Dienstag, 9. Mai 2017

Die Hohe Geba - ein Keltensitz?

von Achim Heß und Gerhard Fleischmann, 9. Mai 2017

Der Gebaberg in der Rhön
Die Rhöndörfer Ober- und Unterkatz wollen 2024 das 1150. Jubiläum ihrer Ersterwähnung feiern. Das jedenfalls impliziert die Fuldaer Schenkungsurkunde einer ‚Gräfin’ Cunihilt aus dem Jahr 874, die mit dem Siedlungsort „Kazaha“ einen gemeinsamen Ursprung vermuten lässt. Wir möchten den beiden Gemeinden vorschlagen, mindestens 3000 Jahre drauf zu schlagen. Denn die Steingräber auf dem Wünschberg nebenan stammen ja nachgewiesenermaßen aus der Bronzezeit (2200-800 v.Chr.). Krönung der Siedlungstätigkeit in der Frühzeit aber muss eine Befestigung auf der Hohen Geba gewesen sein, vielleicht von 1200 bis 100 vor der Zeitrechnung. Natürlich haben wir dafür weder archäologische noch schriftliche Beweise. Aber es gibt 14 wissenschaftlich ansetzbare Indizien dafür und die Frage müsste eigentlich lauten:  Wieso sollte da keine Keltensiedlung gestanden haben?
1.     Das Gebiet um den Gebaberg strotzt nur so von bekannten archäologischen Hinterlassenschaften. Bereits Ludwig Bechstein ließ 1837 hier erfolgreich graben. 1909 konnte Alfred Götze in seinen „Vor- und frühgeschichtlichen Altertümern Thüringens“ schon Dutzende Funde von hier auflisten. Leider haben die Archäologen vor 180 Jahren noch nicht so großen Wert auf ihre Dokumentationen gelegt. Viel bleibt da noch im Unklaren. Noch trauriger aber erscheint die Tatsache, dass sich seit dem diesbezüglich kaum etwas an der Geba getan hat. Schlussfolgerungen gibt es gar nicht. Da vorzeitliche Gräber aber immer in Sichtweite und nie weiter als eine Stunde Fußmarsch entfernt von einer dazugehörigen Siedlung gelegen haben, könnte es ein halbes Dutzend davon gegeben haben. Götze gibt folgende Funde an, denen ich in Klammern einen mutmaßlichen Wohnplatz anfüge:
Fiktive Kelten
-        Bettenhausen: ein Grab mit Bronzearmring, ein Grabhügel am Hutsberg mit „Asche-Urnen“, also aus der Urnenfelderzeit (1200 800 v. Chr.), dazu ein „Hexentanzplatz“ (Siedlung Neuenberg, Hutsberg, Roter Bühl)
-        Dörrensolz: 16 Grabhügel im Hainich, darunter ein reiches Bronzegrab, wieder zwei Brandgräber (wahrscheinlich Bildstein)
-        Herpf: im Eichig 5 Grabhügel aus der Urnenfelderzeit (Eichigkopf)
-        Oberkatz: ein Steinhügel auf dem Wünschberg mit einem Skelett, ein Grab mit Bronzenadeln und Eisenmesser, außerdem Armringe als Einzelfunde (Wünschberg)
-        Unterkatz: südlich des Dorfes ein Grabhügel mit wertvollem Bronzediadem, als Einzelfunde wieder Armringe, ein weiterer Grabhügel mit Bronzeringen und -fibeln (Steinberg über Wahns?)
-        Aschenhausen: 5 Hügelgräber aus der Bronzezeit, die geöffneten mit Skelett und einer Klinge, eventuell Urnennachbestattungen, auf dem Leichelberg ein Steinhügel mit immerhin 15 m Durchmesser (Diesburg)
-        Wohlmuthausen: keltische Gräber (Wallenberge)

