Dienstag, 23. Juni 2015

Die Straße über den Wald: Aus der Geschichte der sog. Frauenstraße (Von C.A.)

Unter den Gebirgsübergängen des Thüringer Waldes war im Mittelalter die Straße Ilmenau – Frauenwald – Unterneubrunn oder Frauenwald – Schleusingen über den Einfirst die bedeutendste. Sie verlief von Norden nach Süden und war ein Teil der Verbindung Hamburg – Erfurt – Nürnberg, die bei Neudietendorf die Ost – West-Verbindung Leipzig – Eisenach – Frankfurt schnitt. Frauenstraße bei Maps
Frauenwald heute
Aus dem schon in frühen Zeiten besiedelten Thüringer Becken kommend, erklomm der Urweg an der Stelle, an der später Ilmenau entstand, längs des Kickelhahns die Höhe zum heutigen Gasthaus „Zum Auerhahn“, wandte sich von da südlich zu dem „Marienhäuschen“ am Rennsteig, dann eine Weile gen Westen bis zu dem Punkt, wo das spätere Dörfchen Allzunah gegründet wurde, hinüber zur Kapelle mit einem unbestimmten Alter, dem späteren Frauenkloster „Zu den Frauen auf dem Wald und der noch späteren Ansiedlung Frauenwald.
Eine Wegestunde hinter Frauenwald, wo heute der fünfarmige Wegweiser steht, fand eine Dreiteilung der Straße statt: Geradeaus gings nach Hildburghausen, links ab nach Unterneubrunn, Eisfeld, Nürnberg und rechts ab auf der „Hohen Straße“ über den Einfirst hinunter nach Schleusingen- Meiningen oder aber Ehrenberg- Trostadt nach Königshofen- Würzburg.
Erst später legte man die Straßen von den Bergrücken in die Täler, die um diese Zeit meist noch versumpft waren und vielfach überschwemmt wurden. Man hatte keine Veranlassung, in das nasse und unwegsame Tal hinabzusteigen. Man blieb wie mit allen alten Handels- oder Heerstraßen, möglichst lange auf der trockenen Höhe, hier auf dem Rücken zwischen Nahe und Schleuse.
Die Frauenstraße ging ab 1542 ab Frauenwald nicht mehr nur über den Einfirst, sondern führte einen Kilometer unterhalb Frauenwald auf dem Rücken zwischen dem Querbach und einem Seitental des Fraubachs hinab ins Nahetal, das sie an der Querbachmündung oberhalb des 1406 erstmals erwähnten „Nuwedorff under den frauwen“, nach 1542 aber als "Neundorf under dem newen Wege“ genannte Schleusinger Neundorf erreichte.
Wie die Straßen im 17. Jh. beschaffen waren, lässt sich leicht denken. Vor allem Waldstraßen gaben Anlass zu Beschwerden, führte zu Klagen und Flüchen der Fuhrleute und Fuhrknechte. Zwar hatte die Obrigkeit, um Handel und Verkehr zu fördern, für die Frauenstraße sog.
