Montag, 3. August 2015

Die Kelten - was in den Geschichtsbüchern steht. Zusammengesstellt von C. A.

Nachdem die Keltenwelt ein Jahrtausend lang fast vergessen wurde, erlebt sie seit dem Ende des 20. Jahrhundert eine regelrechte Renaissance. Sie wird in vielen Medien wieder häufiger thematisiert und die intensivierten archäologischen Forschungen konnten unser Wissen über das Leben und die Kultur der Kelten, die in einem Zeitabschnitt der frühgeschichtlichen Entwicklung auch in unserem näheren Umfeld lebten, erheblich erweitern.
Etwa vor 3000 Jahren erschien in der turbulenten Dämmerung der Geschichte eine neue Macht und eine neue Kultur: Die Kelten. Sie konnten das Eisen vorzüglich bearbeiten und wurden schließlich zu den wahren Beherrschern Europas.
Sie waren berühmt für ihren spektakulären Mut. Sie führten erfolgreich Kriegszüge, plünderten Rom und griffen Delphi an. Ihre Druiden – das Wort „Druide“ bedeutet „der Wissende“ - waren Lehrmeister, Ärzte, Priester, Weissager, Astronomen in einer Person. Sie achteten auf das Recht und die Kultur der Kelten, die teilweise bis in die Gegenwart überdauerten. Archäologische Funde und Reste von Wallanlagen auf zahlreichen Bergkuppen belegen, dass die Kelten auch in der Rhön, im Gleichberggebiet, am Dolmar und an der Werra zu Hause waren. Die bekanntesten Anlagen befinden sich auf der Milseburg, dem Öchsenberg, auf den Gleichbergen und auf den Gräberfeldern im Rhön-Grabfeld. Zahllose Funde sind in den verschiedenen Museen zusammengetragen.

Damit kann ein großer Bogen zur Gegenwart gespannt werden. Sie vermitteln der Wissenschaft neue Erkenntnisse über das Leben der Kelten von ca. 750 v. Chr. bis 15 v. Chr. In der Vorderrhön bei Sünna im Wartburgkreis wurde ein Keltendorf nachgebaut, in Markenzell bei Hünfeld entstand ein Keltenhof. Natürlich sind das in erster Linie touristische Attraktionen, aber sie berichten auch wer die Kelten waren, wie sie lebten, was ihre Kultur ausmachte und warum sie heute für uns so interessant sind.
Zum ersten Mal erwähnt wurden die Kelten von den Griechen am Anfang des 6. Jh. v. Chr. als „caltae“ oder „celtoi“. Das bedeutet „die Tapferen“ oder „die Kühnen“. Die verschiedenen Stämme von Spanien bis Mitteleuropa fassten die Griechen als Kelten zusammen, die östlich davon lebenden als Skythen. Sie beschrieben die Kelten als groß, bunt gekleidet, blond-oder rothaarig, mit rauen Sitten. Um 500 v. Chr. schrieb Hekataios von Milet über keltische Siedlungen. Auch die griechischen Chronisten Herodot, Platon und Polybios berichteten von den Kelten. Die hochzivilisierten Griechen nannten ihre Nachbarvölker herablassend „Barbaren“, d.h. „Stammler“, weil sie deren Sprache nicht verstanden. Sie hielten die Kelten für höhere kulturelle Leistungen nicht fähig.
Schon im 13. Jh. v. Chr. gab es eine gewisse wirtschaftliche Blütezeit in Mitteleuropa, sie gehörte noch zur Bronzezeit oder zur sog. Urnenfelderzeit. Zwischen den schon besiedelten Gebieten entwickelte sich in reger Fern-Handel. Erzsucher, Händler und Kolonisten zogen durch ganz Europa. Sie brachten neues Wissen, Symbole und Sprachen mit. Die lokalen Herren stellten Transportmittel und Handelsstationen zur Verfügung. Auf den Wegen übers Land nahm man auch Geschenke, wie Glasperlen, Bernstein, Korallen vom Mittelmeer, Bronzefibel und – spiegel usw. mit Dafür bekam man Lebensmittel, aber auch Erze wie Kupfer, Gold oder Silber, Blei, Zinn und – schließlich Eisen. Im 7. Jh. v. Chr. begann die Eisenzeit als neue Ära.