Diese Artefakte sind in aller Welt verstreut oder verschollen. Die Gräber verschwinden nach und nach. Auf dem Köpfchen bei Unterkatz mit ehemals 16 Hügeln ist nur noch einer neben der Sandgrube da oben auszumachen. Peter und Ute Donat hatten 1963 schon große Probleme, die von Götze aufgelisteten Anlagen wieder ausfindig zu machen. Kathrin Ebner konnte in ihrer Dissertation 2001 nur noch die Quellen zu Rate ziehen.
2.     Obwohl in der Rhön jeder zweite Berg eine Keltensiedlung getragen haben könnte, häufen sich diese doch um den Gebaberg herum, ja sie scheinen ihn wie einen Ring umschlossen zu haben. Dazu müssen wir uns natürlich alle Dörfer in den Tälern wegdenken. Archäologisch nachgewiesen sind:
-        die Diesburg bei Oberkatz/Aschenhausen:  Steinwall aus der vorrömischen Eisenzeit
-        die Alte Mark bei Erbenhausen: keltischer Ringwall aus Trockenmauern, dazu Brandspuren
-        die Warte südlich von Bettenhausen mit Abschnittswall und typischen „Kirchberg“,
-        Schanzen auf dem Oberen Berg südlich von Melkers

3.    
Kompletter Abschnittswall an der Kleinen Geba
Doch auch das Geba-Massiv mit den direkt vorgelagerten Bergkuppen selbst scheint mindestens drei befestigte prähistorische Siedlungen getragen zu haben. Eindeutig ist noch heute ein langer Steinaufwurf zu erkennen, der die südlichste Nase der Kleinen Geba komplett absperrt.Er umschließt als Abschnittswall ein befestigtes Areal von etwa einem Hektar, das in seiner Fortführung noch als Schanzterrasse rundum erkennbar ist. Dazu ist der Wall höher als beispielsweise der um den Baier bei Dermbach und von der Verwitterung und Bemoosung her wahrscheinlich auch älter. Diese verfallene mutmaßliche ‚Trockenmauer’ (früher typisch mit hölzernem Fachwerk gestützt) scheint unter Heimatforschern bekannt zu sein und ich frage mich, warum so etwas nicht publiziert wird. 
4.     Die Hohe Geba wiederum strotzt nur so vor Siedlungszwängen, wie es die Archäologen nennen: Eine sichere Höhe, die geschützte landwirtschaftliche Nutzfläche, 6  Quellen direkt in den Höhenlagen, Fernsicht für den Kontakt mit den anderen nachgewiesenen Keltenwällen, besonders auf dem Dolmar, den Gleichbergen und denen auf der Hochrhön(Siehe auch Sage vom Riesen, der mit dem einen Bein auf dem Dolmar und dem anderen auf der Geba steht, Wucke, 1864).
Die größten Feldterrassen Europas an der Hohen Geba?
5.     Die gesamte Geba ist von riesigen Ackerterrassen umschlossen. Der typische Magerrasen deutet auf übermäßige Bewirtschaftung hin. Die Stufenwerke im Süden gehören zu den größten in ganz Europa. Agrarwissenschaftler legen solche Terrassen gerne ins krisenhafte 14. Jahrhundert, wohlwissend, dass es darüber nirgends irgendwelche Aufzeichnungen gibt. Außerdem: Welchen Sinn sollten sie für die mittelalterlichen Dörfer rund um die Geba machen? Dazu braucht man sich nur das begnadete Flächenangebot dort anschauen, die Möglichkeit ohne großen Aufwand zu meliorieren, die Versorgung einer Bauernfamilie mit einem Hufe annehmen (etwa 30 Morgen gleich 7,5 Hektar) und die hochmittelalterlichen Dörfer mit etwa 50-60 Familien ansetzen. Da musste sicher niemand irgendwelche Terrassenfelder in abschüssigen Höhenlagen anlegen. Die deuten hier eher auf den verzweifelten Schutz vor Erosionen hin, was bei Dauerregen unablässig ist. Dieser muss beim nachgewiesenen Klimakollaps in Europa nach 1200 v. Chr. aufgetreten sein, der zunächst die Urnenfelder-, dann die Hallstatt- und später die Latène-zeitlichen Kelten in starkem Maße beeinflusst hat (Siehe: „Late Bronze Age collapse” in der englisch sprachigen Wikipedia!). Die extrem aufwendigen Stufen an der Geba können nur von hunderten oder gar tausenden Menschen im Laufe von mehreren Jahrhunderten geschaffen worden sein.
