Montag, 10. Oktober 2016

Marodeurs und Deserteurs (von C.A.)



7 Nationen beim gegenseitigen Totschlagen
Der Siebenjährige Krieg (1756 – 1763) war bekanntlich auch mit Hilfe Suhler Gewehre für Friedrich den Großen günstig ausgefallen. Die Grafschaft Henneberg gehörte zu dieser Zeit zum Kurfüstentum Sachsen, das mit seinen Truppen auf Seiten Österreichs gegen Friedrich kämpfte. Nach Ende des Krieges machten abgedankte Soldaten, Deserteure und Marodeure auch die Straßen und Ortschaften Hennebergs unsicher. Die meisten führten, sehr zur Beuruhigung der Bevölkerung, ein regelrechtes Räuberleben.
Gegen diese Soldateska machte die Regierung nun mobil. Am 13. November 1763 verfügte die Schleusinger Ober-Aufsicht „Zur Arretierung der Marodeurs und anderem liederlichen Gesindels werden Schutz-Patrouillen nach Frauenwald, Eichenberg und Neudambach gelegt.“
Zersplittertes Deutschland
Nach Frauenwald kamen 4 Mann von der Kavallerie, die auch die Sächsische Postkutsche von Steinbach bis Frauenwald zu begleiten hatten. Je 1 Gefreiter und 3 Mann Musketiere kamen nach Eichenberg und Neudambach. Nach Suhl werden abkommandiert: 1 Korporal und 6 Mann, in die Ämter Kühndorf und Benshausen je 2 Korporale und 12 Mann. Sie bekommen den Auftrag „fleißig zu patrouillieren und dabei herum streifende Deserteure und abgedankte Soldaten aufspüren, das Gesindel eventuell zu arretieren und in die Ämter einzuliefern.“
Die nach Suhl abkommandierten 7 Mann sollen die „in die äußersten Häuser, nach dem „Fröhlichen Mann“ zu, einquartiert werden.“ Später kommen nach Suhl noch 2 Reiter, die mit der Infanterie Hand in Hand arbeiten sollen. Der Amtmann zu Kühndorf, Bleymüller, gibt an die dort stationierten Soldaten folgenden Anweisungen heraus: „Die Sicherheits-Patrouillen haben täglich auszugehen und abzuwechseln:

  1. gehet die Patrouille von den Infanterie und 1 Unter-Offizier auf der Meininger Landstraße, wo solche in die Rohrer Landstraße einfällt, visitieret die Dorfwacht zu Rohr, gehet sodann auf die Landstraße durch den Hölschberg bei Kloster Rohr vorbei bis nach Eichenberg, nimmt den Rückweg von Eichenberg auf Mäbendorf oder Wichtshausen, visitieret die Dorf-Wachten im Grund und kommt zu Kühndorf wiederum an.
  2. die 2te Patrouille wird von den beiden „Cuirasiers“ wechselweise verrichtet, durch Schwarza auf Ebertshausen, Benshausen bis an die Landstraße bei Mehlis, von der schlägt sich die Patrouille von der Straße ab, gehet durch die Waldung auf Viernau, visitiert überall die Dorf-Wachten und nimmt den Rückweg durch Schwarza auf den Köhler
  3. gehet die Patrouille wechselweise von hier aus gegen Utendorf auf Christes, visitieret die Mezel'ser Landstraße hinter dem Dolmar und nimmt den Rückweg durch Schwarza.
  4. die Patrouille gehet von hier aus auf den Köhler über den Lammers bis auf den Aschenhof und nimmt den Rückweg über Mäbendorf, Dietzhausen, Wichtshausen und Dillstädt, visitieret allenthalben die Dorfwachten und wenn sich die bestellten Wächter nicht antreffen lassen, so muß jeder 1 Gulden zur Strafe der Patrouille erlegen, oder wird mit anhero gebracht.
Dorfleben 18. Jhd.
Diese vier Touren der Patrouillen werden täglich wechselweise von der Infanterie und Kavallerie verrichtet, auch keine gewisse Zeit und Stunde gehalten, sondern hierunter das Ausgehen und Ankommen verändert.
Wenn die Patrouille in den Ortschaften eintrifft, so muß jeder Schultheiß, wann und wie die Patrouillen ankommen, zur Legitimation ein paar Zeilen erteilen, welche der Unteroffizier bei dem Rapport einreichet.

Amt Kühndorf, den 15. November 1763
gez. Bleymüller

Hier einige Bescheinigungen von Dorfschulzen in Original-Orthographie:

Dietzhausen: „Daß der Herr Corporal Funk heute Abend 12 Uhr mit seiner Mannschaft hier gewesen, alles visitieret und nichts Verdächtiges angetroffen, wird hierdurch mit Grund der Wahrheit attestieret.“
Eichenberg: „Hir mit Attestire ich das der Corporal F Mid 6 Mann Hier Her Batrolirt Had Nach Eigen Borch (Eichenberg) ist Kommen den 16. Martz um Ein ur Had Nitz Pasirt.“
Dillstedt „Heute dato den 17. Mertz sind Zwei reuter hier Patroliren gewesen, welches ich hiermit attestiere.“
Aschenhof: „ich Endunterschriebener bescheinige, daß heite um 10 uhr zwei reitter hier gewesen und Weitter nichst basieret ist.“
Rohr (Rohra): „Daß der Herr Corporal F. Mit seiner Mannschaft heute den 16. Märtz früh 6 uhr Hier eingetroffen und solche ihre patrouille Verrichtet und nicht verdächtiges angetroffen, solches wird ihnen hiermit Attestieret.“
Propagandiertes Heldentum
Christes: Daß der Corporal Mit 6 Man um 1 uhr allhier in Christes angekommen Zur batrol. (Patrouille), Hätte aber nichts an droffen, sein von Utendorf auf der Mezel'schen Straße her Kommen.“

Ob diese Patrouillen zur Beruhigung der Bevölkerung beigetragen haben ???

Quelle: Nach Akten des Staats-Archivs Magdeburg