Die Eisenwirtschaft der Kelten erschütterte das gesamte wirtschaftliche Gefüge der Bronzezeit. Bronze wurde zwar noch für das Kunsthandwerk genutzt, aber Waffen und Geräte stellte man mehr und mehr aus Eisen her. Die Produktion von Eisengeräten (auch eiserne Pflugschare) sorgte außerdem für eine effizientere Landwirtschaft. Die frühe Eisenzeit bezeichnen wir heute als „Hallstattzeit“. Sie wurde benannt nach der Ortschaft Hallstatt in Österreich (Salzkammergut) mit seinen Funden aus dieser Zeit und den großen, seit ca. 1000 v. Chr. betriebenen Silberbergwerken.
Die meisten Menschen lebten damals schon als Bauern von Viehhaltung und Ackerbau. Dazu kam Handwerk und Handel. Etwa 5-6 % der Kelten gehörten zum Adel, 20 % waren Jäger und Krieger. Der Adel besaß bald auch die Bodenschätze. Bergleute, Bauern, Handwerker und Händler gerieten zunehmend in Abhängigkeit vom Adel und mussten schließlich Abgaben und Kriegsdienste leisten. Adlige waren auch die Grundherren. Sie hielten sich abhängige, aber bezahlte Gefolgschaften, die den Adeligen die Treue schwören mussten und für sie zu kämpfen hatten. Einen Gefolgsmann nannte man „ambaxios“. Es gab auch Hörige, die meist Kriegsgefangene waren und „diens“ genannt wurden. Sie wurden meist Sklaven ohne irgendwelche Rechte. Bauern waren wichtig, aber nicht so angesehen wie etwa Handwerker. Sie hießen Marcos, Titto oder Cosilus. Adlige nannte man Nero-valos = der durch Kraft Mächtige, oder Vercinge-to-rix = oberster König der Krieger.
Die Kelten hatten nie ein zusammenhängendes Staatsgefüge. Sie lebten in Clans, die zu Stämmen zusammengeschlossen waren. Diese lebten in politisch souveränen, durch natürliche Grenzen getrennte Siedlungskammern. Ödlandstreifen als Grenzen, wie bei den Germanen kannten sie nicht. Es wird von 50 bis 75 Stämmen allein in Gallien berichtet, die sich zeitweise zu Zweckbündnissen zusammenschlossen. Andere Stämme teilten sich, bildeten Ableger, waren aber nie eine Einheit. Große Stämme hatten bis zu 200 000 Männer, kleinere bis zu 50 000.
Die Kelten wohnten in Häusern aus einem Holzgerüst, das mit einem lehmverstrichenen Rutengeflecht gefüllt war, eine Art Fachwerk. An Stelle von Lehm wurde aber auch schon Kalkmörtel verwendet.
Sie verstanden es, große Kalkbrocken bei 1000 Grad zu brennen, mit Wasser abzulöschen, und dann mit Sand und organischen Zuschlägen einen haltbaren Mörtel herzustellen. Gedeckt wurden die kleinen Häuser mit Stroh, Spaltbrettern, Binsen, Schilf oder Rindenziegeln. Die Fußböden bestanden aus mehreren Schichten. Unten ein Fundamentbett aus Ästen, Blättern, Stroh und Mist, darauf zwei Bretter- oder Rundholzlagen, dann der eigentliche Lehm- oder Kalkmörtelboden. Häuser aus Stein bauten sie nicht. Das konnten erst die Römer bewerkstelligen. Durch Experimente fand man heraus, dass im Winter in den keltischen Häusern höchstens +8° erreicht wurden.