Vormittags fuhren die Wagen bergauf bis auf die Höhe, nachmittags bergab ins Schleuse- oder Ilmtal. Wenn ein zweirädriger Planwagen stecken blieb oder ein Rad brach, gab es Stau und damit lange unfreiwillige Aufenthalte. Im Winter wurde der Verlauf des Weges durch lange Stangen gekennzeichnet. In Frauenwald (Ersterwähnung 1585), das auf der Höhe und etwa in der Mitte der langen Fahrstrecke lag, fanden Fuhrleute und Reisende Aufnahme im Gasthaus oder einer Herberge. Auch die dortigen Handwerker wie Stellmacher und Schmiede boten ihre Hilfe an. In der Kapelle konnten sie Gott danken, dass sie bis hierher ohne Schaden gekommen waren. Trugen sich doch schon zu Zeiten der Henneberger Grafen, entsprechen einem Bericht im Meininger Archiv, auch „raub, morderei und andere untaten uff dieser straßen zu, so daß graff Wilhelm und seine vorfahren den verbrechern nacheylen und so sie ergriffen auf dem walde an den straßen henken und uf das rad hat legen lassen.“
Ilmenau
Wege-Halter angestellt und auch Anlieger-Ortschaften mit Frondienste zur Instandhaltung bestimmter Wegstrecken verpflichtet, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass die Fahrwege, meist nur bessere Feldwege, in einem üblen Zustand blieben. Da sie sehr schmal waren und oft Hohlwege bildeten, war ein Ausweichen und Überholen unmöglich. So konnte der Verkehr immer nur in einer Richtung erfolgen. Vormittags fuhren die Wagen bergauf bis auf die Höhe, nachmittags bergab ins Schleuse- oder Ilmtal. Wenn ein zweirädriger Planwagen stecken blieb oder ein Rad brach, gab es Stau und damit lange unfreiwillige Aufenthalte. Im Winter wurde der Verlauf des Weges durch lange Stangen gekennzeichnet. In Frauenwald (Ersterwähnung 1585), das auf der Höhe und etwa in der Mitte der langen Fahrstrecke lag, fanden Fuhrleute und Reisende Aufnahme im Gasthaus oder einer Herberge. Auch die dortigen Handwerker wie Stellmacher und Schmiede boten ihre Hilfe an. In der Kapelle konnten sie Gott danken, dass sie bis hierher ohne Schaden gekommen waren. Trugen sich doch schon zu Zeiten der Henneberger Grafen, entsprechen einem Bericht im Meininger Archiv, auch „raub, morderei und andere untaten uff dieser straßen zu, so daß graff Wilhelm und seine vorfahren den verbrechern nacheylen und so sie ergriffen auf dem walde an den straßen henken und uf das rad hat legen lassen.“
Henneberger Residenz Schleusingen
Wie ja bekannt, gingen die Henneberger Grafen auch rigoros gegen das Raubrittertum vor. Vielfach begleiteten bewaffnete Reiter, die jedoch teuer zu stehen kamen, die Kaufleute durch den unsicheren Wald. Andere kauften sich vom Landesherrn Geleitbriefe, um unbehelligt reisen zu können. Aus Akten ist bekannt, dass die Straße besonders im 17. Jh. stark befahren worden sind, auch von den Wagen und Kutschen der Landesherren und Fürsten selbst. So reiste anno 1602 der Herzog Johann Casimir zu Sachsen- Coburg von seiner Residenz Coburg über den Thüringer Wald nach Schloss Reinhardsbrunn, um den Herzog Fr. Wilhelm von Altenburg zu besuchen. Am 26. Juni wurde der Fürst mit seinem Gefolge von 34 Personen und 20 Pferden in Frauenwald von dem Gastwirt Erhard Trenkler fürstlich bewirtet. Für das Abendbrot und den Morgenimbiss kamen allerlei Leckerbissen auf die herzogliche Tafel. Die Rechnung betrug, lt. den Unterlagen 13 Gulden. Für Getränke wurde noch mehr ausgegeben. 123 Maß Wein und 112 Maß Bier wurden in die durstigen Kehlen geschüttet. Dafür mussten dem Gastwirt 25 Gulden, 14 Groschen und 4 Pfennige bezahlt werden. (3 Gulden kostete damals ein Mastschwein). Kauf- und Fuhrleute, die aus den Weinanbaugebieten am Rhein und Main kamen, sorgten dafür, dass die Weinkeller der Gastwirte an der Straße immer wieder aufgefüllt wurden.
Zur Fürstenversammlung in Schleusingen im Jahr 1624, auf der der „Winterkönig“ Friedrich von der Pfalz abgesetzt wurde, benutzten die meisten Landesherren jenseits des Rennsteig die Frauenstraße, um an den Versammlungsort zu kommen. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) wurde die uralte Handelsstraße wieder einmal zur Heerstraße. Verbündete und feindliche Heerhaufen, meist verlottertes Gesindel, zogen mit Mann, Ross und Wagen über den strategisch so wichtigen Pass. Eisernes Klirren, Rattern, Trampeln, Peitschenknall und fremdländische Laute durchhalten den sonst so stillen Wald. Dieses Kriegsvolk hatte meist kein Geld, dafür aber immer einen hungrigen Magen und eine trockene, verstaubte Kehle. Sie sangen:
„Es leben die Soldaten!
