Mittwoch, 27. März 2019

Flur- und Ortsnamen im archäologischen und geografischen Vergleich


"Leitenweg" zum "Schwarzensee ohne Abhang
Dieser Artikel will unbekannte oder irreführende Flur- und Ortsnamen untersuchen, die überdurchschnittlich häufig im deutschsprachigen Raum vorkommen, übersetzt sogar in ganz Europa. Wer aber braucht so etwas? Die meisten Bezeichnungen aus unserer Umgebung lassen ja sich durch altgermanische Vergleiche herleiten: Knapp Tausend Leiten „leiten“ z.B. Altstraßen hinauf oder entlang von Höhenwegen. Das aber erkennt wegen der Deutungshoheit von Wikipedia kaum jemand an, man definiert sie als Abhang, die Keltenforscher sogar als einen, der nach Süden zeigt. Dass Leiten prinzipiell an alten Höhenwegen liegen und von Hohlwegen begleitet werden, zählt einfach nicht. Dabei sagen Dutzende Leiten-Namen aus, wo geleitet wurde (Hainleite, Hohenleite, Kammleiten), wann zu leiten war (Winter-, Sommerleite) und wer geleitet wurde (Königsleiten, Grafenleite, Pfaffenleite, Herrenleite). Und es gibt sogar Leiten im Flachland. Trotzdem wird ein klares deutsches Wort bis zur Unkenntlichkeit verbrämt, urzeitliche Wege geraten in Vergessenheit. Es ist also kompliziert!
Viele Flurnamen müssen älter sein als das Mittelalter
Beginnen wir mit einer Abgrenzung: Es soll hier nicht um bekannte Zusätze wie -dorf, -höhe-, -städt, -leben oder heim- gehen. Auch nicht um die vielen Begriffe, die heute nicht mehr modern sind, wie -werder, -bühl, oder -haug. Selbst hundertmal -hardt, rücke-, renn-, lauf-, reit-, weil-, ochsen-, ross-, kreuz-, haar-, sülz-, breit-, ellen-, eck-, mittel- oder -trift können durchweg Altstraßen zugeordnet werden. Man muss nur recherchieren. Auch die unzähligen Berge mit Namen christlicher Heiliger, wie Apostel, Seeligen-, Peters-, Kilian-, Michel-, Veit-, Cyriak oder Ottilie bleiben außen vor. Selbst wenn solche Orte immer viel länger besiedelt gewesen sein müssen, als der christliche Bezug es vermuten lässt - die Vereinnahmung heidnischer Kultplätze durch die Kirche ab 700 ist ja belegt. Entsprechend hoch die Zahl der "Heiligenberge". In diese Kategorie fallenden auch mutmaßliche urzeitliche Kultplätze wie Loh, Hain, Ehren, Dom, Öl oder Hege, Haag, Weiße-, auch Hölle, Hexe oder Teufel. Selbst die unzähligen Hügel mit Schloss-, Wache-, Warte-, Herren- oder Wall sind ja als strategische Befestigungen erkennbar, auch wenn man oft nichts mehr von ihnen sieht. 
Bern von Bernstein?
In diesem Post geht es um gleichlautende Bezeichnungen, die den Forscher gerne in eine falsche Richtung führen (Siehe Tabelle unten). Dabei hilft uns die Vergleichende Archäologie: Nämlich dann, wenn wenigstens einer dieser Orte durch vorangegangene wissenschaftliche Untersuchungen klar zugeordnet werden kann. Bei ähnlichen Bedingungen und Zusammenhängen darf man durchaus auch auf gleichnamige Orte schließen. Nehmen wir das Beispiel Bern-: In der Namensforschung wird das Bestimmungswort von Bären abgeleitet, von Brennnen, Leuchten oder von der allbekannten Harzversteinerung. Es findet sich mehrere Dutzend Mal in Verbindung von -stadt, -d(t)orf, -berg, -burg, -stein, -eck,- feld,- leite, -beuren, -gau, -lohe, -roth, -heim, -loch, -richt, -bach, -hof, -hausen, -au oder -hardt und viele davon auch noch jeweils mehrfach . Die Ausgrabungen auf einer ehemals befestigten Höhensiedlung über Bernstorf in Bayern legten dazu eine bronzezeitliche Kultur ab 1675 v. Chr. frei. Mehr noch: Die neolithischen Funde um Bernburg in Sachsen-Anhalt geben einer ganzen Kultur zwischen 3200 und 2800 v. Chr. ihren Namen. Auch wer sich die Umgebung der anderen Bern-Orte anschaut, findet prinzipiell Hügel mit künstlich versteilten Abhängen, Wällen u.a. Siedlungsspuren.