Als Einrichtungsgegenstände gab es Betten mit Stroh und Decken, in denen alle zusammen in ihrer Tageskleidung übernachteten, teilweise Tische, Bänke und Stühle, Truhen für Kleidung und Schmuck, Wandregale und Haken. Man fand ein Ablagebord und eine hängende Wiege aus Holz. Im Haus gab es außerdem Eimer, Zuber, Butterfass, Mörser und Quirl. Es gab in der Mitte des Hauses ein offenes Feuer zum Kochen, Bei Ausgrabungen fand man aber auch schon eine Art Herd aus Lehm. Der Rauch zog durch das Dach ab. Für die Beleuchtung wurden Fackeln, Talg- oder Öllampen sowie Kerzen aus Binsenstengel, die mit Fett, Wachs oder Pech umhüllt waren, benutzt. Die Fenster der Häuser waren mit Zweigen vergittert oder mit Pergament bespannt. Es gab glockenförmige Vorratsgruben und Speicherhäuschen auf Stelzen. Die Häuser gruppierten sich zu Herrenhöfen, kleineren Bauernhöfen, Streusiedlungen, Dörfern und befestigte Höhensiedlungen mit Wallanlagen (Oppidas). Gesiedelt wurde da, wo es guten Boden und evtl. Bodenschätze gab. Wichtige Verkehrswege und gute Verteidigungsmöglichkeiten spielten ebenfalls eine Rolle. Schon damals wurden die großen Urwälder gerodet. Jede Mengen Holz brauchte man bei der Eisenverhüttung, dem Salzsieden und beim Bau von Häusern und Befestigungsanlagen.
Eisen, Kupfer und Salz befanden sich in den Händen des Adels. Salz wurde in großen Bergwerken abgebaut. Es gab in Hallstatt Stollen bis 200 m Länge. Aber auch Solquellen wurden genutzt. Eisenerz konnte man oberirdisch leicht finden. Es wurde aber auch bergmännisch in über 100 m langen Stollen abgebaut. Eisenerz wurde in sog. Rennöfen geschmolzen. Es waren Gruben oder Schachtöfen mit einem Mantel aus Lehm oder Steinen. Der Windkanal war anfangs auch der Abstich fürs Roheisen. Später brachte man extra Düsenlöcher für Blasebalge an. In den Öfen wurde abwechselnd Erz und Holzkohle geschichtet. Bei 1100-1600°C kam beim Abstich flüssiges Roheisen mit Holzkohleschlacke zum Vorschein. Durch mehrmaliges Schmieden und Erhitzen formte man es zu Stabeisen oder Spitzbarren. Es gab Fein- und Grobschmiede. Etwa 70 Schmiedeprodukte aus der Keltenzeit sind bekannt. Grobschmiede stellten Sensen, Sicheln, Sägen, Äxte und auch schon eiserne Pflugschare her.

Damit waren Beetpflüge, die die Scholle wendeten ausgerüstet. Der Hakenpflug ritzte die Erde nur auf. Feinschmiede fertigten Fibeln und anderen Schmuck aus Eisen und auch aus Bronze. Geschmiedet wurden neben landwirtschaftlichen Geräten: Schwerter, Lanzenspitzen, Dolche, Messer Hacken, Schaufeln, Fleischgabeln, Bratspieße, Drechsel, Hufeisen, Sporen, Schildbeschläge, Helme, Feilen, Bohrer, Beile, Hämmer, Zangen, Meißel, Scheren, Schlüssel, Nägel, Haken und andere Dinge. Auch solche aus Gold (Silber wurde nur wenig genutzt) und Emailarbeiten wurden gefunden. „Eisen“, „Ger“, „Glocke“ und „Ofen“ sind Worte aus dem Keltischen. Bei den Kelten finden wir Sattler, die auch Pferdegeschirr herstellten, Münzpräger, Händler und Weber, Wagner, Stellmacher, Drechsler und Zimmerleute, die auch Boote aus großen Bäumen heraus hieben. Die Keltinnen webten schöne Stoffe, die sogar in Rom begehrt waren, ebenso Kissen und Polster. Allerdings war die Textilherstellung wesentlich zeitaufwendiger als die Lebensmittelproduktion. Ihre Arbeitskleidung war naturfarben ansonsten waren die Kelten bunt und zweckmäßig gekleidet. Wintermäntel hatten schon eine Kapuze. An den Füßen trug man Sandalen, Buntschuhe oder Schlupfschuhe mit hoch gebogener Spitze und fürstlicher Goldverzierung. Hals- und Armringe trugen Frauen und Männer. Die meist schulterlange Haartracht der Männer war aufgehellt und durch Kalklauge mit Buchenasche und Ziegenfett verdickt. Das Haar wurde mit Roteisenerz- Creme rot gefärbt, mit Mittelscheitel steif zurück gekämmt, zum Zopf oder 2 Zöpfen geflochten. Die jüngeren Männer trugen einen Schnurrbart, ältere eher Vollbart. Bei Bartlosen Gesichtern hatte man die Haare mit einer Bartzange herausgerissen. Auf dem Kopf trug man eine Art Baskenmütze oder konische Hüte aus Birkenrinde.
