Freitag, 30. August 2019

Vergessene Urstraßen durch Mitteldeutschland (Mit Goggle-Maps-Karte)


Bernd Bahn: Altmeister der Wegeforschung
in Mitteldeutschlan
Was haben die wichtigen kultur- und zeitdifferenten Denkmale der Frühzeit in unserer Heimat gemeinsam, wie die Himmelsscheibe von Nebra, der Menhir von Buttelstedt, die Hünenburg von Watenstedt, ja selbst die Kreisgrabenanlagen von Goseck, Pömmelte, Eytha und Dresden-Nickel? Sie liegen an den großen Wasserscheiden Mitteldeutschlands, d.h. sie waren weitestgehend ohne Flussquerung miteinander verbunden. Sollte es schon in schriftloser Zeit ein Wegenetz zwischen den Zivilisationszentren gegeben haben? Muss ja, sagen die Experten! Und kann man das zeitlich und räumlich strukturieren? Nein, antworten die, die daran forschen! Ich denke ja!

Ein neuer Ansatz in der Altstraßenforschung?

Bisher hat man solche urzeitlichen Straßen mit einem Trick aufgespürt: Urkundlich belegte Trassen aus dem Mittelalter wurden nach frühzeitlichen Artefakten abgeklappert. Denn ab dem Mittelalter sind die Bewegungen unserer Vorfahren im Leipziger Becken urkundlich gut belegt: Via Regia, Via Imperii, Kupfer- und Salzstraßen etc. Dass Heere und Händler zuvor aber genauso unterwegs waren, bewiesen die Ausgrabungen an der Alten Leipziger Straße von Kassel kommend in der Goldenen Aue am Südharz. Der unbefestigte Wegestrang war das jüngste archäologische Artefakt, das die Wissenschaftler zu Tage förderten. Ansonsten reichten die Funde bis zu den ersten Bauern ins 5. Jahrtausend zurück. Trotzdem räumen die Experten ein, eigentlich nichts über unbeurkundete Altwege zu wissen. Außer, dass sie natürlich Ortschaften verbunden haben müssen.
Immer schon Objekt der Begierde: 
Die Wege unserer Vorfahren aus
schriftloser Zeit
Doch das stimmt nicht ganz! Die untersuchten Bodendenkmale, die sich wie Perlenketten an ihnen entlang ziehen, lassen zunächst erst einmal einen Rückschluss auf die jeweilige Zeit zu. Diese zeigen, dass es mindestens seit der frühen Bronzezeit feste Fernverbindungen gegeben haben muss. Die Heidenstraße von Köln nach Leipzig wäre solch ein Beispiel, die Weinstraße von Süden kommend über Rennweg, Rennsteig und Rennstieg, oder der Keltenerlebnisweg in Franken. Ich habe viele dieser Altstraßen per pedes, Rad oder Auto abgeklappert und hier in diesem Blog beschrieben. Dabei bin ich neben den archäologischen Ausgrabungsstätten immer wieder auf die gleichen nachvollziehbaren Muster gestoßen. Jeder kann nämlich schanzartige Bodendeformationen und künstlich versteilte Abhänge auf Anhöhen erkennen, hervorstechende Landmarken, die die Kutscher anpeilen konnten, große geschliffene Steine als Menhire an Wegkreuzungen oder Pässen, außerdem Hügel- und Steinhaufengräber, sowie deutlich beziehungsvolle Flurnamen wie Trift, Hohle, Furt oder Hochweg. Natürlich würde kein Wissenschaftler aus einem ungeöffneten Grabhügel, einer „Schwedenschanze“ und einer Steinreihe auf eine eingefahrene frühzeitliche Reiseroute schließen. Aber wenn es überhaupt irgendein Prinzip in der Siedlungsgeschichte gibt, so ist das die Nachnutzung vorhandener Strukturen über mehrere Zeiten und Kulturen hinweg. Das trifft besonders auf das Reisen zu, wo sich die Technik bis zur Industrialisierung nicht wesentlich verändert hat.
Rennsteig als typische wasserscheidende Hochtrasse?
Dazu kommen weitere Indizien. All diese – nennen wir sie Urstraßen – haben ein gemeinsames Merkmal: Das ist die prinzipielle und weitestgehende Orientierung an wasserscheidenden Höhenzügen. Wir wissen, dass Altreisende prinzipiell gezwungen waren, Täler mit Flüssen, Bächen oder Sümpfen zu meiden. Idealerweise zogen sie so an, auf oder neben Wasserscheiden entlang. Oben war immer die kürzeste, sicherste und komfortabelste, der bis ins 19. Jhd. hinein unbefestigten Verbindungen. Das können die Kammwege der Mittelgebirge sein oder kaum wahrnehmbare Höhenrücken in den Ebenen, sowohl kurze als auch lange.  Auf breiten Plateaus entwickelten sich Varianten, auf schmalen Kämmen sind die Wege oft noch heute vorhanden. Ihre sinnfällige und effektive Verknüpfung, ausgerichtet nach kulturellen und wirtschaftlichen Zentren der jeweiligen Zeit, müssen dann Vorzugstrassen ja ganze Straßennetze ergeben haben. Große Umwege der Scheiden wurden abgekürzt. Natürlich ist auch heute noch jeder Wagenlenker auf Effizienz bedacht, aber er hatte damals keine andere Wahl, wenn Täler und Auen versumpft, wenn Umfahrungen eines Mittelgebirges unmöglich waren oder zeitweise alle Welt prinzipiell auf Höhen siedelten. So könnten sich über die Jahrtausende der Irrwege regelrechte Zwangslinien ergeben haben, die spätestens seit der Bronzezeit in ein regelrechtes Straßensystem mündeten. Und wirklich finden sich an diesen trockenen Höhenmagistralen grundsätzlich mindestens alle 20 Kilometer Versorgungs- und Sicherungsstationen aufgereiht, dem Tagespensum eines Ochsenkarrens. Auch hier scheinen sich aus anfänglichem Biwak letztlich befestigte Höhensiedlungen entwickelt zu haben.
Lehrmuster für alle Urwege
Das anschaulichste Beispiel dazu liefert der Keltenerlebnisweg von Bad Windsheim nach Meiningen, wo dieses Prinzip schon fast peinlich genau befolgt wurde (Siehe entsprechender Post in diesem Blog). Manche dieser befestigten Höhensiedlungen könnten hunderte Leute beherbergt haben. Über die Jahrtausende müssen dann – entsprechend der technischen Entwicklung - immer mehr Burgen dazu gekommen zu sein. Auch wenn die wenigsten dieser Stationen wissenschaftlich untersucht wurden sind, die typischen Bodendeformationen und Flurnamen können ja nicht nicht wegdiskutiert werden. Auch nicht die typischen Altwegefurten dort, wo die Höhenwege auf Flüsse trafen. An günstigen Furten, wie Sandbänken, konnten sich dann erfolgreiche Siedlungen entwickeln. Diese Muster sind in der Altwegeforschung hinlänglich bekannt. Der neue Ansatz hier ist deren weitestgehende Bindung an Wasserscheiden, die massenhafte Auswertung von archäologischen Berichten und unterschiedlichstem Kartenmaterial, sowie die persönliche Inspektion aller wichtigen Lokalitäten, natürlich ohne archäologisch graben zu können.