Bitte "Groß" klicken
6.    Für die Hochfläche auf dem Gebaberg kommt nun eine sogenannte prähistorische  Doppelsiedlung in Frage (Siehe Karte!), wie auf der Ehrenbürg bei Forchheim, dem Dolmar, dem Staffelberg, den Gleichbergen, sowie beim Öchsen und Dietrichsberg nachgewiesen. Der eine Ort könnte auf der nordöstlichen Hochfläche (unter der ehemaligen russischen Radarstation (1960-90) gelegen haben. Dort ist das Gelände zwar bis zur Unkenntlichkeit deformiert, aber im Wald dahinter sind kleine künstliche Schanzterrassen zu erkennen. Außerdem umschließt eine fast durchgehende Hangkante das nördliche Plateau. Wichtigstes Indiz aber scheinen jene zwei zerstreuten Großsteingräber zu sein, die westlich davon auf der Wiese liegen. Nach den Mustern solcher Anlagen (Sichtweite, fußläufig leicht erreichbar) scheint eine Siedlung auf der Gebaspitze wahrscheinlich.
7.     Die zweite Befestigung muss auf dem südlichen Bergplateau gelegen haben, dass heute zur Hälfte von dem stillgelegten Steinbruch zerstört wurde. Dazu sollte man wissen, dass etwa 90 Prozent aller bestätigten frühzeitlichen Bergsiedlungen durch alte Steinbrüche „angeknappert“ wurden, wie beim Dolmar, den Gleichbergen, beim Öchsen, der Milseburg etc. Das macht ja auch Sinn für eine Siedlungsgeschichte,  bei der die hiesige Bevölkerung etwa ab dem Jahr 800  steinerne Häuser bauen wollte. Erst wurden die Trockenmauern abgetragen und dann Steinbrüche angelegt. Auf dem südwestlichen, unzerstörten Teil dieser Kuppe aber liegen künstliche Erd- und Steinwerke, wie sie für Siedlungen aus alter Zeit typisch waren (auf die Trockenmauern der kleinen Befestigung auf dem Neidhardskopf dort komme ich später zu sprechen):
Eine befestigte Siedlung auf dem Neidhardskopf?
-        Auf Luftbildern wie bei ‚Google-Earth’ ist eine umfassende ovale Struktur unter Einschluss des Steinbruchs zu erkennen. In der realen Flur wird diese Fläche als deutliche rundumführende Kante wahrgenommen. Auf diesem Areal wechseln ringförmig steinige Flächen mit solchen, die völlig von Bruchsteinen befreit wurden.
-        Die gesamte südliche Kante wird in einer Länge von 700 Metern von einem immer noch fast durchgehenden ehemaligen Steinwall geschützt, wie er für die so genannten Pfostenschlitzmauern der Kelten typisch ist.
Steinwall an der mutmaßlichen südlichen Geba-Siedlung
Diese ehemalige Trockenmauer scheint größtenteils bis auf das Fundament von den Steinbrucharbeitern abgeräumt, und an einigen Stellen zum Befestigen des parallel führenden Weges genutzt worden zu sein. Nur in der Mitte etwa, auf vielleicht 80 Metern, ist seine ehemalige Mächtigkeit noch voll zu erkennen. Allen Kritikern dieser These empfehle ich eine Begehung vor Ort. Diese Walllinie ist so vollkommen gerade, wie mit einem Lineal abgegrenzt, das Bruchsteinmaterial so homogen, dass Interpretationen als Lesesteinhaufen der alten Bauern oder Abfallhalden des Steinbruchs ausgeschlossen werden können.  