In den Kampf zogen die Krieger nackt. Manche waren tätowiert oder eingeschmiert mit Färberwaid. Bewaffnet waren sie mit Speeren, Schleuderkugeln, Schwertern, Genutzt wurden als Waffen notfalls auch Holzknüppel und Keulen. Zur Ausrüstung gehörten mannshohe ovale Schilder, die oft ein Wappentier trugen. Später hatten sie dann auch Pferde und Streitwagen, zum Teil trugen sie auch schon Kettenhemden und Helme mit Hörner drauf. Die Kriegstrompete „Carnys“ verbreitete einen schauerlichen Klang. Schleuder, Pfeil und Bogen waren nur bei der Jagd üblich. Die Frauen trugen ein langes Untergewand, darüber ein sehr farbiges, besticktes kittelartiges Obergewand, welches bis zur Mitte der Oberschenkel reichte. Junge Mädchen trugen kurze Röckchen. Eine geflochtene Wollschnur diente als Gürtel. Darüber kam der gleiche Mantel wie bei den Männern. Wahrscheinlich waren auch die Schuhe gleich. Zwischen rechten und linken Schuh wurde noch nicht unterschieden. Knöpfe waren nur Zierelemente. Zum Zuknöpfen dienten sie erst seit der Völkerwanderungszeit. Das Haar der Frauen war lang oder Schulterlang und ebenso wild wie bei den Männern. Manche hatten viele dünnen Zöpfe, in die Bronzespiralen eingeflochten waren. Später, unter römischem Einfluss, trugen die Keltinnen auch Hochsteckfrisuren. Auch Haarnetze wurde gefunden. Frauen trugen Spitzschleier, Wolken-und Flügelhauben, Filzbarette mit Schleier sowie zylinderförmige Hauben aus Pelz. Die Frauen waren stark geschminkt und schmückten sich mit Gürtelkettchen, Arm- und Fußringen aus Bronze, Schiefer und Bernstein sowie Glasarmringe und Perlenketten. Die Kelten hatten schon eine Kleiderordnung für die verschiedenen Stände.
Hygiene war den Kelten sehr wichtig. Sie erfanden eine Seife aus Talg und Asche und nannten sie „sapo“. Früh wusch man sich kalt im Bach, abends jedoch wurde warm gebadet. Sehr gründlich säuberte man sich die Zähne mit grünen Haselnusszweigen oder Urin und polierte sie anschließend mit einem Wolltuch. Mundgeruch war ein Scheidungsgrund. Der Müll wurde jedoch einfach vors Haus gekippt. Kadaver, abgenagte Knochen und zerbrochenes Geschirr lagen herum. Obwohl die Menschen damals sehr abgehärtet waren, hatten es Krankheitserreger leicht. Neben Parasitten litten die Menschen unter Augenkrankheiten, Malaria, Eisenmangel, Rheuma. Auch unsere zivilisatorischen Krankheiten waren schon weit verbreitet. Die Lebenserwartung war nicht sehr hoch. Man genoss das Leben solange man es hatte und glaubte an die Wiedergeburt. Bei den Völkern der Kelten waren sportliche Wettkämpfe sehr beliebt. Es wird berichtet von Ringkampf, Wettlauf, Schwimmen, Pferderennen und Angeln.
Kelten düngten als erste ihre Felder mit Kali, Kalk und Mergel sowie an den Küsten mit Meertang. Sie machten für den Winter auch Heu. Sie erfanden die schnell rotierende Mahlsteine und Töpferscheiben. Auch die Kuppelöfen zum Brennen von Keramik war ihre Erfindung. Etwa 250 v. Chr. begann bei den Kelten die Glasproduktion aus Quarzsand, Soda und Kalk. Sie stellten schon bald nahtlose Glasarmringe her. Handwerk und Kunst muss man im Zusammenhang sehen, denn fast alle Alltagsgegenstände waren verziert. Während der Hallstattzeit herrschten geometrische Muster vor. Auch Wellenlinien und magische Zeichen finden sich. Erste, mit Zirkel konstruierte Ornamente tauchen auf. Im 5. Jh. v. Chr. entwickelten die Kelten den Latenestil. Ab dem 3. Jh. v. Chr. wurden menschliche, tierische, pflanzliche und abstrakte Formen vermischt. Malerei findet man hauptsächlich auf Keramiken.