Die Karte

Es gibt Millionen solcher wasserscheidenden Höhenrücken, aber einige ziehen über ungewöhnlich weite Strecken durchs Land. Hydrologen haben sie als die Wasserscheiden zwischen den großen Flüssen ausgewiesen, bei uns also Elbe, Oder, Weiße Elster, Saale, Unstrut, Mulde und wie sie alle heißen. Und zwischen den Quellen der Zuflüsse schlängeln sich unsere Wegelinien hindurch, als Verknüpfung der frühen Wirtschaftszentren, in ihrer jeweiligen Zeit und ihren technischen Möglichkeiten. Wahrscheinlich von der Jungsteinzeit bis ins Frühmittelalter, denn die Franken müssen nach 531 schon in den Flussauen dahergekommen sein.
So braucht man nur die bekannten Wasserscheiden Mitteldeutschlands zu verfolgen und findet – trotz der alles zerstörenden großen Städte und Tagebaue - genau die eben beschriebenen Muster. Dazu habe ich eine entsprechende Google-Maps-Karte erstellt, die die Wege und begleitenden Artefakte zeigt: Bitte Link anklicken!

Legende:
Urwege und begleitende Relikte in Mitteldeutschland
  • Rote Linien: große Wasserscheiden
  • Türkise Linien: mittelalterliche Altstraßen, meist nur nach den beurkundeten Orten verfolgt
  • Braune Linien: in anderen Posts hier behandelt Wasserscheidenwege (Harz, Rennsteig, Kupferstraße-Alternativen, Heidenstraße, Vogtland-Erzgebirge, etc.)
  • Lila Linien: mutmaßliche, aber sinnvolle Abkürzungen und Querverbindungen zwischen den Wasserscheiden ab dem Frühmittelalter
  • Blaue Ringe: bestätigte und verdächtige Befestigungen zur Wegesicherung aus Ur- und Frühzeit (die bekannten Zeiten sind eingetragen, rot: besonders markante Orte)
  • Blaue Burg: mittelalterliche Burgen die mutmaßlich aus früheren Befestigungen hervor gegangen sind
  • Gelbe Nadel: sonstige Artefakte mit Wegebezug
  • Rote Nadel: Menhire und Kreuze
Den Rahmen der Karte ergeben quasi die Mittelgebirge, Fläming und Staatsgrenze, der „Ausrutscher“ Berlin ist der Via Imperii geschuldet, der an der Elbe nur um Übergänge nach Norddeutschland zu finden. Die wichtigsten und eindeutigen Urwege ergeben sich auf dem Rennsteig, dem Höhenweg von Vogtland und Erzgebirge, sowie auf der wasserscheidenden Verlängerung des Rennstiegs auf dem Hainich.
unterschiedliche Kartenansichten zum besseren Verständnis 
Geschichtskundigen fällt sofort auf, dass über die zufällige geografische Situation scheinbar eine strategische Maske gelegt wurde. Nicht nur, dass fast alle bekannten frühen (befestigten) Siedlungen in diesem Netz liegen, dass die mittelalterlichen Altstraßen oft die Wasserscheiden tangieren - sie tragen auch manchmal deren Namen (Salzstraße westlich von Döbern, Hohe Straße bei Dörrennuhlsdorf oder nördlich von Ilmenau). Das Ganze wird besonders deutlich, wenn man bei Maps zwischen den beiden Ebenen Satellit und Gelände hin und her wechselt. Leider kann man die Oberflächen nicht kippen, wie bei Google Earth. Diese Funktion hatte schon für manchen Forscher einen Aha-Effekt.
Sicher gab es viel mehr Urwege, aber Wasserscheiden liefern so auch ohne Grabungsergebnisse einige Sicherheit in der Orientierung. Meist sind es noch heute zivilisationsferne Feld- und Waldwege, manchmal unterpflügt oder zugewachsen. Aber immer wieder wurden auch moderne Magistralen darauf gesetzt, wie die A9 von Triptis bis Eisenberg oder die B169 zischen Neudorf und Greifendorf.

