstein vorbei, der auch über Hundert Namensvettern in ganz Deutschland besitzt und allerorts als germanisches oder keltisches Heiligtum interpretiert wird. Es könnte der Kultplatz von der mutmaßlichen Schanze „Gehege“ über Brotterode in der Nachbarschaft gewesen sein.
Inselsberg
Jetzt kommen wir in den Dunstkreis des alles überragenden Inselsberges. Ich glaube, dass er trotz der extremen Witterungsbedingungen eine frühzeitliche Wache getragen haben könnte. Seine Felder und Weiden müssten natürlich im südlichen Brotteroder Kessel gelegen haben. Dafür sprechen die geologische Struktur der Bergspitze, die unmittelbare Tangierung der Höhenwegtrasse und die bekannten klimatischen Schwankungen: Zur Bronzezeit, dann wieder um 1000 v. Chr. und um die Zeitenwende herum sollen hierzulande nach Meinung ausgewiesener Klimaexperten wesentlich bessere Bedingungen geherrscht haben, als heute. Außerdem gibt es archäologische Hinweise auf Siedlungen damals in ähnlicher Höhenlage, wie auf dem Bleß bei Schalkau oder im Erzgebirge um den Fichtelberg herum.
historisches Klimamodell
Auch über Goldlauter finden sich nicht weit unterhalb der Höhenlinie bronzezeitliche Hügelgräber. Logischerweise muss man daneben gelebt und geackert haben. Am offensichtlichsten fällt der Vergleich mit der bronzezeitlichen Salzsiedlung oberhalb von Hallstatt in den Alpen aus, die weit über 800 Höhenmetern lag. Außerdem scheint es um den Inselsberg herum, der Flurnamen wegen, immer recht turbulent zugegangen zu sein: Am Torstein auf dem Kleinen Wagenberg im Norden wurde nicht nur eine frühmittelalterliche Spornburg gefunden, sondern auch ein Steinhammer aus der Urnenfelderzeit, also um 1200 v. Chr. Die Flurnamen Stolzenburg, Poppswiese, Trockenberg, Reitstein verweisen ebenfalls ins Frühmittelelter, Heideschänke, Stein und Kalte Haide dagegen auf Anlagen aus der Keltenzeit. Über letzteren Berg gelangt man auch trockenen Fußes nach Schmalkalden. Bei solcher Konzentration frühzeitlicher Orte braucht man nicht zu erwarten, die nächsten 20 Kilometer eine weitere alte Wall- oder Raststätte zu finden. Auch auf dominierenden Bergen, wie Kleiner Jagd-, Heu- oder Spießberg fehlen solche Hinweise völlig. Trotzdem zweigt zwischen Letzteren ein sog. Königsweg nach Norden ab, über den noch zu sprechen sein wird.
unvollendetes Possenröder Kreuz
Dort steht das Possenröder Kreuz, eines von mehreren Steinkreuzen am Rennsteig. Was wird diesen mittelalterlichen Steinmetzarbeiten nicht alles durch Sagen und Märchen angedeutet. Ich unterstütze eher die Theorie, dass sie aus den wegweisenden Mehiren der megalithischen Zeit hervor gegangen sein könnten, teilweise sogar aus ihnen herausgemeißelt wurden. Das sieht man besonders schön am "Sühnekreuz" zwischen Arnstadt und Rheinsfeld und eben hier am "unfertigen" Possenröder  Kreuz.Interessant wird es erst wieder an der Ebertswiese, nachweislich altes Acker- und Weideland. Hier kann man deutlich die Veränderung der Wegführungen im Laufe der Jahrtausende unterscheiden.
  1. Der bronzezeitliche wird die noch heute versumpfte Wiese des Quellgebietes Spitter großzügig umfahren haben.
    Altsteinbruch an der Ebertswiese unter Mittleren Höhenberg 
    An seinem äußersten Radius steht der Mittlere Höhenberg, bei dem trotz der Verwerfungen durch den Steinbruch (Bergsee) mehrere Indizien für eine alte Wallanlage sprechen: deutliche Schanzkante ganz oben, teilweise Grabenansatz nach Norden, künstliche Fläche mit Steinen übersät, weit oben liegende Quelle. Auf seiner Spitze stehen sogar bemooste Trockenmauern, die aber auch jünger sein können.
