Dienstag, 5. Juli 2016

Die WISMUT in der Gegend von Schleusingen 1950-1954 (Von C.A.)

Bergbau im Zeichen des Kalten Krieges
Im Jahr 1950 zeigte das Sowjetische Bergbauunternehmen Wismut (1), das den Uranabbau in der DDR betrieb, großes Interesse auch an den Buntsandsteinformationen am Friedberg, bei Erlau und Hirschbach sowie der Zechsteinflur um Gethles. Sie führte hier Erkundungsbohrungen durch und öffnete auch alte Stollen im früheren Bergbaurevier aus dem 18./19. Jhd. In der Folge wurden dann aber nur auf dem Friedberg für einige Jahre Uranverbindungen im Buntsandstein abgebaut.
„Die Wismut“, wie sie allgemein genannt wurde, war anfangs eine sowjetische Aktiengesellschaft, die direkt der sowjetischen Verteidigungsindustrie unterstand und schon 1946 mit der systematischen Erkundung und Ausbeute von Uranerzen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) begonnen hatte. Die Sowjetunion arbeitete damals mit Hochdruck an der Entwicklung einer Atombombe, mit der die USA im August 1945 die Welt geschockt hatte und für die (angereichertes) reines Uran benötigt wurde.
Wismut-Standorte
Durchgeführt wurden die Erkundungen in unserer Gegend von einer Abteilung der Sowjetischen Wismut AG, die in Schleusingen – bezeichnet als „Schacht Schleusingen“- eingerichtet worden war. Sie gehörte zum Objekt 30, dessen Verwaltung in Dittrichshütte bei Saalfeld ihren Sitz hatte. Von dort aus wurde sie später in den Raum Ronneburg verlegt, als im dortigen Alaunschiefer radioaktives Material in größeren Mengen gefunden und bis 1991 auch abgebaut worden ist. Damit kam dann auch schon 1954 das Ende für den „Schacht Schleusingen“. Die zwei auf dem Friedberg abgeteuften Schächte, mit Stacheldraht eingezäunt und von sowj. Soldaten bewacht, in denen über 3 Jahre lang uranhaltiges Gestein aus der Erde geholt worden war, wurden versiegelt. Sog. Pingen zeugen heute von zusammengebrochenen Stollen.
Das Objekt der Wismut in Schleusingen hatte von Anfang an in erster Linie die geologische Erkundung auf radioaktives Erz in der Umgebung von Schleusingen und Suhl durchzuführen. Wurde dabei auch nur die Spur von Radioaktivität entdeckt, wurde das Material, egal wie hoch die Kosten waren, auch abgebaut. Damals waren- außer in der SBZ/DDR- im Weltmaßstab nur sehr wenige Lagerstätten mit Uranerz (Pechblende) bekannt.
Die heute verschwundenen Symbol-Abraum-Kegel der  Wismut
1953 wurde die staatliche Sowjetische Wismut AG (SWAG) in eine Sowjetisch- Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut umgebaut, die noch bis zum Jahr 1991 den Uranbergbau in der DDR betrieb und große Umweltschäden hinterließ. An deren Beseitigung wurde noch bis 2012 und länger gearbeitet. Insgesamt sollen in der SBZ/DDR 231,4 To. reines Uran produziert worden sein. Das ist etwa ein Drittel des im sowj. Einflussbereich von 1946 bis 1990 hergestellten Urans. Es ist aber nie bekannt geworden, welchen Gewinn der Uranabbau von 1953 bis 1991 für die DDR gebracht hat. Wahrscheinlich bekam die DDR ab 1955 dafür nur Rohstoffe wie Eisenerz, Erdöl, Getreide usw. aus der UdSSR geliefert. Fakt ist: Hätte die DDR ihr Uranerz selbst abbauen und auf dem Weltmarkt verkaufen können, wären Milliardengewinne sicher gewesen. So aber kostete die Wismut, der durch Reparationslieferungen ausgeplünderten DDR, vor allem eins: Viel Geld. Wurden doch die Produktionskosten in Höhe von 9,44 Milliarden Mark der Sowjetischen Wismut AG von 1946 bis 1953 der SBZ/DDR aufgebürdet und mit den Reparationsforderungen verrechnet. Dazu kamen 3,54 Milliarden Mark an Investitionen. Allein die geologischen Erkundungen kosteten weitere 1,5 Milliarden Mark und es entstanden zusätzliche Kosten für den Ausbau der Infrastruktur, für Wohnungen, Renten und Versicherungen in Höhe von geschätzten 1,5 Milliarden Mark. Somit beliefen sich die Gesamtkosten der SAG Wismut in den Jahren 1946 bis 1953 auf über 15,5 Milliarden Mark. Die SU rechnete der DDR im Jahr 1953 bei der Neugründung der Sowjetisch- Deutschen Wismut AG lediglich 344,2 Millionen US- Dollar auf die Reparationszahlung an.