Die Zeit
Warum führen die meisten Wege nach Leipzig?

Natürlich sind in der Karte die wenigsten der Markierungen archäologisch erforscht. Es gibt ja fast nur noch Notgrabungen. Aber es handelt sich, wie beim Keltenerlebnisweg, um indizienbegründete Verdachtsplätze, also: Landschaftsbezeichnungen, die ausnahmslos im gesamten deutschsprachigen Raum als siedlungs- und wegebegleitend auftreten; künstliche Bodenveränderungen, wie sie typischerweise frühen Verteidigungsschanzen und Gräben zugeordnet werden können; offensichtliche Gräber als Dolmen, Stein- und Erdhügel; sowie Menhire, Steinkreuze und Straßenmarkierungen als Richtungsweiser an den kreuzenden „Pässen“. Und immer wieder stößt man dann auch auf Orte, die wissenschaftlich untersucht wurden und damit die strategische Ausrichtung der Höhenwege erkennen lassen. Beispiel: die Befestigung der Urnenfelderkultur über Oybin im sonst wenig erforschten Zittauer Gebirge, oder der erst jüngst entdeckte viertausend Jahre alte Zinnabbau am noch weniger untersuchten Kamm des Erzgebirges bei Altenberg.
Wegebündel und -knoten zwischen Freiberg und Dresden
Natürlich sollte die jeweilige Wasserscheide dabei nur als Richtschnur gelten, als Trasse mit verschiedenen Wegebündel. Es gab auch immer Abkürzungen, günstige Umfahrungen, Verzweigungen, die dann aber auch die bekannten Wegbegleiter hinter sich herziehen (besonders deutlich in Querfurt, nördlich von Strausberg und Biegenbrück in der Landschaft Lebus).
Doch kann man auch das Alter der Wege bestimmen? Die begleitenden Funde müssen ja den historischen, wirtschaftlichen und politischen Kontext die Geschichte Mitteldeutschlands aufgreifen: Die Besiedlung der ersten Bauern, das Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen, die wahrscheinliche Landflucht bei Klimakapriolen, der frühe Salzabbau in Halle, Kupfer im Ostharz, Metalle im Erzgebirge, die germanische Völkerwanderung, der Frankeneinmarsch, die slawische Ansiedlung, Christianisierung und Ostkolonisation der deutschen Könige.
Befestigungen mit Palisaden und Graben des Neolithikums
(kontrovers diskutiert)