  2. Im Mittelalter dann scheint der Reisende ausweislich der vorhandenen Hohlwege direkt über die Ebertswiese gefahren zu sein.
  3. Der heutige Rennsteig wiederum schneidet das Quellgebiet auf kürzestem Weg und quert den Bach-Ablauf Spitter.
Bevor wir jedoch weiter marschieren, möchte ich noch auf den namenlosen Hügel westlich des großen Steinbruches Spittergrund hinweisen. Nicht nur seine umlaufende Schanzkante und künstliche, steinige Oberfläche deuten auf einen befestigten Ort hin. Er ragt auch bis in den Steinbruch hinein. Nach meiner Erfahrung liegen die allermeisten alten Steinabbaugruben am Rand prähistorischer Wallanlagen, vornehmlich keltischer Oppida (Gleichberge, Öchsen, Milseburg, etc.). Was ja auch Sinn macht: Als die Menschen um 800 herum anfingen, steinerne Häuser zu bauen, holten sie sich das Baumaterial dort, wo es lose massenhaft und herrenlos herumlag: die früheren Trockenmauerwälle! Als das dann aufgebraucht war, musste man sich in die Tiefe graben. So werden heute historische Steinbrüche zu Indikatoren frühzeitlicher umwallter Siedlungsplätze. Und die machen sich auf dem weiteren Marsch recht rar. Nichts an der Hohen Leite auf dem Glasberg und nichts auf dem Nesselberg, obwohl hier eine Wache fällig wäre. Denn an der Alten und Neuen Ausspanne, fällt der erste Höhenzug nach Tambach-Dietharz ab. „Alt“ heißt hier, was schon im Frühmittelalter alt gewesen sein muss und „ausgespannt“ wurden die Zugtiere der Vorspanndienste aus dem Tal.
Sperrhügel am Rennsteig
Selbst der herausragende Sperrhügel mit seiner Schmalkalder Loibe hat außer seinem beziehungsvollen Namen und tiefen Hohlwegen nichts Prähistorisches zu bieten. Weiter zieht es sich dann bis zu den Neuhöfer Wiesen hin, wo eine der in Deutschland oft anzutreffenden Hohen Straßen von Süden heraufführt. Diese hier aber ist aus mehreren Gründen besonders: Zunächst kann man mit ihr nachweisen, dass der Rennsteig tatsächlich ein frühzeitlicher Urweg war, denn die Hohe Straße muss ihn nun ganz offensichtlich mehrere Kilometer nach rechts oder links begleitet haben. Es gibt zwar auch eine Wegquerung des Kamms, die aber scheint viel jünger zu sein. Denn es fehlen die notwendigen Hohlwege nach Norden und vor Tambach-Dietharz landet man in einem tiefen, feuchten Tal. Unsere Hohe Straße aber heißt ja nicht aus Spaß nur so! Sie kommt vom südlichsten Punkt der Werra bei Ober- und Untermaßfeld, ohne ein einziges Tal respektive einen Wasserlauf gequert zu haben. Das sind über 30 Kilometer! Neben großen Wallanlagen und Hünengräber am Weg ein sicherer Hinweis auf prähistorische Zwangsführungen.
Links die Wallkuppe auf dem Dolmar
Prominentester Wachposten dort: Der Dolmar mit seiner hallstattzeitlichen Wallsiedlung und bronzenen Gräbern. An der Strecke gibt es aber auch frühmittelalterliche Flurnamen und mehrere Königsgüter. So heißt die Hohe Straße südlich des Rennsteigs auch Königsweg und wird wohl auch die sächsischen Kronenträger von ihren Residenzen um den Harz herum zu den  Reichstagen ins südlichen Rohr geführt haben. Diese "königliche Straße" aber muss sich bei den Neuhöfer Wiesen geteilt haben.