-     Selbiges bezieht sich auf die verdächtigen länglichen Steinhaufen mit im rechten Winkel liegenden kleinen ‚Rampen’ auf der äußersten südwestlichen Spitze dieses Areals. Für alte Grabhügel sind sie aber zu wenig bemoost bzw. abgedeckt.
Houbürg
-        Die geringe Mächtigkeit der ringförmigen Wallstrukturen nach Norden hin würde die Theorie der Doppelsiedlungen auf der Hochebene stützen. Immerhin muss der Boden unter einem möglichen Ringwall noch immer so steinig sein, dass spätere Bauern, auch mit moderner Technik, auf eine Bearbeitung verzichteten.
-       Die beiden Zugangstäler zur Hochfläche der Geba sind mit großen Wällen abgesperrt. Auf der Straße von Helmershausen zum Dorf Geba hoch erscheint am Waldrand links eine nicht natürliche Erhebung, die sich zunächst aus dem neuzeitlichen Straßendamm zu erklären scheint. Diese Aufschüttung mit Bruchsteinen zieht sich aber durch das ganze Tal und macht nur als frühzeitliche monströse Befestigung der gesamten Höhe einen Sinn. Damit ähnelt die Anlage der am keltischen Oppidum Houbürg bei Hersbruck (östl von Nürnberg), wo ein heute noch 10 m hoher Steinwall das Hauptzugangstal verbarrikadiert. Eine weitere adäquate Siedlungsstruktur kann man auf der Hochfläche im Dreieck von Erkenbrechtsweiler, Hochwang und Hohenneuffen erkennen. Auch dort sind die Zugänge mit Wällen und Gräben geschützt. Auch dort wurde eine der Höhensiedlungen durch einen Steinbruch zerstört. Die Einwohner von Geba, könnten so hypothetisch die Nachfahren der letzten Verteidiger da oben gewesen sein.  
8.     Folgt man den Mustern prähistorischer Siedlungen ergeben sich um die Geba herum weitere  potentielle Höhenbefestigungen:
Steinwall Wünschberg