Nach der offiziellen Chronologie eignen sich dafür besonders folgende Relikte am Weg:
  1. Ringgrabenanlagen (monumentale Erdwerke) des Neolithikums von etwa 4500-3000 v. Chr.
  2. Siedlungen nahe megalithischer Großsteingräber und Menhire der kupfer- und frühen Bronzezeit von 3000-2200 v. Chr. 
  3. Bronzezeitliche befestigte Höhensiedlungen wie Abschnittswälle oder Ringschanzen von 2200-800 v. Chr. vielleicht
  4. Siedlungen neben Urnenfeldergräbern (z. B. Aschen- als Bestimmungswort eines Platzes) langsam von Süden und Osten vorrückend (800-300 v. Chr.)
    Befestigung mit Absatzschanzen der Bronzezeit
  5. Früheisenzeitliche Wallanlagen, oft mit parallelen Terrassenfeldern.
  6. Germanische Siedlungen nach Westen und Süden wandernd, nicht selten die alten Vorgängerhügel übernehmend, von 300 vor bis 600 nach Chr. (Großromstedt-, Hermunduren)
  7. Slawenburgen von Osten aufkommend, 600-1200
  8. Befestigte Lager der Frankenzüge, der Christianisierung und der Osterweiterung ab 700-1200 etwa
    Befestigung mit tiefen Gräben des Frühmittelalters
Wenn Bodenveränderungen auf einen Verteidigungszweck hinweisen, nenne ich sie hier Schanzen. Da die meisten in die Karte eingezeichneten Befestigungen nur Verdachtsplätze sind, erhielten alle diesem einheitlichen Ringbutton. Sie dienen bei mir ja im Wesentlichen zur Bestätigung der Wasserscheidenwege. Alle exakt auseinander zu halten, kann dieser Beitrag nicht leisten. Dazu braucht es naturgemäß die Archäologie.
Aber von den wenigen wissenschaftlich untersuchten Objekten lässt es sich oft auf ähnliche Anlagen schließen. Beispiel: Der Pfarrberg bei Landsberg gleicht strukturell der bekannten Hünenburg von Watenstedt. Das kann Zufall sein. Die Masse solcher Analogien erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit ähnlicher Zeitstelklung.
Ringstrukturen zwischen Staßfurt und Aschersleben
Die ehemaligen Verteidigungsringe sind manchmal sogar in Google Earth zu erkennen, wie an der Kupferstraße zwischen Strummendorf und Neundorf: Eine unbekannte Befestigung, deren Zeit ohne Grabungen kaum ermittelt werden kann. Bei den Höhenbefestigungen scheint aber die Größe und Form der umschanzten Fläche mit dem Alter zu korrelieren: Die runden aus der Jungsteinzeit, die großen höhenlinienorientierten aus der Bronzezeit, die mittleren mit Wall aus der frühen Eisenzeit und die kleinen mit Graben aus dem Frühmittelalter. Doch das trifft nicht immer zu. Die kleinen keltischen Viereckschanzen habe ich in Mitteldeutschland gar nicht gefunden. Wenn aber die reale Geländesituation, Luftbild, Flurnamen und Wasserscheidenweg zusammenpassen, kann man ziemlich sicher sein, auf den Pfaden unserer Altvordern zu lustwandeln.

Die Namen

Im Vergleich: Hünenburg Watenstädt, seit Bronzezeit - untersucht
Über die oft fremd klingenden meist sehr alten Bezeichnungen kann man nur spekulieren. Aber die indogermanischen Flur- und Ortsnamen sind ein wichtiges Hilfsmittel bei der Objektbestimmung. In ihnen könnten sogar alteuropäische Vokabeln wiederverwendet oder frühere mutmaßliche Nutzungen aufgegriffen worden sein. Die meisten sind leicht zuzuordnen, wie die zwingenden Höhenlagen betreffend (Hoch-., Hahn-, Kamm-, Lichten-, Mark-); viele „Alt“-Orte, die schon alt waren, als die ersten Germanen auftauchten; nicht wenige mit direktem Straßenbezug (Eller, Leite, Gasse, Trift, Harth, Straß); fast alle "Rot"- als vormittelalterliche Rodungen; viele Steinberge mit vormaliger Bebauung; oft Furten als Verbindung zu den tangierenden mittelalterlichen Städten; jede Menge eindeutige Franken-Orte; Tausende Bezeichnungen mit religiösem oder missionierenden Bezug; Königs- und Kaiserplätze der alten Heerlager, mehrmals mit Otto-, Friedrich-, Heinrich- oder Karl-; nicht wenige militärische Bezüge mit Streit-, Klingen-, Helm- und immer wieder Warte, Wache, Burg, Wall in dutzenden Variationen. Die vielen für Reisen wichtigen Brunnenorte habe ich gar nicht erst in die Aufzeichnungen aufgenommen.
Im Vergleich: Seegelsberg Hemleben, - verdächtigt
Da sind aber auch die typischen Flurnamen, die in die Irre führen, anderenorts aber wegekennzeichnend belegt wurden (Siehe entsprechender Post in diesem Blog!): hunderte Weinberge, die nie eine Rebe gesehen haben können (oft Nordhang, bis an die Ostsee und im Gebirge) wahrscheinlich von Way- „Wege“-Wagen-); unzählige Galgenberge, die überall dort, wo gegraben wurde, Körpergräber aus der Frühzeit enthielten; massig Berge mit Tiernamen für die bis ins Frühmittelalter typischen großen Viehherden; Brand- für die obligatorische Art zu roden damals, Schulstraßen im tiefen Wald, Heide-Orte in fruchtbarer Lage; alle abrupten Richtungsänderungen mit entsprechender Bezeichnung (Haken-, Eck-, Winkel, Bogen-); sogar die geheimnisvollen Katzen- und Kalten-Orte wie im Süden.
Mit linguistisch-historischen Vergleichen lassen sich damit nun gewisse zeitliche Zusammenhänge herstellen. Wenn die wegbegleitenden tausenden Galgenberge wirklich meist Bronzegräber sind, könnten die ebenso vielen Weinberge aus der frühen Eisenzeit stammen, so wie Warte, Wache und Burg dem Frühmittelalter zugerechnet werden dürfen (Anders könnte es sich mit dem Beinamen Alt oder dem Grundwort Schloss verhalten). Die Namen scheinen sie sowieso erst mit den ersten Indogermanen erhalten zu haben. Bestimmte Wege strotzen nur so vor fränkischen und christlichen Bezügen, wie Heiligen-, Hexen-, Schwarzen-Orte, wie am Strang von Leipzig nach Frankfurt/Oder. Andere müssen wegen dem Fehlen genau dieser Bezeichnungen eindeutig davor angelegt worden sein, beispielsweise von Altenberg nach Dresden.
Im Vergleich: Auf der Kapelle, Flinsberg, vergessen
Vergleicht man nun die Verteilung solcher prähistorischen Verdachtsplätze mit anderen Orten im deutschsprachigen Raum, sind typische Tendenzen wieder zu erkennen:
  1. Die Großsteingräber sind scheinbar unstrukturiert überall zu finden, besonders im Flachland. Eine Beziehung zu den Wasserscheidenwegen ist nicht zu erkennen. Sie müssen also älter sein.
  2. Grob ab 2200 v. Chr. aber könnte die Bewegung auf den Höhenzügen begonnen haben. Alle meine Versuche, vorfränkische Artefakt-Konzentrationen in den Tälern herzustellen, schlugen fehl.
  3. Erst nach der Zeiteinführung scheinen die Siedlungen langsam wieder ins Flachland gewandert zu sein. Ein trockeneres Klima und Melioration ließen auch die Wege folgen. 
  4. Bis ins Frühmittelalter, hier der Christianisierung, scheinen aber Wasserscheiden eine gewisse Rolle gespielt zu haben. Selbst die großen Fernstraßen des Mittelalters wichen gerne noch auf sie aus: die Via Imperii zwischen Meerane und Mylau, die Via Regia zwischen Buttstädt und Naumburg oder der Deitweg, von Wolfenbüttel nach Magdeburg, sowie die Hohe Landstraße (Via Regia) zwischen Leipzig und Grimma. Letztere nutzte dazu wahrscheinlich mehrere Scheiden und die in der Karte hier so bezeichneten Verbinder. 
    Weißenburg bei Sömmerda mit Siedlungsspuren 
    aus 5 Jahrtausenden
Dieses Muster scheint vielerorts zu gelten. Es gibt aber auch Besonderheiten in Mitteldeutschland: Mehr als anderswo finden sich an Scheidenwegen hier Bezeichnungen mit Herms-, Pfaffen-, Wall- (Wal, Wahl-), Mark- (besonders im Flachland), Vogelnamen, Schwarz-, Weiß-, Marien-, Fuchs-, Kohl- (Kahl-) und Reichen-plätze. Manchmal kommen absurd klingende Namen vor, die erst auf das „zweite Ohr“ einleuchten, wie Schnell- Renn-, Hetzen-, Eil-, usw. Die immer wieder auftretenden Butter-Orte habe gar nicht eingetragen – zu gewagt eine Verbindung mit „Versorgung“ herzustellen (Siehe Schanze „Schneller Markt“ nahe „Rennsteig“ in Chemnitz). Deutlich wird auch schön das Prinzip, dass sich die jeweils neuen Herren zur Kontrolle gerne neben den nun Unterdrückten niederließen (Hermunduren, Thüringer, Franken, Slawen). Vielleicht deshalb oft diese Schanzkonzentrationen. 