  1. Einmal scheint es nach Norden zum gleichnamigen Königsweg am Possenröder Kreuz gegangen sein.
  2. Alternativ dazu biegt kurz vor dem Rennsteig ein "Königsweg" nach Osten ab.
Dieser führt dann unterhalb des Kamms am Hang entlang und spart sich so einige Anstiege. Am Wachsenrasen (Bestimmungswort "Wache")verbindet sich der Königsweg dann wieder mit dem Rennsteig. Denn eine Überquerung würde wieder in dem feuchten Tälerwirrwarr an der heutigen Schmalwasser-Talsperre landen. So zwang die Geografie die Würdenträger 2 Kilometer weiter nach Osten. Einen trockenen Höhenzug nach Norden gibt es nämlich erst wieder am alles dominierenden Donnershauk. Der dort abzweigende Weg ist die Meinoldes-, sprich Meininger Straße und sie verweist darauf, dass ihr Ausgangspunkt die Hohe Straße von den Neuhöfer Wiesen bzw. die Königsstraße gewesen sein muss. (Für Nicht-Einheimische: Meiningen und Rohr liegen an der gleichen Strecke.) Dieser Höhenzug nach Gotha kann vom verlängerten Königsweg auch nur aus Richtung Westen angefahren werden, weil im Osten eine Quellwiese jede Überquerung unmöglich macht. Das kleine Dörfchen Gräfenhain Richtung Gotha ist heute noch nach dieser Altstraße ausgerichtet.
Donnershauk
Der den Abgang überblickende Berg Donnershauk präsentiert sich wieder als Paradebeispiel einer befestigten Höhensiedlung: Umlaufende Schanzkante, künstlich abgeflacht, Hauspfostensteine, Quelle, windgeschützte Ackerfläche und jede Menge potentielle Kultfelsen: Kachelofen, Katzenstein, Hohe Möst. Die große Zufahrtsrampe sieht künstlich aus und kann kaum aus forstwirtschaftlicher Zeit stammen. Das Pflaster auf dem Rennsteig beim Zimmerkopf in der Nähe scheint mittelalterlich.
Auf der Höhe Oberhof dann, zwischen Grenzadler und Rondel, kreuzt die Zellaer Leube. Sie bringt den Höhenweg vom Reichsgut Schwarza hoch, der von den Schanzen Reisinger Stein, Metze und Ruppberg bewacht wird. Letzteren interpretieren die Experten in Zella-Mehlis als keltische Wachstation. Doch dafür ist er viel zu klein und muss wohl ins Frühmittelalter datiert werden. Die Zellaer Leube quert den Rennsteig in einer tiefen Weghole zum Schlossbergkopf in Oberhof, der sich wieder mit steilen Schanzkanten, künstlicher Fläche und einer weit oben liegenden Quelle als prähistorische Wachstation ausweist. In seiner Nähe wurde jener keltische Eisenbarren und kupferzeitliche Steinwerkzeuge gefunden. Anschließend verläuft die querende Passstraße entlang des Herrenweges über Triefstein, Steigerhohle bis Alteburg über Arnstadt und Erfurt. Ein Abzweig am Siegelberg brachte die Bronze- und Eisenschmiede hingegen nach Gotha.
Weiter geht es nun am Rennsteig von Oberhof über tiefe Hohlwege zur Suhler Ausspanne.
Schneekopf
Dort verbindet sich der Rennsteig mit der Suhler Loibe, die einen Zweig der Kupferstraße von Italien nach Skandinavien heran führen soll. Diese könnte ebenfalls seit der Bronzezeit benutzt worden sein. Außerdem schlägt hier ein weiter Höhenweg von Rohr kommend auf. Der hatte vordem die vermuteten Wälle auf den beiden Dombergen über Suhl und die Kultstätte Ehwed mit ihrem prähistorischen Amphitheater tangiert. Am heutigen Schießstand Zella-Mehlis querte er das jetzige Industriegebiet und kam als weitere Loibe auf der Suhler Ausspanne an. Zwischen den beiden Strecken wacht der sicherlich frühmittelalterliche Königsknübel.