Nebenbei bemerkt: Insgesamt bezahlte die DDR bis 1954 an die SU 14,2 Milliarden Dollar Reparationskosten, obwohl nur 10 Milliarden von ganz Deutschland gefordert worden waren. Das heißt: Die SBZ/DDR hat für ganz Deutschland die von der Sowjetunion geforderten Reparationskosten bezahlt. Da man sich nicht einigen konnte, musste auf Betreiben und Druck der Westmächte, jede Besatzungsmacht ihre an Deutschland gerichteten Forderungen aus der eigenen Besatzungszone entnehmen. Sie wussten warum. Während sie es nicht nötig hatten, weitere Demontagen in ihren Besatzungszonen durchzuführen, holte die von Deutschland zerstörte Sowjetunion alles Brauchbare aus der SBZ/DDR heraus. Auch das Uran. Die DDR verlor durch die Demontagen von Industriebetrieben über 40% ihrer Produktionskapazität. Damit blieb die DDR dann für immer weit hinter dem durch das USA-Kapital geförderten wirtschaftlichen Entwicklung in Westdeutschland zurück, die bis 1955 fast gleich verlaufen war.
Die Schächte am Friedberg
Nach Gründung der Sowjetisch-Deutschen Wismut AG (SDWAG) waren die Leitungsorgane der einzelnen Schachtanlagen meist paritätisch zusammengesetzt, was aber bei der höheren Objektleitung schon nicht mehr der Fall war. In Schleusingen gab es einen sowj. Schachtmeister und einen deutschen Obersteiger, einen sowj. Geologen und mehrere deutsche Geologen, einen sowj. Markscheider und einen deutsche Markscheider usw. Einige Bereiche waren jedoch ganz in sowj. Regie. Das betraf zum Beispiel die Sprengstoffverwaltung und -ausgabe. Auf dem Gelände zwischen der ehemaligen B 247 und der Schießsportanlage auf dem Friedberg lag der sog. Munitionsbunker, er war durch einen hohen Stacheldrahtzaun und bewaffneten Soldaten gesichert. Dort durfte nur der Schießhauer Sprengstoff (Gelatine Donarit) Zünder und Zündschnur in Empfang nehmen. Die Sprengmaterialien gaben sowjetische Soldaten aus, die Ausgabe wurde streng protokolliert, den Empfang musste der Schießhauer durch seine Unterschrift bestätigen. Auch hinsichtlich des Messens der Radioaktivität hatten in der Hauptsache nur sowj. Soldaten, sog. Radiometristen, die Verantwortung. An den zwei Schächten auf dem Friedberg stand unmittelbar neben dem Förderturm eine Bretterbude, ausgestattet mit großen Geigerzählern. Jeder Hunt, der den Förderturm verließ, ganz gleich ob Abraum oder mit „Erz“ beladen, musste eine Schleuse an dieser Bretterbude passieren und ist hier auf seine Radioaktivität hin gemessen worden. Dementsprechend wurden die radioaktiven Materialien in drei Sorten eingeteilt:
Die Sorte I war das beste Erz, also am radioaktivsten, und wurde nur in ca. 50 cm lange, 40 cm hohen und breiten Blechkisten (die wahrscheinlich verbleit waren) verpackt und mit LKW abtransportiert. Die Sorten II und III wurden mit LKW auf die Bahnhöfe Hirschbach und Erlau gebracht, dort zunächst gelagert und anschließend per Hand auf Waggons verladen und zur weiteren Verarbeitung nach Ronneburg abtransportiert. Die Sorte IV schließlich ist auf besondere Halden in Schachtnähe gelagert worden. Dieses Verfahren wurde 1952 geändert. Von da an war die bisherige Sorte I nur noch Sorte II, die Sorte II nur noch Sorte III usw. Die frühere Sorte III wurde nicht mehr abtransportiert, sondern kam als Sorte IV auf eine Sonderhalde. Wenn heute noch an verschiedenen Stellen am Friedberg eine höhere Radioaktivität gemessen wird, kann es sich nur um diese Sonderhalden mit der Sorte IV handeln.