Hinsichtlich der kontinentalen Altstraßenforschung werden für Thüringen, Sachsen und Anhalt aber auch überraschende Alleinstellungsmerkmale deutlich:
  1. Es fehlen prinzipiell nicht nur die römischen Straßen, sondern auch die großen keltischen Oppida, überhaupt Bergsiedlungen mit diesen in Süddeutschland so typischen fast parallelen Terrassenanlagen. Je nördlicher, desto weniger! Die Schanzberge hier scheinen durchweg nur einen Ring mit versteilten Abhängen zu besitzen.
    Selten in Mitteldeutschland: Terrassen am mutmaßlichen
    Siedlungshügel Schwellenberg bei Erfurt, noch dazu 
    Richtung Norden
  2. Die Flurnamen deuten darauf hin, dass es schon gleich nach 531 einen fränkischen Vorstoß über die Saale hinaus Richtung Osten gegeben haben könnte.
  3. Trotz der vielen slawischen Siedlungen später fehlt deren räumlicher und strategischer Bezug zu den Wasserscheidenwegen. Diese müssen also älter sein. Die Slawenburgen scheinen generell im Zusammenhang mit Fluss- oder Sumpfquerungen gestanden zu haben und tangieren ausschließlich mittelalterliche Altstraßen. 
  4. Auch die Lücken im archäologischen Fundaufkommen scheinen anderen Krisenszenarien zu folgen als in Süddeutschland. Die Ebenen und Gebirgsränder müssen zu unterschiedlichen Zeiten genutzt worden sein. Die Wissenschaft liefert hier sehr widersprüchliche Aussagen über Zeiten, Ursachen und Wirkungen.
  5. Auch die ringförmigen Erdwerke aus dem Neolithikum scheinen mehrfach neu aufgebaut worden zu sein. Theorien von der wiederholten rituellen „Kies- und Erdverfüllung der umgebenden Gräben“ überzeugen kaum. Diese scheinen viel mehr aus Überflutungen der Flussauen herzurühren, denn dort standen die meisten Kreisanlagen (hervorragend dokumentiert in Pömmelte). 
Trotzdem sind die trockenen Trassen zwischen den einzelnen Anlagen fast durchgehend gut nachzuverfolgen. 