Eiserne Hand im Koblenzer Stadtwald
Und zu allen Wohnplätzen gehört prinzipiell eine Quelle oder Brunnen, altdeutsch Born. Auch zu unseren o.g. Siedlungsverdachtsorten. Nimmt man sich nun die Lautverschiebungsgesetze her, landet man schnell bei Bern. In einigen fränkischen Dörfern wird Born als Börn ausgesprochen, mit Verschleifung des Ö zu E. 

Und was machen die Experten und Medien daraus? In einer ZDF Doku wurden ein paar Bern-Orte in Nord-südlicher Richtung verbunden und daraus eine neue Bernsteinstraße von der Ostsee bis nach Ägypten konstruiert. Dabei sind die Bern-Orte homogen über ganz Westeuropa verteilt. 
Andere Bezeichnungen scheinen deutlich durch die immer gleiche geografische Lage ihrer Träger definiert. So findet sich ein Dutzend Mal die Eiserne, Steinerne, oder Hölzerne Hand (Zella-Mehlis, Altendammbach, Lichtenfels, Laubuschesbach, Wolken, Assmannshausen, Traisa, Bad Windsheim, Burgwallbach). Meist versuchen Heimatforscher sie mit keltischen Herleitungen zu deuten. Dabei liegen solche Geländemarken immer an alten Wegekreuzungen mit genau 5 Abzweigungen, also ebenso vielen, wie eine Hand Finger hat. 
"Harras" - immer an einem schmalen Flussübergang?
So auch der Flurname Hundsrück, der in Rheinland-Pfalz (dort ohne d) einen wichtigen Höhenweg seit der Bronzezeit beschreibt. Diesen Namen tragen aber viele Kammwege, so bei Mengkofen, Wieden/Breisgau, Albstadt, Horschhausen, Enslingen, Altenbuch, Seligenthal, Oberelsbach, Altendammbach, Stützerbach, Zella-Mehlis, Engen, Haundorf, Stopfenheim, Stadtsteinach und Lützel. Und das sind nur die, die ich selbst gesehen habe. In jedem dieser Fälle wird ein Höhenrücken bezeichnet, dessen Wege sich mit bekannten Altstraßen verbinden. Und da sich an dieser jeweils Hügelgräber und Wallanlagen wie an einer Perlenkette aufreihen, nenne ich sie Urwege. Wenn also auf dem Hunrück die alten Bronzeschmiede unterwegs waren, darf man das auch für die unbedarfte Wasserscheide gleichen Namens im Kleinen Thüringer Wald annehmen. Auch da finden sich Steinhügelgräber und Steinwälle. So kann man beliebig nach weiteren Beispielen suchen (Siehe Tabelle).