Weiter am Rennsteig folgt dann der lange Marsch unterhalb des noch heute versumpften Beerberges. Eine weitere Altsiedlung bietet erst wieder der Schneekopf mit 978 Metern an, wo ähnliche Bedingungen wie auf dem Inselberg herrschen. Die landwirtschaftliche Situation wurde dort diskutiert. Dessen Grenzwiese liegt ebenso windgeschützt, wie die Senke hier zwischen Höllkopf und Teufelsstein. Und beide haben diesen scheinbar "aufgesetzten" Hügel auf dem eigentlichen Berg mit rundumführender Schanzkante und möglichen Terrassenfeldern. In Oberhof übrigens, auf gleicher Höhe gegenüber, wurde auch, wenn auch in bescheidenem Maße, seit eh und je Landwirtschaft betrieben.
Alte Burg Arnstadt
Nebenan, über der Schmücke, der Fichtelkopf: Er besitzt ebenfalls eine rundum führende Schanzkante und wird den frühmittelalterlichen Weg bewacht haben, der sich über die Posten Sachsenstein, Mönchshof und Schöffenhaus nach Ilmenau aufmachte. Außerdem wurde hier ein weiterer frühzeitlicher Weg herangeführt: Von den Wällen auf den Reinsbergen über Plaue, die Alte Burg beim Autobahntunnel, über den Steinigen Hügel bei Gehlberg und wieder mal über einen Berg namens Brand. Diese Trasse begleitet den Rennsteig jetzt wieder ein Stück Richtung Süden, um am vermeintlichen Wall Finsterberg, mit Schanzkanten, möglichen Kultfelsen und hoher Quelle, endlich nach Süden abzuzweigen. Er führt in mehreren Varianten nach Schleusingen, dessen Endung -ing, wie -ungen, auf die suebischen Wanderungen von der Elbe Richtung Süden verweist. Einer dieser Wege nimmt den Höhenzug über die Wegscheide nach St. Kilian, einer den über Eisenberg, Schmiedefeld und die so genannte I-Linie. Das Vessertal dazwischen ist zwar noch heute für Wagen kaum passierbar, aber Namen wie Burgberg oder Herrenberg darüber zeugen von weiteren Alternativen. Beiden haben wieder Dutzende Namensverwandte in ganz Deutschland - letzterer ist vielleicht hermundurisch oder thüringisch einzuordnen. Zwischen Rennsteig und Breitungen findet sich übrigens die größte Dichte an Hohlwegen im ganzen Thüringer Wald. Das hängt sicher mit dem mittelalterlichen Eisenerzabbau an der Crux und dem Residenzstatus von Schleusingen ab dem 13. Jahrhundert zusammen. Die Henneberger Grafen hatten nämlich zeitweise auch Besitz in Ilmenau übern Berg. Von Schleusingen bestand über die Hohe Straße dort auch seit alters her ein Anschluss zu den keltischen Oppida auf den Gleichbergen. Allerorts strotzt es nur so von vorzeitlich bedeutsamen Flurnamen und Hohlwegen.