Erkenntnisse
Das Tal von Gera als günstige Verbindung zwischen
zwei Wasserscheidenwegen

Wenn sich später mittelalterliche Altstraßen zwischen den Quellen hindurchschlängeln, verbinden sie dann bereits die großen Citys. Aber diese historisch erfolgreichen Kommunen scheinen immer aus Furten entstanden zu sein, die sich bei einer geografisch günstigen Verbindung zwischen den Wasserscheiden zwangsläufig ergeben mussten: Halle - mit Salzabbau und -verteilung bestimmt ab 800 v. Chr., Leipzig - als südlichster Zipfel der norddeutschen Tiefebene und Drehkreuz am Zusammenfluss von Weißer Elster, Parthe und Pleiße, dann Dresden und Wittenberg - als wichtigste Furten auf dem Weg in den Osten, Chemnitz und Freiberg - an den einzig wasserscheidenden Salzstraßen nach Böhmen, Erfurt - im Zentrum einer fast immer gedeihlichen Landwirtschaft, Gera, Greiz - an den Fernwegen zum Mittelmeer, Plaue und Zwickau - an der späteren Via Imperii, Merseburg, Magdeburg dann auf den Heerstraßen deutscher Könige. Auch im Raum Berlin zeigen sich die ersten Siedlungen auf den Höhenplateaus von Teltow und Barnim, bevor die Metropole dazwischen entstehen konnte. Mehr noch: Die Größe der Städte an den Furten scheinen mit der Anzahl der "auflaufenden" Wasserscheiden zu korrelieren.
Außerhalb solcher bedeutenden Furten scheinen sich allmählich Abkürzungen zwischen den Wasserscheiden entwickelt zu haben (hier Verbinder genannt). Diese waren dann durch Burgen gesichert, die mindestens auf frühmittelalterliche Befestigungen zurückzuführen sind (wie an der Zwickauer Mulde durch Coldiz, Rochlitz, Wechselburg und Rochsburg). Sie müssen also nicht zu Sicherung des Tales, sondern der Furt gebaut worden sein. Auf diesen Verbindungslinien zwischen den Wasserscheiden finden sich dann nicht nur zwangsläufig mehrere Furten, sondern auch verstärkt Hohlwege zu den Höhen, wie im Osten von Chemnitz oder am Harzrand westlich von Halle. Sie resultieren sicher mehrheitlich aus der schier exponentiellen Verkehrsentwicklung im Mittelalter. Klar, dass es in der Karte auch Ungereimtheiten gibt, wie den mit Terrassen und Hohlwegen gespickten Höhenweg zwischen Augustusburg und Marienberg, der weiter südlich ins Nirvana führt.
Überall Menhire als Wegweiser
Hingewiesen sei noch auf die meist überdurchschnittliche Sicherung der Wegeknoten, an denen sich die Wasserscheiden trafen. Die Marken, Menhire und Steinkreuze an solchen Punkten unterstreichen das strategische System, wie zwischen Bad Lausick und Colditz, Naundorf und Dorfhain, westlich von Ablaß und südlich von Jüterbog: Sie weisen ausnahmslos genau auf die ja eigentlich theoretisch angelegten Wegelinien hin und erklären ihren ureigenen Zweck!
Diese Untersuchung hier liefert auch interessante Nebenprodukte: 
  1. Der Nachweis einer ewig diskutierten fränkisch belegten Trasse von Leipzig nach Frankfurt an der Oder mit ihren mutmaßlichen Furten.
  2. Die vier sicher ältesten Salzstraßen von Halle nach Böhmen, weil nur sie ausschließlich auf Wasserscheiden verkehrten.
    Wasserscheidenknotenpunkt bei Oehna
  3. Warum die Hauptverbindungen in den Osten früher über Berlin und Dresden verlaufen mussten: Dazwischen gibt es keine entsprechenden Wasserscheiden und wahrscheinlich war die Gegend bis ins Frühmittelalter stark versumpft (Spreewald).
  4. Der Übergang der Via Imperii und ihrer Vorgänger vom Süden ins Mitteldeutsche Becken scheint über den Frankenwald logisch, weil das die einfachste Passage zwischen Schiefer- und Fichtelgebirge war.
  5. Auch der komplizierte Einstieg der späteren Via Regia ins Erfurter Becken bei Eisenach wird zwingend, wenn man die Lage der frühen Zivilisationszentren an Oberrhein, Rhone und in Südfrankreich kennt.
  6. In der gut erforschten Altstraßenregion Thüringen bekamen plötzlich alle scheinbar „planlos in der Gegend herumstehenden“ Siedlungsverdachtsplätze einen Sinn, weil sie sich eben an den Wasserscheiden orientierten und nicht an den mittelalterlichen Straßen.
    Es gibt noch viel zu erforschen: Willkürliche 
    Verbindung von Menhiren
  7. Die meisten dieser bekannten Altstraßen scheinen auf parallel verlaufenden Bergrücken nebenan Ausweich- oder Vorgängervarianten besessen zu haben.
Anhand der begleitenden Artefakte lässt sich auch schlussfolgern, wie stark die jeweilige Wasserscheide frequentiert wurde. Manche kaum, wie zwischen Schkeuditz und Roßlau, andere heftig, wie von der Schmücke auf dem Rennsteig nach Halle oder von Leipzig nach Frankfurt/ Oder. Ebenso liefern die Wasserscheidenwege diskutable Varianten vergessener Teilstücke bekannter Altstraßen, wie die der Via Regia von Erfurt nach Leipzig. Die spannendste Stelle der Karte findet sich übrigens im Dreieck von Böhlen, Sermuth und Tschadraß (Von Trasse?). Hier werden nicht nur alle Hypothesen des Posts bestätigt, sie liegt auch etwa im Zentrum des Betrachungsraumes, als an ein Leipzig noch gar nicht zu denken war.