Kalte Herberge im Schwarzwald
Es gibt aber auch jede Menge Flurnamen, deren Bedeutung nur scheinbar eindeutig ist. Nehmen wir das Beiwort Kalte, wie es hundertfach vorkommt:  Persönlich sind mir folgende Verbindungen begegnet: 4x mit Herberge, 2x Küche, 5x Feld, 11x  Berg, 4x Tal, 3x -born, dazu -warte, -staude, -struth, , -eber, -bach, -eich, -brunn, -elze, -schmiede, -rank, -stänker, -hofe, -bruch, -bühl, -schmieden, - buche und die 4 Heim-Dörfer in der Röhn. Der Witz: Niemals ist es an den so bezeichneten Orten kälter als ihrer Umgebung, so dass sie diese Bezeichnung verdient hätten. Lange dachte ich das Wort stamme vom prußisch/ baltischen Schmieden ab, aber die teils megalithischen und bronzezeitlichen Relikte an solchen Orten verlangen ein höheres Alter. Und so verrückt es klingen mag: Alle Kalte-Orte haben Eins gemeinsam: Sie liegen an (erfrischenden) Gewässern, die Reisende teils zu queren hatten. Oft liegen sie an Gabelungen oder Kreuzungen von Altstraßen, die Europa wie ein Netz überziehen. Wahrscheinlich betrifft das auch die Kombinationen von Calden oder Kalden, wie bei Schmalkalden. Eine Herleitung kenne ich natürlich nicht. Anders die Kreuzberge: Die meisten tragen heute das christliche Symbol, aber erstaunlich viele liegen an bekannten sich kreuzenden Ur-und Altstraßen. Alles Zufall? Ich glaube nicht! 
Masif du Rossberg, Elsass
Die Tausenden Berge, manchmal auch Täler, mit Tiernamen sollten differenziert betrachtet werden. Tiere aus den Viehherden gerade der frühen sesshaften Stämme, wie Roß, Kuh, Ochse, Schwein und Ziegen, machen eine entsprechende Weidebegrenzung wahrscheinlich. Besonders wenn sie weitab heutiger Gemeinden liegen, dafür aber nahe alter Siedlungsverdachtsplätze. Hoftiere wie Hahn, Hund oder Katze ergeben allerdings für Bergweiden keinen Sinn. Hier könnte ebenfalls die immer wiederkehrende Lage neben einem Siedlungsverdachtsplatz Hinweis sein: Hahn, wie Hund vielleicht von Höhe (Siehe Tabelle unten). Eine besondere Rolle scheint der Flurname Katz einzunehmen. Er kommt in Verbindungen vielleicht noch häufiger vor als Kalt. Heimatforscher sehen hier eine Ableitung von cut - einem Pass oder einer Kerbe im Gelände. Ich bin bei meinen Reisen an hunderten solcher Orte vorbei gekommen. In den allermeisten Fällen wird ein tiefer Einschnitt, wie er z.B. an Quellen oder Bächen vorkommt, markiert.
Ein weiteres Beispiel ist Haide, oder Heide. Der Beiname tritt hundertfach weitab der typischen nordwestdeutschen Karglandschaften auf, die durch Überweidung entstanden sind (Bsp. Rhön). Meist wird er auf kleine, genau einzugrenzende Flächen angewendet, die im Benehmen mit alten Höhensiedlungen stehen. Künstlich versteilte Abhänge, von denen jeder Bewuchs ferngehalten wurde oder Jahrtausende lange Viehhaltung scheinen hier die Ursache zu sein (Heidberg, Heidenstein, Heidenkopf, Heidenstock). Andere Orte assoziieren wiederum die Benennung nach "Ungläubigen Heiden"(Heidenstraße, Heidelberg, Heidenau, Heidenburg, Heidenheim).