Ihr Brot haben die Kelten aus Spelzweizen und Dinkel gebacken. Bei Ausgrabungen wurde Blasenbrot und ringförmiges Lochgebäck gefunden. Gegessen wurde oft ein Brei aus Getreide, Fett und Milch. Gegärtes Getreide wurde auch zur Herstellung von alkoholhaltigen Rauschgetränken genutzt. Auch ein rauchiges und bitter schmeckendes Bier konnte man brauen. Es gab Weizenbier mit Honig und ein Gerstenbier. Bei Festgelagen saßen die Kelten im Kreis auf Fellen, Heu oder Stroh, die Bessergestellten auf mit Wolle oder Federn gefüllten Kissen. Der Hausherr saß auf einem Lehnsessel, Frauen auf Stühlen. Vor sich hatten sie niedrige Holztische für die Speisen, die auf Holztabletts lagen. Die ältesten erwachsene Kinder servierten. Gegessen wurde dabei viel gekochtes Fleisch, gerne auch Gepökeltes oder Wurst, dazu wenig Brot. Keltische Gastmähler waren große Fressorgien. Es wurde viel getrunken. Die Gastfreundschaft war unglaublich. In jedem Haus konnte man speisen, trinken und übernachten, - auch mit der Frau oder Tochter des Hausherrn.
Außer Getreide bauten die Kelten Erbsen, Linsen, Hirse, Hanf, Rüben und Saubohnen an. Auch Zwiebeln, Karotten, Kohl, Weißkraut, Salat, Porree und Knoblauch wurden geerntet. Ihre Felder nutzten sie mehrere Jahre als Acker, dann mehrere Jahre als Weide. So wurden die Flächen - neben der Kalkdüngung- auch von den Tieren gedüngt. Diese wechselnde Nutzung nennt man Koppelwirtschaft. Der Obstanbau hatte noch keine große Bedeutung. Man nutzte aber wild wachsende Obstsorten wie Kirsche, Birne, Walnuss, Feige und Marone; ebenso andere Nüsse, Pilze, Beeren und Kräuter. Man fand in Gräbern Vogelkirsche, Pflaumen, Schlehen, Ebereschen, Weißdorn, Mehlbeeren. Die Kelten verspeisten auch Wicken, Lupinen, Brunnenkresse und Bärlauch. Jagd und Fischfang spielten nur eine untergeordnete Rolle. Bedeutend war die Viehzucht mit Rindern, Pferden, Schweinen, Schafen und anderen Haustieren. An Milchprodukten stellte man Käse, Molke, Rahm und Butter her. Butter diente auch zum Eincremen (keltisch „crama“ = creme). Gänse und Hühner hatten die Kelten seit der Hallstattzeit. Auch Hunde waren weit verbreitet und fanden als Hirten- und Hofhunde Verwendung. Die Haus- und Hoftiere lebten im Winter mit in den Häusern. Welch ein Gestank!
Ab dem 3. Jh. v. Chr. prägten die Kelten eigene Münzen. Nach griechischem Vorbild entwickelten sie noch vor den Römern eigene Münzbilder. Dass es bei den Oberschichten eine entwickelte Schrift gab, wird angenommen. Die Kelten übernahmen zu diesem Zweck das Alphabet von den Griechen, Römern, Etrusker und Iberern. Es wurden Grabinschriften, Siegelringen und Verträge gefunden. Bei den Kelten herrschte das Patriarchat mit Relikten des Matriarchats. Der Mann hatte das Recht über Leben und Tod von Frau, Kindern und Gesinde zu entscheiden. Trotzdem hatte die Frau eine sehr geachtete Stellung und war zum Teil materiell abgesichert. Die weibliche Herrschaft war beim Adel möglich. Außerdem konnten sich die Frauen ihren Ehemann frei aussuchen und ganz offen Liebhaber erwählen. Meist lebten die Kelten in Einehe, nur die Adligen hatten mehrere Frauen. Die Familien waren kinderreich, die Erziehung übernahm der Vater. Die Römer berichten über amazonenhaftes Verhalten der Keltenfrauen. Sie entschieden mit über Krieg und Frieden. Sie kämpften und tranken mit, auch ihre Männer verprügelten sie mitunter.