Fazit:

Wie ganz Europa scheint auch das relativ flache Mitteldeutschland von einem urzeitlichen Fernwegenetz durchzogen worden zu sein, dass sich vorrangig an den Wasserscheiden orientierte. Indizien liefern die archäologischen Reise- und Siedlungsfunde an der Strecke, beziehungsvolle Flurnamen und die auch später teilweise auf ihnen verlaufenden bekannten Altstraßen aus dem Mittelalter. Diese hohe Konzentration der Relikte gibt es nur entlang der Wasserscheiden und ab dem Frühmittelalter an günstigen Verbindungen zwischen ihnen.
Keltenerlebnisweg: Bayern als Vorbild in der Urwegeforschung
In diesen Höhenwegen spiegelt sich die früheste Geschichte unserer Heimat wider. Diese gab auch die Intensität ihrer Nutzung vor. Neben den römischen und keltischen scheinen auch die slawischen Elemente bei den begleitenden Relikten völlig zu fehlen. Die Prinzipien, nach denen Menschen in vorschriftlicher Zeit unterwegs waren, sind aus der Altwegeforschung hinlänglich bekannt. Gerade die tausendfache Wiederholung der begleitenden Flurnamen erzeugt eine hohe Wahrscheinlichkeit bei der Spurensuche. Dadurch könnte dieser Ansatz hier über die Wasserscheiden zu einem brauchbaren Hilfsmittel in der Urwegeforschung avancieren. Auch wenn die zuständigen Landesämter für Denkmalschutz nicht alle Daten darüber herausgeben – die Bewegungsmuster lassen sich im internetgestützten Bayernatlas überprüft (Seite dort unter Denkmale). Die begleitenden Geländebezeichnungen, Sicherungs- und Versorgungsstationen sowie Wegestrukturen sind nämlich überall im deutschsprachigen Raum gleich. Vergleicht man die nach dem Wasserscheidenprinzip gemutmaßten Urwege mit den wenigen, die über das Urkunden-Artefakt-Prinzip erkannt wurden, kommen identische Ergebnisse heraus. 
Ganz sicher habe ich nicht alle gefunden. Jedes Mal, wenn ich die Gegend bereise oder meine Karten überprüfe, finde ich neue. Vielleicht verstehen das manche Leser als Angebot für eigene Forschungen.

4 Kommentare:

  1. Kommentar von B. Bahn mit Genehmigung veröffentlicht:

    Sehr geehrter Herr Heß,

    nachdem ich versucht habe, Ihre umfangreichen Ausführungen zu verstehen und Zusammenhänge zu erkennen, muss ich Ihnen sagen, dass mir Ihre Vorgehensweise nicht recht verständlich wird. Sie ersehen gewiss aus der angegebenen Literatur (englisch References), dass methodisch sauberes Vorgehen bei Forschungen nur möglich ist, wenn zunächst die einzelnen Wissenschaftsgebiete getrennt bearbeitet werden. Wo und wann dann ein interdisziplinäres Zusammenführen und verbindendes Auswerten möglich ist, muss danach entschieden werden. Deshalb vermisse ich insgesamt die von Ihnen verfolgte methodische Grundlinie, die mir in all der Fülle angeführter Fakten nicht erkennbar zu werden scheint. Hier kann man nur sagen: Weniger ist mehr. Im Übrigen raten wir alle davon ab, sogenannte Urstraßen im Gelände direkt festlegen zu wollen. Das wurde schon im 19. Jh. vergeblich versucht. Und schließlich gehen wir noch für das Hochmittelalter von mehreren Varianten einer Hauptrichtung aus, die sich innerhalb eines geographisch geeigneten Korridors verteilen können, aber auch dann noch nur in seltenen Fällen exakt auf eine Linie festgelegt werden können.
    Ich hoffe, Sie mit meiner Stellungnahme nicht allzu sehr zu enttäuschen. Vielleicht konsultieren Sie einzelne Fachkollegen zu den jeweiligen Spezialgebieten, bevor eine solche Fülle von Einzelheiten einfach zusammengemischt wird, womit keine klare Aussage zu erzielen ist.