Hohlwege längs des Rennsteiges im Thüringer Wald
Umgekehrt geht es bei der Deutung auch: Renn- beispielsweise beschreibt eindeutig schnelle Fortbewegung, alle Welt vermutet aber Wanderwege aus der Neuzeit. Dabei werden ohne Ausnahme Kammwege bezeichnet, die sich nicht nur durch Hohlwege längs der Wasserscheide auszeichnen, sondern hundertfach durch andere prähistorische Artefakte. Ich habe so viele Verbindungen dazu gefunden, dass sie schwer in die Tabelle unten passen. Bestimmungsworte mit -weg, -stieg, -straße: auf Thüringer Wald, Hainich, Haßberge, Taunus und Kyffhäuser, bei Sallmannshausen, Bensberg, Fürth, Forchheim, Eschweiler, Sternenfels, Rüdingsheim, Schwarzerden, Düren, Porz, Heilbronn, Ebelsbach, Hallstadt, Oberreifenberg und Breitungen. Mit -berg: bei Bleicherode, Ipsheim, Aufseß und Neumarkt. Mit -hofen: bei Emskirchen, mit -pfad: bei Bingen, mit -rod: nahe Herborn und mit -weiher: bei Heroldsberg. Bezeichnung und Lage solcher Flurstücke machen in jedem Fall schnelle und effektive Verkehrstrassen seit Urzeiten wahrscheinlich. Überhaupt bin ich beim Vergleich tausender Ortsnamen zu der Überzeugung gelangt, dass der überwiegende Teil aller europäischen Siedlungen durch die Außen-Bezeichnung von Reisenden entstanden sein muss. Beispiel Weinstraßen, Weinberge: Sie sind inzwischen zu einem Glaubensbekenntnis unter Altwegeforschern geworden: Nicht wenige nämlich setzen es mit Abwandlungen von Weg- oder Wagen gleich. Tatsächlich tritt der Name Weinberg hundertfach an Höhenwegen auf, auch dort, wo kaum eine Rebe gedeihen konnte: an Nordhängen, in der norddeutschen Tiefebene, ja Skandinavien, in großen Höhen, wie dem Erzgebirge. Bei Recherchen in meiner Heimat bezogen sich Urkunden zu Weinbergen immer nur auf Hörensagen wegen dem Flurnamen. Ein Merkmal aber haben fast alle gemeinsam: Geländestufen oder Terrassen, wie sie für früheisenzeitliche befestigte Höhensiedlungen typisch sind (z.B. Weinberg über Benniehausen, die beiden um Vilseck, Weinburg in Österreich, etc.). Haben hier die aus den westlichen Weinanbaugebieten einmarschierenden Franken Gleichnisse bezeichnet?
Rodeberg Fland
Dann wieder tauchen massenhaft Flurbezeichnungen auf, die unterschiedliche Zuordnungen offen lassen. Beispiel Rot-, Rod-, Reuth-, auch Blank-, Bloss-, Hell : Nach historischen Zusammenhängen befragt, müssen das alles Rodungen gewesen sein, aber aus welcher Zeit? Offiziell scheinen sie erst nach der Völkerwanderung entstanden zu sein, viele von ihnen - besonders außerhalb von Ortschaften - sind aber mit frühzeitlichen oder frühmittelalterlichen Hinterlassenschaften in Verbindung zu bringen. Galgenhügel, -berge scheint es mehr im deutschsprachigen Raum zu geben, als je im Mittelalter Hinrichtungen stattfanden. In jedem Fall aber, wo an solchen Plätzen archäologisch gegraben wurde, kamen Körpergräber vor 1200 v. Chr. zu Tage. Beispiele sind das Fürstengrab von Helmsdorf, die Galgenhügel in Cuxhafen und bei Bad Belzig. Was nicht heißen soll, dass es entsprechende Nachnutzungen in jüngerer Zeit gegeben haben kann. In Schalkau weiß man aber, dass auf dem Galgenberg dort nie ein Hinrichtungsplatz gestanden hat.
"Tote Männer" Suhl
Ähnliches lässt sich von der Flurbezeichnung Tote Männer oder Richtstätte sagen. Auch der Name Asch- taucht typischerweise auf oder neben spätbronze- oder früheisenzeitlichen Siedlungsverdachtsplätzen auf und könnte auf ehemalige Herdstellen oder Urnenfeldergräber hinweisen. Welchen alternativen Namen hätten germanische Neuankömmlinge solchen Fundorten ihrer Vorgänger auch geben können, wenn sonst nichts anderes zu sehen war?