-       Wünschberg oder Wunschberg (nach alten Flurkarten) über Oberkatz, vielleicht einer der schönsten bronzezeitlichen Siedlungsplätze nördlich der Alpen, sieht man vom beispielgebenden Ipf am Nördlinger Ries ab. Es müsste sich nur mal ein offizieller Archäologe daran machen. Denn die vollkommene Belegung des Wünschberges durch Trockenrasen weist auf eine jahrtausendelange landwirtschaftliche Nutzung hin. Neben den untersuchten Gräbern scheint es dort durchaus weitere vielversprechende Steinhügel zu geben. Der Name Wünschberg assoziiert eine ähnliche Interpretation wie bei den vielen „Questen“-Bergen (Anfrage, Begehr?) andernorts in Deutschland.
So könnten hier die später vorrückenden Germanen die Siedlungsorte der „verschwundenen“ Vorgänger angebetet haben.
Wünschberg Oberkatz
Die rundumführenden Terrassen am Hang scheinen erst nach 1200 v. Chr. hinzu gekommen zu sein. Deutlich zu erkennen aber ein breiter, fast steinloser Streifen, der diese Stufen dann wieder als Fläche durchbricht. An ihm zieht sich nicht nur ein großer Steinwall in die Höhe, sondern auch eine Rinne. Ein Hohlweg aber kann das nicht sein, denn die treten erst seit dem Mittelalter hervor. War das alles eine aufwendige Teilung des Berges zur seiner Befestigung? Typisch auch, dass die Grabhügel außerhalb des so entstandenen Siedlungsplatzes gelegen haben. Die „Löcher“ auf dessen Spitze scheinen aber erst von einem späteren Steinbruch herzurühren.
-        Eichigkopf zwischen Stepfershausen und Herpf, mit deutlich umfassenden Schanzkanten, die als Ackerterrassen keinen Sinn machen.
-        Der Bildstein über Dörrensolz mit drei übereinander liegenden Siedlungsflächen am Hang nebst Schanzen.
-     Auch die Hohe Löhr zwischen Geba und Diesburg zeigt einen 500 m langen Steinwall und Schanzkanten.
-        Der Leichelberg über Aschenhausen, nicht nur mit Gräbern sondern auch mit künstlicher Abflachung der Spitze, deutlichen Schanzen und Steinringen.
-        Die Wallenberge zwischen Wohlmuthausen und Helmershausen: Bis vor kurzem konnte man noch auf einer Version von Google Earth die Viereckschanze dort oben erkennen. Verdächtig auch die Steinringe im angrenzenden Wald.
-        Der Altenkopf nördlich von Oberkatz mit seinen umliegenden Terrassen.
-        Roter Bühl am Hutsberg südlich von Helmershausen mit deutlichen Schanzkanten.
-        Der Rote Haag östlich von Bettenhausen mit künstlicher Fläche und Schanzkanten.
-        Ebenso Kahler Berg und Hakenberg östlich von Herpf.
9.     Geologisch außergewöhnlich an der Geba sind die vorspringenden Felsnasen unterschiedlicher Größe. Auf den großen scheinen früher Bauern aktiv gewesen zu sein, von denen das Dorf Träbes übrig geblieben sein könnte. Auf manchen kleinen derartigen Hügeln fallen künstliche Aufschüttungen ins Auge, die anderenorts (Leubingen, Glauberg) große keltische Fürstengräber oder Kultplätze abgaben. Hier sind das:
-        Oelhaugk (Oelhaidle) über Dörrensolz
-        Großer und Kleiner Oelberg über Seeba
-        Steinhaug südlich vom Leichelberg
-        Ohberg nördlich von Schafhausen
-        Dazu kommen dutzende verwitterte Steinhügel, die kaum als Lesehaufen beim Feldbau, schon aber als zerstörte Hügelgräber durchgehen könnten. Beispiele finden sich auf der Kleinen Geba um das so genannte ‚Träbeser Loch’ oder auf dem Höhenzug zwischen Mehmels und Solz. Zwischen Solz und Stepfershausen liegen konzentriert so große flache Felsbrocken zwischen Feldrain und Wald herum, wie sie - rekonstruiert - jedem frühzeitlichen Fürsten zur Ehre gereicht hätten. In Norddeutschland werden solche Ensembles als Fürstengräber oder Dolmen gefeiert. Ob es noch alte Bauern gibt, die sich erinnern können, wann und von welcher Stelle die aus dem Feld gezogen worden sein müssen?