    Mit freundlichem Gruß
    Bernd W. Bahn

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  2. Wirklich Danke Herr Bahn,
    für Ihre maßgebliche Einschätzung. Ich bin nicht enttäuscht und habe ähnliches erwartet. Schade nur, dass ich mich nicht verständlicher ausdrücken konnte. Beispiel Wegelinien: Natürlich meine ich dasselbe wie Sie, nur bei mir sind die geeigneten Korridore eben die sinnfällig verknüpften Teile von Wasserscheiden. Ihr „Weniger ist mehr“ stellt sich wahrscheinlich als Knackpunkt des Themas heraus. Auch gilt bei mir immer das Primat von Archäologie und Experten. Nur glaube ich eben, dass die Muster, die Sie an der Kupferstraße und andere am Keltenerlebnisweg oder an der Heidenstraße gezeigt haben, auch für viele andere prähistorische Altstraßen gelten, und das ist die Orientierung an Wasserscheide, Furt, Hohlweg, Flurname und Höhensiedlung. Aber vielleicht interpretiere ich das alles nur falsch.
    Ich kann bloß ihrem Prinzip nicht folgen, erst fachspezifisch zu forschen, dann interdisziplinär zusammenzuführen. Auch wenn das vielleicht unter Gelehrten anerkannt ist, glaube ich, dass beides parallel passieren muss.
    Ich werde Ihre Kritik also nutzen, um weiter an dem Thema zu arbeiten.
    Sorry, für die Mühe, die ich Ihnen bereitet habe.
    Mit freundlichen Grüßen, Achim Heß

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  3. Hallo Herr Hess,
    Als Laie interessiert daran, mehr über das Thema Altwege im mittleren Thüringen zu erfahren, waren Fütterer und Deneke durchaus hilfreich, am meisten brachte mich Köhler weiter. Aber auch nur bis zu einem bestimmten Punkt.
    Den Zusammenhang, den er zwischen Siedlungen, Gräberfeldern, Befestigungsanlagen... herstellte und mit Altwegen verband, unterstreicht seinen methodischen Ansatz. Hinzu war/ist Köhler ja auch sehr stark im Gelände unterwegs. Was mir aber fehlt, ist, dass er wissenschaftlich exakt beweist, und darüber hinaus im Konjunktiv spricht, ohne darzustellen, wie er zu diesem Denkansatz kommt. Denn dies wäre ja unwissenschaftlich...
    Und gerade diese übergreifende Sicht auf das Thema ist, was mir an Ihren Ausführungen imponiert: es ist ein ganzheitlicherer Ansatz als in zahlreichen Monographien.
    Ja, es waren solche scheinbar banalen Fragen nach Wegestrecke am Tag, dem Erfordernis des Nächtigen, dem Erfordernis von Tierfutter, der notwendigen Orientierung etc., wo Sie Hinweise geben, ...
    Und das hilft weiter.
    Ja, Herr Bahn hat mit vielem Recht, aber Ihren (für mich einzig möglich erfolgversprechenden) interaktiven Ansatz als Ausgangspunkt einer Betrachtung, die nicht oder nur gering durch Primärquellen abgedeckt ist,
    Ja diesen Ansatz hätte Herr Bahn durchaus angemessen würdigen können, bevor man sich, weiter "linear" fortbewegen...
    Zunehmend mehr entsteht bei komplexen Fragestellungen das zwingende Erfordernis interdisziplinären Interagierens, warum sollte dies gerade hier unmöglich sein, es braucht nur die Einordnung verschiedener Köpfe,aber: geht das?

    Ich schätze die Dissertation von Fütterer, fand seine ottonische Wegeführung um den Harzraum stark, aber den Aspekt der Harzquerung zu jener Zeit (auf die er explizit vorab verwies) als sehr gering untersetzt (falls ich dies nicht falsch gelesen habe).
    Ja, denn die Primärquellenlage gibt nichts anderes her: Stehenbleiben oder Interagieren? Natürlich nicht im Rahmen dieser Dissertation!

    Und da ist Ihr Ansatz weiterführender.

    In diesem Sinn Ihnen danke für eine etwas andere, breitere, dafür erhellendere und inspirierendere Info.quelle.

    Danke

    Uwe Chiarcos

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  4. Sehr geehrter Herr Chiarcos,
    Danke für die Einschätzung, das muss der Ingenieur in mir sein, der immer nach Mustern und Querverbindungen sucht. Leider reicht das nicht aus, um die Fachleute zu überzeugen. Aus der von Ihnen beschriebenen Misere können wir nur herauskommen, wenn mehr Mittel für archäologische Grabungen und Austausch bereit gestellt, die Landesarchäologen unter einem bundesweiten Gremium zusammengeführt und eine europäische Vernetzung vorangetrieben würde. Gegen Lehrmeinungshörigkeit und Geschichtsignoranz ist sowieso kein Kraut gewachsen.
    MfG, Achim Heß

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