Nach dem Finsterberg brauchte es keine weitere Sicherung bis zur Großen Hohen Wart nördlich vom Bahnhof Rennsteig. Die bewachte wahrscheinlich den frühmittelalterlichen Pass, der einen Abzweig der I-Linie heranbrachte und über den Schlossberg in Stützerbach nach Ilmenau entließ. Noch vor Allzunah, kommt dann einer der beiden uralten Haupttrassen von der Donau hoch (Siehe Post „Urwege durch Franken“). Im Mittelalter hieß sie Frauenstraße bzw. Hohe Straße und war ein bekannter Heer- und Handelsweg (Siehe Post: Die Straße über den Wald“ von C.A.). Der Große Hundskopf könnte sie beschützt haben. Leider sind auf ihm außer dem Steinbruch keine weiteren Geländeveränderungen auszumachen. Die Frauenstraße führt weiter bis zum Dreiherrnstein, um dort in Richtung des wieder verdächtigen
Kickelhahn
Kickelhahns nach Ilmenau hin abzufallen. Oben geht es immerfort zum Großen Burgberg, der aber auf Grund ineffizienter Lage und Struktur nicht lange als solcher fungiert haben kann. Wahrscheinlich ist sein Name bloß von dem "Kleinen Burgberg" nebenan abgeleitet, der im Gegensatz deutliche Schanzringe trägt und einen Werg aus der Talsperre Schönbrunn heraus gesichert haben könnte. Denn erst in Neustadt am Rennsteig stößt erneut ein bedeutender Strang der Kupferstraße aus dem Norden hinzu, wahrscheinlich von den urnenzeitlichen Siedlungen in und um Erfurt: Er führt über die frühzeitlichen Befestigungen von Riechheimer, Haun- und Singener Berg, Mönchs-, Stiefel- und Edelmannskopf. Dieser Urweg muss anschließend den Rennsteig wieder ein Stück begleitet haben. Am Hohen Stock, hinter Kahlert, passieren wir zunächst seine Abkürzung über Altenfeld. Erst an den deutlich erkennbaren Abschnittswällen auf dem Langertstein fällt er als Altstraße Richtung Nürnberg ab. Das Alter dieser Magistrale könnte aber auch höher sein, denn dort passieren wir mutmaßliche bronzezeitliche Ringstrukturen wie auf dem Simmersberg bei Schnett oder dem Irmelsberg bei Eisfeld. Es war der letzte Höhenzug ins Erfurter Becken, ab jetzt bringt uns jeder Bergrücken nach Norden unweigerlich ins Saaletal. Auch vor Masserberg, die Schillerhöhe, könnte solch eine kleine Wache gewesen sein. Hier läuft nämlich der „Masserberger Höhenweg“ von Waffenrod, Rittersberg, Burgberg und dem heiligen Irmenelsberg über Crock auf. Auch da unten um den Priemäusel herum findet eine wahre Orgie alter Flurnamen statt.
Bleß und Großer Herrenberg
Auf dem Rennsteig passiert jetzt wieder knapp 20 Kilometer lang nichts, außer der frühmittelalterlichen Eisfeldern Ausspanne vielleicht. Die kann übrigens wegen fehlender weiterführender Bergrücken nach Norden nur aus fränkischer Zeit stammen. Erst Siegmundsburg lässt wieder aufhorchen, dessen namensgebende Befestigung ich aber beim besten Willen nicht dingfest machen konnte. Immerhin stößt hier ein Urweg von den bronzezeitlichen Siedlungen um Coburg herauf, mit Höhenburgen auf Lauterberg, Steinhügel, Kleiner Herrenberg, weiter oben Großer Herrenberg und dem mächtigen Bleß. Die letzten beiden müssen zwar wieder mit einer unwirtlichen Lage kämpfen, sind aber urnenfelderzeitlich belegt. Auf dieser Strecke steht übrigens auch ein die Weggabelung anzeigender Menhir namens Marterstein und könnte damit in megalithische Zeit verweisen.
Das gewaltige Oppidum Manching
Der Rennsteig führt hinter Limbach dann zur sog. Schanze auf den Sandberg hoch. Was gibt es hier zu beschützen? Tatsächlich kommt über die Hohe Wart auf dem Kieferle, östlich von Steinheid und dem Ritterhügel, der zweite Strang des Urweges von der Donau hoch (Siehe Post „Prähistorische Urwege durch Franken“). Wahrscheinlich hat auch er den Rennsteig jetzt ein Stück begleitet, denn gegenüber gab es nur noch Sumpf und steile Berge. Der nächste durchgehende trockene Höhenzug ins Erfurter Becken lag nordwestlich, beim schon passierten Neustadt am Rennsteig. Wer hingegen ins Saaletal wollte, musste dem Kamm weiter nach Nordosten folgen. In Neuhaus am Rennweg  zweigte dann die Trasse Richtung Süden ab. Sie brachte die Reisenden mit nur einer Talquerung der Lichte in Wallendorf oder unterhalb der Wallanlage Petersburg direkt ins Tal von Saale und Ohra. Dort warteten die unzähligen Wallanlagen um Pößneck herum. Natürlich war die Lichtefurt nicht optimal, aber eine Alternative ohne große Umwege gab es nicht.