Eine herausragende Rolle im Leben der Kelten, in ihrer Kultur und Religion, nahmen die schon oben genannten Druiden ein. Sie waren die Hochweisen, waren Universität, oberster Gerichtshof und Kirche sowie Politiker und Ideologen. Sie waren die Hüter der keltischen Kultur und hatten ein hohes Ansehen. An Kriegshandlungen nahmen sie nicht teil. Auch von Abgaben waren sie befreit. Barden unter den Kelten trugen Heldengesänge vor, selbst begleitet auf einer Harfe. Zu sehen auf einer Steinskulptur in Saint-Symphorien-Paule. Die Barden wurden 6 bis 7 Jahre in Dichterschulen ausgebildet. Weitere Musikinstrumente der Kelten waren die Leier, Hörner, die Kriegstrompete „Carnix“ Flöten, Glöckchen, Rasseln, Trommeln, Klapperbleche, Trompeten. Musik diente der Unterhaltung, als Kult und Kriegsschreck. Es gab Preis- und Schmählieder, Kriegstänze, Reigen- und Kettentänze. Jeder, egal aus welcher Schicht, durfte Druide werden, wenn er es schaffte, sich das nötige Wissen anzueignen. Auch Frauen wurden Druiden. Ihr Wissen aufzuschreiben hielten die Druiden für frevelhaft, obwohl sie in allen übrigen Angelegenheiten die griechische Schrift benutzten. Sie wollten nicht, dass sich ihre Lehre im Volk verbreitete. Ihre Schüler sollten das Gedächtnis üben. Die Schulen befanden sich im tiefsten Wald oder in Höhlen. Druiden hatten viele Kenntnisse in Astronomie, Mathematik, Medizin usw. Die Griechen nannten sie die besten Philosophen. So führte der Druide Diviacus mit den Brüdern Cicero Gespräche über Grundfragen der Natur. Die Druiden konnten ganze Stämme mit einem Bann belegen, sie verstanden es aber auch die verschiedenen Stämme geistig und kulturell zu verbinden. Sie waren zuständig für den Götterdienst, Opferungen, Religionsauslegungen, den Unterricht und die Rechtsprechung. Man erkannte sie auch an ihrer Frisur. Sie rasierten sich von einem Ohr zum anderen. Viele waren heilkundig.
Überliefert ist, dass sie Mistel, Salbei und Eisenkraut nutzten und auch chirurgische Eingriffe vornahmen. Hervorragende medizinische Instrumente, darunter auch Schädelsägen, wurden gefunden.
Der Wiedergeburtsglaube der Kelten förderte deren Tapferkeit in der Kriegergesellschaft, in der sie lebten. Dadurch meinten sie aber auch, es reiche Schulden im Jenseits zu begleichen. Die Begräbnissitten wechselten. Mal gab es Brandbestattungen, mal Körpergräber. Manche bedeutende Persönlichkeit bekam seine Wagen mit in die Grabkammer. Auch Waffen wurden mitgegeben, vorher meist durch Verbiegen unbrauchbar gemacht. Alles für den Verstorbenen Wichtige warfen sie mit ins Feuer, manchmal auch den besonders geschätzten Diener. Über 200 Wagengräber fand man bis jetzt. Die Religion der Kelten war der Glaube an die Götter. Etwa 400 Götternamen sind überliefert. Sie hatten verschiedene Funktionen.
Keltische Krieger waren Kopfjäger. Sie balsamierten die Köpfe ihrer gefallenen Feinde sorgfältig ein, nagelten sie gut sichtbar an die Hauswand und zeigten sie stolz ihren Gästen. Außerdem gab es bei den Kelten das Menschenopfer. Meist nahm man dafür Verbrecher, notfalls aber auch Unschuldige. Diese wurden verbrannt, erhängt, erstochen oder in einem Fass ertränkt. Vielleicht haben die Römer in ihren Berichten über Opferungen auch übertrieben, um eine Handhabe gegen die Druiden zu haben.