Wenn man weiß, das mit der Christianisierung massenhaft Kreuze und Kapellen auf die ehemaligen heidnische Kultplätze gebaut wurden, bekommen Begriffe wie Wallfahrt, Wallburgis oder ähnliche einen logischen Sinn. Umgekehrt ist mir bei meinen Touren durch deutsche Mittelgebirge aufgefallen, dass überdurchschnittliche viele mutmaßliche frühmittelalterliche Befestigungen Namensverbindungen tragen mit Wolf, Bär, Habicht, Adler oder Falken. Selbst mancher eindeutig scheinende Name könnte in der Altwegeforschung wegen der ständigen Wiederholung und wegen seinem Bezug zu Verdachtsplätzen ins Wanken geraten: Eck-ard, Wach-older, Weil-, Fuchs-, Gumpel- oder Vogelerd. Doch da kann man nur spekulieren. Für andere Flur- und Ortsnamen wiederum habe ich bisher noch gar keine Erklärung gefunden. Sie sind aber so zahlreich oder markant, dass ich sie unbedingt hier aufnehmen musste. Vielleicht hat ja jemand eine Idee? 
Hier nun die Übersicht mit weiteren Begriffen, die erst durch Vergleich einen Sinn ergeben. a-e, s-t-Abwandlungen sind mit den bekannten Lautverschiebungen zu erklären.

Name
Beispiele
wiederkehrender archäolog. oder geograf.  Analogie



Arn-, Arz-
-stadt,-höfe, -berg: Brotterode, Beilngries, auch Atzmannstein, -hain
Befestigte Höhensiedlung
Asch-
-heim, -berg: Suhl, München, Grub etc.
Urnenfelder Kultur um Aschaffenburg
Barch-
-feld an Werra und Ilm
Typisch aus Furten entwickelt
Bern-
s. oben
Oppida Bernstorf
Betten-
-hausen, -dorf, -feld, -berg, -Bach, -straße, -achen, Bettelmannstein…
von Beten, nahe alter Kultplätze
B(a)eier
-dorf, -berg, -hausen, -bronn …
wie Wallanlage Rhön
Bens-
-hausen, -berg
?
Bless-Pla(o)ss-Platt-
Bad Salzungen, Schalkau, -burg, -berg, -um, -bach, -stätte, -hardt, -hof, -heide, -dorf…
ev. von bloß (gerodet) oder platt (eben), alte Befestigungen
Bonn-
Rhein, -dorf/Wasungen
Ort neben früheisenz. Wall Venusberg, bzw. Hümberg
Brenn-


Brand-
-er/Alpen, Böhmerwald, Schwarzwald, -tenberg, -terbock, -tenbuck, -enloh
hundertfache Kombinationen
ev. Siedlung am Höhenweg in Verbindung mit Brandrodung oder Brandbestattung
Buch-
-heim, -dorf, berg, -wald, -städt …
Ringwall, bei Neumarkt
Cam-Calm-
-burg, -berg
?
Cappel
Marburg, Oldenburg, Blomberg Fritzlar, Öhringen, Nordseeküste, Moselle, Kent, Surrey, Hunsrück, Albis, Klappfeld
ev. von Kapelle, heidnischer Platz
Carnak
5 x weltweit, u.a. Bretagne mi c,
Urzeitliche Grabanlage Bretagne
Dies(t)- Duis-

Deit-
In Belgien, -ßen, -kau, -berg, -burg, enburg, -itz, -furt, -dorf, Düshorn
dutzende Deitwege
Ort an bedeutenden Urwegen, mit der gleichen Wurzel wie „deutsch“, von „gemein“ oder „Volk“ abgeleitet
Dö(o)ll- Dill-
-ern, -berg, -mar, -nstein
Befestigte Höhensiedlung
Düns-
2x -berg
ev. Wälle
Eller-
-nbogen, Lange-, Berg-, -au…
von Urweg zu Längenmaß
Elgers-
-t, -burg, -hausen,
an bedeutenden Urwegen
Falken-
stein: Harz, Erzgebirge
ma. Burgen
Galgen-
-berg, -hügel, -platz, -weg, -heid,
Körpergäber vor 1200 v. Chr.
Greif-
-enstein, -swald, -ensee, -enberg
frühma. Befestigung
Grub-
-en, -acker, -au
Tiefer Einschnitt am Urweg
Hahn-
-stätten, -berg, -bach, …
von Höhe
Hand
s. oben
Fünffach-Wegekreuzung
Hunds-
-dorf, -berg, -born, -rücken
von Höhe
Harr-
Werra, Saale, München, Nürnberg, Chimsee, auch Haar an der Elbe usw.