Untertage
Der Suhler Friedberg und das weite Umland bestehen größtenteils aus Buntsandstein, also einem Ablagerungsgestein. In diesem angeschwemmten Sandstein wurde auch das reine Uranerz, die Pechblende, eingeschlossen. Dieses Uranerz ist jedoch nur noch in ganz fein verteilter Form im Sandstein vorhanden. Auf dem Friedberg gab es aber auch stark radioaktive Schiefertonschichten. Sie zählten meist zu den Sorten I, während der Sandstein zum großen Teil zu den Sorten II bis IV gehörte. Es lässt sich denken, dass es äußerst kostspielig war, auf diese Art und Weise das reine Uranerz zu gewinnen. Es musste zunächst einmal aus den Schieferton und dem Sandstein herausgeholt werden. Viele Tonnen radioaktiven Materials mussten dazu abgebaut werden, zu Tage gefördert und dann zur Verarbeitung transportiert werden, um nur ein paar Gramm reines Uran zu erhalten.
Zum Zweck der geologischen Erkundung wurden zuvor flächendeckende Untersuchungen mit sog. Emanationsgeräten durchgeführt, wobei angesaugte Bodenluft auf ihren Radongehalt hin geprüft wurde. Dieser indirekte Nachweis von oberflächennahen Uranerzvorkommen musste dann im Gelände durch Schürfgräben im anstehenden Gestein nachgeprüft werden. Angelegt wurden dazu bis zu 100 m lange, 2 m breite und 2,5 m tiefe Gräben, an deren Grabenwände der Verlauf der Gesteinsschichten „abzulesen“ war und mit Geigerzählern die Strahlungsintensität gemessen wurde. Weiterhin wurden Kleinschürfe angelegt. Das waren bis zu 8 m tiefe Schächte im Rechteck von 2 mal 2 m. Vor allem aber führte man Kernbohrungen bis in eine Tiefe von 500 Meter durch. Mit diesen Maßnahmen wurde hauptsächlich das Gebiet von Breitenbach bis zur Kreuzeiche, der Friedberg bis zur „Eisernen Hand“ und das Zechsteingebiet um Gethles erkundet. In Auswertung entsprechender Messprofile wurde erhöhte Radioaktivität auf folgenden Teilflächen festgestellt: „Hirschbach“ I und II (südl. Friedberg) „Erlau“ (Kreuzeiche am Ruhschlagberg) und „Eiserne Hand“ (südl. Altendambach). Die ergiebigsten Lagerstättenbereiche waren: „Hirschbach“ I mit einer Fläche von 850.000 m² und „Erlau“ (Kreuzeiche) mit 500.000 m². Die übrigen erkundeten Bereiche „Hirschbach“ II und „Eiserne Hand“ sowie das Zechsteingebiet um Gethles zeigten hingegen nur eine geringe oder gar keine Uran-Vererzung, so dass die Erkundungsarbeiten hier 1951 eingestellt wurden.