An bestimmten Plätzen kam es für die Kelten zum Austausch zwischen menschlicher und göttlicher Sphäre. Solche Heiligtümer konnten überall sein. Heilige Handlungen wurden in der Natur vorgenommen. Tempel gab es erst unter römischen Einfluss. Es gab Baumkulte, besonders mit Eichen, in Höhlen, Brandopferplätze mit Steinkreisen, Opfergaben an Quellen, Flüsse, Seen, Moore und Sümpfe. Phinius berichtet von Mistelernten durch weiß gekleidete Druiden am 6. Tag des Mondmonats und der Opferung von jungen weißen Stieren. Das Pflücken von Bärlapp und Samokus (Sumpfpflanze) soll mit dem Ritus, dem Opfern von Brot und Wein verbunden gewesen sein. Insgesamt sind zum Thema Religion und Druiden nur wenige überliefert. Darum wird heute manches konstruiert und mystifiziert.
Um 80 bis 15 v. Chr. beginnt der Zerfall der keltischen Welt. Germanen dringen über den Thüringer Wald in die Rhön und das Grabfeld vor. Es beginnt die Verdrängung der Kelten aus unserem Gebiet. Ob das ohne Kampf abging ist nicht überliefert. Der Kampf der Kelten gegen die Römer ging auf jeden Fall verloren, weil sie nicht planmäßig ,organisiert und diszipliniert vorgingen. Sie sahen den Kampf als heroisches Unternehmen. Sie suchten als Helden Ruhm im Zweikampf. Auch Gallien wurde von Caesar erobert und unterworfen. Die Römer drangen bis an den Oberrhein vor. Man vermutet, dass es vor allem auch ein wirtschaftlicher Zusammenbruch war, in dessen Folge die eigenständige keltische Kultur unterging. Es gab Störungen des Fernhandels durch Germanen, vielleicht gab es auch Naturkatastrophen oder Seuchen. Die demografischen Folgen zeigten sich verheerend. Es war der erste große Bruch seit über 1000 Jahren in Mitteleuropa. Die Kelten wurden nun in andere Völker und Kulturen einbezogen. Die Stämme waren politisch ohnmächtig, aber die Menschen mit ihrer Kultur blieben. Sie hießen jetzt nur nicht mehr Kelten. Zum größeren Teil gehörten sie zum römischen Reich, zum Teil wurden sie zu den Germanen gerechnet oder lebten am nordwestlichen Rand Europas. Von den Kelten geblieben sind Zeugnisse ihres unvergleichlichen Kunsthandwerks, Abwandlungen ihrer Bräuche, Feste und Feiern, Märchen und Sagen, aber auch Spuren ihrer Sprache. In unserer heutigen Sprache findet man immerhin über 100 Wörter keltischen Ursprungs. Viele Orts- und Flurnamen blieben erhalten. Der Beitrag der Kelten zur Entwicklung Europas war vor allem ihr unvergleichlicher Latene-Kunststil und die Weitergabe der fortschrittlichen Techniken, der Fähigkeiten und Wissen der Griechen und Römer an die Völker neben und nach ihnen. So gab es kein absolutes Ende ihrer kulturellen Wirksamkeit. Die irische Sprache ist keltisch geprägt und die irischen Heldensagen spiegeln noch heute das Heldentum der Keltenzeit wider, allerdings mit starken christlichen und mittelalterlichen Einflüssen.

Die Kelten in der Rhön und im Gleichberggebiet.

 Durch den Vulkanismus entstanden vor etwa 25 Millionen Jahren die charakteristischen Basaltkuppen vor allem in der Rhön, aber auch die Gleichberge und andere Basaltkuppen in unserer Gegend. Es folgten Eis- und Zwischeneiszeiten. In den extremen Kaltzeiten verwitterte sogar der Basalt und die berühmten Blockmeere entstanden, aus denen auch die Kelten die Basaltblöcke holten, um ihre Wälle zu bauen. Stark verändert hat sich damals auch die Vegetation. Als sich das Klima nach dem Ende der letzten Eiszeit erwärmte, wuchs auch auf den bisher kahlen Bergen allmählich der Buchenwald. (Buchonia). Jäger und Sammler streiften umher und später siedelten sich die ersten Ackerbauern an, denen andere Ackerbaukulturen folgten. Während der Bronzezeit war das Klima wesentlich milder als heute. Reste der damaligen Vegetation finden sich besonders an den sonnigen trockenen Hängen der Rhönkuppen.