An schmalen Furten, ev. von Haar, Herr oder Herold
Haiden- Heide-
-grab, -au, -straße, -elberg, -hof, -rod, -heim, -kamp, -berg, -burg-
ev. für überbeanspruchter Boden oder nichtgläubige Alteingesessene
Ham- ev. Hann-
Hahn-
12x Wetseuropa, -burg, -büchen, -bach, -born, -inkeln, -dorf,
hunderte -berge
Hoher Ort nahe großer Furt, 

hoher Bergrücken
Herms-
9 x deutschlandweit, 4 x -dorf
immer an alten Fernwegen, ev. vom Götterboten Hermes
Heun-Haun-
9 x weltweit,
befestigte Höhensiedlung
Kalte-
-kalde
Hunderte, siehe oben
Calden bei Kassel, Schmalkalden
Erfrischendes Gewässer, nasskalte Bachquerung oder
Abzweig an Altstraßen
Katz-
Hunderte, siehe oben
Immer in Verbindung mit tiefen Kerben und Einschnitten, z.B. Quellen und Bächen
Kohl-
Kinds-
-berg
-berg
von Kahl, gerodet?
?
Kulm-
Schönbrunn, -berg bei Schlegel, Kemnath, Saalburg, Saalfeld, Schlöben, Schladming, Graz,  Taupitz, -bach
befestigte Höhensiedlung
Lauen-stein
Geising, Salzhemmendorf, Ludwigstadt
mittelalterliche Burg
Leuke-
-feld, -tal, weitere Städte, Inseln
ev. von Lauter-, (-rein)?
Münch-
-en, -ow, -a, -berg, -aurach, -enbernsdorf, -holshausen, -ingen
ma. Adelsgeschlecht
Mehl(i)s-
Fulda, Zella-, -meisel, -theuer
Hinführung zu bedeut. Höhenw.
Metz-
In Frankreich, -els, -los, -ingen
?
Naum-
-burg 2x,
?
Ochsen- Öchsen-
Dutzende mal, besonders -berg, siehe oben
Ochsenweide
Platte-
hardt, bühl, burg, berg, acker, see, eck, egg
Ev. von bloß- frei, platt-eben, wie Bless
Plöß-
berg Fuchsmühl, Immenreuth, Selb
Siehe Bless!
Questen
-berg, Meißen, Münden, Rieth, Schmalkalden, Wallhausen
Von Anfrage, Begehr, Oberstadt mit Hügelgräbern ringsum
Renn-
Siehe oben!
Urzeitlicher Höhenweg
Richt-
Siehe oben!
Gräberfeld
Rim-
Berg 2x, bach
?
Rot-, Rod-, Reuth-
Hundertfache Verbindungen, viele urzeitlich, siehe oben!
Vor Frühmittelalter: Wüstenrodig, Anrode, Burgstall Honenrod, Blankenrode
Sand-
Sandberg Windischleuba, Trusetal, Reichenbach, Grub, Bopfingen, -spitze Appendorf, -hügel Fitzendorf, -kopf Hunsrück , -leite Trostadt,
Nur scheinbar klar, zu viele Siedlungsverdachtsplätze
Schwein
furt, dorf, au, berg
Weide und Viehtrieb nachweisbar
Schmück
Mit e, Rennsteig, Thüringer Pforte
Urhöhenwege
Schul-
Hohe Schule: Mellrichstadt, Ingolstadt, Steinfurt, Alte-: Weisbach, -straße: Rhumspringe, Veßra, -berg: Hattingen, Scharzfeld, -hügel: Hirschbach
Keinen Lehranstalt, mehrheitlich außerhalb von Ortschaften z. B. Keltensiedlung Eußenhausen, Schulenburg
-seß
Aufseß, Windseß
?
Siegritz
Erbendorf, Reurith
?