Der Bauer gibt den Braten.
Der Gärtner gibt den Most,
das ist Soldatenkost.
Der Bürger muss uns backen,
den Adel muss man zwacken,
sein Knecht ist unser Knecht,
das ist Soldatenrecht.
In Wäldern gehen wir pirschen,
nach all den alten Hirschen
und bringen frank und frei
den Männern das Geweih!

Auch die armen Wälder mussten ihr Letztes hergeben. Um sich vollfressen und -saufen zu können, wurde ohne Scheu geraubt und geplündert. Der fremde Söldner setzte sich ins warme Nest. Sengen und Brennen folgte dem nutzlosen Widerstand. Im Jahr 1631 befand sich der kaiserliche General Altringer, der mit einem Heer von 16 000 Mann den Kaiserlichen Truppen in Sachsen zur Hilfe eilen wollte in Frauenwald. Als er von der Niederlage Tillys auf dem Breitenfeld erfuhr, musste sich Altringer notgedrungen zurückziehen.
Wutentbrannt wollte er die Stadt Schleusingen zur Plünderung und Einäscherung freigeben. Der Sächsische Vogt, Marschall von Herrengosserstedt, konnte das im letzten Augenblick verhindern. Als diese Gefahr vorbei war, kam der geschlagene Tilly mit seinen Truppen über die Frauenstraße hinterher. Er wurde gejagt von Gustav Adolf, der von Erfurt her nachrückte. Ende September 1631, über 3 Tage lang, wälzte sich die gewaltige Heeresmasse von Ilmenau über den Kamm des Thüringer Waldes. Schwere Kanonen, unhandliche Musketen, Zelt- und Vorratswagen waren zu transportieren und dazu waren Vorspanndienste nötig, die die umliegenden Dörfer zu leisten hatten. Es zerbrachen Munitionswagen und schwere Kanonen blieben in Sumpflöcher stecken. Nachts nagelte man Fackeln als Wegbeleuchtung an die Bäume. Bald wehte die blau-goldene Fahne der Schweden in Schleusingen. Mit Trommel- und Pfeifengetöhns wurde der „Löwe aus Mitternacht“ angekündigt. Auf stattlichem Schimmel, mit federgeschmücktem grauen Hut, ritt der König Gustav Adolf von der Frauenstraße kommend in Schleusingen ein. Wie überall wurde er von der evangelischen Bevölkerung freudig begrüßt. In den Kirchen betete man für ihn.
Der Schwedenkönig, in Begleitung des Gothaer Herzogs Ernst, schlug auf der Bertholdsburg für einige Tage sein Hauptquartier auf und empfing zwei Abgesandte von Wallenstein zu geheimen Verhandlungen. Vor seinem Weiterzug nach Franken stellte er Schleusingen einen Schutzbrief aus, der aber so gut wie keinen Wert hatte. 1632 zündeten verwilderte Kroaten unter Isolani auch in Schleusingen verschiedene Häuser an und wüteten in der Unterstadt. In den Jahren 1632 und 1634 war das Gebiet südlich des Thüringer Waldes der Schauplatz schlimmster Kriegsgräuel. Durchzüge, Einquartierungen und Plünderungen saugten das Land und Volk restlos aus. Unmenschliche Quälereien wurden verübt und meist war die Frauenstraße für die Söldnertruppen der Hauptübergang über den Thüringer Wald. Schließlich versuchte man die Straße mit einem Verhau ( „geknicke und gehecke“) unpassierbar zu machen, was aber nur für eine kurze Zeit gelang.