Schon in der Latenezeit entstanden hier erste Wallanlagen. Die meisten Befestigungen stammen allerdings aus der Urnenfelderzeit, in der der Bau von Wallanlagen in ganz Europa groß in Mode kam. Die größten Wallanlagen in der Rhön und Umgebung sind auf der Milzeburg, dem Öchsenberg und auf den Gleichbergen bei Rhömhild zu finden. Die Milzeburg und die Anlagen auf dem Kleinen Gleichberg kann man als Oppidum bezeichnen, die als politische, wirtschaftliche, militärische und kultische Stammeszentren anzusprechen sind. Unser Mittelgebirgsraum wird von Wissenschaftlern als Kontaktzone zwischen Kelten und Germanen bezeichnet. Manche vermuten aber auch, dass diese Gegend noch zum keltischen Kernbereich gehörte, was wahrscheinlicher ist. Dafür sprechen typisch keltische Funde mit regionaler Prägung, aber auch solche aus dem germanischen Norden sowie dem zentralen Südwesten und Südosten. Wie die Menschen damals sprachen, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht ein einheimischer Dialekt mit keltischen Bezeichnungen für Flüsse, Berge, Orte. Welche Flur- oder Ortsnamen „Keltisch“ sind, müsste genau erforscht werden. Schon zur Latenezeit wurde der Urwald gerodet, um Viehweiden, Ackerland und Holz zum Bauen zu gewinnen. Man brauchte Brennmaterial zum Heizen, zum verhütten von Eisenerz und zum Salzsieden. Da man von den Wallanlagen weit ins Land schauen konnte und auch gesehen werden wollte, waren die Bergkuppen mit den Anlagen vorwiegend kahl. Durch Feuer und Rauchzeichen konnten sich die Höhensiedlungen untereinander verständigen.
Im Umland wechselten sich Weideflächen, Felder und Buschwald ab. Günstige Wegstrecken wurden schon zur Jungsteinzeit begangen. Es bildeten sich Trampelpfade, Wege und später Straßen aus. Zahlreiche Wege führten schließlich von West nach Ost.Wurde der Thüringer Wald vorerst umgangen, fand man später Möglichkeiten den Rennsteig zu überqueren. Einer der wichtigsten Übergänge war zum Beispiel der Oberhofer Pass mit seinen nachfolgenden Wegen ins Thüringer Becken. Aus dem Gleichberggebiet kamen die Erzsucher, die bei Suhl und anderswo (auch bei Gethles?) ihre Schmelzöfen bauten um Eisen zu gewinnen und es zu schmieden. Auch werden sie die vorhandenen Weidegebiete im Vorland der Thüringer Waldes genutzt haben.
Schon um 80 bis 15 vor Christus beginnt auch bei uns aus weitgehend unbekannten Gründen der Zerfall der keltischen Welt. Germanen dringen über den Thüringer Wald in die Rhön und das Grabfeld vor und verdrängen die Kelten. Meiner Meinung nach ist es unwahrscheinlich, dass das ohne Gewalt abging. Bei den Kämpfen werden die Gipfelburgen in der Rhön und im Grabfeld die Brennpunkte gewesen sein. Es kann sich aber auch ganz anders abgespielt haben. Darüber berichten weder griechische noch römische Chronisten. Schon um 58 bis 51 vor Christus unterwirft Caesar Gallien und dringt bis an den Oberrhein vor und ab 15 vor Christus ist römisches Militär erstmals in Südwestdeutschland und es werden Militärstationen angelegt. Römer und Germanen stehen an Donau und Rhein, das Land an der Werra, der Rhön und das Grabfeld werden germanisch. Hier sind nun vor allem Hermunduren und Chatten zu Hause.

Quellen:

  • Schriften Chronik Suhl
  • Jens Dahlems: „Das Keltenkreuz“
  • R. Frimei: Ursprung und der Blütezeit b. z. Untergang d. Kelten