Menhir bei Bettenhausen
10.  Rund um die Geba sind mittelalterliche Altstraßen belegt, die - wie andernorts - schon in der Bronzezeit funktioniert haben könnten. Deren Kreuzungen wurden zu allen Zeiten mit aufwendigen Burgen gesichert, ihre Abzweige mit Menhiren angezeigt. Davon gibt es um die Geba herum nicht wenige.
-        im Süden führte der Rote Weg als Höhenstraße wahrscheinlich von Mainz bis ins Erfurter Becken (mit unterschiedlichen Bezeichnungen)
-        Eine Alternative scheint die Geba nördlich zwischen Oepfershausen und Wasungen umgangen zu haben. Das deuten zumindest die tiefen Hohlwege dort an.
-        Westlich tangierte die „Hohe Straße“ oder Salzstraße zwischen Würzburg und dem Thüringer Becken über Wünschberg und Hahnberg, die als Alte Weinstraße über den Hainich zur Heidenstraße weiterführt.
-        Östlich gab es mehrere Varianten der alten Weinstraße, die mit gleichen Intentionen unterwegs war.
11.  Wenn wir die Linguisten nach der Geba fragen, kommt es darauf an, ob wir an einen Keltisten oder Germanisten geraten. Die einen legen die „sinnfreien“ Eigennamen lange vor die Zeitrechnung, die anderen verlangen irgendeine Urkunde. Das macht die Deutung ideologisch und jeder kann sich etwas aussuchen. So sagen:
-        G. Jacob: Gewe = Öffnung, Schlund
-        Th. Haas: Gebal = Schädel
-        H. Bahlow: Geb = Sumpf
-        Kelt.-fränk. Dialekt: Gah = ??
 Für mich passt das alles nicht. Das Dorf Gebaha wird jedenfalls 1130 das erste mal urkundlich erwähnt. Interessant scheinen aber mehrere Flurnamen: Neben dem Katzengrund findet sich noch ein Katzenhang über Seeba. In Deutschland gibt es 9 „Katzen“-Orte. Dem gegenüber stehen aber mehrere Hundert entsprechende Flurnamen. Ich habe keine Ahnung, was sie bedeuten, aber das Wort taucht in der Altstraßenforschung immer dann auf, wenn prähistorische Liegenschaften ins Spiel kommen (genauso übrigens wie „Kalten“). Man findet dann Interpretationen wie:
-        cut  - Einschnitt, Rain, Übergang
-        coit - Wald
-        caid - Berg
-        katz – Gehege

Weitere Beispiele aus gälischer oder kymrischer Sprache nach dem Deutsch-Keltischen Wörterbuch von W. Obermüller von 1871 um die Geba wären:

-        Betten-(Hauenen) von Bi-dun = Kleiner Ort, oder von bedd - grab
-        Oil = Fels
-        Aschen-hausen = hohes Dorf
-        Dürrensolz = Wassersalz
-        Bildstein = steiler Fels
-        Hohe Löhr = von Lon - hoher Wohnort
-        Eichig von Achaihd = hohe Stadt mit Wall
-        Ohberg = Felsiger berg

Heimatforscher bieten überzeugende Alternativen an:

-        Bettenhausen von den Heiligen 3 Bethen
-        Bildstein nach den kelt. Götzen Biel
-        Dörrensolz =  sol = felsig ; dörr = klein, schwach, mager
-        Eichig = aigh = Ort auf Anhöhe
-         
Das könnte man fortführen. Typisch auch die Beispiele, wie nach der Christianisierung heidnische Symbolplätze von der Kirche vereinnahmt oder mit einem Fluch belegt wurden:

-        Hexentanzplatz am Hutsberg
-        die Teufelskanzel am Bildstein
-        Kilians-Kapelle auf dem Oelhaugk

12.  Deutlich fassbar sind auch die fränkischen Wachstationen, die die neuen Herren aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Eroberung des Thüringer Königreiches Mitte des 6. Jahrhunderts entlang ihrer Heer- und Handelsstraßen aufreihten. Dazu nutzten sie nur selten die großen frühzeitliche Befestigungen ihrer Vorgänger, denn es waren jeweils nur wenige Soldaten unterzubringen. Um die Geba herum scheinen besonders viele solcher Kleinkastelle gelegen zu haben, was die Frage aufwirft, vor wem man hier Angst hatte. Waren doch einige keltische oder germanische Alt-Siedler übrig geblieben? Beispiele wären wiederum:
-         Neidhardskopf neben unserer mutmaßlichen Keltensiedlung auf der Hohen Geba, mit deutlich sichtbaren Spuren von Trockenmauern, eines Walls, eines Turms und mehrerer Häuser.
-        Burgberg Oberkatz, mit seinem extrem tiefen Graben
-        Holmerswart nördlich vom Wünschberg.
-        Hutsberg, mit seiner später errichteten mächtigen Ruine.
-        Mühlberg über Solz, mit Schanzen und künstlichen Steinkonzentrationen. Viele der Bruchsteine dort sind an einer Seite geschwärzt, was einen Brandhorizont wahrscheinlich macht.