Im Herbst 1632 belagerte der kaiserliche General Wallenstein vergeblich die Veste Coburg. Sein Kriegsplan, den Pass über den Thüringer Wald auf der Frauenstraße zu erzwingen, um sich mit dem Reiterführer General Pappenheim in Thüringen zu vereinen, war dadurch zunichte gemacht. Er bog nach Osten ab um durch die Saalepforte ins kursächsische Gebiet einzufallen. In Eilmärschen folgte das Schwedenheer aus Franken heraus über Königshofen - Schleusingen und die Frauenstraße nach Erfurt. Hier traf Gustav Adolf noch einmal seine Frau, die ihn mit Todesahnungen das Herz schwer machte. Wenige Tage später kam es zur Schlacht bei Lützen (25 km westlich von Leipzig). Hier fiel Gustav Adolf und Bernhard von Sachsen-Weimar übernahm den Befehl über das Heer und besiegte die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein und Pappenheim. Allerdings blieb Bernhard, im Gegensatz zu Gustav Adolf, in späteren Kämpfen nicht immer der Sieger. So flüchtete er schon im Jahr 1634 nach der verlorengegangenen Schlacht bei Nördlingen nach Erfurt. Er kam mit seiner Truppe über Königshofen - Themar, versuchte hier neue Söldner auszuheben und musste Hals über Kopf nach Suhl in die Wälder ausweichen.
Der Kroatengeneral Isolani war ihm auf den Fersen. Nach einer wilden Hetzjagd bis nach Frauenwald entkam Bernhard dann im dichten Oberhofer Wald und benutzte wahrscheinlich nicht die Frauenstraße, sondern den Oberhofer Pass und die dortige Straße nach Erfurt. Aus Wut ließ Isolani Suhl an allen Ecken anzünden. Auf dem Rückmarsch nach Themar brannten die Kroaten die Dörfchen Dreisbach und Keulrod nieder. In Themar kam es zu der verheerenden St. Gallusnacht (16. Oktober). Isolani hielt sich anschließend ein halbes Jahr in Schleusingen auf. Seine zügellosen Horden verübten in der Umgebung furchtbare Grausamkeiten, viele Wohnstätten wurden in Asche gelegt.
Die Frauenstraße
Auf der militärisch so wichtigen und bedeutenden Wald- und Frauenstraße marschierte dann auch der Große Kurfürst im Jahr 1674 mit seinem Heer gegen die Franzosen an den Rhein. Im Mai 1675 brachte er in Eilmärschen seine Soldaten auf demselben Weg über den Thüringer Wald zurück nach Brandenburg. Auf Veranlassung Frankreichs waren dort überraschend die mit ihnen verbündeten Schweden eingefallen. Sie wurden bei Fehrbellin geschlagen und nach Pommern zurück gejagt. Trotz des Sieges bei Fehrbellin musste der Große Kurfürst, der die Rückgewinnung von Pommern im Auge hatte, im Frieden von St. Germain-en-Laye auf Pommern verzichten. Es kam erst 1720 mit dem Frieden zu Stockholm, mit dem Schweden aufhörte eine Großmacht zu sein, zu Brandenburg.
Die Wald- oder Frauenstraße hat vor allem im 17. Jh. große Truppenmassen und berühmte Heerführer gesehen. Aber auch noch im 18. und 19. Jh bis zu den Befreiungskriegen war man auf diese Straße zur Überquerung des Thüringer Waldes mit großen Truppenmassen angewiesen. Es dauerte nicht lange bis auch der Handelsverkehr nach dem langen Krieg wieder richtig in Schwung kam. Bereits im 18. Jh. war Schleusingen ein nicht unbedeutender Verkehrsknotenpunkt mit Posthalterei und täglicher Brief- und Fahrpost in andere Städte.
Frauenwald 19. Jahrhundert
So unterhielt die „Kurfürstlich-Sächsische Post“ um 1749 eine regelmäßige Fahrpost von Erfurt über Ilmenau - Frauenwald - Schleusingen - Hildburghausen - Coburg - Nürnberg.
Die Frauenstraße wurde 1838/39 befestigt (chaussiert) und merklich verkürzt, indem eine direkte Verbindung von Schmiedefeld nach Stützerbach geschaffen wurde. Frauenwald und Allzunah blieben links liegen. Damit hatte die alte Straße von Frauenwald über den Einfürst nach Schleusingen ausgedient und von Schleusingen nach Hinternah und Schleusinger Neundorf – Schmiedefeld über den Rennsteig nach Stützerbach – Ilmenau gab es nun eine Chaussee. Sie wurde in den 1920-er Jahren geteert und firmiert heute als Teil der Bundesstraße 4 (B4).

Quelle: Literarische Veröffentlichungen/Henneberger Heimatblätter