Auf dem Friedberg ging die Wismut hinsichtlich der geologischen Erkundung noch einen Schritt weiter. Dort legte sie Tiefenschürfungen an. Das waren kleine Schächte, 3 mal 3 m und 35 m tief, von denen man unter Tage Strecken und Querschläge vortrieb. Die Tiefenschürfe und Schächte hatten einen kleinen Förderturm. Als Antrieb diente eine große Seilwinde, Haspel genannt. Kleinere Seilwinden gab es auch unter Tage an den Bremsbergen. Mit deren Hilfe sind z. T. auch die Hunte gezogen worden, ansonsten wurden sie meist von Hand und den körperlichen Kräften der Berglaute in Bewegung gesetzt und zum Aufzug geschoben.. Erst 1953 erleichterten zwei kleine E- Loks auf einigen Hauptstrecken die schwere körperliche Arbeit. Kernbohrungen hatten ergeben, dass bei ca. 110 m Tiefe eine 3. Sohle und bei 190 bis 210 m Tiefe eine 4. Sohle mit Vorkommen radioaktiven Sandsteins und Schiefertone lagen. Sie wurden nie angefahren. Die Stollen an der Eisernen Hand, die zur Erkundung angelegt worden waren, hatten keine Verbindung zu den zwei Schachtanlagen, sondern sie kamen mit zwei Stollenmundlöchern an der alten Straßenführung der B 247 am Friedberg wieder zu Tage. Da der Sandstein ein sehr brüchiges Material ist und die zu erkundende sog. 1. Sohle in einer Tiefe von 25 bis 35 m Tiefe lag, das darüber liegende Deckgebirge also recht dünn war, mussten alle Schächte, Strecken und Querschläge nach allen Regeln der Bergbau-Kunst ausgebaut und gesichert werden. D.h. alle Vortriebsbrigaden hatten beim Vortrieb jeweils 2 m vor Ort den Ausbau nachzuziehen. Zum Vortrieb nutzten die Bergleute Pressluftbohrmaschinen, wobei die Bohrer Wasserspülung hatten, um die Staubentwicklung zu mindern. Hinzu kamen noch Presslufthämmer. In jede Vortriebsstrecke musste dementsprechend auch die Wasser– und Pressluftleitung nachgezogen werden. Ständig nachgezogen wurden auch die „Lutten“. Das waren ein Meter lange gewachste Papprohre mit einem Durchmesser von 40 cm, die aneinander gesteckt wurden und zum Absaugen der schlechten Luft dienten. Das besorgten große Ventilatoren.
Knochenjob
Bohrmaschinen und Pickhämmer waren die einzigen maschinellen Werkzeuge der Bergleute. Abraum und das Erz wurden von Hand in die Hunte geschaufelt, was schwerste körperliche Arbeit bedeutete. Erst später kamen auch Überkopflader zum Einsatz.. Abgebaut wurde eine Fläche von ca. 38.000 m² . Die aufgefahrenen Stollen ergeben aneinandergereiht eine Strecke von etwa 10 km.
In ihrer Blütezeit waren bei der Wismut Schleusingen etwa 1.400 Menschen beschäftigt, darunter 600 bis 800 Deutsche. In der Neumarkstraße in Schleusingen waren mehrere Häuser von den Sowjets beschlagnahmt worden. Sie dienten dem sowjetischen leitenden Schachtpersonal und Soldaten als Wohnung. Außerdem war dort die gesamte Verwaltung der Schachtanlage Schleusingen untergebracht. Sie unterhielt einen umfangreichen Fuhrpark, LKW und Kipper sowie LKW mit geschlossenen Aufbauten und Busse zur Personenbeförderung. Es gab eine große Bohrabteilung für die Erkundungsbohrungen. Diese Abteilung stellte damals mit über 1000 m Kernbohrung in einem Monat einen neuen Wismut-Rekord auf. Auf den beiden Schächten am Friedberg arbeiteten die Bergleute in drei Schichten: 7.00 bis 15.00 Uhr, 15.00 bis 23.00 Uhr und von 23.00 bis 7.00 Uhr. Befördert wurden die Bergleute von und zum Friedberg mit der Eisenbahn, die für die Wismut besondere Schichtzüge auf der Strecke Suhl-Schleusingen eingelegt hatte. Technisches Personal und sowj. Soldaten konnten auch Kraftwagen benutzen.
Für die vor allem in Sachsen (Erzgebirge) und im Bezirk Gera und anderswo erkundeten Lagerstätten mit Urangestein bestand bald ein immenser Bedarf an Arbeitskräften. Landauf, landab wurden Bergleute -gelernte und ungelernt- angeworben und zum Teil auch Druck auf Arbeitsuchende ausgeübt. Den Wismut–Kumpels wurden umfangreiche Privilegien gewährt, die zum Teil auch „missbraucht“ worden sind. Manche glaubten, sie hätten mit diesen Privilegien und als „halbe Russen“ Narrenfreiheit. Die Kumpel der Wismut waren bald in der ganzen Republik wegen ihrer Disziplinlosigkeit und skandalösen Auftreten in der Öffentlichkeit bekannt. Schwarzfahren, ja sogar Eingriffe in den Zugverkehr, tätliche Angriffe aufs Bahnpersonal, Trunkenheit und Schlägereien waren an der Tagesordnung. Die Schachtanlage in Niederschlema (Erzgebirge), wo zum Teil Anarchie herrschte, war wohl die schlimmste. Die sowj. Kommandanten (Schachtleiter) griffen schließlich hart durch. Es gab militärgerichtliche Verurteilungen und fristlose Entlassungen, bevor Ende der 1950-er Jahren Ordnung in den „Wismut – Haufen“ kam.