13.  Außer Katza, Herpf, Seeba, Weida und Solz müssen alle Orte im Umfeld der Geba aus fränkischen Siedlungen hervorgegangen sein. Das belegen die Namensendungen -heim und -hausen. Erst scheinen sich diese Frankendörfer auf Erhebungen im Tal Wehrtürme gebaut zu haben, die mit der Christianisierung ab dem 8. Jahrhundert in Kirchen mir Wehrmauern umgewandelt wurden. Dass sieht man an den alten Türmen mit „Schießscharten“, an die die Kirchenschiffe oft angesetzt wurden. Im 788 erstmals erwähnten Herpf soll es einmal drei frühmittelalterliche Burgstellen gegeben haben.
14.  Zum Abschluss noch ein weniger wissenschaftliches als originelles Indiz: In Oberkatz wird noch das heidnische Sonnenwendfest des Tanzbärs zelebriert. Es ähnelt stark dem Brauch der so genannten Herschekloße oder Hanswürste in einigen anderen Dörfern Südthüringens. Solche Traditionen scheinen aber nur in solchen Dörfern erhalten geblieben zu sein, die auch eine mutmaßliche oder nachgewiesene Keltensiedlung vorweisen können. Beispiele wären:
-        Jüchsen - Witterstadt
-        Schnett - Simmersberg
-        Unterweid - Staufelsberg
-        Schmalkalden - Questenberg
Fasst man die ganze Indizienliste nun zusammen, könnte folgender historischer Ablauf um und auf der Geba wahrscheinlich sein:
Untersuchtes Hügelgrab auf dem Wünschberg
-        Eventuell 3000 bis 1200 v. Chr.: weitläufige bronzezeitliche Besiedlung, der Mittelpunkt scheint auf dem Wünschberg gelegen zu haben. Typisch in jener Zeit waren Einzelgehöfte in der höhergelegenen Ebene mit gesicherten Zentren auf Bergen.
-        Ab 1200 v. Chr.: Klimakollaps und kultureller Umbruch, wie ihn Frank Falkenstein in seinem Buch „Eine Katastrophen-Theorie zum Beginn der Urnenfelderkultur“ beschreibt; der neue Siedlungs-Mittelpunkt „wanderte“ auf die Hohe Geba, die Terrassenfelder wurden angelegt. Damals gab es Masseneinwanderungen aus Westeuropa und auffällig viele Neugründungen von Wallanlagen.
-        Über Hallstatt- und Latènekultur entwickelten sich daraus die eisenzeitlichen Kelten, die ab 400 v. Chr. begannen, wahrscheinlich wieder klimabedingt, aber auch von Germanen und der römischen Expansion bedrängt, in den Süden abzuwandern.
-        Die ab 100 v. Chr. hier vordringenden Germanen scheinen Höhenzüge wie die Hohe Geba gemieden zu haben. Wahrscheinlich war es immer noch zu kalt und zu feucht. Außerdem lockte das Römische Reich mit Fußbodenheizung und Goldener Münze. Die sich festsetzenden Hermunduren blieben lieber im Erfurter Becken und im Grabfeld.
-        Auch die Thüringer machten um 400 unserer Zeitrechnung kaum Anstalten weitere Siedlungen zu gründen.
-        Erst die Franken ab dem 6. Jahrhundert scheinen sich langsam wieder für die Täler um die Geba herum interessiert zu haben.