Auf der Teufelskanzel
Doch weiter! Zwischen Neuhaus und Spechtsbrunn wird es unübersichtlich. Gleich mehrere Berge hätten das Potential einer Wachstation. Der Brand über gleichnamiger Gaststätte besitzt zwar Schanzringe, grenzt sich aber nicht eindeutig zum Rennsteig ab. Vielleicht ist sein Wall ja in dem riesigen Altsteinbruch dort begraben. Der Hirschstein über Piesau nahe der Teufelskanzel wartet sogar mit einem großen Wall zum Berg hin und einem markanten Felsen auf. Aber er liegt relativ weit ab. Auch der kleine namenlose Knuppel nordöstlich von Spechtsbrunn hätte das Zeug für eine frühmittelalterliche Bastion. Seine Terrassen machen als Feldraine keinen Sinn, weil es im gleichen Hangwinkel nach der Kante weiter geht.
Von Süden kommt nicht weit von hier ein weiterer Zweig des oben genannten großen prähistorischen Urweges durch Franken hoch. Ab dem Mittelalter ist er als Heer- und Handelsstraße von Nürnberg nach Leipzig belegt. Ihr Kreuzpunkt mit dem Rennsteig ist die so genannte "Kalte Küche", deren mutmaßliche keltische Übersetzung „Grenzkapelle“ seit Jahrhunderten mündlich weitergegeben wird. Davon existieren wieder mehrere Pedants in Deutschland, alle an einer Altwegekreuzung. Der Jahrtausende alte Weg aus Franken hatte wieder nur eine Chance nicht in den Tälern des Nordens sprichwörtlich zu versumpfen: Er musste dem Rennsteig ein Stück Richtung Westen folgen, um an o.g. Schanze Brand über die Piesaufurt, Schmiedefeld und die bereits erwähnte Poststraße ins Saaletal zu gelangen. Unter diesem Gesichtspunkt liegt der Hirschstein nun doch nicht so weit ab!
Nach der Kalten Küche folgen wir jetzt der heutigen Frankenwaldstraße, entlang des sog. Karlsgeräumt, welches das Ende immerhin andeutet. Doch bis dahin sind es noch knapp 40 Kilometer. Also brauchten Ochsen und Pferde einen weiteren Zwischenstopp. Exakt auf halber Strecke liegen die Schieferberge um den Wetzstein.
Neugebauter Altvaterturm auf Wetzenstein
Der alles überragende Berg muss wieder eine Wallanlage getragen zu haben, was bei den extremen Deformationen durch Altbergbau, Radaranlagen aus dem Kalten Krieg und dem neuen umstrittenen Altvaterturm sicher nur schwer nachgewiesen werden kann. Den Namen gibt es mehrfach im deutschsprachigen Raum als Menhir. Aber das Umfeld hat weiteres Potential, wie die Wacht am Osthang des Eppenberges oder die weggesprengten Bergsporne am Schieferpark Lehesten. Solch eine Konzentration von Sicherungsstationen verlangt geradezu nach alten Wegen. Diese kommen tatsächlich in Form zweier Bergrücken von Kronach herauf, um über Lehesten an die Saale abzufließen.
Danach müssen wir wieder 20 Kilometer bis zur nächsten Befestigung warten. Die erscheint uns in dem schon halb weggebaggerten Kulmberg. Er trägt nicht nur eine markante Schanzkante, sondern behütete auch einen wichtigen Abzweig. Hier müssen wir Urweg-Jäger nämlich den Rennsteig verlassen, denn sein Abgang zur Saale nach Blankenstein könnte sich als Sackgasse entpuppen. Es gibt dort weder nennenswerte Hohlwege, noch frühzeitliche Flurnamen. Lediglich das Dorf Harra deutet, wie das Harras an der Werra, auf einen uralten Flussübergang hin. Auch in Blankenstein selbst bildet die Saale furtfreundliche Sandbänke und die Blankenburg ist mit Sicherheit eine frühmittelalterliche Wache. Obwohl im weiteren Verlauf nach Osten die prähistorischen Relikte verblassen, könnte sich hier eine Verbindung zum Vorläufer der Via Imperii abzeichnen.
