Sonntag, 21. April 2019

Schloss Kühndorf (von C. A.)


Das Schloss ist eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Ortschaft Kühndorf. Es wurde zwischen 1290 und 1315 erbaut. Die Herren von Kühndorf waren es, ein Rittergeschlecht mit hohem Ansehen, die in der Burg lebten und Vasallen der Grafen von Henneberg waren. Der letzte dieses Stammes, Otto von Kühndorf, verkaufte 1316 die Burg samt Nebengelass und den umfangreichen Grundbesitz, an den Johanniterorden, der die Burg weiter ausbaute und zum Sitz einer Komturei (Verwaltungsbezirk) machte. Kühndorf war neben Schleusingen eine der 7 Niederlassungen des Johanniterordens in Franken. Es waren vor allem die Beziehungen der Johanniter zu den Grafen von Henneberg, aus deren Familien mehrere führende Ordensleute stammten, dass der Orden südlich des Thüringer Waldes am Ausgang des 13. Jhd. Fuß fassen konnte. 1290/91 erfolgte die Gründung der Komturei Schleusingen, wenig später um 1316 Kühndorf. Heute ist das Schloss die einzige erhaltene Johanniter Ordensburg, die in Mitteldeutschland steht. Die Henneberger Grafen, Förderer des Johanniter–Ordens, ließen u.a. auch die Burg von 1435 bis 1449 weiter ausbauen.

Mit der Reformation, die in der Grafschaft Henneberg – Schleusingen 1545 durchgeführt wurde, begann für den Orden und dessen Komtureien im deutschsprachigen Raum ein Überlebenskampf. Für die Landesfürsten, die sich der Reformation anschlossen, war die Gelegenheit günstig, sich den Besitz des Ordens anzueignen. Viele der Kommenden kamen in fürstliche Verwaltung und wurden staatliche Domänen, andere wurden von den Fürsten verpachtet. Den Brüdern des Ordens blieb es überlassen, ob sie sich der Lutherischen Lehre anschließen oder beim Katholischen Glauben verbleiben wollten. Das deutsche Großpriorat trat schließlich geschlossen zum Protestantismus über, aus dem später der evangelische Johanniterorden hervorgegangen ist.
Das Ordensschloss der Johanniter in Kühndorf mit seinen umfangreichen Besitzungen kam in die Hände der Grafen von Henneberg -Schleusingen, die 1583 hier ein neugeschaffenes Amt Kühndorf einrichteten, das auch unter der sächsischen Verwaltung bis 1815 bestand. Das Schloss war Sitz der Amtsverwaltung und des Amtsgerichts. Hier fanden unter anderem auch die im Amt Kühndorf geführten Hexenprozesse statt. Am 28. Juni 1660 wurde eine Utendorfer Frau als letzte Hexe verbrannt und ihre Asche am Dolmar in alle Winde zerstreut. Im Kühndorfer Schloss hatte man sie vorher grausam gefoltert und nach ihrem Geständnis den Prozess gemacht.
Unter Preußen wurden dann 1816 die Ämter Schleusingen, Suhl, Kühndorf und Benshausen zum preußischen Kreis Schleusingen zusammengeschlossen. Die Ländereien der früheren Johanniter wurden eine staatliche Domäne, deren Verwaltung im Schloss untergebracht war. 1902 begann man die Ländereien an Bauern der umliegenden Dörfer zu verkaufen. Auch das Schloss wurde an den Rittmeister Sigmund aus Berlin und Johann Michael Keßler für 3000 Goldmark verkauft. 1920 erwarb Herr Dr. Treubel aus Jena das Schloss.
Er sammelte alte Waffen und Möbel und richtete neben einer kompletten Wohnung ein Museum ein. Im ersten Stockwerk des Südflügels wurde eine Gaststätte betrieben. Bei diesen Umbauten wurden auch viele bedeutsame Veränderungen an der Burg vorgenommen.
Ab 1945 war die Gemeinde Kühndorf Rechtsträger des Schlosses. Ins Dorf kamen damals auch viele Umsiedler aus den Ostgebieten. Allein 25 Familien waren über Jahre im Schloss untergebracht. Ab 1968 begann der örtliche Kulturbund mit der Renovierung des Schlosses. Es entstanden eine Küche und ein Kulturraum. Beide sind auch für die Schulspeisung genutzt worden.
Nach der Wende im August 1990 begann man mit Unterstützung der Denkmalpflege das gesamte Dach zu erneuern, aber schon am 16.12.1991 verkaufte die Gemeinde das Schloss, so dass es jetzt in Privatbesitz ist. Die neuen Besitzer nutzen die ehemalige Johanniter- Ordensburg als Wohngebäude, stellen aber die Schlossanlage und auch bestimmte Räumlichkeiten als Museum und Kulturzentrum sowie als Touristenattraktion zur Verfügung.

Quelle: Henneberger Heimatblätter
Veröffentlichungen im FW
Für weitere Informationen zur aktuellen Öffentlichkeitsarbeit siehe: johanniterburg.de

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