Heutiger Zustand auf der Hohen Geba
Und warum steht das alles nirgendwo? Weil bei uns erst nach Einführung des Christentums alles aufgeschrieben wurde und da war die Zielrichtung klar. Heimatforschung ist eine brotlose Kunst, archäologische Grabungen sind teuer und wer gegen die Lehrmeinung schwimmt, hat es wie überall schwer. Trotzdem gelingen immer wieder große Würfe. Erst jüngst wurde bei Bauarbeiten zum Hochwasserschutz nachgewiesen, dass das unscheinbare Dörfchen Harras an der Werra seit 6000 Jahren ununterbrochen besiedelt war. Es gibt in Südthüringen aber auch Dörfer, die brauchen keine Wissenschaftler, um ihr Erbe zu würdigen. Den Oberstädtern zum Beispiel, im Kleinen Thüringer Wald, ohne jegliche archäologische Erkenntnisse, haben ein paar Hügelgräber, mehrere Sagen und ein verdächtiger Bergrücken namens Questenberg ausgereicht, um sich ein schönes keltischen Denkmal über ihren Ort zu setzen. Das könnten die Ober- und Unterkätzer auch! Wie wäre es mit einer verbesserten und erweiterten Vermarktung des Keltenerlebnisweges, bevor ein sinnfreier „Schiefer“ Turm gebaut wird?
Als wir vor vielleicht 20 Jahren im Zuge unserer Erkundungen Berge wie den Königstein im Elbsandsteingebirge, den Muppberg bei Sonneberg, ja selbst den Dolmar bei Meiningen allein den Mustern nach zu frühzeitlichen Wallanlagen erklärten, wurden wir ausgelacht. Es mussten erst aufwendige archäologische Grabungen in letzter Zeit durchgeführt werden, um genau das zu bestätigen.  
Eine Landkarte?
Die Autoren waren mehrfach auf und um die Geba unterwegs. Dabei sind wir nicht nur alle aufgelisteten Bodendenkmale abgegangen, sondern konnten auch mehrere neue, leider durchweg zerstörte, Großsteingräber hinzufügen. Krönender Abschluss dieser Recherchen war eine besondere Entdeckung: Nahe eines normalen mutmaßlich zerstörten Steingrabes auf dem Hahnberg stießen wir auf einen Bruchsteinhaufen mit merkwürdigen scheinbar künstlich eingeritzten Linien und Zeichen. Das ganze sieht aus wie ein zerstörtes Mosaik, das über alle zerstreut liegenden Steine geht und erst zusammengesetzt wieder einen Sinn ergibt. Ein menhirartig aufgerichteter Großstein scheint eine Art gravierter Landkarte darzustellen, mit dem noch heute erkennbaren Wegesystem. Dazu muss man wissen, dass eine der beiden Altstraßen von der Hochrhön kommend ins Erfurter Becken genau an dieser Stelle einen Knick machen muss.
Menhir auf dem Hahnberg
Deutlich sind im Stein 4 Kreuzungen zu erkennen, von denen ein Weg zu einer wahrscheinlichen befestigten Siedlung mit deutlichen Schanzen führt, der andere zu einem Altsteinbruch gegenüber. Selbst dieser ist als Loch eingemeißelt. Bei unserer Suche deutschlandweit sind uns Hunderte solcher stummen Zeugen am Weg untergekommen, so etwas aber haben wir noch nicht gesehen. Sie müssen vor der Christianisierung entstanden sein, denn danach kamen als Richtungsanzeiger Kreuze in Gebrauch. Germanen wiederum hatten es nicht so mit der Steinbearbeitung. Sind wir hier einem keltischen Wegweiser auf der Spur? Was will ein Forscherherz mehr…
Der geschätzte Leser wird gebeten, in diesem Artikel zwischen Indikativ und Konjunktiv zu unterscheiden. Sicher liegen wir mit dieser oder jener Schlussfolgerung daneben, aber manche renommierte Ausgrabungsstätte wäre froh, wenn sie nur einen Bruchteil solcher Indizien vorweisen könnte. Heimatforscher werden sicher noch andere Hinweise kennen oder finden. Vielleicht ist ja auch die eine oder andere Anregung für die Chronisten der Region dabei. Mehr - aber auch nicht weniger - will dieser Beitrag bezwecken.