Simmern-Simmers-

- hausen: Römhild, Hilders, -berg: Altdorf, Masserberg, Hunrück, -hofen, -ats, -kopf: Hunrück, -haak: Wiedersbach
Siedlungsverdachtsplätze mit Wällen und künstlich versteilten Abhängen, in Luxemburg mit vielen fzl. Gräbern
Singen-
Hohentwiel, Singener Berg
ev. von tausendfachen -ingen
Spans-
-hügel: Leitenhausen, -berg: Gröditz, Nauwalde, Rudolstadt,-wege: Schledorf, Dünwalde
Hoher Ort, ev. von Spähen
Spiel-
-äcker: Forchheim, -berg: Brachttal, Karsbad, -bach: Schrozberg, -dorf, -feld, -hagen, -joch, -leite, -see, -tränke
Spaßbeschäftigung vom Alter her unwahrscheinlich
Staffel-
-berg: Bad Staffelstein, Falkenstein, -see, -hof, -weg, - höhe, alm , -au, -bach, -felde, -egg, -böll
Ev. von Terrassen
Steins-burg
Gleichberge, Suhl, Mannheim,
befestigte Höhensiedlung
Stollberg
Aachen, Erzgeb
Befestigung
-stuhl
Sonenstuhl Randesacker, Rockenstuhl Motzlar, Königstuhl Hohenfelden, Dreikaiserstuhl Ibbenbühren, Kriemhildenstuhl Dürkheim, Mönchsstuhl Garsitz, Kaiserstuhl Ihringen, Rudolstadt
immer frühz. und frühmittelalterliche Funde, auch wenn neuzeitlich überbaut
Veits
-berg
Fma. Wall
Weim-
Weimar, Niederweimar Marburg, Ahnatal, -schmieden, 4x -straßen  ohne Nähe oder Bezug zu Weimar
Burgstall Weimersheim,
Wein-
meist mit Bezug zu Höhenwegen und Siedlungsverdachtsplätzen, z.B. Alte Weinstraße Thüringer Wald, Bad Sulza, Eisenberg 
Dutzende Orte ohne Bezug zum Rebensaft, aber immer mit Terrassen
Winds-berg
Barchfeld, Hunderdorf, Bastheim, Teuschnitz, Schweina, Kaltennordheim, Breitungen…
Hier nicht von Wenden und sicher auch nicht Luftströmung, sondern Höhensiedlungs-Verdachtsplatz
Wetz-
-lar, -hausen, -stein, -dorf
Ev. Bezug zu geschliff. Steinen, Menhir von Buttelstedt
Widder-
-statt, -berg, -dorf, -hausen, -heim, -rod, -stall, 
Ev. Urzeitliche Siedlung wie Widderstatt
Werth-
 Rhein, Erding, Donau, Main, Isar, Donau-Wörth, -ersee, und weitere Dutzend
Ev. von Werder, trockener Teil einer Flussaue
Witt-
An Ruhr, 2x -berg(e) an Elbe, 6x USA, -dorf -dörp, hagen, -heim…
An bedeutender Furt, nicht von gestorbener Ehepartner
Ziegen-
-berge, -rück, -dorf, -hain, -hagen, -hof
Weide neben urzeitlichen Siedlungsverdachtsplatz

Visualisierung von Ortsnamen
Worte werden zu lebendiger Geschichte! Die Theoretische Archäologie erlaubt es sogar, bestimmte Flurstücke mit deutlichen Geländedeformationen als Höhensiedlungen zeitlich grob zuzuordnen (Siehe Post „Zeitliche Horizonte Altgermanischer Flurnamen“). Natürlich werden ordentliche Onomastiker einwenden, dass sich die Bezeichnungen im Laufe der Jahrhunderte wesentlich verändert haben. Dann aber hätten sich die Namensgleichen ebenso entwickelt. Eine zufällige Ähnlichkeit schließe ich bei dieser Masse aus. Wichtig: Es geht hier nicht um Vollständigkeit, sondern darum, interessierten Heimatforschern den Blick zu schärfen. Es lohnt sich nämlich, den Schreibtisch zu verlassen und selber die Landschaft zu „durchforsten“. Vielleicht trifft man sich ja mal…