Arbeiterklasse
Zu den Privilegien der Wismut- Bergleute gehörten auch besondere HO-Läden. In Schleusingen war einer in der Bertholdstraße, später am Markt neben der Drogerie, in dem sie auf Talons, Bezugsscheinen und besonderen Marken, verbilligte Waren einkaufen konnten, die im normalen Handel kaum oder nicht erhältlich waren. Allerdings konnten später auch normale Bürger in den Wismut-Läden einkaufen. Geld spielte bei den Kumpels keine Rolle. Sie verdienten meist das fünf bis 10-fache eines normalen Arbeiters. Bekannt war auch bald der Wismut-Schnaps, ein billiger Fusel, den die Kumpels für 1,60 Mark pro Liter und je Woche einkaufen konnten und den viele für einen höheren Preis weiter verkauften. Auch gab es eine besondere Wismut-Fleischerei, die in der Gaststätte „Zur Heimat“ eingerichtet worden war. Das Gasthaus zum „Goldenen Löwen“ war den Wismut-Kumpels als Speisegaststätte vorbehalten. Hotels, Pensionen und Privatquartiere waren meist mit Bergleute belegt.
Mit Beginn des Jahres 1954 ist die Schachtanlage Schleusingen allmählich aufgelöst worden. Von Monat zu Monat wurden Teile der Belegschaft entlassen, die meisten aber in den Raum Ronneburg und auf andere Schachtanlagen versetzt. Im Sommer 1954 waren die Arbeiten im Schleusinger Raum beendet. Die Flur Gethles blieb, abgesehen von den Erkundungsbohrungen und Schürfungen, vom Abbau radioaktiven Erzes verschont. Die von 1985 bis 1990 in der Umgebung von Gethles erneut durchgeführten Schürfungen und Erkundungsbohrungen, sollen nichts mit der Wismut zu tun gehabt haben. (Der Schachtbau Nordhausen suchte Schwerspat.)
In der DDR wurden die Wismut–Bergleute von Partei und Staat schließlich regelrecht heroisiert und als „Sonnensucher“ (in Film und Literatur) gefeiert und gewürdigt, weil sie dazu beitrugen die friedliebende SU als Atommacht aufzurüsten und das Kräftegleichgewicht zwischen den Großmächten wieder herzustellen. In den letzten Jahrzehnten der DDR war es dann um die „Wismut“ ruhiger geworden. Zwischenzeitlich hatte man weltweit auch ergiebige Lagerstätten erkundet. Uran wurde dann ja auch für friedliche Zwecke (Atomkraftwerke, med. Zwecke usw.) in größeren Mengen gebraucht.
Was ist vom einstigen "Großen Bruder" gblieben?
Die Wismut stellte erst 1992 den Uranabbau in der schon untergegangenen DDR völlig ein. Ob die sog. „Treuhand“ ihre Finger dabei im Spiel hatte ist nicht bekannt. Viele Bergleute der DDR verbrachten ihr Arbeitsleben bei der Wismut und sind stolz darauf. Durch die schwere Arbeit unter Tage und auftretende Strahlung bekamen viele aber auch gesundheitliche Probleme. Weder die sowjetischen noch die deutschen Wismut-Angehörigen waren über die starke Gefährdung ihrer Gesundheit informiert. Besondere Kur- und Ferieneinrichtungen sollten Vorbeugen und Heilen. Kulturhäuser mit umfangreichen Angeboten sorgten für eine sinnvolle Freizeitgestaltung der Bergleute. Auftragskünstler verewigten in teilweise großartigen Kunstwerken die Arbeit der Wismut–Kumpel. Was aber erst 25 Jahre nach der Wende so halbwegs anerkannt wurde.


 PS.: Gott sei Dank ist das Uran aus unserer Gegend noch nie für einen Atombombenabwurf genutzt worden. Wenn allerdings NATO und Russen so weitermachen, ist es nicht ausgeschlossen, dass wir es eines Tages "zurückbekommen"... 

Anmerkung (1) Wismut = eigentlich ein chemisches Element in der Chemie, auch Bismut genannt.
Quellen: Chronik Suhl Kleine Suhler Reihe v. v. U. Brunzel Nr. 40
eigene Recherchen und Sammlungen


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Die Wismut – Schachtanlage am Bahnhof Suhl Friedberg 1953