Wo man aber ganz ohne Flussquerung weiter nach Osten kommt, ist der Frankenwald mit seinem nahtlosen Übergang am Kulmberg. Der dazugehörige Weg kommt über einen Bergrücken vom nördlichen Saalfeld herauf,  überquert den Rennsteig an besagtem Abzweig und führt nach Süden zum Wall Wachberg und der Schwedenwache im Tal von Langenbach. Gegenüber zeigen 12 megalithische Menhire den kürzesten Weg vom Maintal ins Saaletal an (Versteckt im Wald sind weitere große Steinzeichen aufgereiht). Den Namen 12 Apostel haben sie natürlich erst in Christlicher Zeit verpasst bekommen. Unser Urweg zieht nun als Frankenwaldhochstraße weiter, über die mutmaßlichen prähistorischen Befestigungen Wasserwacht, Frankenwarte, Döbraberg, Hohberg und Karlberg, bis zur
Wall Waldstein an der Dreierscheide Main, Saale, Eger
Dreifachwasserscheide von Main, Eger und Saale. Dieser magische Punkt wird vom Siedlungsverdachtsplatz Haidberg bewacht, an dem, wahrscheinlich wegen einer Erzader, jeder Kompass verrückt spielt. Hier kreuzt nicht nur die Via Imperii von Nord nach Süd, hier teilt sich auch unsere Urstraße: Der eine Zweig führt auf das Mittelgebirge, das heute als Oberes Vogtland und Erzgebirge weiter nach Osten zieht. Der andere weist über Franken- und Böhmerwald, von den Römern als Gabreta Silva bezeichnet, bis zur Donau (Siehe entsprechende Posts in diesem Blog).

Mein Resümee:
Der Rennsteig stellt eine regelrechte Zwangsführung für frühzeitliche Reisende dar. Ihre Hinterlassenschaften erschließen sich auch ohne schriftliche Quellen und archäologische Grabungen! Nach der 20-Kilometer-Regel für Ochsengespanne finden wir allerorts ehemalige befestigte Höhensiedlungen als Wachstationen. Die scheinen zwischen 3000 vor und vielleicht sogar 1000 nach Christus gebaut worden zu sein. Mit 9 derartiger Anlagen (= 180 km) kommen wir der heute ausgewiesenen Länge des Kammweges sehr nahe (= 170 km). Die zusätzlichen Befestigungen finden sich durchweg an Passübergängen. Sicher sind auch nicht alle zur gleichen Zeit betrieben worden. Eine genaue Datierung können aber nur wissenschaftliche Grabungen bringen. Inzwischen gehen aber auch etablierte Archäologen von einer viel höheren Anzahl bronzezeitlicher Siedlungen aus, als heute. Natürlich nicht in Bezug auf die absolute Anzahl der darin lebenden Menschen!
Schon höre ich Bergromantiker und akademische Schreibtischtäter tönen: Wo sind die Urkunden und Belege. Ich sage ihnen: Hinfahren, Vergleiche und geschichtliche Muster heranziehen. Ein Hohlweg ist ein Hohlweg, und längs des Rennsteigs spricht er Bände. Auch die künstlichen Absätze auf Bergkuppen können da oben nicht als Feldraine abgetan werden. Sicher werden Einheimische weitere Hinweise kennen. Vielleicht bin ich ja manchmal auch übers Ziel hinaus geschossen, war mehr der Wunsch der Vater des Gedankens. Doch wenn auch nur die Hälfte der hier beschriebenen Ansätze stimmt, könnten sie uns zwingen, die Geschichte am Rennsteig umzuschreiben. Auf jeden Fall überquere ich jetzt meinen Rennsteig nur noch voll Demut angesichts der Leistungen unserer Altvordern.